Südafrika – der kleine Apfel

Südafrika – der kleine Apfel

Südafrika, ein weites Land mit warmherzigen Menschen.

Der große Kessel mit Wasser kochte und Naima nahm aus einer Schüssel eine Handvoll Rooibos-Blätter zusammen mit Ingwer, etwas Chilli, und streute dies ins kochende Wasser. Sie wohnte zusammen mit ihrer Familie in Südafrika, einem Land der Gegensätze, mit Naturschönheiten und einer bunten Vielfalt.

Langsam stieg der angenehme Duft der Zutaten in ihre Nase, ihr Blick schweifte weit in das Tal von Stellenbosch. Ihr Onkel und seine Frau teilten sich ein Häuschen. Naima’s Eltern und die kleine Schwester Shakina wohnten in einem kleinen Häuschen gegenüber. Shakina schlief noch, Naima stellte die Teebecher bereit.

Naima machte sich zwischenzeitlich an die Vorbereitungen für das Mittagessen. Sie begann Kartoffeln, Kürbis und Rüben zu schälen, zerschnitt diese in kleine Teile und zusammen mit Bohnen, Erbsen, Zwiebeln ließ sie diese in einen zweiten großen Topf hinein fallen. Schüttete Wasser hinzu bis das Gemüse zu schwimmen begann, setzte den Topf auf den kalten Herd. Erst gegen Mittag wollte sie das Gemüse garen.

Shakina schlüpfte neben sie und meinte: „Gestern in der Schule wurde über ein Heiliges Land gesprochen, kennst Du es?“

„Wir haben darüber früher in der Schule einiges gelernt, es liegt etwa gut 7.550 Kilometer von uns entfernt,  und dort wurde vor vielen Jahren ein kleines Baby geboren, die Mama hieß Maria und der Papa Josef. Es war ein besonderes Kind“.

„Warum war es ein besonderes Kind?“ wollte Shakina weiter wissen.

„Sein Name war Jesus, ein Mensch, der später sehr vielen Kranken geholfen und sie heilen konnte. Er gab Hungernden etwas zu essen und verkündete die „Frohe Botschaft“. Doch nun machen wir uns mal langsam auf den Weg, damit Du rechtzeitig in die Schule kommst, ich habe auch auf dem Weg noch einiges zu erledigen.“

Naima und Shakina tranken ihre Teebecher leer, räumten auf, Shakina zog ihre Schuluniform an und sie gingen los. Die nächste Bushaltestelle war ein halbstündiger Fußmarsch entfernt, sie unterhielten sich über das Land Israel. Shakina war eine sehr gute Schülerin und da das Land derzeit in Geografie vorkam, war sie natürlich sehr neugierig noch mehr zu erfahren.

Naima erklärte ihr, dass es im Norden von Afrika lag, im Südwesten an Ägypten und im Osten an Jordanien grenzt. Im Norden lag der Libanon und ein kleines Stück darunter die Golan-Höhen. So bildete es quasi ein „Zwischenstück“ der Kontinente Afrika und Asien.

Shakina unterbrach Naima, „ja, aber viel baden gehen kann man auch, sagte unser Lehrer. Herrliche Fische im Meer beobachten, wenn man mit einem Boot hinaus auf das Rote Meer fährt und dort taucht.“

„Ja, zahlreiche bunte und unterschiedlich große Fische kannst Du sehen, Korallen, Meeresmuscheln, Seeigel. Und dort in das Rote Meer mündet auch ein großer Fluss, der Jordan. Er ist etwa gute 300 Kilometer lang, entspringt aus dem See Genezareth.

Unser größter Fluss hier in Südafrika ist ja der Oranje und mündet in den Atlantischen Ozean. Die meisten Flüsse bei uns entspringen in den Drakensbergen. Du kannst nun sechsmal die Länge des Jordans aneinanderreichen, um Dir vorzustellen, wie lang der Oranje ist. Weißt Du nun wie viele Kilometer der längste Fluß Südafrikas hat?“ Naima schmunzelte und blickte mit einem herzlich lächelnden Gesichtsausdruck zu Shakina.

Ein paar Sekunden vergingen, „das sind etwa 1800 Kilometer! Sehr lang! Wie hieß er nochmal?“

„Der Name ist Oranje, etwa 1800 Kilometer lang, toll, Shakina, Du bist eine sehr gute Schülerin!“

Shakina freute sich so sehr, dass sie die Aufgabe ihrer großen Schwester richtig beantwortete, und machte einen Luftsprung.

Langsam kamen sie der Bushaltestelle näher und Shakina hielt bereits Ausschau nach ihrer Lieblingsfreundin. Nach kurzer Zeit entdeckte sie Malia, sie lief das letzte Stück zu ihr hin und lächelte als sie sich begegneten. Naima freute sich, dass ihre kleine Schwester eine fröhliche und liebenswerte Freundin hatte, sie trafen sich öfters zum Spielen und Lernen.

Nun näherte sich schon der Schulbus und holte die Kinder ab. Shakina blickte sich noch einmal mit strahlendem Lächeln zu Naima um, winkte ihr und rief: „Tot siens!“ Naima lief geschwind zu ihrer kleinen Schwester und Malia, reichte den beiden einen kleinen saftigen Apfel, meinte aufmunternd, für eure Pause. Sie beugte sich zu Shakina küsste sie auf der Stirn. Umarmte Malia und wünschte beiden ein „Auf Wiedersehen“.

Naima ging ihren Weg nach Stellenbosch weiter, noch ganz in Gedanken versunken vom vergangenen Gespräch über Israel und die Heilige Familie. Bemerkenswert fand sie es schon seit der ersten Erzählung von ihrer Mutter, in welch einfacher Notunterkunft das Kind zur Welt gebracht wurde, es benötigte wenig, das wichtigste war wohl: Vertrauen. Ein Vertrauen in die anderen Menschen, in Nachbarschaftshilfe und in eine höhere Macht.

Die beiden Äpfel waren Geschenke von Nachbarn, sie selbst hatte nicht so viel Geld, um ausreichend gesundes Gemüse und Obst zu kaufen. Sie gab es gerne an ihre kleine Schwester, damit diese sich wertvoll ernähren kann. Tut ihr sicher gut beim Lernen.

Naima nahm sich vor, anderen Menschen mehr Vertrauen zu schenken, Hilfe annehmen, wenn sie keine Lösung fand. So spürte sie ein zufriedenes und tiefes Glücksgefühl für den gerade aufkommenden Gedanken, blickte zum Himmel und flüsterte ein leises: „Dankeschön“.

Der kleine Apfel, Geschichte, Südafrika

(Text und Foto Copyright Kerstin Paar)

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens.

Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand.

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