Flugangst – Überwinden und mit Freude fliegen

Flugangst – Überwinden und mit Freude fliegen

Zum Thema Flugangst wurde Frau Elke Freitag-Lange von mir interviewt.

Sehr geehrte Frau Freitag-Lange,

ich freue mich sehr, mit folgenden Fragen zum Thema Flugangst und Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln mich an Sie wenden zu können.

Während Ihrer Ausbildung zur Dipl.-Psychologin, Sprecherzieherin bei der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung, DGSS e. V. (Univ.) mit den Zusatzqualifikationen des NLP-Practitioner, zertifizierten Karriere Coach und EDxTM™-Practitioner, konnten Sie ein spezielles Training auch für Menschen mit Flugangst entwickeln.

Dieses geben Sie in Ihren Seminaren gerne an Personen weiter, die Ängste, Phobien in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Flugzeugen haben, sei es als Fahrer oder Beifahrer, an den Wohnorten Regensburg und Vellberg (Schwäbisch Hall).

1. Betroffene berichten, dass nach einer Schwangerschaft plötzliche Flugangst eintrat, wieder andere meinten, nach Einnahme von Medikamenten entstand im Kopf Schwindel, der verstärke die Angst als Beifahrer in einem Auto. Welche Ursachen können in diesen Fällen eine Flugangst verstärken oder hervorrufen? Liegen dazu bereits Studien oder wissenschaftliche Berichte vor?

Zuerst eine kurze Definition von Flugangst.

Flugangst (Aviophobie) ist eine so genannte spezifische Phobie des situativen Typs. Das bedeutet, sie ist auf eine spezielle Situation, nämlich das Fliegen, beschränkt.

Nun zu den Auslösern von Flugangst, die sich auch auf das „Mitfahren“ in anderen Verkehrsmitteln übertragen lassen:

Flugangst ist unabhängig vom Alter, Geschlecht und wie viele Flüge man schon hinter sich hat. Flugangst kann also jeden und jederzeit treffen mit einer individuell unterschiedlichen Intensität. Es wurde bei der Flugangst ein enger Zusammenhang mit sozialen Phobien festgestellt. Betroffene fürchten vor anderen die Kontrolle zu verlieren, beispielsweise durch Erbrechen.

Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche für die Ursachen von Flugangst:

  • Unkenntnis:

die betroffenen Personen sind überzeugt, dass das Flugzeug abstürzt und sie umkommen, wenn sie fliegen. Sie sehen ein Flugzeug und können sich nicht vorstellen, dass es bei seinem Gewicht und seiner Bauweise vom Boden abheben und von der Luft getragen werden kann. Jede Flugerfahrung versetzt sie in Angst und Schrecken, dies verfestigt die Flugangst.

  • Frühere Erfahrungen mit Verspätungen, Turbulenzen, Übelkeit, aber auch traumatische Erfahrungen können Ängste hervorrufen und der Flugangst zugrunde liegen.
  • Ein Gefühl der eigenen Ohnmacht:

Flugreisen verlangen Vertrauen in die Erfahrung anderer. Das beginnt beim Check-in, hier geben wir unser Gepäck aus den Händen, bekommen unsere Sitzplätze zugeordnet. Weiter geht es im Flugzeug. Man sagt uns, wann wir unseren Sitz verlassen dürfen und wann nicht. Dann müssen wir in die Fähigkeiten der Piloten und der Kabinen-Crew vertrauen. Dieses Gefühl, in einer Situation selbst nur wenig kontrollieren zu können, kann Empfindungen der Angst verstärken. Menschen mit einer Neigung zu Panikattacken befürchten außerdem, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren, zum Beispiel durch Kreislaufversagen.

  • Klaustrophobie:

die Angst, in einem engen, geschlossenen Raum gefangen zu sein, scheinen Flugzeugkabinen bei einigen Menschen auszulösen. Sie wird noch verstärkt durch das Gefühl, nicht entkommen zu können.

  • Höhenangst kann sich ebenso in Flugangst ausdrücken:

die Vorstellung von vielen 1000 m zwischen Flugzeug und dem Boden versetzt die Menschen in Angst und Schrecken.

  • Lebensphasen des Umbruchs und großer Belastung:

oft tritt Flugangst erstmalig in dieser Lebensphase auf, wie Umzug, Krankheit, Eheschließungen, Familiengründung, Berufswechsel.

  • Erbliche Vorbelastung:

es besteht ein erhöhtes Risiko, unter Ängsten, Befürchtungen oder Panikattacken zu leiden, wenn auch andere Familienmitglieder dazu neigen. Das kann einen genetischen Grund haben oder auch ein erlerntes Verhalten sein. Hier wird ein Mensch durch sein soziales Umfeld auf ein bestimmtes Verhalten oder eine Stressreaktion geprägt.

  • Eindrücke aus der Kindheit vermögen ebenfalls Flugangst hervorzurufen. Wenn Eltern ein übermäßig protektives oder kontrollierendes Verhalten an den Tag legen oder zu hohe Anforderungen stellen, können Selbstzweifel und Ängste entstehen, aus denen sich später eventuell auch Flugangst entwickelt.

Diese Aufzählung ist keinesfalls vollständig und Flugangst kann aus einer Kombination von mehreren dieser Gründe bestehen.

Ein Symptom der Angst ist die Vermeidung und Verdrängung. Betroffene versuchen das Problem durch die Einnahme von Medikamenten oder Alkohol ertragbar zu machen. Medikamente und Alkohol wirken an Bord anders als am Boden. Die Luft an Bord ist wesentlich trockener und der Luftdruck ist niedriger. Dazu kommt noch die individuelle physische und psychische Verfassung. Somit können Medikamente und Alkohol durchaus Angst verstärkende Wirkung haben. Prinzipiell ist es also besser, die Flugangst durch praxiserprobte Methoden zu lösen.

Studien, die Medikamente als Auslöser von Angst in Verkehrsmitteln untersucht haben, sind mir im Moment nicht bekannt.

2. Häufig wird fehlendes Vertrauen in die Menschen und die moderne Technik als Auslöser erwähnt. Welche Ursache ist verantwortlich bei denjenigen, die hohe Geschwindigkeit nicht ertragen?

Die Betroffenen haben oft Schwierigkeiten die Kontrolle abzugeben. Im Fall des Fliegens an den Piloten. Eine andere Ursache können schlimme Flugerfahrungen sein. Eventuell spielt auch mangelndes Wissen über alles, was mit dem Fliegen zusammenhängt eine Rolle. Beispielsweise Funktionalität des Flugzeugs, Pilotenausbildung, Flugzeugwartung und anderes.

3. Welche Lösungsansätze sind möglich, diese Ängste anzugehen? Ist es am wirkungsvollsten, sich der Angst zu stellen, oder setzt sich der Klient dadurch zu stark unter Druck, falls bei einem Seminarflug plötzlich heftigste Turbulenzen eintreten?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die sich in der Praxis bewährt haben. Bei allen Methoden ist ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Phobiker und Therapeut wichtig, und dass sich der Situation schrittweise im Tempo des Betroffenen genähert wird. Welche Methoden für die Betroffenen am besten passen ist individuell unterschiedlich.

  • Konfrontationsmethode (In-vivo-Exposition)

der Betroffene wird real mit der angstauslösenden Situation konfrontiert und überwindet sie dadurch allmählich.

  • Virtual-Reality-Exposition

ähnlich der Konfrontationsmethode, aber keine reale Aussetzung der Situation. Es wird mittels Flugsimulator ein kompletter Flug simuliert.

  • Systematische Desensibilisierung

der Betroffene lernt zunächst eine Entspannungsmethode, z. B. Progressive Muskelrelaxation (PMR). Danach wird er mit angstauslösenden Vorstellungsbildern mit steigender Angstpotenz konfrontiert. Sobald Angstgefühle auftreten, wird wieder zur Entspannung übergeleitet. Dies wird so lange wiederholt, bis der Betroffene die vorgestellte Situation als „bewältigbar“ beziehungsweise als unbedrohlich bewertet.

  • Flugangstseminare

kombinieren in der Regel eine solide Informationsvermittlung, Erlernen von Entspannungsmethoden und vertraut machen des Betroffenen (konfrontieren) mit einem Flugzeug. Eventuell schließt sich dann auch noch ein Seminarflug an.

  • EDxTM™ nach Fred P. Gallo

„Klopfen“ gegen Flugangst. EDxTM™ basiert auf der Annahme, dass es ein körperliches Energiesystem gibt, das auf Krankheit bzw. Gesundheit einwirkt. Der Energiecheck (manueller Muskeltest) wird zur Diagnose der energetischen Aspekte eines psychologischen Problems genutzt. Daraus werden präzise verbale und Selbstberührungs (Akupressur) -Interventionen abgeleitet, die individuell auf die Problemsituation des Klienten zugeschnitten sind. Ziel ist, die emotionalen und kognitiven Belastungen zu lindern beziehungsweise aufzulösen.

4. Es werden u. a. Reisekaugummis, homöopathische Tropfen oder weitere Medikamente zur Einnahme empfohlen. Führt die Einnahme nicht unweigerlich zu einer Abhängigkeit? Falls die Medikamente vor einem Flug oder einer Autofahrt nicht zur Hand sind, verstärkt sich die Angst? In etwa um wie viel?

Gegen ausgewählte homöopathische Mittel (Bachblüten, Baldrian) ist prinzipiell nichts einzuwenden. Ob verschreibungspflichtige Medikamente, wie Antidepressiva oder Beruhigungsmittel angebracht sind, muss der behandelnde Arzt entscheiden. Diese Medikamente können jedoch tatsächlich abhängig machen. Oft genügt schon, das Bedarfsmedikament in der Tasche zu haben für den „Fall der Fälle“. Ist es einmal nicht da, kann es jedoch zu einer Verstärkung der Angst kommen. Um wie viel kann ich nicht beantworten. Prinzipiell ist es besser, die Flugangst durch praxiserprobte Methoden zu lösen.

5. Welche Seminare bieten Sie zum Thema Flugangst/“Beifahrersyndrom“? Auch für Kleinkinder?

Ich behandle Flugangst in Einzel-Coachings, da die Ausprägung und somit die Behandlung so individuell ist, wie der Betroffene selbst. Die Behandlungsmethoden bewähren sich auch zum Beispiel bei der Bewältigung von “Sprechangst“.

In Vorträgen gebe ich Informationen über die Entstehung, Therapiemöglichkeiten, den Umgang, Anlaufstellen und Selbsthilfebücher.

Mein Angebot richtet sich an Jugendliche und Erwachsene.

6. Welche Techniken können bei Ihnen erlernt werden?

Bei mir lernen die Betroffenen Atemtechniken und Entspannungstechniken als Basis. Über EDxTM™ finde ich mit den Betroffenen die Akkupressur-Punkte, die durch Klopfen die Energieblockaden in der Problemsituation lindern bzw. auflösen. Am Anfang steht eine Stressanalyse, das heißt die Betroffenen finden heraus, wie ausgeprägt die Angst ist und welche Phasen des Fliegens besonders belastend sind.

7. Wie hoch schätzen Sie die Erfolgsquote Ihrer Seminarteilnehmer?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ich kann nur sagen, dass meine und auch die Erfahrung von Kollegen ist, dass sich die Betroffenen nicht mit ihrer Flugangst abfinden müssen, sondern zumindest eine Linderung erreichen können. Auch hilft es den Betroffenen herauszufinden, welche Phasen des Fluges besonders belastend sind, so dass diese individuell bearbeitet werden können. Bei mir lernen die Betroffenen Techniken, die sie nach vorheriger Einübung, in den Problemsituationen selbstständig anwenden können. Ziel ist natürlich, die Flugangst vollständig zu beseitigen.

8. Und als letzte Frage, Frau Freitag-Lange, welche weiteren Seminare oder Vorträge können bei Ihnen gebucht werden? Aktuell stehen welche Termine im Raum Regensburg/Kelheim oder Schwäbisch-Hall Interessierten zur Verfügung?

Weitere Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Themen Stimme, Erfolgreiche Kommunikation und Selbstpräsentation. Die aktuellen Termine finden sich auf meiner Webseite . Hier können Interessierte auch meinen kostenlosen Newsletter abonnieren und werden über aktuelle Termine meiner öffentlichen Seminare und Vorträge auf dem Laufenden gehalten.

Herzlichen Dank, Frau Freitag-Lange, daß Sie kompetent und ausführlich die Fragen beantworteten.

 

Flug, Angstfrei, Fliegen, Flugzeug

(Copyright Kerstin Paar)


Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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