Ein Silvestermärchen

Ein Silvestermärchen

Es war am Silvesterabend gegen 23 Uhr. Maria zog sich ihre warme Winterjacke, Mütze und Handschuhe an, steckte den kleinen Fotoapparat in die Jackentasche und machte sich auf den Weg in den Wald. Dort wollte sie von einer kleinen Lichtung aus mit freiem Blick auf die Kleinstadt das Feuerwerk beobachten und fotografieren.

Während die 38-Jährige flotten Schrittes die Anliegerstraßen der Kleinstadt entlangging, hörte sie schon in kürzeren Abständen Feuerwerksraketen in den Himmel fliegen. Doch die aufziehenden Nebelbänke versperrten die Sicht auf die roten, grünen oder violetten Lichtkörper. Sie wurde immer schneller und rannte fast schon den Berg hinauf, um ja nichts zu versäumen. Sie hatte sich genau eine Stelle überlegt, von der sie über die Stadt blicken wollte.

Es stellte sich jedoch heraus, als sie ankam, dass die Zeit noch viel zu früh war. Das Wetter spielte nicht mit. Der Mond versteckte sich hinter Wolken. Die Sterne verschwanden. Alles wehrte sich dagegen, dass Maria eine uneingeschränkte Sicht auf ein großes Feuerwerk hatte. Enttäuscht wartete sie noch ein paar Minuten, bevor sie sich endgültig entschloss, nach Hause zu gehen. Das war auch der beste Entschluss.

Die junge Frau konnte sehr gut spüren und erahnen, wenn Unstimmigkeiten im Raum oder zwischen Menschen herrschten. Geräusche, Klänge und Töne nahm sie stärker wahr, ja sie spürte sie sogar körperlich.

Als sie in jener Silvesternacht von ihrer Nachtwanderung noch vor dem großen Feuerwerk zu Hause ankam, war sie mehr als erleichtert. Denn schon fünf Minuten vor Mitternacht schossen mit lautem Knall, Krach und Getöse Raketen in der Nachbarschaft zum Himmel. Es wurde über eine halbe Stunde in die Luft geballert, was Maria sich nur halbwegs vorstellen konnte.

Sie zuckte fast bei jedem sehr heftigen Knall zusammen und versuchte sich mit leiser Musik abzulenken. Nach zwanzig Minuten kochte sie sich heißes Wasser, um Kaffeepulver damit zu übergießen. Schon der Kaffeeduft beruhigte sie vom ersten Schreck. Mit zitternden Händen goss sie einen kleinen Schluck Milch dazu, griff mit beiden Händen nach dem Becher und führte ihn zu ihren Lippen. Mit geschlossenen Augen, konzentriert auf diesen Moment, trank sie den ersten Schluck. Langsam atmete sie aus und atmete wieder ein. Die Wärme zog durch den ganzen Körper und entspannte sie.

Wie fühlen sich jetzt wohl Kühe, Katzen, Hunde oder andere Tiere, bei jedem Knall?

Ältere Menschen müssten sich doch bei diesen Schlägen an frühere Kriegszeiten zurückerinnern?

Nehmen Menschen mit Autismus dies auch wahr, wie reagieren sie?

Fragen schossen ihr durch den Kopf, natürlich dachte sie auch an die, die nach Wasser dürsten und nach etwas Essbarem hungern. Wie feiern diese die Silvesternacht? In dieser Nacht sollten doch alle fröhlich sein?

Am nächsten Morgen besuchte Maria ihre beste Freundin Elisabeth. Es lag ihr sehr am Herzen, ihr von der vergangenen Silvesternacht zu erzählen. Beendete ihre Geschichte eben auch mit dem Gedanken, es mag ein schönes Ritual sein, das rund um die Welt geht, doch muss es so laut sein, müssen so viele Gelder in den Himmel geschossen werden? Es könnte doch so einfach sein.

Elisabeth fragte nach: „Was meinst Du mit, so einfach?“

Maria antwortete: „Später in der Nacht las ich noch in anderen Sozialen Netzwerken von Menschen, die alleine Silvester verbrachten. Besonders ein Kommentar blieb mir in Erinnerung, eine schrieb, ‚hier in Berlin gehe ich nicht auf die Straße, da ist Krieg’.

Aber es sollen sich doch alle freuen und glücklich sein! Geht das nicht auch so?“

Maria schaute Elisabeth lange in die Augen, machte eine kleine Bewegung auf sie zu und nahm sie in die Arme. Elisabeth war ganz gerührt und Tränen der Freude flossen über ihre Wangen.

„So wäre es für mich ein ruhiger, gelungener und wunderschöner Neujahrsbeginn“.

Silvester, Neujahr

auf dem Weg in den Wald begegnete Maria einem kleinen Reh aus Gold

©Kerstin Paar
Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens.

Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand.

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