Kinder, Kinder, was gibt es morgen? – Social Life

Kinder, Kinder, was gibt es morgen? – Social Life

Neulich auf dem Weg zum Markt ging ich in Gedanken meine Einkaufsliste durch: ein Kopf Rotkohl, gelbe Karotten und ein paar Kartoffeln wollte ich bei der Marktfrau kaufen.

Am Verkaufsstand bildete sich bereits eine lange Warteschlange. Ich hatte keinen dringend anstehenden Termin, so genoss ich es mich hinten anzustellen und während der Wartezeit die Menschen vor mir, die Marktfrau und deren Helfer zu beobachten. Ein freundlich fragender Marktbesucher wollte sich eben hinten anstellen, fragte dann allerdings freundlich an, ob ich ihn nicht vorlassen konnte. Er hätte wenig Zeit. Selbstverständlich, wer mich so nett fragt, da sag’ ich nicht Nein.

Plötzlich schoss ums Eck ein kleiner Rotschopf mit strahlendem Gesicht. Der kleine Junge hüpfte zwischen den älteren Herrschaften, die gerade von der Standbesitzerin bedient wurden. Gleich danach folgte eine schwarzhaarige junge Frau, mit sichtlich gestresstem Gesichtsausdruck. Der Halbtagsjob war wohl zu Ende, nachdem sie ihren Kleinen aus dem Kindergarten abholte.

„Tom“, rief sie zu ihrem Jungen, „komm’ hierher, das kannst Du nicht tun!“.

Den kleinen Mann interessierte es überhaupt nicht und er rannte weiter nach hinten zu den Lagerkisten. Die Käufer blickten schon empört und die Mutter hatte Not ihm zu folgen. Peinlich berührt und verlegen zog eine leichte Gesichtsröte auf.

Am liebsten hätte ich alles stehen und liegen gelassen und wäre schnell zu dem Jungen gelaufen, denn er rannte in Richtung der Hauptverkehrsstraße. Gerade jetzt zur Mittagszeit fuhren vermehrt Autos, jeder wollte schnell einen Mittagssnack kaufen und kurze Besorgungen erledigen. Zeit war knapp.

Tom rannte hinter einem weißen Yorkshire-Terrier hinterher zur Ampel. Der Hundehalter betrat noch vor dem Umschalten der Ampel auf Rot die Straße, er bemerkte das Kind nicht und rannte zur gegenüberliegenden Straßenseite. Autos fuhren an. Ein großer Lkw kam nur zögerlich in Fahrt. Und das war Toms Glück.

Dem schwanzwedelnden Hund noch immer hinterher rennend befand er sich erst am Straßenrand, als eine Hand ihn plötzlich ergriff und zurückzog. Gott sei Dank, es war die Mutter. Sichtlich erleichtert rief sie irgendetwas ihm zu, ein Klopfer auf den Hintern und strammen Schrittes ging sie mit dem Sohnemann zurück. Ich hörte nicht was sie sagte, doch Tom begann zu weinen. Seine Mutter redete weiter auf ihn ein.

Ich fühlte mit dem Kind mit und spürte, wie es traurig war. Vielleicht auch wütend, weil es nicht dem Hund hinterher konnte, dabei aber nicht die Gefahr der heranrollenden Fahrzeuge erkannte.

Was auch immer zuvor geschah, warum die junge Frau so nervös schon am Marktstand war, wie viel Zeit sie mit ihrem Sohn täglich in Ruhe verbringen konnte oder welche Existenzsorgen sie plagte. Ich hatte nur einen Impuls, den Jungen überglücklich in den Arm zu nehmen, und froh zu sein, dass ihm nichts passierte. Anstatt ihn anzuschreien.

Jeder hat in solch einer Situation vielleicht eine andere Vorgehensweise und mir ist nicht bekannt, wie die Mutter mit ihrem Sohn über die Gefahr sprach, ob sie später in einem ruhigen Gespräch ihm erklärt, dass es eine sehr ernste Situation war. Man vorsichtig sein muss, sobald man an eine Ampel hinkommt.

Ob die Frau überhaupt das Gespräch sucht? Findet sie Zeit dafür?

Will man die Zeit aufwenden?

Noch ganz in Gedanken versunken rief die Marktfrau mir zu, „Bitteschön, was darf es sein?“

Ich fand nicht gleich meine Einkaufsliste im Kopf, aber wusste, dass es alles Wörter mit einem K als Anfangsbuchstaben waren und es derzeit günstiges Gemüse ist. Ah ja, Kohlkopf, Karotten und Kartoffeln. Ein kleines Lächeln lief über mein Gesicht, auf mein Hirn ist immer Verlass.

Auf dem Nachhauseweg lief mein Kopfkino an und ich schickte der jungen Frau in Gedanken Geduld und Achtsamkeit. Um zu sich selbst erst achtsam zu sein, und dann dem eigenen Kind Geduld zu schenken.

Wie schön ist es, schon kleinen Kindern Achtsamkeit zu zeigen, damit sie spüren, sie werden trotz Fehler geliebt.

Wie viel schöner wird die Zukunft sein, wenn aus den Kindern die Erwachsenen von morgen werden, und sie es in jungen Jahren vorgelebt bekommen haben.

Kinder, Geduld, Achtsamkeit

©Kerstin Paar
Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

There is 1 comment for this article
  1. Doris at 10:25

    Das hast du wunderschön ausgedrückt ! Ich wunsche dir auch diese Aufmerksamkeit für deine schönen Berichte und alles Gute noch einmal für das ganze Jahr 2013

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