Mir ist so langweilig

Mir ist so langweilig

Viele Eltern oder Erwachsene kennen diesen Satz, „mir ist so langweilig“. Hören ihn vielleicht öfter von den eigenen Kindern oder aus ihrer Kindheit. Es mangelt sicher nicht an Spielsachen oder Möglichkeiten, sich mit anderen auszutoben. Langweilig ist so ein dumpfes, oft ungemütlich Gefühl.

Auf das Thema Langeweile bin ich in einem früheren Blogbeitrag bereits eingegangen.

Die darin enthaltenen Kernaussagen waren: überwiegend fand sich das leere Gefühl in der Kindheit. Weniger im Erwachsenenalter. Zum anderen besteht auch eine Gefahr, wer mangels Selbstbewusstsein oder Selbstliebe versucht, ungute Gefühle ‚wegzudrücken’ mittels Drogen, Nahrung oder Sex, kann mit professioneller Unterstützung neue Lösungswege erhalten. Heute sagt kaum mehr ein Mensch, „mir ist langweilig“, sondern sucht nach ‚Ersatzmitteln‘, um dieser Leere sich nicht aussetzen zu müssen, und um dies vor sich zuzugeben.

Ich mag den Begriff Ersatzmittel weniger, es gibt so Vieles und Schönes, sei es an Weiterbildung, Ausbildung oder das Naheliegende und kostenfreie, die Natur, mit der man unvergessliche Erlebnisse und Qualitäten neu kennenlernen kann. Das Leben ist so schön!

Über die Weihnachtstage oder einige Male im Dezember benötige ich stärker den Rückzug, eventuell auch bedingt durch ein Mangel an Tageslicht oder es nagt der November-Blues an mir. Es können auch andere Gründe sein.

Nehme ich aber doch noch einmal die Weihnachtstage aus meiner Kindheit. Da trafen so viele Stimmungen auf mich ein, ein Baum, der Duft des Baumes, das Moos der Krippe im Raum, ein paar wirklich schöne und ausgewählte Geschenke, nicht viel, aber etwas das ich verwenden, nützen und daran länger Freude hatte. Rituale, wie der Gang zur Kirche, den man als Kind eher ablehnt. Zu manchen Weihnachtsmessen spielte ich die Hauptrolle im Krippenspiel. Dies war mit Aufregung und Nervosität verbunden. Genauso wurde ich von so vielen Augenpaaren beobachtet und musste in ein Mikrofon sprechen, hörte die eigene Stimme erstmals mit einer anderen Dimension. Eindrücke, über Eindrücke. Ich brauchte dazu eine Zeit zur Verarbeitung. Konnte es nicht so schnell wegstecken, sondern suchte Rückzug.

Spätestens wenn der erste Schnee fällt, die Tage kürzer werden, und in vielen Geschäften nur noch Weihnachtsmusik zu hören sind, dann wird es Zeit langsamer zu treten. Die Arbeit und die Besorgungen zu erledigen, wenn weniger Menschen in den Kaufhäusern unterwegs sind, oder bereits im Sommer an das eine oder andere Geschenk zu denken. Genau dann finde ich meist das Passende.

So war es auch in der vergangenen Weihnachtszeit. Ich las in englischen Magazinen oder recherchierte im Internet. Die Zeit der Rauhnächte begann und ich machte eine spannende Entdeckung. Dazu eine kleine Vorgeschichte.

Im August, es war genau der 14. August 2008 traf ich auf das Buch „Jenseits der Norm – Hochbegabt und hoch sensibel?“ von Andrea Brackmann. Kurz darauf holte ich es über die Bücherei und las darin einige Kapitel, meist schlage ich ein Buch auf und lese vielleicht erst in der Mitte, dann den Schluss bevor mich die Einleitung interessiert. In dem Buch fand ich das erste Mal den Zugang zu einem interessanten neuen Wissensgebiet für mich. Die Themenbezeichnung ‚Hochbegabung und Hochsensibilität‘ hören sich manchmal ungewohnt an, und doch steckt eine tiefe Wahrheit dahinter. Es ist mir nicht wichtig, mich auch so zu bezeichnen. Damit würde ich mich in eine Schublade stecken oder ein Schild aufsetzen lassen, das es nicht benötigt. Aber vielmehr verstand ich mein Denken, warum früher vieles auch mal ‚anders’ war.

Nach dieser wunderbaren Erkenntnis suchte ich im Internet weiter, und stieß bei den Sozialen Netzwerken auf die Gruppe „Sensibel & Begabt“. Dort schrieben andere Menschen von ihren Erfahrungen, wie sie Situationen meisterten oder im Arbeitsleben zu recht kamen. Da XING etwas an Schwung verlor und ich mehr auf Facebook war, entdeckte ich die Gruppe auch dort. Vor ein paar Tagen wollte ich herausfinden, wann ich dort beitrat. Fleißig las ich die Beiträge und Postings rückwärts und fand meinen Beitritt wieder. Sehr schön, wenn man sich selbst so wiederfindet und das Posting nicht gelöscht wurde.

Es war der 06. November 2011. Nun gut, jetzt wusste ich das Datum und konnte für mich zurück reflektiert feststellen, dass ich gar nicht viel mitgelesen hatte. Anfangs verstand ich auch nicht alles sofort, was es heißt ‚anders’ oder ‚vielbegabt’ oder ‚sensibel’ zu sein. Stand es doch aus früheren Erfahrungen immer unter einem schlechten Stern, einem negativen Ruf. Wenn ich sagte, das ist mir zu laut, war die Antwort: „Sei doch nicht so ein Sensibelchen“.

Niemandem gebe ich die Schuld, denn die Menschen, die dies zu mir sagten, wussten nichts von dem Wissensgebiet oder sie waren selbst im eigenen Korsett gefangen.

Im Jahr 2012 las ich ab und zu in den Gruppen mit und schaute mir themenrelevante Videos an.

Danach folgte bei mir eine Zeit der Rückschau. Eine persönlich auferlegte Abstinenz aus den Sozialen Netzwerken, eine deutliche Reduktionszeit als ich sonst online bin. Die Bücher schaute ich nur an, las nichts konkretes mehr, blickte dafür öfters aus dem Fenster. Da sah ich keine Ablenkung, nur das Nachbargebäude. Es war im Raum still, ganz anders als wenn der Laptop an ist. Erstmal wurde ich müde und spürte Erschöpfung. Von den vielen tausenden Informationen, die über die Timeline oder den Twitter-Stream laufen. Aber die Videos gingen mir nicht mehr aus dem Kopf und ich begann über mein Leben, meine Wünsche und Träume nachzudenken. Ich schrieb sehr vieles für mich persönlich auf, denn das ist eine wunderbare Methode, die Dinge klarer werden zu lassen.

Wer bin ich?

Was machte mich zu dieser Person, die ich jetzt bin?

Es sind sehr elementare Fragen, und wer dem wirklich Raum und Zeit gibt zum Nachspüren, wird sich neu entdecken. Eine Klarheit entsteht. Eine Offenheit für Neues. Es kann auch ein neuer beruflicher Lebensweg entstehen. Der Weg, der dem Herzen folgt.

Diese gedankliche Kreativität wurde möglich, weil vieles an Input ausgeschaltet wurde. Ob nun Langeweile der korrekte Begriff ist, möchte ich bezweifeln. Für mich war es der beste Weg, auch ein Gang in den Wald, dort klären sich sehr viele Dinge. Eine Ordnung in Gedanken entsteht.

Langeweile, Gedankenkarussell, Ordnung

 

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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