Ente und Enterich… von Weisheit geküsst

Ente und Enterich… von Weisheit geküsst

Ein kleines Entlein schwamm fröhlich in einem kleinen Teich mit seinen anderen Geschwistern. Sie waren eine richtige Großfamilie mit zehn gleichaltrigen Brüdern und Schwestern. Andere Enten tummelten sich dazu. Kleinente Erna hatte genug zu essen, Freunde zu spielen, es war nie langweilig, alles war vorhanden, es musste sich um nichts kümmern.

Doch eines Tages kam der Zeitpunkt, da Erna auf Wanderschaft gehen musste. So war das. Hinaus in die fremde Welt. Erna verstand das nicht. Sie wollte nicht. Weigerte sich mit allen Flügeln und schnatterte wild vor sich her, „wer kümmert sich um mich? Ich schaff’ das nicht! Da bekomme ich große Probleme und wer hilft mir da? Es wird keiner da sein!“ Mit dem letzten Ausruf der Empörung verschwand sie im Dickicht am Ufer des Sees.

Dicke Tränchen kullerten an den Entenwangen entlang. Oh, warum kann ich nicht bleiben? Hier ist es so schön, da kann ich sorgenfrei und ohne mich um etwas kümmern zu müssen mit vielen spielen. Das Erwachsenwerden ist grausam. Alle sind gegen mich.

Und so vergingen noch ein paar Stunden.

Am nächsten Tag zeigte Erna mit erhobenem Kopfe, dass sie nun tatsächlich die fröhliche Gemeinschaft verlässt. Sie wird es den anderen schon beweisen, sie ist stark. Da draußen wird es andere geben, denen sie ihr Leid klagen kann und Hilfe bekommen wird.

Erna watschelte weg. Nahm Anlauf und flog gen Himmel. Sie sah es leider nicht mehr, wie die Geschwister ihr noch zum Abschied winkten. Jetzt wollte sie nicht mehr zurückblicken.

Als sie langsam müde wurde vom Fliegen erspähte sie an einem saftig grünen Flussufer eine schöne Stelle zum Landen. Dort verbrachte sie die kommende Nacht, immer auf der Hut vor Füchsen und anderen fremden Tieren, nun war sie alleine und niemand passte mehr auf sie auf.

Am nächste Morgen begegnete sie einem Storch. Den fragte sie, „kannst Du mir etwas zu essen schenken?“ – „Suche Dir doch selbst Dein Futter, es liegt doch alles eh vor Deiner Nase“, antwortete er mit zwinkerndem Auge.

Die Ente Erna verstand die Welt nicht mehr, wie konnte man ihr so frech antworten. Das gibt es doch nicht! Was bildet dieser Storch sich eigentlich nur ein! Frechheit!

Eine Amsel zwitscherte fröhlich an einem naheliegenden Baumast. Sie hatte es gesehen, dass Erna so provozierend behandelt wurde. Bedauerte gleich die Ente und zeigte tiefes Mitgefühl. Letztendlich blieb es dabei, etwas zu essen besorgen konnte die Amsel aber auch nicht.

Langsam mag ich nicht mehr, dachte Erna. Alle sind gegen mich, niemand bringt mir Essbares. So werde ich eben verhungern müssen. Sie watschelte vom Fluß weg und kam auf eine grüne weite Wiese. Da sah sie große Tiere, die sie nicht kannte. Es waren viele. Zählen konnte sie nicht. Aber sie sah, dass alle ein breites Maul hatten und immer kauten. Hier wird sie doch auch etwas finden können, dachte sie vor sich hin.

„Hallo Du! Niemand bringt mir etwas zu fressen, hast Du was für mich?“ Das schwarz-weiß gefleckte große Tier hob den Kopf und blickte zu der Ente.

„Wie kann ich Dir helfen?“ fragte mit sanfter Stimme die noch Unbekannte. Erna hörte mit ihrem siebten Entenhirn Fürsorge und Hilfsbereitschaft aus der Frage heraus. Sie schöpfte Mut.

„Jeder sagt, ich muß mir selbst etwas zu fressen suchen, kannst Du mir helfen es zu finden? Ich habe Hunger!“ antwortete Ente Erna.

„Du musst es Dir wert sein.“ War kurz und knapp die Antwort des großen Wesens. Erna war verwirrt. Sie verstand die Welt nicht mehr, was meinte die Große nun damit. Niemand versteht meine Hilferufe. Niemand hilft mir. Wieso meinte sie, ‚ich soll es mir wert sein’. Sicher bin ich es mir wert, es wird doch einfach so möglich sein. Oder?

Zweifel überkamen Erna und sie wusste nicht mehr weiter.

Jahre vergingen. Erna wurde älter und klüger. Die Zeit änderte sie. Weisheit wuchs.

Erna hatte überlebt. Ihr Federkleid war hübsch, es glänzte in der strahlenden Sonne, fast bunt in allen Brauntönen, die man sich kaum vorstellen kann. Sie fühlte sich selbst in ihrem Federkleid so pudel wohl und war überglücklich mit sich selbst. Kaum wiederzuerkennen, nach all den traurigen Erfahrungen und Erlebnissen aus früheren Zeiten, die sie prägten.

Als sie gerade fröhlich im See planschte kam ein törichter Enterich herangeschwommen, schnurstracks auf sie zu. Er war tölpelhaft und war leider nicht der Entensprache so mächtig, wie Erna sie pflegte. Doch sie war nachsichtig. Der Enterich Erich wollte wissen, wie man so ein hübsch schimmerndes Federkleid bekommt, das wollte er auch! Er bestand sogar darauf.

Erna erst einmal erschrocken über solch eine plötzliche Frage, noch dazu hätte sie die Frage höflicher formuliert und ein ‚bitte’ erwähnt. Doch das konnte offenbar Erich nicht.

Irgendwie erinnerte sie diese Frage und der Tonfall an frühere Begegnung, so als hätte sie selbst solch eine Situation schon erlebt. Als sie einmal sehr sehr hungrig war…

Nun, dachte sie erstmal nach, ich könnte jetzt genauso schnippisch antworten, augenzwinkernd, wie damals der Storch. Oder ihn bemitleiden wie die Amsel. Doch, der Enterich tat ihr etwas leid. Er wollte schließlich nur wissen, wie man so farbig wird. Also strengte sie sich sehr an und versuchte intensiv sich an die Stimme der Kuh zu erinnern, freundlich, ruhig und besonnen.

Erna sprach zu ihm: „Sei Du selbst. Sei Du der Schönste unter allen Enterichs hier und in der Entenwelt, einfach nur Du. Sei Enterich Erich.“

Ente

©Kerstin Paar
Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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