Wie fühlt sich Sensibilität und Sensitivität an, ist das ein Phänomen?

Wie fühlt sich Sensibilität und Sensitivität an, ist das ein Phänomen?

Was spürst du, wie fühlt sich das in dir an? Das werde ich oft gefragt. Ich möchte es dir versuchen zu erklären. Manches wirkt unwirklich und nicht nachvollziehbar für dich sein. Doch ein Versuch ist es wert. Denn im Grunde kann ich für andere mitempfinden und somit ein Bindeglied sein. Vielleicht fragst du mich eines Tages danach. Manchen kann ich zu Entscheidungen aufgrund der Bauch-Intuition etwas mitteilen. Manchmal wirkt es im ersten Moment verletzend oder ruft Erstaunen hervor. Es wird häufig von Hochsensibilität und Hochsensitivität gesprochen, vielleicht erscheinen diese „Hoch’s“ zu hoch? Doch trifft es bei der Sensibilität und Sensitivität zu.

Abneigung kann auch dabei sein. Doch irgendwann stellt sich letztendlich etwas ein, das zum ausgesprochenen Bauchgefühl stimmig wird, als würde man das fehlende Puzzleteil finden. Mein Gefühl spricht so und innere Stimmen meinen die ausgesprochene These. Ob sie in dem Moment schon so zur Wahrheit wird, ist eine andere Sache. Alles braucht seine Zeit.

Sensibilität ist ein Zustand äußerster Wachsamkeit

Da nehme ich den Sirenenton des vorbeifahrenden Feuerwehrautos wahr, er ist innerlich spürbar zwischen Haut und Knochen und zieht in den Knochen ein. Weder aufgrund negativer Erlebnisse oder Erfahrungen, das hatte ich schon als Kind so.

Grelles Laserlicht, Menschenmassen und extrem laute Musik wie in einer Disko, lassen mich nur noch die Flucht ergreifen, bevor es im Kopf zu einem Art Zusammenbruch, Kreislaufschwäche oder Atemstillstand kommen kann.

Im eigenen Auto zu fahren lässt mich teils erschrecken, wie viel Dinge an mir vorbei fliegen, wenn nicht der Fokus nach vorne ausgerichtet ist. Bei häufiger Übung kann es leicht besser sein, also öfters längere Autostrecken fahren kann hilfreich sein. Extremer wird es als Beifahrerin, sofern der Fahrer sich über meine Lage nicht im Klaren ist. Selbst ausführliches Sich-Erklären fruchtet oft nicht, da höre ich noch oft und gerne, „jetzt stell Dich nicht so an und sei nicht so sensibel“. Aber doch! Es ist keine Schande so zu reagieren. Ich will nicht mich ständig erklären müsssen, nein. Es hat ein Ende.

Allerdings gerade im Auto ist es eine Abhängigkeitssituation. Falls der Fahrer nicht stehenbleiben will, damit ich kurz aussteigen und mich erholen kann, sondern einfach es ignoriert, trage ich den Impuls in mir, die Türe während der Fahrt aufzureißen und mich hinauszurollen.

Begegnen mir Menschen, spüre ich, o.k. da ist etwas. Meistens halte ich mich zurück, denn es wäre ungerecht, ungeschickt, in dem Moment darüber zu sprechen.

Meist taucht etwas auf, wie „oh, da stecken tiefe innere Verletzungen“, „möchte der Mensch mich belehren?“, „er will mich verletzen“, oder beim Warten an der Ampel zerrt eine junge Frau ihr Kind am Arm und redet laut auf es ein, „und gleich beginnt das Kind laut zu schreien und wegzurennen“, und ja genau die Situation traf ein.

Warum nur ist es so schwierig, sein eigenes Kind, sein eigen Fleisch und Blut, anders und zwar liebevoll zu behandeln? Das Kind lernt von diesen Erfahrungen, leider nichts Gutes. Es wird später identisch handeln.

Solche Situationen machen mich ängstlich, teils wütend, vorsichtiger. Meine Stirn runzelt sich, es entsteht ein schmerzvoller Gesichtsausdruck, im Magen drückt es. Alle Muskeln spannen sich an, als wäre ich ein starker Bodybuilder und Türvorsteher, der sich schützend vor das Kind stellt. Die junge Frau auf mich einschlägt, doch spüren tu ich es nicht. Kann alles abprallen.

Neues Beispiel: Große Hitze, grelles Licht sind wie tausend Stiche auf die Haut und in die Augen. Da ist das Gehirn nur noch damit beschäftigt, sich um die Stiche zu kümmern. Keine Konzentration mehr möglich auf etwas anderes. Schwierig, denn ich will ja etwas anderes tun. Da wird Stillsitzen zur Qual. Der Impuls loszulaufen in ein dunkleres kühleres Eck, einen Luftzug auf der Haut zu spüren, das ist große Sehnsucht, es wäre ein Stück Freiheit. Luft zum Atmen. Doch kaum möglich in manchen Situationen.

Andere Situation: Im Bett wälze ich mich, merke im Rücken oder im Bauch ist ein Druckschmerz. Der läßt mich nicht mehr los.

Weiteres Merkmal: Entsteht ein Körperkontakt während einer Begegnung, und ich werde gezwungen jemand die Hand zu reichen, gehe ich auf Rückzug, da schütze ich meinen Körper und versetze mich lieber in ein Glashaus.

Bei Menschen, zu denen ich mich offen äußern kann, zu denen Vertrauen da ist, ist es keine Schwierigkeit, ich freue mich da sehr über eine Umarmung.

Viele Menschen mögen eine Fußreflexzonenmassage, die allerdings bei mir ein so großes Unwohlsein auslöst, dass ich nur noch mich am ganzen Körper schüttel und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen will. Es fühlt sich wie ein elend langer ziehender Schmerz an, der über beide Beine nach oben bis Magen und Darm spürbar wird.

Hängt das nun mit großartiger geistiger Leistung zusammen?

Kommt darauf an. Erst neulich saß ich in einer Fortbildung. Den ganzen Tag war es heiß, drückend. Und dieser Druck baute sich innerlich auf. Das Blut stieg tatsächlich zu heftig in den Kopf. Ich hatte Mühe, dass ich nicht ohnmächtig wurde. Also konzentrierte ich mich mehr auf mein inneres Fühlen und begann, gedanklich beruhigend meditativ mit mir zu „sprechen“.

Dass ich dabei alles andere äußere aufnahm, war klar. Doch fehlten mir bei einer Aufgabe ein paar Zahlen. Aber auch wieder aus dem Grund, da die Stimmlage des Sprechers mir im Ohr weh tat.

Also war die Folge, möglichst wegzuhören, was aber nicht gelang und ich kam in Stress und die Zahlen verschwommen im inneren Gedächtnis. Schade, denn sonst mag ich Zahlenspiele und sonstige Aufgaben zum Lösen sehr gerne.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema Hochbegabung und Hochsensibilität von Anne Heintze:

Bei Anne Heintze habe ich eine Ausbildung zum Psychosozialen Coach, Schwerpunkt Hochbegabung und Hochsensibilität, absolviert. Diese Ausbildung zeigte mir tiefe Einblicke in die Persönlichkeitsentwicklung.

Ein Glück, dass ich so bin wie ich bin

Warum schreibe ich das alles nun auf? Vielleicht habe ich den roten Faden verloren und messe dem Ganzen zu viel Bedeutung zu. Nein, das ist es nicht. Ist es reine Ego-Befriedigung? Nein, auch das ehrlich nicht.

Es ist eine geschärfte höhere Wahrnehmung vom eigenen Körper in Relation zur Umwelt die gleichzeitig mit anderen kosmischen Energien verbunden ist.

Klingt kompliziert? Keineswegs, so fühle ich mich tagtäglich, jede Stunde. Dass es da noch immer etwas nebenbei gibt, neben dem eigentlichen Fühlen.

Wird mir beispielsweise etwas erklärt, nehme ich dies sofort auf und parallel dazu laufen Gedanken weiter, die im Zusammenhang mit der Erklärung stehen. Fragen tauchen auf, wie wirkt sich dies unmittelbar auf die Zukunft aus, waren die bisherigen Vorgehensweisen in Ordnung, oder könnte man da anders künftig handeln, für einen verbesserten erfolgreicheren Workflow.

Manchen kommt es vor, als würde ich nicht zuhören, doch bin ich gedanklich schon viel weiter. Sicherlich konzentriert auf das Gesagte, aber es fließen viele Facetten gleichzeitig im Gehirn.

Anderes Beispiel, man lässt mich etwas tun, ich mache das auch in völliger Bereitschaft, doch eben parallel entstehen Fragen oder schon Erklärungen, warum man das so macht. Welcher höhere Sinn dahinter stecken kann.

Sensitivität zeigt Grenzen auf

Bei all dem, wer jetzt mich nicht persönlich kennt und nur die Zeilen liest wird vielleicht den Eindruck haben oder sich fragen: Was ist das nur für ein Mensch? Eventuell gehen manche auf Rückzug, entfreunden mich oder reden mit anderen darüber.

Das ist mir unwichtig. Ich werde damit anderen Menschen zu verstehen geben, dass es wohl ungewöhnlich ist, aber voll normal und akzeptabel.

Ich bin ein fröhlicher, lebenslustiger, liebevoller Mensch, der tief empfinden kann. Aber auch Grenzen spürt, wo ich nicht mehr darüber hinweg sehen, spüren und gehen will. Diese Grenze ist essentiell wichtig. Das ist meines Erachtens auch wichtig für andere, dass sie ihre Grenze kennen und wahren. Nur so kann eine Freundschaft basierend auf gegenseitigem Respekt, Achtung, Wachsamkeit und Achtsamkeit zur großen Freude werden.

Tiefe innere Freude und Dankbarkeit spüre ich sehr häufig. Das auszusprechen ist mir in dem Moment auch wichtig, damit verblüffe ich oft andere, die es teils nicht mehr hören können oder wollen. Aber ich bleibe dabei, sorry. Gleich jetzt sogar, danke, dass ich dies für mich erkennen konnte. Dankbar für Menschen, die mir die Augen öffnen ließen und mein Potential erkannt haben. Es ist nie zu spät. Alles kommt zum richtigen Zeitpunkt, zum richtigen Moment auf einen zu, wenn man genau dann auch bereit dazu ist.

Sensitivität, sensibel sein, Hochsensibilität, Hochsensitivität

 

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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