Goldener Oktober zwei inniger Seelen

„Ach, du Liebes, wir wissen beide, heute leben wir und dürfen all das Schöne lieben. Wir erleben diesen Moment, doch wie die Zukunft sein wird, weiß ein Anderer.“ Zwei Frauen sitzen am Meer und betrachten die untergehende Sonne. Einen Sommer lang leben die Zwei auf der Insel La Gomera im Süden.

Beide Frauen sind sich über unterschiedliche Wege einander begegnet. Sie könnten Zwillinge sein. Fühlt eine sich traurig, empfindet die Andere Schmerz im Körper und kommt kaum in ihre Lebendigkeit. Ist eine der beiden sehr glücklich, benötigt es kein sehen, sprechen oder telefonieren, dass der Zwilling übersprudelt vor Freude.

Auszeit vom Alltag

Serina, eine dunkelbrünette Frau, im goldenen Alter und in der Mitte ihres Lebens ist als vielbeschäftigte Beraterin für misshandelte Frauen tätig.

Der Alltag lag schon lange hinter ihr. Schnell ging der Wechsel aus der Arbeit hinein in eine gemeinsame Auszeit mit Corviria.

Wandernd entdeckt sie mit ihrer Freundin das Valle Gran Rey entlang der sattgrünen Felder und Terrassengärten. Zahlreiche hochgewachsene Palmen stehen senkrecht am Wegesrand. Von weit her läuten Ziegenglocken und ab und an riecht es aus vereinzelten Gehöften nach Verbranntem. Unspezifisch. Weitaus angenehmer riecht das meterhohe Gras, aus duftendem wilden Anis und Fenchel, durch das sich manche Wege schlängeln. Inmitten der Natur unter einem schattigen Baum entkorken sie eine Flasche feinmundigen spanischen Wein und genießen ihr mitgebrachtes Obst und Gemüse.

Reiseleiterin findet etwas Außergewöhnliches

Corviria, die jüngere Blondine, als Adoptierte von strengen Eltern erzogen, ist eine wilde Schönheit mit Sanftmut. Beides ist in ihr vereint. Beruflich kennt sie viele Ecken auf den kanarischen Inseln. Sie ist eine engagierte Reiseleiterin eines namhaften Reiseveranstalters.

Das Frauenpaar zieht es im Urlaub in die Einsamkeit. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, stehen in keinem Verwandtschaftsgrad zueinander doch wie füreinander geboren. Zwei Menschen vereint in einer Seele.

Ihr Feriendomizil ist eine kleine Finca oberhalb des Strandes von Valle Gran Rey. Es ist gemütlich eingerichtet, hat einen leichten Hauch von Luxus, sauber und der Wohnungsduft ist beiden angenehm. Helle, von Sonnenschein durchflutete Zimmer, zwei kleine Schlafräume und ein größeres Wohnzimmer gewährt beiden ihren gewohnten Freiraum. Ein Traum ist die Terrasse. Nicht einsehbar von Nachbarn, dafür mit weitem Blick hinaus zum Horizont. Verträumt können die Frauen hinaus sehen, weit draußen auf dem Meer Frachter und Kreuzfahrtschiffe beobachten, näher am Ufer vereinzelten Segelbooten auf ihren Törns hinterher sehen.

Sehr früh morgens sitzen sie mit einem Becher Tee in Händen und gemütlich die Füße auf einen Hocker gelegt da und sprechen über tiefsinnige Themen. Von früheren Liebesbeziehungen, von gemeinsam verbrachten Urlauben bis zu den derzeitigen Freunden und Partnern darf alles in Worten ausgesprochen werden.

So wandeln sich ihre Gespräche häufig von einem Thema in ein völlig Fremdes. Sie entdecken an sich Wendepunkte in ihrem Leben, die mit Abstand und Rückblick betrachtet, sie zu den Menschen werden ließen, die sie heute sind. In ihrer vollen Pracht, Vielfältigkeit und tiefer Nächstenliebe.

Corviria träumt schon seit jungen Jahren vom Leben in Freiheit. Ständig geht sie der Frage nach, was bedeutet ihr Freiheit. Oder warum sie sich so sehr danach sehnt. Liegt es an ihrer Kindheit? An der Erziehung? Verfügt sie über spezielle Gaben, die sie noch nicht vollständig auslebt? Eine Antwort findet sie während eines Ausfluges an den Strand von Playa de Santiago.

Der Weg ist das Ziel

Die blonde Frau stöberte schon früh in Büchern über Schmetterlinge und Delphine. Diese beiden Tierarten hatten es ihr angetan und sie spürte sich ihnen sehr verbunden. Sie weiß, dass es um die Insel La Gomera Delphine gibt, manchmal hat sie auf ihren Reisen zur Insel mit dem Katamaran auf der Überfahrt von Teneriffa welche gesehen. Weit draußen auf dem Meer tänzeln sie oberhalb der Meeresfläche.

An besagtem Ausflugstag sitzt Corviria am Steuer des kleinen Fiat und Serina am Beifahrersitz. Sie fahren im gemütlichen Tempo die zahlreichen Serpentinenkurven durch des Valle Gran Rey zum oben gelegenen Mirador. Dort stoppen sie und sind wie sooft begeistert von der Aussicht. Einige Fotos über das weite Tal und das Meer sind für später unvergessliche Erinnerungen an den gemeinsamen Urlaub.

Der weitere Streckenverlauf führt durch den berühmten Lorbeerwald und das Naturschutzgebiet des Garajonay. Zugleich ist der Garajonay mit 1487 m der höchste Punkt der Insel. Bei guter Sicht ist ein traumhafter Blick zur Insel Teneriffa und dem Teide möglich, dem höchsten Berg der kanarischen Inseln. Im Nationalpark kommt ein kleiner Regenschauer häufig vor aufgrund der Passatwinde, dafür laden die mit Moos bepflanzten alten Lorbeerbäume ein, zu mystischen und in Nebel gehüllten Eindrücken.

An der höchsten Bergkuppe folgen sie der Abzweigung nach rechts. Die Straße führt in langen Serpentinenkurven bergab nach Santiago und zur Playa de Santiago.

Wo findet man die Freiheit?

Am Strand suchen sich beide ein abgelegenes einsames Plätzchen. Legen ihre Kleider ab und laufen nackt hinein in das erfrischende Wasser. Sie bespritzen sich gegenseitig mit Meerwasser, lachen, toben und freuen sich am So Sein.

In weiten Zügen schwimmen sie hinaus und lassen sich von Welle zu Welle tragen. Beide spüren die Energie des Wassers. Erahnen in weiter Ferne schwimmende Delphine und deren besondere Kunst, behände und geschmeidig sich durch das Wasser zu bewegen. Delphine sind besonders empfindsame und Säugetiere, man kann an ihren Augen ein Lächeln sehen.

Corviria taucht unter, die blonden Haare legen sich eng an ihren Körper an als sie wieder auftaucht.

‚Frei, ja frei mag sie sein’, denkt sie. ‚Ich habe das Recht mich von allen Zwängen und Regeln des Lebens zu befreien, die mir nicht gut tun. Über meine Freiheit kann ich selbst bestimmen. Ebenso wie aus einer Raupe ein wunderschöner Schmetterling wird, darf sie sich frei entfalten‘.

Früher las sie von Amor und Psyche. Sie sieht darin die Verkörperung von Freiheit. Als frei fliegendes Wesen im Universum.

Als beide wieder am Strand sitzen, erzählt Corviria ihrer lieben Freundin von den Gedanken der Freiheit. Betont langsam spricht sie es aus. Aufmerksame Ohren und Augen folgen den Erzählungen. Eine vertraute Stille tritt ein. Ein freudiges Lächeln zeigt sich auf Serinas Gesicht. Sie antwortet: „Schön, wahre Worte“. Danach nimmt sie ihre Freundin liebevoll in die Arme. Beide noch nass vom Meerwasser, umarmen sich innig. Zwei Herzen schlagen im gleichen Rhythmus. Welch Glück und Freude!

Erlebte Freude im Lichte des Sonnenuntergangs

Zwei glückliche Seelen, die einen Tag am Meer gemeinsam verabschieden und nach vorne blicken, in die untergehende Sonne, werden sich in vielen Jahren an diesen einen Sommer erinnern. Serina flüstert, „die Sonne zieht hinweg, verlässt den Tag und versinkt in glutroten Farben über dem Meer. Wie leise schwingt Melancholie mit und verzaubert die sehenden blauen Augen. Sie fühlen hinein und spüren, die Wahrheit findet man tief in einem selbst. Gehe im Tempo des Herzens. Spüre hinein. Das Herz weist den Weg zu deiner Fülle.“ Als ihre Worte verklingen, weht eine salzige Meeresbrise ins Gesicht.

Corviria nimmt zärtlich ihre Hand und legt ihre zweite auf Serinas Hand. Sie sehen sich tief in die Augen für lange Zeit. Es wird Nacht am Strand und beide liegen sich in den Armen und blicken zum Himmel. Viele Flugzeuge kreisen, ziehen von hier nach da und hinterlassen weiße Streifen, die zart zu sehen sind. Stille und Ruhe liegt über beiden und Worte sind überflüssig. Zwei satte Seelen nähren einander. In Liebe füreinander.

Die Sonne versinkt in hellorange und feurigrotem Farbglanz. Die strahlende Mitte bleibt ewiglich.

Seelen, Seelenpartner

 

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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