Ein Abendspaziergang entlang der Pappeln

Ein Abendspaziergang entlang der Pappeln

Spätabends umhüllt ein zarter Nebelhauch den Halbmond. Er ist unvollendet auf dem Weg seines Wachstums. Doch was heißt hier unvollendet? Wird er jemals vollendet und perfekt sein? Vielleicht für einen Moment. Einen Tag und eine Nacht. Dann heißt es Abschied nehmen vom Vollmondig-Sein und dem Weg folgen bis in den Zustand des Neumondes. Mein Weg führt entlang der Blumenwiese zum Wald. An hochgewachsenen Pappelbäumen vorbei und im milden Spätsommerabendlicht. Der Straßenbelag ist eben ohne steinige Hindernisse. Rechts am Wegesrand eine Distel. Eine Schönheit, welche meine Aufmerksamkeit ganz gefangen nimmt. Distel beim Abendspaziergang Niederkniend und mit der Kamera in der Hand fotografiere ich das vertrocknete Gewächs, im Abendschein der kommenden Nacht. Nachdem ich diese Distel mehrmals fotografierte und sie möglichst passend in das Bild positionierte, setzte ich meinen Weg fort. Er führte leicht bergauf und in den Wald. In der aufsteigenden Dunkelheit, und besonders im Wald zwischen den Baumstämmen und dem Gebüsch, wuchs eine langsam heran kriechende Angst in mir an. Plötzlich wurde aus dem vorherigen Baumstumpf in der Phantasie ein Elch. Und der umgefallene Baumstamm wandelte sich zu einem Eichhörnchen. Einige Schritte traute ich mich mutig nach vorne. Doch auf einmal knarzte und krächzte es erschreckend laut, dass ich postwendend umdrehte und die nächsten Schritte schneller ging. Um möglichst bald aus dem dunklen Wald heraus zu kommen. Das gelang mir gut. Am Waldessaum sprang unvorhergesehen plötzlich ein Reh heraus. Es stand mittig auf dem Weg und bemerkte mich sofort. Still stand das Tier da. Ich spürte eine angenehme Verbindung zu ihm. Als spräche es mit mir. Einige Sekunden später drehte es sich von mir ab und setzte seinen Weg ins Gebüsch und in den Wald fort. Doch es blieb nicht nur bei einem Reh. Ein zweites folgte hinterher, sogar springend über den kleinen Bachlauf hinweg. Nun war die Aufregung vorbei und es wurde sehr still. Am linken freien Feld flogen zahlreiche Fledermäuse im Zick-Zack der lauen Herbstluft. Nach einer letzten Wegbiegung begegneten mir am linken Wegesrand die hohen Pappeln. Stolz standen sie an der Straße. Sie zeugen von tiefer Verwurzelung und starkem Stand. Kein Windhauch weht sie um. Auch ein heftiger Sturm wird ihnen nichts anhaben. Ihr Zweck ist es, standhaft zu bleiben. An der Stelle, an der sie jahrelang wuchsen. Sie erfüllen ihren Lebenssinn, den Sinn des Seins. Abendspaziergang

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald

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