Wie es mir vor, während und nach der E-Bike-Tour Deutschland ging

Wie es mir vor, während und nach der E-Bike-Tour Deutschland ging

Möglicherweise ist der folgende Beitrag einer der Persönlichsten. Zu den einzelnen Etappen schreibe ich in weiteren Beiträgen (nach und nach hier im Blog).

Wie der „Zug des Lebens“ verlief meine E-Bike-Tour Deutschland. Menschen beendeten eine Geschäftsbeziehung/Freundschaft und stiegen aus „meinem“ Zug aus, sie gehen ihre Schritte alleine weiter. An einem Abend hielt der Zug, um Menschen einzulassen mit denen getanzt wurde. Andere Menschen blieben im Zug sitzen, oder wechselten von der zweiten Klasse in die Erste. Die Freundschaft vertiefte sich.

Zeiten mit Wolken am Himmel, einigen Richtungswechseln und Stehenbleiben zwang zum Durchhalten und Neuorientieren. Aber es gab auch …

Sonnenschein, gelbblühende Rapsfelder und schöne Begegnungen, sie machten mich unglaublich dankbar und glücklich.

Mit meinem E-Bike on tour zu sein, zeigte mir Naturschönheiten, ließ mich gelassener, bewusster werden und fördert allgemein die Abwehrkräfte und die Gesundheit.

Als ich meine E-Bike-Tour durch Deutschland plante, wusste ich bis zur letzten Minute nicht, klappt es in meiner Selbständigkeit, dass ich wirklich wegfahren kann. Kundenprojekte nahmen die letzten Tage vermehrt mehr Zeit in Anspruch als gewöhnlich. Dann kam die Unsicherheit mit meinem Fahrradsattel hinzu, die Sitzknochen meldeten sich noch. Werde ich wirklich mit dem Sattel diese Tour schaffen? Fragen und Ungewisses hielt mich von einer wirklichen Vorfreude ab. Das Wetter spielte am 1. Mai 2018 kräftig verrückt, es stürmte, windete und regnete den ganzen Tag. Abends lockerte es langsam auf.

Erst am dritten Tag meiner Tour wurde mir bewusst, „hey, es ist Urlaub! Ich muss jetzt nicht auf Fehlersuche in einer Website gehen, weil Dies oder Jenes nicht oder falsch angezeigt wird.“ Ein Fehler, der nicht von mir verursacht wurde, sondern bedingt durch ein Update auftrat.

Eigentlich wollte ich ja nur eine schöne und unbeschwerte Zeit genießen, dass ich mich mit tiefsitzenden Themen konfrontieren durfte, das war nicht eingeplant, aber im Nachhinein gewann ich neue Erfahrungen und eine große Wertschätzung für mich und meine Arbeitsleistung.

An unzählig rapsgelbblühenden Feldern vorbei – hier vor Peine

Schmerzlich stellte ich auf meiner Tour fest, ich bleibe nicht verschont von Stellungnahmen oder das Antworten auf E-Mails. Ein Autoresponder mit Info über die Angabe meiner Rückkehr hätte genügt. Aber ich las ja schon mit und hatte die Antwort vor Augen.

Vor ein paar Monaten schrieb ich an anderer Stelle, ich will während der Tour arbeiten. In dem Rahmen wie es mit Tablet möglich und machbar ist. Aktualisierungen der Websites durchführen, die Performance prüfen, Fehler beheben, E-Mails beantworten, alles machbar von unterwegs. Mobil arbeiten macht Spaß, aber nur, wenn es zeitlich im Rahmen bleibt.

Stolz machte es mich nicht. Klar wurde mir, mein Geschäftsmodell bedarf einer Überarbeitung. Ich überlegte, was und wieviel mache ich regelmäßig kostenfrei für meine Kunden, für welche Leistung erhebe ich wieviel Honorar. Beachte ich die Wartung- und Servicezeiten nach Fertigstellung einer Website? Wie glücklich geht es mir selbst dabei?

Und schon stand ich in alten Glaubenssätzen. Damit hatte ich auf dieser Tour nicht gerechnet. Das Leben eben, unberechenbar. Mal knallhart, mal wunderschön.

Die Folge war, ich wurde ziemlich wütend, im ersten Moment fälschlicherweise auf andere Menschen, es lag aber tiefer in mir. Nach der aufkommenden Wut, sie wurde glücklicherweise durch kräftige Pedaltritte schnell wieder leichter, erkannte ich etwas ganz anderes. Die Antwort auf die Frage, „was bin ich wert, was ist meine Arbeit tatsächlich wert“. Noch während der Tour überlegte ich mir die Vorgehensweise für zu Hause. Und das Ergebnis nach mittlerweile zwei Wochen Arbeit? Ich notiere mir jede Tätigkeit auf einem Blatt Papier und die dafür benötigte Zeit, dabei entdecke ich wieviel in kürzester Zeit ich tatsächlich tue. Am Abend kann ich zufrieden auf den Tag zurückblicken, sehe, wieviel Punkte ich abarbeitete, was es unmittelbar an Honorar einbringt, wofür ich in meine Zukunft investierte, in neue Kundenbeziehungen, etc.

Aufräumen und Platz für Neues schaffen

Diese Tour war ein wunderbarer Anlass, um Raum für Neues zu schaffen.

Kenne ich wirklich alle meine Facebook-Freunde, interagieren sie mit mir und ich mit ihnen, oder ist es vielmehr ein „Statussymbol“ nach außen? All jene, von denen ich seit Jahren nichts bemerkte, wo keine Reaktion kam, das können doch keine „Freunde“ sein. Würden sie mir auf der Straße begegnen, ich kenne sie nicht. Hätte ich sie gegrüßt? Warum erlaube ich das in Facebook?

So saß ich in einem neu renovierten Zimmer eines Gasthauses im ländlichen Franken und begann „Freunde“ zu entfreunden. Das Reinemachen setzte sich auf meinen eigenen Websites fort, alle Kommentare wurden entfernt, die Kommentarfunktion eingestellt. Es waren über einige Jahre angesammelte lobenswerte Aussagen von Leserinnen und Lesern meines Blogs. Keinesfalls negative Äußerungen. Aber bemerkenswert war, dass anstatt im Blog die Menschen sich lieber per E-Mail meldeten. Also stellte ich erstmal die Kommentarfunktion ein.

e-bike-tour deutschland

Verwunschene hübsche und schmale Wege

Rhythmen bestimmen die Musik und unser Leben

Alleine durch dichten Wald fahren, in Gedanken versunken an gelbblühenden Rapsfeldern vorbeiradelnd, oben am Weinberg stehend, ins breite Maintal blickend und dann plötzliches Kontrastprogramm. Inmitten einer fröhlich tanzenden Frauenrunde in einem hübsch gestalteten Tanzraum fand ich mich wieder. Etwas was mein Herz berührte und mich glücklich machte.

Eine bereichernde Begegnung mit Menschen, die Musik schätzen und die musikalische Wirkung für ihr Wohlbefinden nutzen. Menschen, die offen und vertrauensvoll sich gemeinsam auf die unbekannte musikalische Reise eines Abends aufmachten, am Ende glücklich und dankbar mit neuen Impulsen wieder auseinander gingen. Es lohnt sich, den Ort aufzusuchen.

Neu ausrichten und das Ziel im Blick

Damit ich immer auf dem richtigen Weg war, zumindest mir die Richtung vorgab zu meinem Ziel, dazu unterstützte die App Komoot. Bei meiner Recherche im April 2018 konnte man eine Region kostenfrei nutzen. Ich kaufte mir gleich die dauerhafte lebenslange Nutzung und verwendete die App on tour und in der Lüneburger Heide für Tagestouren oder zu Recherchezwecken anderer Regionen.

Zwei Argumente für die App Komoot: sie führt einen durch dichtesten Wald hindurch, wenn GPS am Handy aktiviert ist. Karten können offline verwendet werden, wenn zuvor diese auf das Handy heruntergeladen wurden. So fuhr ich ohne WLAN an Feldern vorbei, durch Wälder hindurch und der Zeiger informierte mich immer über meinen aktuellen Stand.

An der App vermisse ich allerdings die Wahlmöglichkeit, mir die kürzeste oder schnellste Wegstrecke anzeigen zu lassen. Mehr Variationsmöglichkeiten für eine Tour, wenn verschiedene Wegpunkte auf der Strecke liegen. Es zeigt dann keine Rundtour mehr an, sondern mögliche Abzweige zu diesen Punkten. Das wäre für die Berechnung der Kilometer im Voraus schön, allerdings kein Muss. Man kann andere Straßen oder Waldwege nutzen, es zeigt Wege durch hohe Wiesen und schmale Pfade durch Wald an.

Um viele Erfahrungen reicher, infiziert vom „Radfieber“ drehe ich zu Hause täglich Touren auf dem Rad. In Gedanken blicke ich gerne zurück. Orientiere mich an neuen Touren und stimme meinen Kalender ab, um Arbeit und E-Bike-Touren mehr miteinander zu verbinden.

Über die Etappen:

Von der Nordheide (Amelinghausen) in die Südheide (vor Celle) / weiter bis Peine / über Braunschweig nach Wolfenbüttel und nach Braunschweig zurück / dazwischen Tour in den nördlichen Harz

„Schummelstrecke 1 mit Zug“: Braunschweig über Hannover nach Würzburg

Ab Würzburg zur Marienhöhe nahe Uni Würzburg (mit Rundtouren am Main über Gersbrunn und Randersacker) / weiter nach Sommerhausen / über Ochsenfurt nach Gollhofen (Abstecher über Custenlohr und Welbhausen), kleine und große Weindörfertour / Richtung Rothenburg ob der Tauber und weiter Flachslanden / über Ansbach nach Sachsen

„Schummelstrecke 2 mit Zug“: Ansbach nach München

Ab München Solln über Perlacher Forst, Unterhaching, Ottobrunn entlang am Mangfallradweg über Rosenheim in Richtung Chiemsee / letzte Etappe nach Gstadt und Schiffüberfahrt zur Fraueninsel

Mein persönliches PS

In meinem Ursprungsbeitrag „Mit E-Bike von Amelinghausen nach Zürich“ erwähnte ich eine Spendensammlung für die Erforschung des Pankreaskarzinoms. Einiges aus diesem Beitrag war für mich nicht mehr stimmig, zum Beispiel das Finden von Sponsoren. Das wäre mir „zu laut“ geworden. Aus meiner Reise wurde eine ganz persönliche, eine stille, eine „leise“ und für mich unvergessliche Reise. Dennoch, weil mir das Thema weiterhin wichtig ist, werde ich eine private Summe spenden. Ich hatte mir für die Übernachtungen jeweils ein gewisses Budget gesteckt. Überraschend war, dass ein Gastwirt für die Buchungsplattform hotel.de meist fünf Euro Aufschlag berechnet. So stornierte ich nach Ankunft im Gasthof die Reservierung kostenfrei und bezahlte einen günstigeren Preis direkt an den Gastwirt. So ersparte ich mir einige Euros. Zweimal änderte ich die Unterkunft und konnte wieder Geld einsparen. Und dann hatte ich das Glück bei einer befreundeten Familie übernachten zu können. All das fließt in den Spendenbeitrag an das UKE Hamburg ein.

Auf der Weindörfer-Tour an Christi Himmelfahrt

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald