Die Lessingstadt Wolfenbüttel lehrte mich eine Weisheit

Die Lessingstadt Wolfenbüttel lehrte mich eine Weisheit

Gotthold Ephraim Lessing (1829 – 1781) wußte es, was es mit dem Wörtchen „aber“ auf sich hat, denn er meinte dazu, „Still mit dem Aber! Die Aber kosten Überlegung“.

Für mich gab es in meiner Entscheidung, in der Lessingstadt Wolfenbüttel während meiner E-Bike-Tour durch Deutschland zu übernachten, nie ein Wörtchen „aber“ oder einen Widerstand. Im Gegenteil. Statt ein „aber“, ein „und“. Ich entschied mich, statt einer Nacht, zwei Nächte zu verweilen. Und das war „aus Gründen“ sinnvoll, dazu gleich mehr.

Wie es zu meinem Aufenthalt in Wolfenbüttel kam: Eines Tages veröffentlichte ich in Twitter einen Tweet mit dem Hinweis:

„Da lese ich fleißig vom #RBCamp18 und plane meine #Ebike Tour im Mai. Denke, ich mach in dieser #echtlessig Stadt einen Halt. Vielleicht übernachten? Tipps?“ (veröffentlicht am 15. April 2018).

Die Kommunikation mit der @Stadt_WF (Twitter-Account der Stadt Wolfenbüttel) verlief unkompliziert, Antworten kamen sehr rasch, auch außerhalb der Öffnungszeiten. Da fühlte ich mich fast wie ein VIP!

Da mein erstgewähltes Übernachtungsdomizil, das Jugendgästehaus Wolfenbüttel, von einer Gruppe von Läufern und Radfahrern ausgebucht war, hat man mich geschwind in das Parkhotel Altes Kaffeehaus einquartiert.

Übrigens, die Läufer und Radfahrer hatten ab Wolfenbüttel eine sportliche Leistung von 1000 km in das französische Ville de Sèvres in wenigen Tagen absolviert. Anlässlich der 60-jährigen Partnerschaft der beiden Städte.

Bei strahlendem Sonnenschein Wolfenbüttel entdeckt, und liebgewonnen, die #echtlessig Stadt!

Am frühen Freitagnachmittag aus Peine und Braunschweig kommend, stand ich plötzlich vor meinem Ziel. Strahlender Sonnenschein über dem Lessingtheater, das gleich neben meiner Unterkunft zu finden war. Überall fröhliche Gesichter, Menschen mit Eis in der Hand, radelte ich die „Lange Straße“ am Fahrradweg entlang, in Richtung Parkhotel Altes Kaffeehaus.

das Lessing-Theater in Wolfenbuettel

Am Lessing-Theater hörte ich Musik, wie auch andernorts in der lebensfrohen Lessingstadt

Fahrradfreundliche Verkehrsführungen, gepflegte Radwege (Glasscherben entdeckte ich nur wenige) und unbeschwertes Einsteigen in die Züge des Erixx weckten mein Interesse, „Wiederholungstäterin“ zu werden. „Hierher komm‘ ich wieder!“ – ich hab da auch schon Ideen in meinem Reisegepäck für mögliche Workshops …

Angekommen am Parkhotel Altes Kaffeehaus

Am Hotel mein E-Bike „geparkt“, geschwind die beiden leichten Satteltaschen abgenommen, betrat ich die kühle Eingangshalle. Freundlich begrüßt, mit Zimmerschlüssel, WLAN-Passwort und Informationen „bewaffnet“, zog ich mich kurz auf das Zimmer zurück. Ebenerdig zur Außenterrasse in den Park, hohe Fenster und freundlich eingerichtetes Interior begrüßten mich für die kommenden 48 Stunden.

Hotel Parkhotel Altes Kaffeehaus in Wolfenbüttel

Der Name allein „zieht“ mich wieder an – als „Kaffeefreundin“

Kurz sortiert und auf Komoot orientiert, wohin es am Nachmittag noch gehen darf. Ich entschied mich für „durch die Stadt treiben“ zu lassen. Eines wollte ich erledigen, und zwar in der Tourist-Info vorbeisehen. Ich wollte mich persönlich bei meinem Ansprechpartner bedanken und ein paar Worte wechseln. Wie ich erfuhr, war man leider zu Terminen außer Haus.

Außerhalb der Tourist-Info der Stadt Wolfenbüttel sah ich eine Hochzeitsgesellschaft von Fotografen umzingelt, einige köpften eine Flasche Sekt und prosteten auf das frisch vermählte Hochzeitspaar.

Links zog ich weiter, mein Rad an der Hand schiebend über Kopfsteinpflaster und sah mir die beeindruckenden Häuserfassaden an. Davon berichteten Reiseblogger über Twitter. Nun stand ich selbst davor. Das waren diese unbeschreiblichen Glücksmomente, die mir während der Tour begegneten und noch öfters ein „hallo“ zuriefen. Schon drei Tage die geplanten Etappen geschafft! Das muss ich mit einem „Kaffee“ feiern. Ich suchte mir eine gemütliche Bäckerei mit Sitzplätzen in der Sonne, holte eine Tasse Kaffee, beobachtete Passanten, ein Mädchen versuchte ihr Gleichgewicht auf dem Kinderrad zu halten, andere sahen sich mit einer Tüte Eis in der Hand die Schaufensterauslagen sehr genau an und klebten mit dem Gesicht an der Scheibe.

Zufrieden kehrte ich nach ein paar Entdeckungsrunden durch Wolfenbüttels Gassen und Grünoasen ins Hotel zurück. Einmal kräftig abgeduscht zwang mich die überkommende Müdigkeit zu einer Siesta. Während ich noch über die Eindrücke des Tages nachdachte, sah ich noch einmal die rapsgelben Felder zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, sank ich schon in sanfte Träume ein.

Beim Aufwachen kamen Ideen mit Tourvorschlägen für den Samstag. Einen Tag lang die Landschaft um Wolfenbüttel von meinem Rad erkunden … und dann kam es doch etwas anders.

An den beiden Übernachtungen im Parkhotel nutzte ich das Restaurant. Salat mit gebratenen Champignons, das lachte mich an, es mundete sehr lecker, doch plötzlich biss ich auf etwas Hartes und spürte, ein Zahn hatte eine Ecke verloren. Zum Glück war ich fast fertig mit Essen. Aber in all meinem Glück saß ich zittrig da, denn der Zahn hatte eine längere Wurzelkanalbehandlung hinter sich. Kurioserweise meldete sich der gegenüberliegende Zahn plötzlich mit einem dumpfen Schmerz, er war ebenfalls am Wurzelkanal behandelt. Heißt es nun abbrechen? Ich stand doch erst am Anfang meiner Tour. Mit dem letzten Schluck kalten Pfefferminztee spülte ich in die rechte und linke Backe.

Etwas nervös fragte ich an der Rezeption um Auskunft. Am Samstag hätte ein Zahnarzt in Wolfenbüttel Dienst, oder man wüßte auch, dass in Braunschweig eine Praxis bis 24 Uhr geöffnet hat. Wie lange fährt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Braunschweig? Ist abends gegen 20.30 Uhr überhaupt noch eine Verbindung möglich? Am Lande, zu Hause in Amelinghausen ist da kein vorwärtskommen.

Der Schreck war zu frisch und noch groß. Ich brauchte dringend frische Luft, ging an den kleinen See am Hotel und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Später am Zimmer recherchierte ich und entschied, Samstagmorgen fahre ich vor 7 Uhr mit dem Erixx nach Braunschweig, dauerte gerade mal gute 10 Minuten. Nahe Bahnhof befand sich die Zahnarztpraxis.

Also war Glück im Unglück mein bester Freund!

Nach der kurzen Nacht aß ich vorsichtig eine Banane. Diese süßen Leckereien benötigte ich während meiner Tour, wie ein anderer wohl eher ein saftiges Steak bevorzugt.

Putzte nochmal gewissenhaft und ausgiebig die Zähne und zog ohne Kaffee los. Die Morgensonne lachte – welch ein Glück! So lernte ich „unfreiwillig“ die Bahnverbindungen zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig kennen, entdeckte eine Bahnstrecke von Soltau nach Wolfenbüttel, die ich eines Tages mit dem E-Bike kennenlernen will. Ich sagte ja, ich komme wieder. Die „Zahngeschichte“ erledigte sich glücklicherweise gegen 10 Uhr. Nach einer Stunde Wartezeit füllte man die beiden Zähne mit einer Masse auf und man schickte mich quasi in den „Urlaubsmodus“ zurück. Das musste ich feiern und trank einen leckeren Milchkaffee am Bahnhof Braunschweig, während ich auf den Zug zurück wartete. Fein, erstmal im Hotel frühstücken und dann startete ich genau so weiter, wie geplant.

Eines lernte ich nach bangen zwölf Stunden des Hoffens, ob ich weiterfahren kann oder umdrehen muss, „genieße jeden Moment deines Lebens. Ohne Wenn und Aber. Auch bei deiner Arbeit. Lass dich nicht mehr auf halbherziges oder pflichtbewusstes Arbeiten ein, sondern nimm nur Aufgaben an, die dich glücklich machen. Denn das gewonnene Geld schätzt du viel mehr, gibst es mit mehr Freude aus und schickst es in den Geldzyklus zurück.“

Ganz rührend kümmerte sich das Hotelpersonal nach meiner Rückkehr um mich, obwohl überall eifrig hergerichtet und gereinigt wurde. Eine Hochzeitsgesellschaft feierte am Abend im Hotel. Trotz dem Rummel bekam ich noch ein kleines Frühstück und feinen Kaffee.

Gestärkt packte ich mein Rad und fuhr eine Schlaufe des Till Eulenspiegel Radweges ins etwa 20 km entfernte Schöppenstedt. Eine Tour mit Genuss! Dankbar dachte ich nachmittags öfter an den Morgen zurück. Und da war wieder das tiefe Glücksgefühl. Das war ein täglicher Begleiter. Eine Idee erwachte dabei, wie wäre es, wenn ich dieses Glück mir regelmäßiger hole und auf ähnliche Weise viel länger in Deutschland unterwegs bin?

Lessingstadt Wolfenbüttel mit Rad erkunden

immer wieder ein Erlebnis, diese Straßen entlang radeln zu dürfen, ich liebe sie, die kerzengeraden und von Bäumen gesäumten

Rundtour im nördlichen Harzvorland nahe Wolfenbüttel

Die 40 km lange Rundtour führte mich an langgezogenen Rapsfeldern vorbei und durch die leicht hügelige Landschaft des nördlichen Harzvorlandes. Von Ferne sah man die Berge des Harzes.

Till Eulenspiegelmuseum Schöppenstedt

Am Till Eulenspiegel Museum in Schöppenstedt

In Schöppenstedt stoppte ich am Till Eulenspiegel Museum, orientierte mich auf einer Karte und las von den einzelnen Stationen entlang des Eulenspiegel-Radweges. Die Hälfte war geschafft. Den letzten Teil fuhr ich gemütlich und entspannt auf meinem Sattel, während rechts und links die Landschaft an mir vorbeizog.

am Eulenspiegel-Radweg

Den rechten Schlaufenweg fuhr ich ab, ganz rechts ist Schöppenstedt mit dem Till Eulenspiegel Museum (davor stand diese schöne Orientierungskarte)

Nach den köstlichen Gemüsenudeln zu Abend umrundete ich den schön angelegten Stadtgraben neben dem Parkhotel Altes Kaffeehaus.

So vergingen zwei eindrückliche Tage in Wolfenbüttel. Dankbar für die Zufälle, die einem das Leben zuspielt, dankbar für freundliche Begegnungen an der Rezeption und im Hotel.

Das *** Parkhotel Altes Kaffeehaus ist ein idealer Ort für Familienfeiern, Geschäftsessen oder einem Workshop in angenehmem Ambiente, fernab von grauen Seminarräumlichkeiten.

Am Sonntag fuhr ich morgens weiter, zurück nach Braunschweig. Dieses Mal mit Rad, statt Bahn.

Anstelle der direkten Strecke radelte mein Rad eine andere Tour. Wir kamen beide unversehrt in dieser großen Stadt an, sogar mit verkaufsoffenem Sonntag. Wie ich den Tag für mich nutzte, das liest man im nächsten Beitrag.

Authored by: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald