Löwenstadt Braunschweig und Fluss Oker lehrten mich zweimal …

Löwenstadt Braunschweig und Fluss Oker lehrten mich zweimal …

Braunschweig lehrte mich zweimal, nicht an die Zukunft zu denken, auch wenn ich in so großer Vorfreude auf die kommenden Tage war: auf Würzburg, Sommerhausen, Uffenheim und Gollachtal. Ich verpasse den Augenblick und die gerade vor meiner Nase liegenden Schönheiten, wenn Gedanken in die Zukunft spazierengehen.

Vor und nach Wolfenbüttel lief alles anders

Ich berichtete nur kurz über den Vormittag und den Streckenabschnitt aus der Stadt Peine nach Wolfenbüttel. Denn gedankenversunken fuhr ich dahin, ohne zu merken, wie weit ich eigentlich schon war. Dann stand ich plötzlich vor dem Schild „Braunschweig“. Ich war mitten in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens. Unwohl war mir, bei dem Autolärm, Sirenengeräusch eines vorbeifahrenden Krankenwagens, … und Radwege gesäumt von Glasscherben fanden keinen Gefallen bei mir. Aber ich entdeckte auch Schönes an Braunschweig, soviel sei schon verraten.

Die komoot App hatte ich nach Peine schon lange nicht mehr aufgerufen, am Stadtrand von Braunschweig stehend, war das der beste Zeitpunkt. „Ach, (wieder) mal zu schnell und zu weit gefahren“, dachte ich. Vor fünf Kilometern zweigte ein leicht übersehbarer Radweg rechts ab. Den habe ich voll „verschlafen“, weil meine Gedanken Karussell fuhren. An die letzten Tage der Arbeit vor meiner Abfahrt gedacht, liefen die damals geführten Gespräche gerade nochmal eine Wiederholungsschleife durch meine Gehirnwindungen.

Die Konzentration auf das Hier und Jetzt …

… war im Moment schwieriger, als gedacht. Ich spürte am eigenen Leib, wie unmöglich das manchmal scheint, das Nachdenken auszuschalten und sich über den Moment einfach nur zu freuen. Nicht mehr war zu tun. Aber das schien eine unüberwindbare Mauer zu sein. Ich versuchte es schon zwanzig Kilometer zuvor, als linkerhand ein wunderschönes Flussbett lag, stieg ich ab und beobachtete den Fluss. Bewusst sagte ich mir, „all meine Gedanken kommen und gehen, wie das Wasser im Fluss. Alles darf kommen und verschwindet wieder.“ Kurzzeitig half es. Doch dann war ich schon in der großen Löwenstadt Braunschweig. Und wollte nur noch eines: Aus dem Autobahnen- und Schnellstraßen-Dschungel wieder raus. Ich trat kräftiger für den Rückweg in die Pedale, war über jeden Meter froh, der mich vom Autolärm wegbrachte.

Entspannter ging es weiter, als ich zurück an dem Abzweig war. Denn jetzt führte der Verlauf westlich an den großen Autostraßen vorbei, über den Braunschweiger Bürgerpark und zum Fluss, die Oker. Der natürliche Flusslauf schlängelte sich durch die Landschaft, an Schrebergärten und Feldern vorbei. Die Sonne und Lerchengezwitscher stimmten mich zufrieden und brachten die Ruhe zurück. Auch innerlich. An der Stelle passen die Worte, „wie im Außen so im Innen“. So lärmend es im Außen war, vernahm ich es auch in mir. Später wendete sich glücklicherweise das Blatt.

Der Verlauf der Tour nach Wolfenbüttel verlief ab da angenehmer, es lief zunehmend flotter, weil ich auch in großer Vorfreude auf Wolfenbüttel war. Die Lessingstadt Wolfenbüttel beeindruckte mich. Dazu schrieb ich schon an anderer Stelle.

Zwei Tage später hieß es, …

… goodbye Wolfenbüttel, hello Braunschweig

Kirche Niedersachsen Salzdahlum

Kirche in Salzdahlum – ihr „fester Stamm“, ich hatte ihn mit einem Baumstamm verglichen :) – beeindruckte mich sehr

Aus Wolfenbüttel in Richtung Salzdahlum zu fahren, war der Plan. Nach dem kleinen Dorf mit dem „stämmigen“ Kirchturm, bog ich ein Stück weiter rechts ab (der Kirchturm stand sinnbildlich für mich für „Standhaftigkeit“ und „Abwehr“ von Bösem).

Der Name der Ortschaft „Sickte“ stand am Schild. Da ich Zeit hatte, genoss ich das Bummeln am Radweg. Ich schwelgte in der schönen Stimmung an dem heißer werdenden Sonntagvormittag. Die Vorfreude auf die kommenden Tage war groß. Eigentlich wollte ich schon ein Stück weiter sein, und dann die Zeit anhalten.

So nahm ich einen Feldweg, der in weiter Ferne in Richtung Stadt Braunschweig zeigte. Dem Kuckuck zuhörend, die blühenden Wiesen beobachtend und mit der Sonne im Rücken, fuhr ich gemächlich über die holprige Schotterstraße. Plötzlich war das Ende da.

Wie geht es weiter? Ich sah vor kurzem ein paar Radfahrer, die genau den gleichen Weg wie ich fuhren. Sie kamen weiter. Also finde ich auch einen Weg. Und siehe da, durch das kniehohe Wiesengras führte eine schmale Spur. Anfangs ging ich zu Fuß, später stieg ich aufs Rad und fuhr vorsichtig in einer weiten Kurve über das Feld. Jetzt sah ich auch wieder andere Fußgänger mit ihren Hunden beim Sonntagsspaziergang auf einem abzweigenden Schotterweg. Nach links abgebogen, um einige Kilometer auf Schotter weiter nach Braunschweig kommend, stand ich schon in einem Vorort der großen Stadt. Dieses Mal näherte ich mich von Südosten kommend. Grün, so weit das Auge reichte. Schön, dass ich Braunschweig von einem anderen Blickwinkel aus kennenlernen durfte.

Trotz Bummeln und Langsamkeit kam ich mittags 13 Uhr bei meinem Übernachtungshotel, dem Lessinghof, an. Etwa drei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt. Gutes WLAN. Um mein Rad abends einstellen zu können, benötigte es etwas Überzeugungsarbeit und Kommunikation. Am nächsten Morgen um halb sieben schaffte ich es auch, das Rad aus dem tiefliegenden Keller wieder herauszuholen. Obwohl zu dieser Morgenstunde das Hotelpersonal gemütlich erst mit dem Aufdecken des Frühstückbuffets begann, schuftete ich schon kräftig, um mein Rad heil nach oben zu tragen.

Nachdem am Vortag der Check-in am Hotel Lessinghof in Braunschweig telefonisch und mit Schlüsselhinterlegung gut klappte, radelte ich in die Innenstadt. Alles war mit Rad gut erreichbar. Allerdings etwas weniger Glasscherben auf den Radwegen, das wäre wünschenswert. Zum Glück blieb am Reifen alles heil. Auf Fahrrad flicken hatte ich dennoch keine Lust. In Anbetracht der Stadtgröße ist es leichter erträglich, dass eben einiges Glas an Radwegen liegen kann. Allerdings in vielen Fällen für mich unverständlich, denn beim Radfahren nehme ich keine Glasflasche mit, schon aus diesem Grund. Auch wenn Wasser trinken aus Glasflaschen möglicherweise gesünder ist. Glasscherben können aufgrund Autounfällen passieren, seltener allerdings auf Radwegen. Also liegt die Annahme vor, dass es leider mutwillig geschieht. Auch wenn „Party machen“ sicher Spaß macht und es vorkommen kann, dass in leicht betrunkenem Zustand eine Flasche Bier oder Wodka auf der Straße landet. Ich würde da in solchen Fällen tatsächlich ein sogenanntes „Strafgeld“ kassieren lassen, wenn man auf „frischer Tat“ ertappt wird.

Sehenswürdigkeiten Braunschweigs und Fluss Oker entdeckt

Einesteils zog es mich zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, andererseits suchte ich die Ruhe und den Fluss Oker. Ohne auch nur mal einen Teil an Sehenswürdigkeiten zu sehen, wollte ich Braunschweig am nächsten Tag nicht wieder verlassen. Also suchte ich erst den Braunschweiger Dom St. Blasii. Mächtig stand er vor mir und ich fühlte mich wie ein kleiner Wicht davor. Fuhr rechterhand an ihm mit meinem Rad vorbei, holperte über grobes Kopfsteinpflaster, nahm das Wahrzeichen der Stadt, den Braunschweiger Löwen, in Augenschein. Leider vergass ich all diese Momente mit der Kamera einzufangen. Ich war irgendwie nicht in der Stimmung. Die drückende Hitze, die vielen Menschen vom verkaufsoffenen Sonntag stressten mich. So suchte ich erneut das Grüne und wollte aus der Stadt hinaus, noch einmal zu dem hübschen Fluss, die Oker.

Braunschweig zeigte sich an dem Tag von seiner schönen Seite, hübsche Gassen, Fachwerk und zahlreiche Straßencafés luden zum Verweilen ein. Am Sonntagnachmittag war die Suche nach einem leeren Plätzchen in einem der Cafés eine Sissiphus-Arbeit, zu der ich keine Geduld aufbrachte. Schön war, einen Teil der Stadt kennengelernt zu haben, auch wenn es sicher in „schnellem“ Tempo war. Genauso wie Celle und Wolfenbüttel, will ich in die Geschichte Braunschweigs eines Tages tiefer eintauchen.

Bei der Volkswagen Halle Braunschweig entdeckte ich den Fluss, die Oker, wieder. Ein kleiner Park lud zum Verweilen ein und ich fuhr darin mit Rad etwas spazieren. An einer Brücke „übte“ ich, mein Rad Stufen hoch und runter zu tragen. Es hat ja doch einiges an Gewicht und die Bahnfahrt am nächsten Tag lag mir etwas im Magen. Ob ich alleine mein Rad mit zwei Satteltaschen in den Zug und wieder heraus tragen kann? Daher schadete es nicht, einige Kraftübungen zu machen.

Fluss Oker

der Fluss, die Oker schlängelt sich „an“ Braunschweig heran, und durch die Stadt hindurch

Abends im Hotel nutzte ich das WLAN für Recherchen des nächsten Tages. Blickte abends aus dem Hotelfenster und war überrascht über den Anblick des beleuchteten Domes St. Blasii.

Das Gute am Ende war,  …

… das Erkennen von seinen ureigenen Ängsten (etwas nicht schaffen zu können, nicht genügend Kraft für etwas zu haben). Sie relativierten sich in der Natur. Ich wurde durch den Fluss Oker an verschiedenen Stellen merklich entspannter. Fand die schönen Seiten der Natur wieder. Und kann im Nachhinein sagen, die Bahnfahrt am folgenden Tag war unterhaltsam, lustig und mit großer Freude, denn es geschah alles zu meiner Zufriedenheit. Dazu im nächsten Beitrag von Würzburg, dem Main und der Marienhöhe mehr.

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald