Winzer- und Künstlerort Sommerhausen | Mit E-Bike durch Franken

Winzer- und Künstlerort Sommerhausen | Mit E-Bike durch Franken

Mein Wunsch wurde wahr: Den Winzer- und Künstlerort Sommerhausen in den Sommermonaten zu besuchen. Der Streckenabschnitt lohnte sich in vielerlei Hinsicht auf meiner E-Bike-Tour durch Deutschland.

Eingebettet im Maintal liegt Sommerhausen östlich und Winterhausen westlich des Flusses.

Maler, Künstler und Winzer leben in den pittoresken Gassen von Sommerhausen, umgeben von Weinbergen. Für einen spektakulären Ausblick lohnt sich der etwa 20-minütige Aufstieg zum Spazierweg am höchsten Punkt. Bei klarem Wetter sieht man bis zur Festung Würzburg, in die andere Richtung nach Ochsenfurt und gegenüber vom Main, das Dorf Winterhausen.

Zwei kuriose Namen für zwei Weindörfer: Sommerhausen und Winterhausen. Sommerhausen trägt seinen Namen dank des Gedenktages seines Kirchenpatrones Bartholomäus. Gefeiert wird Bartholomäus im Sommer, am 24. August. Das östlich vom Main gelegene Sommerhausen hat dadurch den „Sommer“ für sich im Namen gewonnen. Die Winterhäuser feiern ihren Kirchenpatron am 6. Dezember, den Nikolaustag. Demnach verbindet man den Winter mit dem westlich des Mains gelegenen Winterhausen.

Die St. Bartholomäus-Kirche in Sommerhausen

Mein Sommerhauser-Märchen …

… beginnt mit: Vor vielen Jahren Anfang November lockten traumhafter Sonnenschein und Temperaturen nahe 20 Grad nach Sommerhausen. Die fast frühlingshafte und herbstliche Stimmungen gleichzeitig liebe ich.

Ich weiß es noch ganz genau, an diesem Sonntag, den 2. November, glänzte das herbstliche Weinlaub in der Sonne, ich saß mittags auf Felsen im Freien, stieg auf einen Jägersitz und beobachtete von der oberen Perspektive die Landschaft. Nach einer Weile wechselte ich zur Anhöhe und setzte mich auf eine Bank am Ende des Wanderweges. Mein Rucksack war neben mir und „wir“ beide streckten das Gesicht der Sonne entgegen. Sie küßte mich so intensiv, dass abends im Bad mit Blick in den Spiegel mich „jemand“ angrinste.

Hoch oberhalb vom Main schweifte mein Blick über das weite Tal. Am gegenüberliegenden Waldrand fuhr der Regionalzug seine Fahrt nach Fahrplan von Würzburg über Uffenheim nach Treuchtlingen.

Die Raststätte Randersacker war mir durch Autofahrten bekannt. Den fahrenden Autos und LKWs sah ich noch ein Weilchen zu.

Tief unter mir hörte ich vereinzelt Autos fahren, von Ferne ein Gespräch zwischen Menschen leiser werdend und Containerschiffe schipperten gemächlich am Main entlang.

Tiefe Zufriedenheit und Gelassenheit breitete sich in mir aus. Ein „geschützter“ Ort, im Rücken Gebüsch, rechts begann das Weinfeld, links führte der Wanderweg wieder weiter und unter mir die Reihen mit Weinstöcken.

An diesen Ort kehre ich zurück, wenn ich wieder einmal in der Nähe von Würzburg unterwegs sein sollte. Die Gelegenheit ergab sich kurz danach zum Sommerhäuser Weihnachtsmarkt. Mit einer Freundin besuchte ich an einem Samstagnachmittag den sehenswerten und vielseitigen Markt zur Vorweihnachtszeit, mit Ständen von Kunsthandwerk, Leckerem für Magen und Gaumen, Utensilien rund um den Weihnachtsbaum, die Krippe und zur Adventszeit.

Planung E-Bike-Tour für Mai 2018

Im April 2018 stand die Planung meiner E-Bike-Tour durch Deutschland an und der Wunsch wurde Realität. Sommerhausen war ein „Muss“ und meine Route orientierte sich ab Würzburg bis Ansbach speziell um Sommerhausen und einem weiteren Ort. Dieser spielt im nächsten Beitrag eine Rolle.

Sommerhausen bot sich ideal für eine Übernachtung an, um abends die untergehende Sonne am Main beobachten zu können. Wenn die meisten Touristen und Radfahrer in ihren Unterkünften verweilen oder vom Tagesausflug abgereist sind.

Ab Würzburg dem Main entlang nach Ochsenfurt

Zeitig startete ich von der Unterkunft nahe der Universität Würzburg. Noch einmal brauste ich den Berg über Gersbrunn nach Randersacker hinunter. Dieses Mal hielt ich mich links und fuhr in kurzer Zeit in Sommerhausen ein. Es war zu früh, um schon das vorbestellte Zimmer zu beziehen. An dem Tag machte ich mich auch auf, um eine andere Unterkunft zu suchen, als ursprünglich geplant. Dazu gleich mehr …

Der Radweg entlang dem Main war super ausgebaut, ich kam flott voran und war am späten Vormittag in Ochsenfurt.

Fußgängerbrücke Ochsenfurt

Fußgänger- und Radfahrerbrücke ins Ortszentrum Ochsenfurt

Die Baustelle, wie sie vor ein paar Jahren schon war, gab es noch immer. Im Stadtzentrum schob ich das Rad über Kopfsteinpflaster, strahlender Sonnenschein blinzelte zwischen den Fachwerkhäusern hervor und mit Kaffeedurst holte ich mir bei einem größeren Einkaufsmarkt erstmal einen Kaffee.

Nachdem ich Ochsenfurt einmal umrundet hatte, radelte ich am Main zurück. Stoppte an Rastplätzen für Radler und Freizeitsportler, sog den Duft des Flusses und des Wassers auf, entdeckte blühende Margariten auf einem Feld und fuhr gemütlich dahin. Mittags wurde es mittlerweile wärmer und ich bevorzugte Schattenplätze. In Sommerhausen zurückgekehrt, packte ich den Moment am Schopf und fuhr eine asphaltierte Straße durch die Weinberge nach oben.

An der Umweltstation und dem Tierpark wieder umgedreht, bog ich links in die Fahrstraße entlang des Höhenkamms ab.

Der Aussichtspunkt terroir f mit Kunstfiguren, einem dicken Baumstamm als Sitzgelegenheit, eine zwitschernde Amsel, Ruhe und der herrliche Weitblick überraschten mich. Schnell vom Rad abgestiegen, verweilte ich länger an diesem Ort, dem Siegelswäldchen. Künstler schufen einen Skulpturenpark mit sieben lebensgroßen Figuren, aus Materialien wie Muschelkalk, Holz, Stahl oder Tonerde. Symbolisch stehen sie für die Arbeit eines Winzers und dessen unterschiedliche Arbeitsgebiete.

Glücklich und dankbar über diesen Platz, sauste ich die Weinbergstraße wieder nach Sommerhausen zurück.

Sommerhausen

Am Skulpturenpark terroir f oberhalb Sommerhausen

Weinberge im Maintal

Blick in Richtung Ochsenfurt und in weiter Ferne Uffenheim …

Da der Gasthof für die Übernachtung noch nicht offen hatte, mir auf eine entscheidende Frage in drei E-Mails leider nie eine Antwort folgte, machte ich mich auf die Suche nach einer Alternative. Ich klingelte bei einer Privatzimmervermieterin. Da war niemand da. Das gleiche geschah an einem weiteren Gasthof. Zwischenzeitlich wechselte ich das Mainufer und entdeckte den Bahnhof in Winterhausen.

Zurück in Sommerhausen blieb ich in der Hauptstraße beim Gasthof „Zum Schwan“ stehen und sah in den Innenhof hinein. Hübsch mit Blumen geschmückt sah ich ebenerdig Eingänge in Wohnungen.

Zimmer buchen Sommerhausen übernachten

Ein Traum: So schön wohnte ich in Sommerhausen!

Weiter hinten Garagen. Schon kam der Wirt aus dem Gasthaus und erkundigte sich, ob er helfen kann. Neben ihm trottete gemächlich ein schlanker Hofhund mit treuem Hundeblick. Ich fragte meine Prioritäten ab: Übernachtungsmöglichkeit mit Unterstellplatz für Rad, WLAN wäre super und wenn es Dusche/WC gibt, bin ich zufrieden. Zum günstigen Preis bekam ich alle meine Wünsche erfüllt. Völlig unkompliziert konnte ich binnen Minuten ein schönes und großzügiges Zimmer mit eigener moderner Dusche/WC beziehen. Gleich in Sichtweite mein Rad in eine der Garagen unterstellen und bekam ohne erneut zu fragen, den WLAN-Schlüssel. Das war so perfekt! Ich war überwältigt vor Glück.

Am Abend spazierte ich zur „blauen“ Stunde noch einmal durch Sommerhausen. Drehte am Main entlang eine Runde über den Ortseingang hoch zum Turm und wieder Richtung Ortsausgang. Hört sich weit an, war aber wunderbar in Fußnähe alles erreichbar.

Winterhausen

Blick über den Main nach Winterhausen

Sommerhausen und Winterhausen

Am Main entlang, rechts liegt Sommerhausen, links Winterhausen

Weinberge, Türme in Sommerhausen

Von letzten Sonnenstrahlen am Abend beleuchtet, ein Turm mit einer kleinen Sonne, siehst Du sie? – Der Turm steht direkt angrenzend schon an die Weinberghänge.

Anekdote am Rande: Als ich im Spätherbst 2017 durch Amelinghausen eines sonntags spazierte, las ich an den Fensterscheiben der Heide-Glaskunst den Hinweis, dass zur Zeit des Weihnachtsmarktes in Sommerhausen das Geschäft in Amelinghausen geschlossen bleibt. Das fand ich nun sehr kurios, dass Menschen aus Amelinghausen nach Sommerhausen als Schausteller eine nicht unerhebliche Fahrstrecke auf sich nehmen.

Den malerischen Wein- und Künstlerort Sommerhausen besuche ich sicher bald wieder.

Anreise nach Sommerhausen mit Deutscher Bahn:
In knapp 25 Minuten vom Hauptbahnhof Würzburg erreichbar, mit Ein- und Ausstieg am Bahnhof Winterhausen. Verbindet ein Fußweg von wenigen Minuten über die Mainbrücke den Besucher von Sommerhausen mit seinen Weinbergen.

Der nächste Tag zeigte mir das markgräfliche Uffenheim, Weindörfer und ein grandioser Abendhimmel …

Authored by: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald