Weindörfer, Uffenheim und Musik – mal laut, mal Engelsglöckchen leise …

Weindörfer, Uffenheim und Musik – mal laut, mal Engelsglöckchen leise …

In Sommerhausen munkelte man morgens bei einer Tasse Kaffee, an Vatertag schlägt das Wetter um. Gewitter am Nachmittag.

Beim Hochladen meines Sommerhäuser-Videos auf Facebook trank ich in Ruhe meine Tasse leer, wartete bis das Video fertig geladen war und packte danach meine Utensilien auf’s Rad. Egal wie man über die Wettervorhersage sprach, es schien die Sonne über Sommerhausen! Wieder ein wunderbar klarer Morgen.

Ab in die Radlhose, Sportschuhe an, E-Bike gecheckt, alles parat. Im Gasthaus meine Übernachtung bezahlt und los ging’s in einen neuen Tag. Ziel: Uffenheim und übernachten in Gollhofen.

Am Main führte meine Route nach Ochsenfurt. Am Stadttor in Richtung Uffenheim richtete man die Straße und die Autos wurden umgeleitet. Suchend sah ich mich nach dem Radweg um. Ich kannte allerdings noch die Straße und mein Bauchgefühl hatte recht. Eine Passantin kam mir mit ihrem E-Bike entgegen, da fragte ich sie nach dem Radweg. „Ja, auf der gegenüberliegenden Straßenseite einfach den Berg hoch und immer der Radweg-Beschilderung folgend, kommen Sie auf einem ganz neu ausgebauten Radweg wunderschön hoch auf die Ebene.“ Gut, dankbar über die Infos verabschiedete ich mich von ihr und wünschte der Dame einen schönen Tag.

Bergauf durfte mein Rad fahren. Das mag es gerne …

Geschwind kamen wir hoch auf die besagte Ebene. Anfangs säumten die Straßen Felder und Wälder.

Wärmer wurde es. Kurz angehalten, Jacke und Halstuch abgelegt, den Lerchen und ihrem Gezirpe zugehört und weiter ging’s. Die Strecke zog sich an ein paar Baustellen vorbei, Straßensperrungen, wenig Wald in Sicht, aber auch das war nach einer Stunde schon Vergangenheit.

Am späten Vormittag fuhr ich in Gollhofen ein, durch den Ort und am Gasthaus Zum Stern vorbei. Dort waren zwei Nächte gebucht. Denn in dieser Region wollte ich einige Ecken neu und wieder entdecken.

Der Tag war noch jung. Mein Rad fuhr die vier Kilometer nach Uffenheim zuerst durch ein kleines Talstück, um danach die letzten hundert Meter zum Ortsschild den kleinen Anstieg zu meistern. Über die Würzburger Straße kam ich in Richtung des Würzburger Stadttores, am Gasthaus Zum Schwarzen Adler vorbei.

An dessen Ecke bog ich rechts ab in die Innenstadt mit Kopfsteinpflaster. Durch das westliche Stadttor hindurch kam ich an Freisitzen weiterer Gastronomen und Eisdielen vorbei. Der Straße nach links folgend erblickte ich die Stadtkirche, davor den Markgrafenbrunnen und rechts unterhalb der Kirche das Rathaus. ‚Das wurde vermutlich renoviert‘, dachte ich. Ich konnte mich an die Zeit von vor ein paar Jahren erinnern, als ich die zahlreichen Straßen Uffenheims erkundete. ‚Viel war ich in der Gegend unterwegs, in der Stadt und außerhalb‘, staunte ich selbst häufig auf’s Neue.

Stadtkirche Uffenheim

Nach dem Rathaus sah ich geradeaus eine kleine Bäckerei, daneben das Jugendcafé S-Bar, eine Gemeinschaftsinitiative der Stadt Uffenheim, des Evangelischen Dekanatsbezirks Uffenheim und der Evangelischen Jugend Uffenheim.

Der Straße weiterfolgend blickte ich zum entfernt liegenden Altstadtmarkt „genial zentral“ mit dem offenen Bücherschrank, einem Verkauf von Fair-Trade-Produkten, Drogerieartikeln und einem gut sortierten Obst- und Gemüse-Angebot. Einem, wie ich es liebevoll bezeichnen würde, „Tante-Emma-Laden mit Freiraum“. Gewöhnlich ist in einem Tante-Emma-Laden alles dicht auf dicht gestapelt, zusammengerückt und nebeneinander gedrückt. Hier nicht. Da kann man mit Einkaufswägelchen gemütlich durch die Reihen fahren und in den Wagen „schaufeln“.

Nachdem ich diesen Laden wiederentdeckte, sah ich am Marktplatz nahe dem Eingang des Gerlach-von-Hohenlohe-Stiftes eine Ladesäule für E-Bikes. Erstaunt sah ich sie mir näher an. Tatsächlich für alle Steckervarianten war sie ausgerüstet und die Kabel konnte man sich kostenfrei im Cafè Ritter ausleihen. Toll! Glücklich, solch einen Fortschritt in der Kleinstadt Uffenheim zu entdecken, schob ich mein Rad am Eingang des Altenheimes vorbei zur Judengasse. Alleine der Name erinnert mich an meine Kindheit. Als ich aus Kinderaugenperspektive in Jerusalem den Tempel sah, die betenden Menschen vor der Klagemauer und schwimmend im Roten und Toten Meer das nasse Element mit hoher Salzkonzentration kennenlernte.

Plötzlich hupte es von hinten und ich war schnell wieder zurück in der Realität, kurz vor der Polizeistation Uffenheim. Am Eck schon abgebogen durch das Ansbacher Tor, hörte ich die Espressomaschine der Eisdiele, suchte mir einen Weg mit Rad über die aufgerissene Straße mit grobem Schotter. An der Rothenburger Straße bog ich rechts ab, nach einigen Metern links den Hang über einen Fußweg hoch. Der Weg endete nach einem Parkplatz und mein Rad bog rechts ab in die Krankenhausstraße an der Heiligenfeldklinik vorbei. ‚Ach‘, dachte ich, ‚ich schicke all den Menschen in dem Gebäude gute Gedanken‘. Es war 10.40 Uhr und vermutlich waren die Menschen mit ihren und den Themen der anderen Patienten beschäftigt.

Über einen Schleichweg kam ich zu einem großen Supermarkt mit Backstation und Kaffeeausschank. Der Duft lockte mich an und schnell war der flüssige „Kaffeeduft“ in meinem Becher.

Jakobsweg und „mein Wald“

einer meiner Lieblingsorte … zum Staunen, Fotografieren, Wind ins Gesicht wehen lassen …

Nach dem Kaffeestopp zog es mich nach all den Eindrücken in den Wald. Über die einzigartige Pappelallee, rechts und links Wiesen, in der Ferne ein Windpark, bog der anfangs noch asphaltierte Weg hinein in den Wald, über das „Tor zum Wald“. Ich stand da und lauschte auf ihn. Leise ‚hörte‘ ich ein wenig Wind in seinen Baumwipfeln. Sie meinten, ‚komm, tritt ein und fahr herein mit deinem schönen Rad‘. Lächelnd und vor mich hinschmunzelnd fuhr ich ‚hinein‘. Eine leichte kühle Brise wehte über das Gesicht und näher kommend hörte ich zwei Frauen reden. Sie trugen ihre hohen Wanderrucksäcke, ihre Stöcke in Händen und an den Seiten der Rücksäcke sah ich die weiße Jakobsmuschel. ‚Ja, genau, sie wandern auf dem Jakobsweg, der genau hier und über Custenlohr weiter in den Süden führt‘. Nach Custenlohr und Ohrenbach wollte ich mit meinem Rad noch fahren.

… erst mal zum ‚geraden‘ Stück hinkommend, fahrradwandernd, wie die zwei Frauen mit der Jakobsmuschel am Rucksack

Durch den Wald führt ein Rundweg, der einem ‚P‘ ähnelt. Zuerst fuhr ich linkerhand den Weg geradeaus weiter, welcher am oberen Ende leicht nach rechts abbiegt, um nach wenigen Metern links nach unten und über ein weites Feld nach Custenlohr führt.

Das kleine Dorf, mit etwa 170 Einwohnern, strahlt eine Ruhe aus. Höchstens ein Traktor fährt die Dorfstraße entlang, es zwitschern Mauersegler auf ihrem Segelflug durch die Lüfte oder mein E-Bike summt leise dahin.

Als linkerhand das Gasthaus vorbei war, stand ich plötzlich vor einem großen Kastanienbaum mit unzählig vielen Blüten. Ich könnte ja mal anfangen zu zählen …. doch dann wäre ich in einem Jahr vermutlich noch beschäftigt. Das ließ ich dann doch mal sein.

Custenlohr

Aus dem Ort hinaus pfiff der Wind kräftiger. Wieder mal Gegenwind und die Straße führte bergauf. Egal, die Sonne schien. Die Erde, der Feld- und Waldboden sahen allerdings schon sehr ausgetrocknet aus. Ich erinnerte mich an die Aussage vom Morgen, dass am Donnerstag, am Feiertag es regnen sollte. Das tut der Natur nur gut, dachte ich. Der trockene Wind bläst schon heftig ins Gesicht und macht durstig.

Nach einer weiteren Schlaufe bog ich ab in Richtung Welbhausen und dem sehenswerten Orchideenhaus Currlin, da in der Ferne ein Baustellenschild auf eine gesperrte Straße verwies. Ein guter Grund um über Uffenheim nach Gollhofen zur Übernachtungspension zurückzufahren.

Nach Uffenheim im Supermarkt mit frischen Tomaten, Brötchen, frischem Wasser und Bananen versorgt, fuhr ich über die kleine Talsenke zurück nach Gollhofen.

Freundlich begrüßte mich die Wirtsfamilie im Gasthaus Zum Stern, erklärte mir alles wunderbar und ich packte meine paar Sachen ins Zimmer. Es war überall sauber geputzt. Das Zimmer roch angenehm.

Aber der Nachmittag war zu „jung“, um mit Radeln aufzuhören … die nahen Weindörfer wollten einmal umrundet werden. Und das war eine feine Ausfahrt: Über Herrnberchtheim, Ippesheim bog ich rechts nach Reusch, Geckenheim und Uffenheim. Zauberhaft lagen bunte Blumenwiesen, die Wälder und beschauliche Weindörfer auf der Strecke. Abwechslungsreich, mal hoch mal runter, kurvig, eine geniale Strecke für alle Zweiradfahrer, ob mit Motorantrieb oder ohne. Aber immer schön gemütlich in ruhigem Tempo.

Am Himmel ‚rückten‘ die Wolken bedrohlich näher aneinander. Da kommt vermutlich heute schon eine Abfrischung vom Himmel, dachte ich. Und glücklicherweise schaffte ich die letzten Kilometer noch trocken zurück nach Gollhofen. Das Fahrrad geschwind in der Garage abgesperrt, brasselte es auch schon los. ‚Ach, wie schön!‘ Doch nach wenigen Tropfen war der Spuk vorbei.

Ich stand kurze Zeit im Regen und schaute mit geschlossenen Augen gen Himmel. Eine Wohltat, die Regentropfen im Gesicht. Warmer Regenduft mit frischer Erde gemischt stieg in meine Nase.

Im Zimmer zurück wartete nur noch eine erfrischende Dusche und das frisch duftende Bett auf mich … Siesta.

Es war irgendwann eine Stunde später, da machte ich meine Augen auf und durch das Milchglas am Fenster konnte ich nur Sonnenstrahlen erahnen. Ganz öffnend sah ich eine so schöne Abendstimmung, dass ich mich anzog für eine Abendrunde ums Dorf. Möchte ja Gollhofen auch mal näher inspizieren …

Richtung Brackenlohr zeigte ein Wegweiser. Dem Weg folgte ich ein Stück, am freien Feld blieb ich stehen und schaute nur dieses einzigartige Wolkengebilde an. Wahnsinn, was die Natur mir immer vor Augen führte ….

Wolken-‚Schauspiel‘ – mit Licht am Horizont!

Ein paar Schritte zurück bog ich für einen kleinen Umweg am Kindergarten vorbei zurück zur Hauptstraße. Es fuhren zwar direkt am Gasthaus Zum Stern einige Autos vorbei, doch die Lage des Zimmers – geschickt rechterhand über dem Eingang in einem Mauerverschlag – war ideal, um ungestört schlafen zu können.

Am nächsten Morgen sah ich gegenüber des Einganges eine Ladesäule für E-Bikes. Das sah ich während der gesamten Tour nicht mehr, dass ein Gasthaus dieses in seinem Angebot hatte. Doch hier am Lande richtet man die Aufmerksamkeit auf eine nachhaltige Art des Reisens und geht mit dem Trend, dem wachsenden E-Bike-Tourismus.

E-Bike-Station am Gasthaus Zum Stern in Gollhofen

Den Vormittag nutzte ich noch einmal für eine ausgedehnte Tour durch die Weinberge. Die Wettervorhersage sagte bis 14 Uhr Sonnenschein und trockenes Wetter.

Am Vatertag feierte man in verschiedenen Dörfern Weinfest. Ich sah morgens um 10 Uhr Bänke aufstellen, Kuchengedecke anrichten und Musikboxen aufrichten an Ständern. Beim Vorbeifahren wünschte ich den Veranstaltern für den Tag eine Vielzahl an Besuchern, wenig Einbußen durch schlechtes Wetter und möglichst kein Unfall durch Alkohol.

Den ersten Teil der Tour vom Vortag kannte ich zwar, doch sah es am Vormittag durch den Sonneneinstrahl von anderer Seite so schön aus, dass es ein Genuss war, durch Herrnberchtheim nach Ippesheim zu fahren. Dort schlug ich links haltend den Weg nach Bullenheim ein, vorbei an der Kunigundenkapelle aus dem 12. Jahrhundert.

Nach diesem weit über die fränkischen Grenzen hinaus bekannten Weinort folgte Seinsheim, Hüttenheim und Nenzenheim. Ab da wurde es hügelig, die Straße verlief am „Bullenheimer Berg“ vorbei. Einige Male rauf und runter kam eine steile Abfahrt. Glücklicherweise sah ich noch in letzter Minute links das Schloss Frankenberg. Von dort genoss man bei gutem Wetter einen fantastischen Ausblick über die weite Ebene.

Mittig das Schloss Frankenberg mit fantastischem Ausblick über die Weinregion um Uffenheim

Durch die „Schußfahrt“ bergab war ich sehr schnell wieder in Reusch, wo ich am Vortag die Abkürzung nach Uffenheim zurücknahm. Viel zu schnell schaffte ich all die Weindörfer, dass ich einen weiteren Abstecher über Weigenheim zurück zur Staatsstraße nahm, der Verbindung zwischen Ulsenheim und Uffenheim.

In Uffenheim drehte ich eine Runde am Schloss vorbei und dachte mir, ‚all die Menschen, die viel mit den Zahlen hier im Finanzamt zu tun haben, genießen dabei einen wunderbaren Ausblick‘. Rechterhand beherbergt ein Gebäude das Gollachgaumuseum. Daneben das ehemalige Feuerwehrhaus, in dem heute das Heimatmuseum untergebracht ist. Es gibt vieles zu sehen in Uffenheim … ich komme sicher wieder.

Vom Schloßplatz bog ich ein paar Straßen weiter in die Sparkassenstraße ein. Linkerhand neben der Sparkasse stand ein Wohnhaus mit sauber heruntergeputzter Außenfassade. Ein Wohnhaus. Das möchte man meinen. Aber in einem Fenster im Erdgeschoss entdeckte ich zwei Flyer, einen vom FreiRaum und einen vom Freien Tanz in Uffenheim. Letzteres wollte ich am Abend mitmachen. Darauf freute ich mich seit langem …

Im >>FreiRaum<< frei Tanzen

Der freie Tanz ist ‚anders‘ als ein Standardtanz oder nach lateinamerikanischen Tanzschritten. Es ist alles möglich, mit welchem Tanzschritt auch immer, das entscheidet der Körper, welchem Rhythmus er nachgeben will.

‚Die Welle‘ nach den Fünf Rhythmen® nach Gabrielle Roth kennt weder ein „so muss man tanzen“, noch ein „das ist der richtige Tanzschritt“. Ob Jung, ob Mensch in den besten Jahren, die Welle folgt einem „roten Faden“. Die erfahrene Tanztherapeutin Susan Waldow begleitet seit Jahren Gruppen „durch“ die Welle, eine fließende Rhythmenfolge. Mit einfühlsamer Unterstützung von Susan „bauschte“ sich die Stimmung zur „Welle“ auf, vom sanften Flow, über das Staccato zum Chaos.

‚Wow‘, kommt es innerlich aus mir heraus während ich diese Zeilen schrieb und die Füße wollten wieder tanzen … denn dabei dachte ich an einen Song von Michael Jackson, der es richtig in sich hat und zu dem das Chaos wunderbar passte. Miterlebt. Direkt im Tanzraum. Was war das schön …

Doch danach ist noch nicht Schluss. Lyrisch, fliessend und federleicht fühlt sich der folgende „Rhythmus“ an. Bevor es langsam endend in die Stille übergeht. Zu einem „Ave Maria“. Sanft „aufgeweckt“ mit Glöckchen wie von Engeln … ein Zauber lag im Tanzraum … unvergesslich, so ein Tanzabend …

Nach zwei Stunden war dieser gänsehautige Zauber nicht vorbei, er hielt glücklicherweise noch etwas an. Mit zufriedenem, tiefglücklichen Lächeln im Bauch, schwang ich mich noch einmal an diesem Tag auf mein Rad, zur letzten Abfahrt nach Gollhofen. Die Glücksgefühle hüpften noch lange im Körper. Irgendwann schafften es die Augen zuzufallen für einen ‚Gute-Nacht-Traum mit Gänsehaut‘ …

Info
Gasthaus Zum Stern
Hauptstraße 3
97258 Gollhofen
Web: www.stern-gollhofen.de
Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald