Dem mürrischen Gegenwind getrotzt, dafür „in Rose“ übernachten

Dem mürrischen Gegenwind getrotzt, dafür „in Rose“ übernachten

Flachslanden war bis zu besagtem Freitagabend ein weißer Fleck auf meiner fränkischen Reisekarte. Es entpuppte sich zu einem heimeligen Ort, an dem eine Extra-Rundtour über Wiesen und Wälder, ein Besuch einer exklusiven E-Bike-Station und ein schmuckes Wohnzimmer auf mich wartete.

Gestartet an einem sonnigen Morgen in Gollhofen fuhr ich für ein letztes Mal die vier Kilometer nach Uffenheim. Schwermut lag in der Luft, da der Abend zuvor sehr eindrücklich war. Es bestätigte mir, wieviel Schwung und Kraft in einem Körper innewohnen, wenn man in „seinem“ Rhythmus lebt. Der Entschluss stand fest, ich komme wieder. Damit fuhr ich tagsüber leichter durch die grauen Wolken, die sich nach Uffenheim mehr und mehr zuzogen. Als wollten sie sagen, „komm wieder, komm ja wieder“. Diese düstere Stimmung und der kräftige Gegenwind forderten mich. Die Folge, ich blieb gerne mal stehen. Wie schnell oder langsam ich vorwärts kam, war mir einerlei.

Die gelassene Einstellung war genau richtig an dem Tag. Denn mein Bike wollte gerne mal zur Seite fahren, „der Weg nach links könnte so schön sein, wollen wir es ausprobieren?“ nagte eine Stimme in mir.

Meine kleinen „Seitensprünge“ führten mich immer wieder zurück zum „eigentlichen“ Weg. So passiert, gleich hinter Uffenheim in Welbhausen. Gewünscht war noch einmal über Custenlohr und danach Richtung Rothenburg ob der Tauber zu radeln. Aber diesen winzigen kleinen Abzweig nach links, den verpasste ich. Dafür vergass ich völlig die Zeit nach weiteren Kilometern, als die Autobahn querte. Da war links so ein hübscher Radweg in Richtung eines Waldes. „Da könnte ich mal versuchen, ob ich unter der Autobahn drüberkomme“, murmelte eine Stimme in mir. Tja, zwanzig Minuten später sah „diese Stimme“, da gab’s nix, um unten durchzufahren. Vierzig Minuten verplämpert. Aber egal, ich komme bis abends bestimmt nach Flachslanden.

Vom Heim, Hausen über Bach nach Hofen

Ratsam ist in der gesamten Gegend um Uffenheim, mit einer App oder einer Straßenkarte zu fahren für Menschen, die Ortsnamen gerne durcheinanderwürfeln. Du glaubst es nicht, wie viele Ortsbezeichnungen auf -heim, -hofen, -hausen oder -bach enden. Innerlich schmunzelte ich, „wieder mal ein …hausen oder …heim durchfahren!“

Beim Schreiben dieser Zeilen gönne ich mir den Spaß und führe alle Dörfer auf, durch die ich an dem Tag fuhr:

Gollhofen – Uffenheim – Welbhausen – Oberscheckenbach – Gumpelshofen – Reichelshofen – (Steinsfeld, zur Abwechslung mal ein -feld, sonst wird es langweilig) – Hartershofen – (Nordenberg – Linden) – Windelsbach – Cadolzhofen – Burghausen – Poppenbach – (Anfelden – Oberdachstetten über Mitteldachstetten) – Oberosenbach und danach Ziel: Flachslanden.

Dorfgeschichten – Langeweile kennt man nicht

Jedes Dorf erzählte mir beim Durchfahren seine Geschichte. Bemerkenswert ist, an einer Bushaltestelle auf die „Pinnwand“ zu gucken. Dort hängen Bürger wichtige Informationen für die Dorfgemeinschaft aus. Das kann spannend sein, wer heiratete, wann half das ganze Dorf zusammen für ein „Großreinemachen“ oder wann trifft sich die Feuerwehr zur nächsten Atemschutzübung.

Eines hatten alle Dörfer ab Uffenheim bis Flachslanden gemeinsam, es fand sich nirgends ein Café oder eine Einkaufsmöglichkeit ums Eck.

Zum Glück fuhr ich morgens am Ortseingang von Uffenheim bei meiner Lieblingskaffeezapfstelle vorbei, von der ich mittlerweile die Öffnungszeiten auswendig kenne. Die freundlichen Damen füllten noch einmal meine Thermoskanne. Dankbar schätzte ich diese Wohltat einen ganzen Tag lang.

Nach Hartershofen, längst von der Route nach Rothenburg ob der Tauber abgebogen, brachte der „Nordenberg“ mich wahrlich „hoch in den Norden“. Also hoch auf den Berg, ziemlich steil hinauf. Über Linden durch die Ebene weiter wehte ab und an kräftig der Wind ins Gesicht.

Steil führte der Berg hoch nach Nordenberg – lohnenswert war der Rückblick hinunter ins Tal (ganz weit hinten in der Ferne müsste Uffenheim sein)

„Ob ich Gegenwind liebe“, fragte mich einmal ein Kind. „Naja,“ lautete meine Antwort, „weißt Du, ich liebe Herausforderungen, und deshalb bejahe ich die Frage, aber schön finde ich jede Bergabfahrt!“ Strahlend sah mich das Mädchen an. „Ich liebe Gegenwind“, sagte sie mir zum Abschied.

Gegenwind fördert den Blick auf die Straße und die starre Haltung, besonders im Genick. Selbstbelohnung war an dem Tag angesagt, das hieß: Stehenbleiben, die Gegend bewundern, ausatmen, Kopf kreisen, und ein paar Schluck trinken vom leckeren Kaffee aus Uffenheim. „Ich mach’s mir heute schön und folgte dem Beispiel von >>Beppo, dem Straßenkehrer<< als er die lange Straße vor sich hatte zum Kehren“ (ein Gedanke aus Michael Endes Märchen „Momo“).

Radtour Franken

„Begleitung“ hatte ich eine zeitlang vom Fluss, der Fränkischen Rezat. Bis kurz vor Flachslanden folgte ich dem Tal, es zeigte mir eine abwechslungsreiche Landschaft. Leicht hügelig, Getreidefelder, Wiesen und Kiefernwälder.

Kurz vor meinem Ziel verabschiedete sich die fränkische Rezat und schon kam linkerhand das Rosenbächlein. Da war ich bereits auf den Spuren „der Rose“. In Ortsnamen, Flussnamen und dem Namen des Gasthofes begegnete sie mir.

Überrascht hatte mich der Gasthof „Rose“ von seinen neu renovierten Zimmern. Mein Einzelzimmer glich einer Wohnung mit Dusche und WC. Einem extrabreiten Einzelbett umrahmt von echten Holzbalken, einem freundlich-gelben Farbanstrich, betrat ich nach der Zimmerschlüsselausgabe mein „Zuhause einer Nacht“.

Auch mein Rad bekam eine sichere Unterstellmöglichkeit.

Gasthof Rose in Flachslanden

Am Empfang freundlich begrüßt im Gasthof Rose in Flachslanden.

Nachdem ich meine sieben Sachen abgelegt hatte, lugte ein Sonnenstrahl durch die Wolken. Er kitzelte mich wieder hinaus ins Freie. Hoch die Straße und danach rechts hinaus über die Felder, so war mein Plan. Ein Stopp folgte, denn mitten im Ortszentrum entdeckte ich ein Fahrradgeschäft mit hochwertigen und namhaften E-Bikes. Gut besucht informierten sich außerhalb Interessenten über die Akkuleistungen der verschiedenen Fahrradmodelle. Der Besitzer gab freundlich und begeistert Auskunft. Das war ein richtiger „Fahrradschatz“ am Lande. In größeren Städten sucht man manchmal vergeblich diesen sehr guten Service.

Mittlerweile kam die Sonne hell strahlend hervor und ich schwang mich zur letzten Abendrunde nach Kettenhöfstetten und über Borsbach nach Flachslanden zurück. Vorbei an sattgrünen Wiesen und moosbedeckten Steinen mitten am Waldboden. In der Ferne standen zwei Rehe in der Abendsonne. Eine Idylle, die die Strapazen des Tages vergessen ließen.

Zurück im Ort besorgte ich mir noch paar Utensilien für den Abend und genoss anschließend den sanften Duschstrahl in dem modernen Duschbad im Zimmer.

Das Tablet und Handy ladeten bequem über dem Steckdosenanschluss am Bett. Wie ich das liebe!

Einzelzimmer Flachslanden

Der Tag endete zeitig mit einem Knopfdruck auf das ausgehende Bettlicht. Der Gegenwind saß in den müden Muskeln und so schlummerte ich schnell ein. Bis morgens sechs Uhr der Kaffeeduft über meine Nase rollte …

Infos
Gasthof Rose
Ansbacher Str. 20
91604 Flachslanden
Web: www.gasthof-rose-flachslanden.de

 

Authored by: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald