Bauckhof Amelinghausen mit Herz für Mensch und Tier

Bauckhof Amelinghausen mit Herz für Mensch und Tier

Ein Teller mit Bio-Käsewürfel vom Bauckhof, Spalten von Aprikosen und Zwetschgen liegen neben mir. Ich greife mir einen Käsewürfel und sehe zum Fenster. Erinnere mich genau an die Situation zurück, als alles begann …

Nach den ersten zwei Monaten am neu gewählten Wohnsitz Amelinghausen spazierte ich an einem Märznachmittag 2016 am Bauckhof vorbei. Das reetgedeckte langgestreckte Landhaus versprühte einen warmherzigen Charme, angestrahlt von zarten Sonnenstrahlen der schon tiefliegenden Märzsonne. Verwundert über den offenen Zugang von der Straße in den Garten, stand ich berührt da und machte ein Foto, welches als Titelbild des verlinkten Beitrages vom März 2016 diente.

Das bekannte Hoffest am Bauckhof

Zwei Monate später besuchte ich die seit vielen Jahren stattfindende gut besuchte Veranstaltung am Bauckhof, das Hoffest. Organisatorisch ein Großprojekt. Für Menschen weit über Lüneburgs Landkreisgrenze hinaus eine willkommene Gelegenheit, den Demeterhof zu besuchen für Einblicke in die tägliche Arbeit mit den Naturprodukten der Käserei, dem Kuhstall oder Schweinestall. Für Kutschfahrten, leckere Bratwürste und selbstgebackenen Kuchen. Das Hoffest ist eine Begegnungsmöglichkeit von Menschen, die sich für nachhaltiges Wirtschaften, das Leben am Hof und den Qualitätsmerkmalen eines Demeterhofes interessieren.

Als ich damals durch den wohlriechenden Kuhstall ging, an der Führung durch die Käserei teilnahm, wuchs der Wunsch, eines Tages – und sei es für eine kurze Zeit – die Stimmung und einen tieferen Einblick in die Philosophie des Hofes einzufangen. Gut zwei Jahre später war es dann soweit, an einem Nachmittag im Juli 2018!

der Pavillon am weitläufigen Gelände

das reetgedeckte Landhaus umgeben von Natur und einem wunderschönen Garten

Mehrmals wöchentlich laufe ich außerhalb an der Straße und an der „Sonnenterrasse“ der Kühe vorbei, an den Blumenbeeten für Biene und Mensch, dem Pavillon für die Waldorfschüler während ihrer Landbaupraktika und am Hofladen in Amelinghausen. Mit der „Sonnenterrasse“ der Kühe meine ich den offenen Kuhstall der Jungtiere der Schwarzbunten.

die „Sonnenterrasse“ mitten in Amelinghausen – am Gelände des Bauckhofes (das Foto entstand am 30. März 2018)

interessanter Perspektivenwechsel: von innen nach außen

Menschen tragen gemeinsam zum Wohle der Umwelt bei

Ein Merkmal des Bauckhofes am Ort ist die Nähe zu den Menschen und Einwohnern. Eine offene Brücke bauen, damit Mensch und Tier einander näherkommen können. Wer mag. Ohne erhobenem Finger. Eher mit Gesang im Schweinestall und Pavillon.

Man traut seinen Ohren kaum, wie aufgeregt Schweine im Stall werden können, wenn es ums Füttern geht. Abhilfe schafft etwas völlig Simples, das man beim Lesen der folgenden Zeilen nur erahnen kann, sofern nicht selbst miterlebt. Es ist in Respekt vor dem Menschen geschrieben, der sich nicht über die Tiere stellt, sondern mit ihnen und für sie ein Leben gestaltet, in größtmöglicher Freiheit, Fürsorge und Achtung. Singen. Ja, liebe Leserin und Leser, Musik in den Ohren beruhigt jedes Kind beim Einschlafen, bei Ängsten oder ungewohnten Situationen. Tiere sind ebenso sensibel und reagieren ähnlich.

Die gelernte Molkereifachfrau und Tochter der Bauckfamilie, Michaela Weber, weiß intuitiv, was den Tieren guttut, ob Singen, Summen, ein Kopfkraulen oder sanftes Streicheln der Hörner.

am 27. Juli 2018 geboren, ein kleines Kalb der Schwarzbunten

Mit dem Ritual schließt sich am Bauckhof ein Kreis, der mit der Hofgemeinschaft und den Waldorfschülern gelebt und praktiziert wird: Das regelmäßige Singen vor dem Frühstück zu Schulklassezeiten. Auch Mahlzeiten in Gemeinschaft sind fester Bestandteil am Hof.

Demeter-Qualität in Amelinghausen

In vielen Stunden der Recherche wurde mir nur annähernd auf dem Papier klar, welch Meisterleistung ein Demeterbetrieb vollbringt, in Zeiten einer langen Trockenheit, bei Ungezwiefer oder Schwierigkeiten im Produktionsablauf.

„Wichtig am Hof ist die Kommunikation“, meinte Michaela, als sie von den regelmäßigen Treffen der Hofgemeinschaft und Pächter erzählte. „Und das mit Jedem. Auch mit einem Schüler, der für ein paar Tage zu Gast am Hof ist“.

Verbunden mit der Natur und im Jahreszyklus der Saison lernen junge Menschen im Alter von 14-15 Jahren von der erfahrenen Hauswirtschafterin, den Pächtern und festangestellten Mitarbeitern aus all den Bereichen des Demeterhofes in Amelinghausen.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf Weber und zwei weiteren Familien (Jörg Hüsemann und Claudia Schuppert, sowie Nora Mannhardt mit Tobias Riedl) arbeiten sie am Bauckhof Amelinghausen Hand in Hand.

Im Jahr 1969 entschied man sich den Familienbetrieb Bauckhof in eine gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft zu wandeln, damit die Hofgemeinschaft nicht verkauft und nicht vererbt werden kann. Dass weiterhin biologisch-dynamisch gewirtschaftet wird und noch viele Menschen mithelfen und mitwirken können. Die gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft ist Eigentümer und Verpächter des Bauckhofes.

Die Bauckhöfe der Lüneburger Heide

Zu der gemeinnützigen Landbauforschungsgesellschaft gehören drei weitere Bauckhöfe im rund 35 Fahrradkilometer entfernten Raum Uelzen, mit dem bekannten Hundertwasser-Bahnhof (gemessen vom Standort Amelinghausen). Vom Hundertwasser-Bahnhof berechnet, findet sich der Bauckhof Naturkost mit Online-Shop weitere 15 km entfernt in Rosche. Dort verbindet man den gesundheitsbewussten Einkäufer im Internet europaweit mit dem Familienbetrieb in der Lüneburger Heide. Weitere zwei Kilometer mit Rad sind die Werkstätten mit Sozialtherapie am Bauckhof Stütensen beheimatet. Rund 7 km südwestlich vom Hundertwasser-Bahnhof gelegen, konzentriert man sich am Bauckhof Klein Süstedt auf den artgerechten Tierhof, einer der ersten Betriebe Deutschlands, der nach Demeter-Richtlinien arbeitete. Bauckhof steht seit 1932 für eine konsequente und nachhaltige Wirtschaftsweise.

Der Bauckhof in Amelinghausen verbindet als eigenständiger Organisationskreislauf die Vieh- und Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen, einen Agrarbetrieb, eine Käserei, einen Hofladen, das Wohnprojekt „Hof wird Dorf“, einem Kräutergarten, blühende Blumenwiesen für Bienen und zur Freude des Menschen.

Bauckhof: Landbaupraktika für Waldorfschüler

Michaelas Augen strahlten mich an, als wir im lichtdurchfluteten Pavillon stehen, der den Waldorfschülern und der Hofgemeinschaft als Gemeinschaftsraum dient, „das ist auch der Raum, den ich nach dem Ende eines Praktikumszyklus alleine reinigen will“. Ich verstehe sofort was die Mutter von drei erwachsenen Kindern meint, der Pavillon besitzt einen Lichtschacht an der oberen Spitze, breite hohe Fenster, ein Flügel, große Wandgemälde eines bekannten Künstlers der Region und natürlich einen „guten Geist“, die Seele des Hauses. Wer kann das wohl sein, wenn im nebenanliegenden Raum der große Herd der Hauswirtschafterin steht, der täglich im Einsatz ist?

Im lichtdurchfluteten Pavillon essen, lernen und verbringen Menschen der Hofgemeinschaft und der Waldorfschüler gemeinsame Zeit. Für das Landbaupraktikum ist Michaela Weber (geb. Bauck) die Ansprechpartnerin.

Beim Begriff Landbaupraktika dachte ich zuerst an den Charakter einer Jugendherberge mit Stockbetten, doch entgegen diesem Klischee wurde ich beim Betreten des Mädchen-Schlafsaales vom Gegenteil überzeugt. Die Holzbauweise des Gebäudes, Betten und Böden aus Holz und abgetrennte Schlafbereiche ermöglichen den jungen Mädchen erholsame Stunden nach einem langen Praktikumstag. Die Betten standen leer, noch waren Ferien. Doch bald geht’s wieder los mit einer Schulklasse zum Landbaupraktikum.

An zehn Tagen erfahren die Waldorfschüler in theoretischen und praktischen Teilen aus dem Produktionsbetrieb in Amelinghausen viel Wissenswertes für ihr Leben. Sie helfen mit und tragen mit ihrer Arbeit zum täglichen Erfolg bei. An einem Sonntag erleben sie außerhalb eine Freizeitaktivität, bevor es montags wieder mit zeitigem Aufstehen und der Arbeit weitergeht.

Am vorletzten Praktikumstag wünschen sich die jungen Menschen ein Wiederkommen zur Ferienzeit. Nach anfänglich kleineren Hürden und der körperlichen Arbeit, gewöhnen sie sich rasch an den Arbeitsablauf. Nicht zuletzt durch die hervorragende Betreuung von Michaela, ihrem Mann Ralf und den weiteren Pächtern und Mitarbeitern am Bauckhof. Am elften Tag knüpft man Verabredungen für ein Wiederkommen.

Überall ist ein wohlwollendes Miteinander und Leben spürbar, und doch herrscht eine angenehme Ruhe. Selbst die Kühe im Kuhstall und auf den Freiflächen wirken geduldig, genügsam und zufrieden. Die Schwarzbunten am Demeterhof dürfen übrigens ihre Hörner behalten. Andernorts werden sie entfernt, um Platz zu sparen. Als würde man einem Menschen seine Fingernägel komplett entfernen, so stellte ich mir das vor, das Leben ohne Hörner. Obwohl sie warm durchblutet und angenehm sich anfühlten.

Im Melkraum: Ralf Weber hatte mit Unterstützung einer Praktikantin die Kühe gemolken – unter Sprühnebel, das verhindert Unruhe und nervige Mücken, war angenehm erfrischend an einem heißen Sommernachmittag

Während der Runde um den Hof besuchten wir den Schweinestall. Da ich kürzlich erst einen anderen Schweinestall besuchte, überraschte mich der Geruch sehr. Am Bauckhof Amelinghausen hatten die Schweine viel Auslaufmöglichkeiten, natürliches Licht durch große Fenster und sie waren kaum riechbar. Verwundert fragte ich Michaela, wie kann das sein? „Das ist alles eine Sache der Ernährung, am Demeter-Hof achtet man besonders auf vielseitiges und natürliches Futter. Das äußert sich über den Geruch. Sie bekommen auch das ‚Abfallprodukt‘ Molke der Käserei zum Trinken, damit erfüllen wir zu einem Teil die Anforderungen eines Demeterbetriebes und müssen nichts unnötig wegwerfen, sondern führen es im Kreislauf weiter“.

die zartrosa Schweinchen mit ihren Knopfaugen lagen vermutlich etwas lange in der Sonne – sonnenverwöhnt eben …

Erstaunt verließ ich den Schweinestall und wir gingen an der hauseigenen Holzschnitzel-Heizanlage vorbei, die mehrere Gebäude am Bauckhof zur kalten Jahreszeit beheizt.

Anschließend wechselten wir die Anliegerstraße, gingen zum Kräutergarten mit seinem benachbarten Wäldchen und dem Wohnprojekt. Ein angenehmer Ort, ja schon ein Kraftort, wenn man bei der nebenanstehenden über 200-jährigen Stiel-Eiche davorsteht.

Dorthin zog ich nach dem Besuch am Bauckhof nochmal alleine und innerlich dankte ich dem Menschen (und denjenigen, die während seiner Zeit um ihn waren), der unbekannterweise so wertvolle Arbeit für seine Nachkommen und weitere Generationen in die Wege leitete. Der Vater Michaelas, Joachim Bauck, galt als „Urgestein“ (wie man es in Bayern sagen würde) des Demeter-Verbandes, engagierte sich am Dorf für nachhaltiges Wirtschaften und umweltfreundlichen Umgang mit unserer Natur. Er leitete den Amelinghauser Chor. Nicht ganz unbeteiligt war er (mit Ehefrau) sicherlich an der musischen Förderung Michaelas. Vielleicht sogar auch unbekannterweise an beiden Geschwistern.

im Kräutergarten

Biologische Produkte für Sportler, Gesundheitsbewusste und bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

In wenigen Schritten Entfernung liegt der Hofladen, zu dem Menschen aus dem Landkreis Lüneburg und aus dem Ort zum Einkauf von biologischen Produkten, auch für Sportler, Allergiker und Gesundheitsbewusste, kommen. Im Online-Shop kann nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten selektiert und vom breiten Angebot profitieren, wer beispielsweise auf der Suche nach glutenfreien Lebensmitteln ist.

Bevor ich nach Hause ging, war mir eine letzte Stippvisite darin wichtig. Ein Abschluss des interessanten Nachmittags rundete dieser Einkauf ab, es war (m)eine Wertschätzung für die Arbeit am Hof. Natürlich auch eine große Freude und Genuss, diese Schätze zu essen. Man schmeckt eben die Qualität …

viele Kartoffeln, Aprikosen und Zwetschgen tummeln sich in den Papiertüten …

Der Käseteller neben dem Laptop leerte sich mit diesen letzten Zeilen des Beitrages. Der zart schmelzende Biohofkäse vom Bauckhof verschwand mit seiner Schale unmerklich neben den Aprikosen und Zwetschgen und landete sanft im Bauch. ‚Bald gibt’s Nachschub‘, beruhigte ich den hörbar knurrenden Magen. Vielleicht sogar am Festival ‚A Summers Tale‘ in Westergellersen. Dort ist der Bauckhof mit Köstlichkeiten des Hofes präsent, also wieder eine Chance, leckeren Hofkäse zu verköstigen.

Ein Auszug an Ehrungen und Mitgliedschaften Baucks:

Free From Food Awards 2017

Im September 2017 war der Bauckhof Amelinghausen Schauplatz der Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder

Norddeutscher Käsepreis 2012

Joachim Bauck, Pionier und Gallionsfigur des Demeter-Verbandes erhielt 2009 die polnische Verdienstmedaille für die Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft in der polnischen Wojewodschaft Wielkopolska.

Auf der Grünen Woche 2008 zeichnete man Bauckhof Klein-Süstedt mit dem Pro-Tier-Förderpreis für artgerechte Nutztierhaltung aus („Vorreiter einer zukunftsorientierten, menschen-, tier- und umweltfreundlichen Landwirtschaft“).

Der Förderpreis Ökologische Landwirtschaft wurde für die Vielfältigkeit am Bauckhof im Jahr 2002 verliehen.

Seit 1994 war Bauck geschäftsführender Vorstand im Demeter-Bund.

Zertifikate der einzelnen Bauckhöfe

Quellen:

Der Bauckhof in Amelinghausen

Der Bauckhof mit seinen vier Standorten in der Lüneburger Heide

Wohnprojekt in Amelinghausen „Hof wird Dorf“

Joachim Bauck, Pionier und Gallionsfigur des Demeter-Verbandes

Der Demeter e. V. aus Darmstadt

Merkmale und Unterschiede von Bio zu Demeter

Naturkost aus der Heide im Online-Shop

 

Offenlegung gemäß Blogger-Codex: Der Beitrag zum Portrait Bauckhof Amelinghausen entstand auf eigenen Wunsch ohne Honorarbeteiligung von seitens des Bauckhofes. Da der Qualitäts-Demeterhof dem Ort Amelinghausen alleine durch seine Präsenz einen ständigen Mehrwert, Herzlichkeit und Heimatgefühl bietet, durch seine Tiere, die Hofgemeinschaft und die jungen Waldorfschüler.

Ich danke Michaela und den Menschen am Bauckhof, für die Zeit während des Rundganges. Vielen Dank auch für den saftigen Streuselkuchen und den Kaffee – es war lecker! 

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald