Tschüss Franken, schön war’s – Hallo München!

Tschüss Franken, schön war’s – Hallo München!

Nach der Nacht in Flachslanden zog ich zeitig mit meinem E-Bike aus der fränkischen Dorfidylle von dannen. Die Sonnenstrahlen neigten sich steiler, je später die Stunde am Morgen.

Das nächste Etappenziel war Ansbach. Nicht weit von Flachslanden entfernt. Den Tag für Rundtouren um Ansbach nutzen, so lautete der Plan.

Eher bergab führte gefühlt der Radweg zum Ortsschild der mittelfränkischen Stadt entlang weiter Wiesen, kleiner Dörfer und Bäche.

In Ansbach angekommen nach den schnell geradelten 13 km suchte ich die Unterkunft auf, die für die kommende Nacht geplant war.

Doch an dem Tag lag etwas in der Luft, etwas zum Nachdenken und ein sonderbarer Duft speziell in Ansbach. Klar, viele Autos mit Abgasen am Samstagvormittag, Düfte von umliegenden Landwirten und ihren Ausfuhren an „Abfallprodukten“ der Kühe. Eigentlich mag ich den Duft. Er erinnert mich an „Heimat“, an etwas „Bodenständiges“. Aber Autoabgase und Duft nach Wurstproduktion erfreut keine Nasenzelle.

Ich fuhr näher an die Unterkunft und der Duft wurde stärker. Endlich erkannte ich ein Schild auf einem hohen Industriegebäude mit der Aufschrift einer bekannten „Schnellimbiss-Wurst“. Aha, ich hatte mich neben die Produktionsstätte der „Wurst für den kleinen Hunger“ eingebucht. Kann sein, dass ich sie früher auch mal aß, mag mich aber nicht mehr daran erinnern. Sollte nun ein Liebhaber der „schnellen Verpflegung für unterwegs“ hier mitlesen, bitte entschuldige. Ja, ich esse seit vielen Jahren keine Wurst, kein Fleisch oder Fisch mehr. Jeder darf selbstverständlich nach seinen Gelüsten essen, trinken und genießen, wonach ihm verlangt. Aber der Duft in meiner Nase war mir nicht geheuerlich. Da musste ich dringend eine Alternative suchen.

Meiner Nase nach fuhr ich auf’s Land und folgte der Beschilderung aus Ansbach hinaus. Ich bin kein Stadtmensch, liebe die Ruhe außerhalb. Also erstmal aus der Stadt der Metropolregion Nürnbergs hinaus.

Die Nase wollte in den Osten fahren Richtung Lichtenau. Das klang auch schön, „hin zum Licht“.

Der Radweg neben der Staatsstraße befand sich in gutem Zustand, rechts neben mir die fränkische Rezat in bester Begleitung. Das kann doch nur Glück bringen, dachte ich.

Vor der Gemeinde Lichtenau lag linkerhand „Sachsen“, nun in den Osten fuhr ich, aber es war das fränkische Sachsen. Steil führte eine Straße hoch zur Kirche, rechts ein Industrie- und Einkaufsgebiet. Stoppte bei einem Getränkemarkt und kurz vor Schluss am Samstagmittag fragte ich eine freundliche Getränkefachverkäuferin, ob sie mir eine Unterkunft in der Region wüßte. Im Ort bei der Kirche oder im gegenüberliegenden Rutzendorf vermietet ein Landwirt Ferienwohnungen, klang die Auskunft.

Erstmal hier am Ort bei der Kirche anfragen, danach kann ich immer noch nach Rutzendorf fahren. An der Kirche versammelte sich eine große Gesellschaft, man feierte einen wichtigen Geburtstag einer ortsansässigen Person. In Radklamotten schlich ich mich an der feinen Gesellschaft vorbei ins Innere und fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Abgelehnt. Das traf mich etwas heftig im Inneren. Nun ja, ich war zwar nicht entsprechend der anwesenden Gesellschaft gekleidet, aber man ist eben öfters „nicht zur rechten Zeit am rechten Fleck“. Oder doch? Eben nur noch nicht für mich das Passende! Zum Glück blieb es bei der letzten Absage.

Flugs auf’s Rad geschwingt, die Staatsstraße gequert und nach ein paar Pedaltritten in Rutzendorf gelandet. Wo waren die Ferienwohnungen des Landwirtes? Sie versteckten sich ganz hinten am Ende des Dorfes, so die Antwort eines Einwohners auf mein Nachfragen.

Suche nach Ruhe am Lande

Der Besitzer des Anwesens arbeitete an einer großen Landmaschine am Hof.

Wir kamen schnell ins Gespräch und die Übergabe des Zimmerschlüssels erfolgte problemlos. Die Übernachtungskosten bezahlt, meine sieben Sachen im Zimmer abgelegt, war der Nachmittag frei für eine Tour durch kleine fränkisch-bayerische Dörfer.

Schiffe versenken in der fränkischen Rezat

Von Gotzendorf, über Wattenbach nach Fischbach führte die erste Strecke. Hoch, mal hinunter, die Nachmittagstour zeigte sich abwechslungsreich, durch landschaftlich reizvolle Gegenden. Unbekannte Regionen zu erforschen, trieb mich an. Aber auch etwas anderes kurvte in meinen tausend Gehirnwindungen. Ich nutzte die Gunst der Stunde, stoppte am Waldesrand, schrieb alles auf ein Blatt Papier. Faltete es sorgsam zusammen und bei nächster Gelegenheit am Fluss, setzte ich mein „Gedanken-Boot“ ins Wasser. Es zog dahin. „Tschüss, Du liebe Gedanken, ich danke euch, dass ihr in mir ward, nun ist es an der Zeit wegzuziehen.“

Erleichtert setzte ich meine Rundtour über Rückersdorf und Schlauersbach fort. Schon der Name weckte meine Radl-Lust da durchzufahren. Ein paar Häuser an einer Hand abgezählt, war ich schnell durch. Über Immeldorf, Büschelbach und Milmersdorf ging’s mit neuer Kraft weiter. Unglaublich welche Kraft dahinter steckt, einmal all seine Gedanken aufzunotieren und sie dann loszulassen. Wieder auf der E-Bike-Tour durch Deutschland eine weitere Erfahrung gemacht. Jedes Mal auf’s Neue ist das Loslassen gefühlt anders. Kennst Du das?

Abends kehrte ich glücklich und müde in dem Zimmer des Vermieters zurück. Nutzte das ausgezeichnete WLAN für letzte Recherchen des nächsten Tages. Dann hieß es, Adieu Franken, hallo München.

München und das Ziel rückt immer näher

Der fränkische Weiler Rutzendorf

Den nächsten Vormittag verbrachte ich mit der Rückfahrt nach Ansbach und einem Besuch der Orangerie in Ansbachs Hofgarten. Ein bunt blühender Garten, ein freier Blick auf die historische Orangerie und mit den ersten Gästen auf der Gartenterrasse stellte ich mein Rad an die Seite, bestellte eine Tasse Kaffee und genoss die ruhige Stimmung. Turbulent wurde es tagsüber noch genug. Wertvoll war dieser Moment. Es war Muttertag und ich sinnierte die Jahre zurück, wie früher dieser Tag verbracht wurde, mit welchen lieben Menschen und wie dankbar ich an diesem Tag mitten ins Ansbach sitzend und mich einfach dahintreiben lassen konnte.

Mittags rief der Zug. Das einzige Mal am Bahnsteig Ansbach war ich über jede helfende Hand beim Einsteigen in den IC dankbar. Ein alter hoher Bahnsteig, wie sich später herausstellte. Aber irgendwie schaffte ich gemeinsam mit unbekannten Menschen auch diese Hürde. So saß ich erschöpft und glücklich im Nachmittagszug nach München. Dort kündigte die Wetterprognose Gewitter an. Bei der Ankunft schlugen gefühlte 31 Grad ins Gesicht. „Jetzt schnell zur Unterkunft, in der Ferne zogen dunkle Wolken auf“, war der einzig wichtige Impuls in diesem Moment.

Mittlerweile früh am Abend suchte ich mithilfe der Komoot App die zu fahrenden Straßen. Bekannt war mir die Gegend aus meinem viermonatigen Aufenthalt im Jahr 2012, während der Weiterbildung zur Online-Marketing-Managerin. Doch namentlich klang es in dem Moment unbekannt.

Gefunden, die Übernachtungsmöglichkeit in einem kleinen Hotel etwa 10 km südlich von München. Eher ein München-Tourist mit schmalem Geldbeutel sucht sich hier das Doppel- oder Einzelzimmer aus. Ganz ohne Frühstück war mir am nächsten Morgen nur eines wichtig, möglichst ohne großen Regenschauer zeitig zu starten. Eine der längsten Etappen entlang dem Mangfallradweg stand an. Später stellte sich heraus, es war eine echte „Genuss-Tour“ von München in den Chiemgau.

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald