Zeitreise: 700 Jahre Lebenskultur im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

Zeitreise: 700 Jahre Lebenskultur im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

[Reisebericht ohne Auftrag]

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim zeigt, wie das Leben und der Alltag der Bürger in Franken früher einmal war. Doch dieses Statement kann ich nicht alleine stehen lassen. Denn hinter einem der größten Freilandmuseum Deutschland steckt große Leidenschaft, Erfahrung mit Museumspädagogik und die Liebe zur Geschichte. Nachgebaute Siedlungen, Häuser aus der Alltagsgeschichte, Stallungen und Lagerhallen sind frei zugänglich und in vielen Bereichen barrierearm. Im Fokus der Museumspädagogik steht der erlebbare Alltag der Menschen in Franken, zusammen mit Berufszweigen, wie die Landwirtschaft, Ziegelbau, Teichwirtschaft oder Ackerbewirtschaftung.

Erwachsene und Schüler erleben bei Führungen einen intensiven Einblick zum Alltag der Menschen aus 700 Jahre Vergangenheit. Mit welchen Werkzeugen und einfachen Mitteln die Menschen zu damaliger Zeit ihr tägliches Essen auf den Tisch brachten. Die Besucher stehen staunend vor dem großen Holztisch mit Säge und sehen beim Holzschuhmachen zu.

Kindgerecht und in historischen Gewändern erklären Museumsführerinnen und -führer, wie der Holzofen funktioniert oder sie backen mit den Kinder Brotfladen. Die Führer erklären in einfacher Sprache den Ablauf in der Kochstube. Versetzen die Kleinen in die damalige Zeit mit spannenden Geschichten. Zum Abschluss dürfen die Schülergruppen das Gebackene und Gekochte essen.

Museumspädagogik Fraenkisches Freilandmuseum Bad Windsheim

links Eingangsbereich und rechts Kirchtürme von Bad Windsheim

Museumspädagogik live erleben, erfahren und entdecken

Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim gliedert sich in folgende Baugruppen.

  • Baugruppe Mainfranken – Frankenhöhe
  • Baugruppe Industrie und Technik
  • Baugruppe Mittelalter
  • Baugruppe Altmühlfranken
  • Baugruppe Regnitzfranken – Frankenalb
  • Baugruppe Stadt

Quelle: Foto einer Informationstafel des Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

Quelle: Foto einer Informationstafel des Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

Mit erlebbarer Vielfalt gehen Groß und Klein auf ihre Entdeckungsreise im Freilandmuseum und das mittlerweile seit 36 Jahren (Stand 2018). Sie lernen spielerisch und „im Vorbeigehen“ Wissenswertes aus der Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und dem Alltag in Franken der vergangenen 700 Jahre.

Ein Highlight der Saison in 2018 ist ein nachgebauter Kalkofen. Dieser produziert seit Ende April eigenen Kalk, der mit drei gangbar gemachten Loren (Transportwaggons) transportiert wird.

Blick auf Baugruppe Mainfranken – Frankenhöhe

Gelebte Geschichte hautnah nacherleben

Auf mehr als 5 Kilometer Spazierwegen taucht man ein in die Geschichte der Wohnhäuser, in die Zeit von Mittelalter bis Eiszeit, vorbei an lebendiger Tierwelt, wie dem schwäbisch hällischen Schwein, einem schwalbenbäuchigen Wollschwein, einem Hahn und Hühnern. Duftende Kräuter- und Gemüsegärten zeigen dem Besucher die Vielfalt heimischer Nahrungsmittel.

schwalbenbäuchiges Wollschwein

Nach dem Eingangsbereich bog ich rechts zu meiner Erkundung ab. Vorbei an Kräuterbeeten mit Salbei, Lavendel und dem blühenden Sonnenhut sah ich wenige Schritte vor mir ein erstes Steinhäuschen mit Reetdach, dem Schäferhaus. Beim Betreten wurde mir etwas mulmig. Aus dem einfachen Grund, ich betrete hier „Privatsphäre“. Das respektiere ich überall. Obwohl das Haus nachgebaut war, hatte es „seinen Hausgeist“. Das beklemmende Gefühl war schnell wieder weg, aber Fragen blieben im Kopf hängen, „welche Schwierigkeiten wurden in dem engen Raum früher diskutiert, mit welchen Sorgen hatte man hier zu kämpfen oder welch schöne Feiermomente erlebten die Menschen am Esstisch?“

Das Schäferhaus gehört zur Schäferei Hambühl und wurde am Ursprungsort um 1700 erbaut. Die Schäferei nimmt aktuell im Museumsgeschehen eine Sonderstellung ein, denn hier wurde alles so gestaltet, dass sie barrierearm allen Menschen zugänglich ist. Ob sehen, hören, tasten, erleben, erfahren und entdecken, setzte man sich für die Schaffung von Freiräumen für Alle ein.

Für Deinen Besuch im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim gebe ich Dir einen Tipp mit auf Deinen Rundgang durch das weitläufige Gelände, nimm Dir Zeit. Entschleunigen, auf einer Bank ausrasten und die Eindrücke aus vergangener Zeit bei einer Tasse Kaffee sitzen lassen. Das ist im Freilandmuseum der ideale Ausgleich zum neuzeitlichen Alltag.

Entschleunigen im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

Baugruppe Mainfranken – Frankenhöhe

Nächste Station in der Baugruppe „Mainfranken – Frankenhöhe“ war das Köblerhaus mit einem großen Leiterwagen in einem Gebäudeteil.

Einmal ums Eck gegangen stand ich vor einem nächsten prachtvollen und sehenswerten Fachwerkhaus, dem Häckerhaus, im Jahre 1706 erbaut.

das Häckerhaus

Vom gegenüberliegenden Dachgiebel klapperte ein Storch, ob er nette Bekanntschaften im Freilandmuseum fand, das blieb unbeantwortet.

Ich machte hingegen Bekanntschaft mit dem Wasserwirtschaftlichen Lehrpfad, klingt jetzt eher nach trockenem Stoff, doch floss ziemlich viel Wasser durch das Wasserleitsystem. Dieses diente Pferden als Wassertränke und im Notfall eines Feuerbrandes als Feuerlöscher. Weitere Stationen des Lehrpfades begegneten mir im späteren Verlauf des Rundganges.

Für den menschlichen „Feuerbrand“ und Durstlöscher nutzen Besucher den angrenzenden gemütlichen Freisitz für ein kühles Getränk.

Baugruppe Industrie & Technik

Aus der Baugruppe heraus kam ich auf offenes Gelände und bog rechts ab zum nächsten Bereich „Industrie und Technik“. Hier sind die Ziegelei, die Tabaktrockenscheune, Lagerhallen und der „Derrick-Kran“ zu finden. Letzterer ist eine eher gruselige Angelegenheit, darum will ich kurz und bündig darüber berichten. Man stelle sich 23 Menschen vor, die gleichzeitig am Hals gehenkt wurden …

Den Namen bekam dieses schauderhafte „Gerät“ von einem englischen Henker, namens Thomas Derrick. Ende der grausamen Geschichte, ich widme mich nun dem wichtigsten Gewerbe zu, das für ein dichtes Dach über dem Kopf sorgt: Der Ziegelei und der Natursteingewinnung im Steinbruch. In diversen Räumlichkeiten waren Männer am Arbeiten und bearbeiteten Lehm zur Ziegelproduktion. Schritt für Schritt dokumentierte man jeden Arbeitsvorgang.

Ums Karree gegangen, stand die große Landmaschinenscheune mit Anhängern, altem Fahrrad und Landmaschinen vor mir. Das Fahrrad lockte meine Aufmerksamkeit an. Was hat hier nun ein Fahrrad unter Landmaschinen zu suchen, wirst Du Dich beim Lesen auch fragen. Es war einmal im späten 19. Jahrhundert, als die Technik in Deutschland Einzug hielt. In Franken gab es zu der Zeit bereits 30 Landmaschinenbetriebe. Die Firma Schmotzer gründete 1905 in Bad Windsheim seinen Landmaschinenbetrieb, ursprünglich begann man aber mit einer Fahrradwerkstatt. Daher das Fahrrad! Noch heute ist der Betrieb Schmotzer als Landmaschinenhersteller im fränkischen Bad Windsheim von Bedeutung.

Blick auf die Ziegelei

in der Mögeldorfer Landmaschinenhalle

Baugruppe Mittelalter

In der dritten besuchten Baugruppe „Mittelalter“ sah ich plötzlich mich in den Geschichten des Kinderbuches „Ayla und der Clan des Bären“ (Autor: Jean M Auel) wider, – in der Alt- und Mittelsteinzeit von 120.000 bis 5500 vor Christi. Dafür baute man zur Demonstration ein Zelt einer Nomadenfamilie auf, aus Lederhaut mit Steinen befestigt. Felle lagen zum Trocknen am Zeltdach, eine Feuerstelle baute man vor dem Zelteingang auf. Pfeil und Bogen hingen an einer Zeltecke.  Die Nomaden waren auf Jagd und brachten ein erlegtes Tier zum Zeltplatz zurück.

Werkzeuge, Häusernachbildungen oder Fossilien demonstrierten chronologisch die Epochen der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 vor Christi), Bronzezeit (2200 bis 800 vor Christi), Eisenzeit (800 bis 15 vor Christi), Römerzeit (15 vor Christi bis 476 nach Christi), von Frühmittelalter (500 bis 900 nach Christi) bis Mittelalter (bis 1500 nach Christi).

Beeindruckt stand ich an der oberen Etage eines Grabhauses aus der Region Zeuzleben. Im unteren Geschoss befand sich die Grabkammer. Darüber lagerte man früher Speisen und setzte ein kapellenartiges Dach auf.

Aus dem Landkreis Schweinfurt stellte man modellartig ein Langhaus nach mit Eichenpfosten und ausgefachten Wänden.

Das Museum des Mittelalters war in einem klimatisierten Gebäude untergebracht. Beim Hinausgehen bemerkte ich wieder die sommerliche Hitze und suchte den nächsten Schatten auf.

Auf dem weiteren Weg kam ich an drei Häuschen vorbei. Sie bilden ein archäologisches Dorf. In Originalgröße nachgebaut stand links das Firstpfostenhaus, mittig das Grubenhaus und rechts das Steinfundamenthaus.

museumspädagogik erfahren im fraenkischen freilandmuseum bad windsheim

von links das Firstpfostenhaus, das Grubenhaus und das Steinfundamenthaus

Baugruppe Altmühlfranken

Nach ein paar Schritten trat ich aus der Baugruppe „Mittelalter“ heraus und der Blick war frei auf grüne Wiesen, Spazierwege und in Laufnähe folgte die nächste Baugruppe „Altmühlfranken“.

Das erste Haus, weiß gestrichen mit Reetdach war das Schwedenhaus, erbaut in Almoshof im Jahr 1554. In ihm las ich an informativen Tafeln von heiterem Tierrätselraten für Kinder. Gut, aus dem Alter bin ich natürlich heraus, aber fand die Fragen dennoch spannend. Neben Tierrätsel wollte man auch wissen, „wie schmeckt Fladenbrot, kann man das essen?“

Baugruppen im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim

das Schwedenhaus in der Baugruppe Altmühlfranken

Es zeigte erneut die Vielfalt an pädagogischen Motiven im Freilandmuseum, spielerisch und kreativ die jüngere Generation an die Vergangenheit heranführen und aufzeigen, wie damals das Leben war. Was es zu essen gab, welche Tierrassen an einem Hof zu finden waren.

Neben dem Schwedenhaus fand man ein Wasserschöpfrad und weitere Häuser der Region Altmühlfranken. In einem roch es nach Rauch. Ein Holzofen war noch heiß. Er wurde für eine Schülergruppe angeheizt. Die Führerin in Trachtengewand erzählte mir, dass sie mit Schülern Fladenbrot gebacken hatte. Die letzten Reste der Schauführung säuberte sie und bereitete den Arbeitsplatz wieder für eine nächste Gruppe vor.

Im Garten stand ich vor einem aus Holzreisig zusammengebauten Zaun. Dahinter standen Tafeln mit Aufschrift von Eisenkraut, Gartenthymian, echter Salbei, …. Im hinteren Gartenteil stand ein Brunnen. Von dem schöpfte ein Mann Wasser heraus. Neben ihm liefen Hühner und ein krähender Hahn.

Im hinteren Teil der Baugruppe organisierte man einen „Erlebnisspielplatz“ für Kinder. Aber nicht wie man ihn von einem Abenteuer- oder Waldspielplatz mit Spielgeräten kennt. Denn früher kannte man kein Kletterseil, eine Schaukel oder Wippe, wie sie im „fertigen“ Zustand heute zu kaufen sind. Damals bauten sich Kinder in Verstecken am Hof, in der Scheune oder auf dem Strohhaufen ihr eigenes Reich mit Stöcken, Hölzern oder Steinen.

Das ahmte man nach und stellte einen alten Traktor auf Spielsand, im Matschbereich sind Wasserspiele möglich oder auf Holzbolzen üben Kinder das Balancieren. So ermuntert man spielerisch die kreativen Seiten wiederzuentdecken.

Baugruppe Regnitzfranken – Frankenalb

Nach der Besichtigung wechselte ich zu meiner letzten Station, der Baugruppe „Regnitzfranken – Frankenalb“. Ein wunderschönes Fachwerkhaus „begrüßte“ mich.

Museumspädagogik live erleben

Daran vorbei gegangen kam ich auf eine Hofstelle mit einem Taubenschlag, Ställen und Scheunen. Eine offene Stalltüre lockte mich an und vorsichtig betrat ich das Innere. Noch von hellem Sonnenschein geblendet, reagierten die Augen nicht so schnell auf die dunklere Umgebung im Stall. Dann las ich das Schild von dem hier wohnenden Vierbeiner: Ein schwäbisch hällisches Schwein darf sich über die vier Wände freuen. Wo war es nur? Ich sah es nicht. So ging ich hinaus und folgte intuitiv einmal links um den Stall. Da war ein eingezäunter Bereich, eine große Wasserwanne stand darin und wie kann es anders bei der Hitze sein, da lag natürlich auch das Schwein. Das hatte Recht, dachte ich. Tiere machen es instinktiv richtig.

Im weiteren Verlauf kamen informative Stationen zum Hopfenanbau, der Karpfenzucht und Teichwirtschaft.

fränkischen freilandmuseum bad windsheim, schwein im wassertrog

gemütlich sitzt das Schwein im Wassertrog

Baugruppe Stadt

An der Baugruppe „Stadt“ radelte ich auf meiner Heimfahrt mit E-Bike vorbei. Sie ist Teil der Stadt Bad Windsheim und zu Fuß vom Eingang des Fränkischen Freilandmuseums in wenigen Schritten erreichbar.

Zu ihr gehören ein großer Bauhofstadel mit Wagenschupfen, eine Spitalkirche, alte Patrizier- und Bürgerhäuser, Gassen und ein Platz um den ursprünglichen Bauhof.

Erlebenswerte Museumspädagogik live!

Fazit

Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim ist eine umfassende Wissensschatzkiste aus fränkischem Landleben. Informationen und Wissenswertes aus der Vergangenheit, das man in ähnlicher Form in seiner Heimatregion vorfinden kann. An nachgebauten Objekten erkennt der Besucher die Eigenheiten aus damaliger Zeit. Zoomt den Besucher in das Leben eines Schäfers, seiner Schafherde oder in ein Wohnhaus einer Magd. Das Museumsareal ist Bindeglied zwischen Vergangenheit und heutiger Zeit, aus dem Blickwinkel des Besuchers und dem Museums-Team.

Erlebt, erfahren und neugierig nahm ich von meinem Aufenthalt sehr viele Eindrücke mit. Ich komme sicher wieder vorbei, denn nicht nur zur normalen Öffnungszeit locken Attraktivitäten. Zu verschiedenen Jahreszeiten und Motto-Tagen bietet das junge und sympathische Museumsteam zusätzlichen Input, Fachwissen und Einblick.

Info

Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Telefon: 09841 / 6680-0
Fax: 09841 / 6680-99
E-Mail:  info(at)freilandmuseum.de
Web: www.freilandmuseum.de

Museum für Alle (barrierearm)

Aktuelle Forschungsprojekte

Morgens radelte ich am fränkischen Wiebelsheim vorbei. Idyllisch lag die kleine Kirche vor mir. Aus Gollhofen (oder Uffenheim) kommend sind es rund 20 Fahrkilometer nach Bad Windsheim (Fahrzeit mit Rad oder E-Bike: gemütlich in einer Stunde machbar).

Radtour ins Fränkische Freilandmuseum nach Bad Windsheim

Das fränkische Wiebelsheim

Offenlegung gemäß Blogger Codex: Im Rahmen des Beitrages und zur Recherche wurde ein kostenfreier Eintritt von seitens des Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim ermöglicht.

Autorin: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald