Mangfallradweg: Vorletzte Etappe meiner E-Bike-Tour durch Deutschland

Mangfallradweg: Vorletzte Etappe meiner E-Bike-Tour durch Deutschland

Die Stadtbesichtigung München vom Vortag fiel ins Wasser. Nach meiner Ankunft aus Ansbach am Münchner Hauptbahnhof schien die Sonne strahlend vom Himmel. Aber in der Luft lag etwas Schwülheißes.

Nach der Orientierung am Smartphone, wohin es zur Übernachtungspension im Süden Münchens ging, blickte ich etwas besorgt zum Himmel. Irgendetwas braut sich zusammen …

Statt entlang der bekannten Sehenswürdigkeiten in München vorbei zu fahren, am Rathausplatz, der Frauenkirche oder über den Stachus Fahrrad schiebend zu schlendern mit einem Kaffeebecher in der Hand, entschied ich mich auf direktem Wege nach Solln zu fahren.

Nach meinem Ansinnen, „eigentlich kennst Du Dich ja etwas in München aus, weißt wo die Lindwurmstraße entlang läuft und dürfte der Abzweig nach Sendling in die Thalkirchner Straße kein Problem für Dich sein, das findet sich auch ohne App, … das findet sich, klar“, überraschte mich erneut meine Geschwindigkeit. Ich bin viel zu schnell, immer viel zu weit. Auch dieses Mal. In der Lindwurmstraße kurz vor dem Goetheplatz umgedreht und nach dem Abzweig Ausschau haltend, kam die Implerstraße. Mein Fahrrad bog schnurstracks links ab, die Zeit drängte mich innerlich. Die dunklen aufbauschenden Wolken kamen drohend nah. Ich hatte keine Lust auf ein Gewitter und einen dicken Platzregen, so kurz vor dem Ziel. Oder war ich doch noch nicht da? Ein ungutes Gefühl breitete sich in der Magengegend aus.

Tief und laut ausatmend rief etwas förmlich aus mir heraus, „alles wird gut!“

Ab jetzt lief es flott und mein Rad sauste zielstrebig zur Pension. Glücklich im Trockenen angekommen, verstaute ich nach dem Einchecken noch mein Rad sicher in der Garage. Jetzt war wirklich alles gut. Für diesen Tag. Ich übte an dem Tag erneut, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Mein Leben schickt mir doch immer wieder liebenswerte Einladungen, mich darauf zu konzentrieren.

Bald schloss ich die Augen und versuchte zu schlafen. Den Blick auf die Wetter-App ein letztes Mal geprüft, versuchte ich zu entspannen und darauf zu vertrauen, dass die große Etappe von Solln zum Simssee schon klappt.

Tour zur Mangfall

Gerade erst die Augen geöffnet, blickte ich auf mein Smartphone, das immer so schön unter meinem Kopfkissen auf mich aufpasste. Die Wetterprognose versprach trockenes Wetter bis etwa 14 Uhr. Nix wie los und schneller waren die Beine aus dem Bett, als mein Kopf hinterher kam ins Bad zum Zähneputzen. Alle sieben Sachen in die zwei Satteltaschen verstaut. Rucksack am Rücken. Akku mit Taschen in Händen zügig mein Rad beladen. Zimmerschlüssel abgegeben. Bezahlt war die Zimmerrechnung am Vorabend. Dann konnte ich starten.

Etwa 6.45 Uhr musste das gewesen sein. Spielte zwar weniger eine Rolle, umso schöner war die noch dunkle, nebelige Morgenstimmung. Über die Großhesseloher Brücke führte der Weg, einen „guten Morgen“ rief ich der Isar zu. Verließ gleich wieder den Isarwerkkanal, um in den tiefen und weitläufigen Perlacher Forst einzutauchen. Diese Gegend kannte ich noch nicht.

Tour München nach Rosenheim

oben: im Perlacher Forst, an der Stelle begegnete mir ein Fuchs – links unten: stand rechterhand nochmal ein Fuchs in der Wiese – rechts unten: Mitten in freier Prärie postete ich voller Begeisterung von meiner Tour nach Rosenheim über meine Social-Media-Kanäle

Völliges Neuland, aber wunderschön abgeschieden von der gerade verlassenen Münchner Großstadt in Richtung Unterhaching. Ein Fotostopp zwang mich zum Absteigen vom Rad. Innerlich war ich getrieben, am Vormittag so schnell wie möglich die Kilometer abzuradeln. Doch den Augenblick wollte ich ja auch genießen. Einmal tief ausgeatmet, die kühle Morgenluft eingesogen, Foto geknipst, trat ich gleich wieder in die Pedale. „Doch schau“, ein Fuchs stand etwa 10 Meter von mir entfernt! So ein schlaues Tier hier am Weg zu begegnen, konnte doch nur Gutes heißen. Augenzwinkernd blickte ich zu ihm, schickte ihm einen lieben Gruß, ehe die Beine fleißig weiter trippelten.

Nach gefühlt 15 Minuten fuhr ich aus dem Perlacher Forst in besiedeltes Gebiet von Unterhaching ein und wechselte am Ortsausgang auf die Ottobrunner Straße. Längst dürstete es mich nach feinem Kaffee … Aber nirgends schien es so früh am Morgen einen Bäcker am Eck zu geben, mit Kaffeeausschank. Tapfer trat ich weiter in die Pedale. In Ottobrunn hatte ich Glück! Tatsächlich am Eck lag eine „Dinkelbäckerei“. Sogar mit sehr modernem Bezahlsystem. Da reicht man keine Münzen mehr über den Tresen, sondern wirft diese in den Automaten ein. Klug und geschickt für die Verkäuferinnen. Sie nehmen kein Geld mehr in Empfang und brauchen kein Kopfrechnen für das Wechselgeld!

Der Kaffee war besonders lecker. Ein trockenes Brötchen mit einer Banane vom Vortag war ein leckeres Frühstück. Mit dem warmen Getränk im Bauch lief es gleich flotter aus Ottobrunn hinaus über Neukirchstockach nach Höhenkirchen – Siegertsbrunn.

Wieder breitete sich ein lichtes Waldstück vor mir aus und den Radweg begleitete nun eine Bahnlinie.

In Dürrnhaar ankommend konnte ich ohne Probleme der guten Ausschilderung über Aying, Peiß, Großhelfendorf nach Kleinhelfendorf fahren. Der Weg führte erneut durch dichten Wald, wie Märchenwald im Morgentau, so schön!

Den Ort Blindham passierte ich. Leicht hügelig wurde es, aber mit meinem E-Bike schaffte ich es grandios.

Ab Feldolling kam die Mangfall rechterhand in Sichtweite. Ein Etappensieg! Das war schön.

Am Mangfallradweg nach Rosenheim

An einem Stausee radelte ich rechterhand vorbei. Links floss der Triftbach. Bruckmühl ließ ich auch links liegen. Der Triftbach und die Mangfall begleiteten mich auf den weiteren Kilometern. Schließlich kam Bad Aibling, auch das durfte linkerhand an mir vorbeiziehen. Begeistert über diesen schönen Mangfallradweg trat ich konstant kräftig in die Pedale. Trotz bedecktem Himmel kam ich ins schwitzen und wechselte einmal hin und her, Jacke aus, Jacke an.

Nach einem kurzen unbebauten Stück entlang eines Dammes kam Kolbermoor. Als ich den Namen auf der komoot App las, dachte ich zurück an das große Bahnunglück im Februar 2016. Aber an der Unglücksstelle kam ich nicht vorbei. Damals fuhren zwei Züge auf einer eingleisigen Stelle ineinander.

Zwischen Kolbermoor und Rosenheim folgten Kleingartenanlagen, Stadthäuser und ein dicht besiedeltes Gebiet.

Gegen 11.30 Uhr erreichte ich Rosenheim bei Sonnenschein.

Ab jetzt ließ ich mir Zeit. Am Bahnhof erledigte ich wegen meinem Rückfahrticket eine Kleinigkeit. Zog schlendernd mit schiebendem Rad in die Fußgängerzone und genoss den zweiten Kaffee des Tages.

Die Sonne schien kräftig vom Himmel. Lauschend hörte ich den Passanten in der Fußgängerzone zu, ihr bayerischer Dialekt war unüberhörbar.

Am frühen Nachmittag machte ich mich auf zur letzten Etappe des Tages und meinem Ziel: Der Simssee.

Dort hatte ich das Glück bei einer befreundeten Familie übernachten zu können.

simssee - oberbayern

am Simssee

Tagesetappe laut Tacho: 84,7 km.

Die abwechslungsreiche und spannende Tour an diesem Tag war unvergesslich schön …

 

Authored by: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald