Fraueninsel: Die letzte Etappe zum Ziel der E-Bike-Tour durch Deutschland!

Fraueninsel: Die letzte Etappe zum Ziel der E-Bike-Tour durch Deutschland!

Der langersehnte Morgen nach meiner Etappe von München zum Simssee war da, es sollte nun zu meinem Ziel gehen: Der Fraueninsel. Mein Blick aus dem Fenster verriet nichts Gutes. Dicke Wolken hingen über der Landschaft. Schnell packte ich die nötigsten Sachen für eine Übernachtung zusammen und startete mit meinem Fahrrad Richtung Gstadt.

Die letzte Etappe zur Fraueninsel im Chiemsee

Die 23 km zum Fähranleger am Chiemsee führten zuerst am Simssee vorbei in Richtung Bad Endorf. Am nördlichen Ufer des Simssees angekommen brachte der Radweg mich weiter nach Rimsting. Bergauf und bergab am fast durchgängigen Radweg war es eine der anstrengensten Touren. Hinzu kam der um die Nase pfeifende Gegenwind. An den Ohren brauste er nur so vorbei. Der vorletzte Ort – Breitbrunn am Chiemsee – lag hinter mir.

Als ich nun dem See immer näher kam laut meiner Komoot App, konnte ich den ersten Blick auf den Chiemsee und sogar auf die Fraueninsel erhaschen. Die markante Kirche des Frauenkloster war kaum zu übersehen!

Mein Wunsch war, zumindest trocken am Fähranleger anzukommen. Das klappte, zum Glück!

Die letzten Kurven durch Gstadt brachten mich an einigen Restaurants, Hotels und Cafés vorbei und überglücklich stand ich am See. Der Chiemsee lag vor mir und ich meine Radtour von Nord- nach Süddeutschland war geschafft!

Am Fähranleger Gstadt warten auf Überfahrt zur Fraueninsel

Zur nächsten Überfahrt hatte ich noch rund zwanzig Minuten Zeit. Nur wenige Gäste wollten mit der nächsten Fähre übersetzen, so nutzte ich die Möglichkeit und plauderte ein wenig mit der Dame im Kassenhäuschen. Begeistert erzählte ich ihr von meiner Tour. Sie freute sich mit. In der Zwischenzeit reichte ich ihr mein Geld durch die Öffnung und bekam meinen Hin- und Rückfahrschein für mich und mein Rad. Gewöhnlich ist es nicht erlaubt, auf der Fraueninsel mit dem Fahrrad zu fahren. Doch ich wollte aus zwei Gründen mein Rad mit auf die Insel nehmen. Zum einen gehörte es doch unbedingt mit hinüber, es war mein liebstes Gefährt der vergangenen zwei Wochen geworden und fuhr mich so sicher durch tiefen Wald, über Schotterstraßen und flitzte über geteerte Radwege mit mir. Zum anderen wollte ich es in Sicherheit wissen, und am Seeufer von Gstadt war mir keine Abstellmöglichkeit für Fahrräder bekannt.

Mit ein paar Erinnerungsfotos vom Seeufer verging die Zeit zum Ablegen des Schiffes. Innerlich summte ich wunderschöne Lieder vor Freude. Es waren nur zehn Minuten noch bis zum Ufer der Fraueninsel. Sie lag so angenehm ruhig schon fast vor mir. Wir umrundeten eine Inselseite und legten wie geplant bei der Klosteranlage an.

am Ziel angekommen, Chiemsee, Fraueninsel Fahrradtour

links oben: Auf dem Weg nach Gstadt sah ich das Frauenkloster auf der Fraueninsel von weitem – rechts oben: Am Fähranleger Gstadt, warten auf Fähre zur Fraueninsel – links unten: Ankunft auf der Fraueninsel – rechts unten: Blick über den Chiemsee zu den Bergen

Die dunklen Wolken waren zwar überwiegend noch da, aber als mein Fahrrad und ich über den Steg zur Insel gingen, sah ich einen Schimmer von blauem Himmel. Und wenn es nur ein kleiner Minifleck war. Die Freude über die Ankunft war sehr groß … Mir fehlen etwas die Worte, aber vielleicht kannst Du es nachvollziehen, wenn man sich einen sehr schönen Moment vorstellt, der vor rund vierzehn Tagen als fast unmöglich schien. So stand ich nach dreizehn Tagen am 15. Mai 2018 glücklich auf der Fraueninsel. Unglaublich viel erlebt und unzählige Erlebnisse schossen durch den Kopf, was so alles auf jeder Etappe los war. In Gedanken war ich beim Tanzen, das lag gerade mal fünf Tage zurück. Ich erinnerte mich an die zwei Tage in der Lessingstadt Wolfenbüttel und dem kurzen Aufenthalt in der Löwenstadt Braunschweig. Die ersten Tage durch die Südheide über Celle nach Peine. Und nun, nun stand ich da, holte tief Luft und machte ein paar Fotos.

Anschließend nahm ich ganz bedächtig und wie im Traum den Weg zur Klosterpforte.

Nachdem ich für die Nacht im Kloster bezahlte, konnte ich mir im obersten Stock des Gebäudes ein Zimmer aussuchen. Ich wählte ein Einzelzimmer mit Blick zur Seeseite Richtung Südwest. Duschmöglichkeiten und Toiletten gab es am Flur. Alles sehr sauber. Im Zimmer hatte ich ein kleines Waschbecken. Zufrieden legte ich meine Sachen ab, blickte etwas verträumt aus dem Fenster. Leichte Müdigkeit breitete sich aus, so rastete ich mal kurz auf dem Bett aus. Nach wenigen Minuten sprang ich wieder hoch, ich wollte unbedingt raus und mir die gute See- und nahe Bergluft um die Nase wehen lassen. So verbrachte ich den Rest des Nachmittags damit, um die Insel zu schlendern.

Frag mich nicht, wie oft ich sie umrundete oder durch die kleinen Gässchen ging, es war mir auch völlig egal. Das Licht aus den Wolken und die langsam vorscheinende Sonne warf immer neue Lichtspiele über den See und der kleinen Gärten der Inselbewohner, dass es eine große Freude war.

Zum Spätnachmittag setzte ich mich bei einer Räucherhütte auf eine Bank, holte mir zuvor einen Becher Kaffee und genoss weiter den schönen Augenblick.

auf der fraueninsel mitten im chiemsee, oberbayern

Während der ganzen Radtour holte ich mir für abends gerne Bananen, Brötchen und manchmal Käse mit Tomaten aus einem umliegenden Supermarkt. Doch hier auf der Insel feierte ich mein Ankommen bei einer Inselwirtschaft. Im Freien war nur ein Tisch von Gästen belegt, da dachte ich, ich suche mir einen anderen Platz. Der Wirt meinte, eigentlich ist es draussen schon geschlossen, es wird nur noch im Inneren serviert. Doch zu meinem Glück konnte ich mit ihm einen Deal vereinbaren, dass ich zu einer kleinen Brotzeit die frische Luft und die letzten Sonnenstrahlen genießen konnte. Er stimmte zu, ich bestellte mir rasch eine kleine Apfelschorle und ein Käsebrot. Und es war wie ein Gedicht, so fein!

Genüsslich verbrachte ich zum Essen die Zeit in dem Biergarten. Die Sonnenstrahlen verabschiedeten sich mittlerweile hinter dem Klostergebäude.

Leben auf der Fraueninsel erleben

links oben: Die Klosterkirche – rechts: Im Biergarten – links unten: Mein Nachmittagskaffee

Nach der Brotzeit umrundete ich ein letztes Mal die Insel. Vom Land zogen dunkle Wolken über den See in Richtung Fraueninsel. Als ich gerade um 20 Uhr an der Pforte ins Innere des Klostergartens und zu meinem Zimmer ging, begann es vom Himmel zu regnen. Es tröpfelte nicht, das Wasser prasselte nur so vom Himmel herunter. Für rund 15 Minuten. Danach regnete es sanfter und leiser vor sich hin.

Abends auf der Fraueninsel

Die Müdigkeit war in allen Gliedern schon so deutlich spürbar, dass ich nur noch ins Bett sank und tief wie ein Murmeltier bis zum nächsten Morgen schlief. Den Vormittag bis etwa zehn Uhr nutzte ich nochmal ausgiebig die Zeit für Spaziergänge. Holte mir einen Becher Kaffee in einem kleinen Insellädchen. Sehr freundlich bedienten zwei Damen in dem winzigen Laden. Sie richteten mir sogar einen Stuhl her, um im warmen Raum mich aufhalten zu können. Doch die frische kühle Morgenluft zog mich wieder nach draussen. Der Abschied rückte immer näher. Und das behagte mir gar nicht. So wollte ich jede Minute noch „Erinnerungsmomente einsammeln“, für später …

Genau so, wie ich es mir vorstellte, erlebte ich die Fraueninsel. Zeit mit mir, Zeit um am Wasser zu stehen, über die Seefläche zu schauen, hinüber auf die Berge … Es braucht öfters solche Momente, wo man einfach da sein darf, ohne etwas tun zu müssen. Nicht mal denken muss man.

Mit der Rückfahrt über den Chiemsee nach Gstadt war ich genau vierzehn Tage unterwegs. Bei den Bekannten konnte ich noch zwei Nächte bleiben, denn ich hatte in München weitere Termine, auf die ich mich sehr freute.

Rund 800 Kilometer mehr zeigte der Tacho am Fahrrad nach meiner Tour. Liebend gerne wäre ich ja die Strecke zurück wieder mit dem Fahrrad gefahren. Dann wäre ich zum nächsten Tanz-Termin nahe Würzburg sicher rechtzeitig angekommen …

Als ich darüber nachdachte, sprang der Gedanke hoch, „eines Tages mach ich mich morgens wieder auf, sattel mein Fahrrad und fahr einfach los …

PS: Auf der Rückfahrt mit meinem Fahrrad von Gstadt über Prien am Chiemsee zum Simssee, erwischte es mich mit Regen. Kein sanftes Getröpfel vom Himmel. Es war, als weinte der Himmel zum Abschied … Es war eine „Wassertaufe“ für die Regenjacke, Regenhose und mein Rad. Alle haben es überstanden und kamen wohlbehalten mit dem Zug in der Lüneburger Heide wieder an.

Authored by: Kerstin
Website: Sonnenfernweh

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Beruflich bin ich leidenschaftlich im Web unterwegs, kommuniziere und kommentiere mal hier und mal da, aber immer mit einem Sinn für Positives, für das Herz und den Verstand. Du willst mehr über mich lesen? Google doch mal Kerstin Paar, dann erscheint schon gleich meine Website, die da lautet Kerstin-Paar.de - freu mich von dir zu lesen, schreib mir doch einfach mal ein paar Zeilen. Bis bald