Architektur Marta Herford

Marta Herford: Kunst, die über das Maß hinaus geht

Ein grauer Novembermorgen begleitete mich auf meinem Spazierweg vom Bahnhof Herford zum Marta Museum. Einmal rechts und gleich wieder links ums Eck stand es nach rund 300 m schon vor mir.

Angezogen von der Außenarchitektur nahmen im Innenbereich die Kunstobjekte mich in Bann und regten zur Inspiration und stiller Betrachtung ein.

Architektur am Marta Museum
(Oben: Außenfassade des Marta Museums; links unten: Außenterrasse über der Aa; rechts unten: das zweitälteste Haus Westfalens in Herford)

Über das Maß hinaus …

So sah ich die Außenfassade als Kunstobjekt, die Aspekte der fünf Weltausstellungen und insbesondere die Gedankengänge zu Meerschweinchen & Co. als einzigartig.

Architektur im Marta-Museum Herford

Architekt Frank Gehry entwarf das markante Gebäude. Schon vor der Eröffnung 2005 entpuppte sich das Umfeld des Baus zu einer Ausstellungsfläche von Gemälden. Der belgische Gründungsdirektor Jan Hoet legte Wert auf Kunst des 21. Jahrhunderts. Seit 2009 führt Ronald Nachtigäller als Direktor das weitbekannte Kunstmuseum.

Vor dem architektonisch imposanten Bau verläuft die Goebenstraße. Am Eck zur Luisenstraße konstruierte der Künstler Luciano Fabro die rund ein Meter hohe Metallkugel La Palla und modellierte mittig auf die Goebenstraße große Buchstaben. Diese erzählen einen Auszug aus „Der Ball“ von Rainer Maria Rilke.

Nach dem Betreten des lichtdurchfluteten Empfangsbereich mit Ausstellungsfläche für käuflich erwerbbare Objekte, betrat ich rechts um die Ecke die Ausstellung „Brisante Träume – die Kunst der Weltausstellung“.

Ausstellung öffnet neue Sichtweisen und (Ein)Blicke

An den Wänden der Ausstellungsräume dokumentieren Gemälde, Kunstobjekte und Beschreibungen markante Erlebnisse der Vergangenheit und zeitgeschichtliche Erinnerungen.

Im Erdgeschoss eröffnet die Ausstellung „Brisante Träume“ einen interessanten Rückblick zu fünf Expos in

  • Paris 1937 – Ingenieurinnen und Ingenieure des Lebens
  • New York 1939/1940 – Demokratie und Zerstörung
  • Brüssel 1958 – Der mikroskopische Blick
  • Montreal 1967 – Aufbruch zu den Sinnen
  • Osaka im Jahr 1970 – Träume von einer anderen Zukunft

Gemeinsam mit dem Kunstmuseum in Ahlen zeigt die Kooperationsausstellung im Marta Museum Herford Werke von Künstlerinnen und Künstlern der Zeitgeschichte. Die Kunstobjekte laden zum Austausch mit der Geschichte ein. Das Museum in Ahlen legt den Schwerpunkt dieser Ausstellung auf die Historie.

Der Kunstinteressierte erfährt in Herford aus der Vergangenheit und der Zukunft. Erkennt einen Wandel der Kulturen, der Politik und der Technik. Innerhalb weniger Schritte von Schautafel zu Schautafel warf es mir Fragen auf, wie, welche Veränderungen können wir beeinflussen, wie wollen wir in Zukunft den digitalen Fortschritt im persönlichen Lebensumfeld gestalten.

Paris 1937

Im Raum über die Pariser Expo beeindruckte das Gemälde „Air, fer, eau“ (1937) von Robert Delaunay, mit seinem Farbspiel und der Dimension. Ein bemerkenswertes Gemälde mit Farbkontrasten vom Pariser Eifelturm. Sehenswert!

An der Rückseite des fast deckenhohen Gemäldes sah ich einen gläsernen Mann, der seinen Raum einnahm und dem europäisch-männlichen Ideal entsprechen soll.

Daneben bewegten sich Figuren mit rot aufblinkenden Lichtpunkten. Ihnen gegenüber zeichnete die Künstlerin Katja Novitskova düstere, schummrig aussehende Gestalten.

An meinem Rundgang der fünf markanten Expo-Weltausstellungen begegneten mir Kunstobjekte, vor denen ich in mich hineinhorchte nach Reaktionen, Fragen und möglichen Antworten. Das eigene Bild und die Wahrnehmung auf Objekte zeigte im Abgleich und den Erklärungen von seitens der Künstler erstaunliche Sichtweisen. Wie sieht für mich eine dunkle Gestalt oder der Männerkörper aus, welche Intention steckte beim Künstler dahinter? Eine erste Reaktion bei mir war bei der Männerfigur, „warum steht hier keine Frau?“

New York 1939/40

Im nächsten Raum stand eine fast zwei Meter hohe Kugel, das „Entropic Empire“ (2018), ein Kunstwerk aus einzelnen Kartonteilen von Rob Voerman angefertigt. Der Innenbereich des Objekts war begehbar und zeigte von Lichtern beleuchtet ein Architekturmodell des UNO-Hauptquartiers in New York. Das in seiner Funktion ein Symbol für Völkerverständigung und Frieden darstellt.

Brüssel 1958

Zur Zeit der Brüsseler Expo verdeutlichen molekulare Strukturen eine friedliche Nutzung von Atomkraft. Das Kunstwerk von Tim Berresheim lässt sich mithilfe einer 3D-Brille erfassen, ein Gesamtkunstwerk verschiedener Medien, Dimensionen und Bildwelten von Rechenprogrammen generiert.

Montreal 1967

Künstlerisch inszenierte Nikolaus Gansterer seine Maps of Bodying (2017), welche im angrenzenden Bereich zur Expo in Montreal Bezug nahmen. Der Künstler stellt das Denken und die Wahrnehmung in den Vordergrund und in Relation.

eine Wassersäule, die von Hand angetrieben werden kann zur Erzeugung eines Sprudels

Osaka 1970

Die fünfte und letzte Station der Weltausstellungen im Marta Museum nimmt Osaka aus dem Jahr 1970 ein. Anhand Filmaufnahmen, historischen Belegen und Dokumenten aus Osaka stellen die drei Künstler, Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch, unter anderem auch die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 hervor.

Mehr Ein- und Ausblicke zeigt das Video zur Ausstellung.

ein Herz – aus den Ausstellungsstücken von der Künstlerin Yvonne Roeb ‚Multiversum‘ fotografiert
Erinnerungsstücke eines Expo-Besuches

Zweite Ausstellung im Marta Herford: „Kreative nach Maß – Tiere und Gegenwartsdesign“

Das Tier nimmt heutzutage in vielen Haushalten die Rolle eines guten Freundes, eines Weggefährten und manchmal einen Ersatz für ein Kind ein. Einerseits wird das Tier als solches vermenschlicht und in eine unnatürliche Rolle gedrängt. Aus welcher es alleine nicht heraus kann. Andererseits wünschen sich mehr Menschen die Rückkehr zur Natur, zum Ursprung. Dort, wo das Tier alleine ohne Menschenhand überleben kann.

aus dem Ausstellungsbereich „Gefährten und Gegenüber“

Das Projekt der Ausstellung im Obergeschoss konzipierte die Kuratorin und Designerin Tanja Seiner aus München in Kooperation mit dem Marta Museum. Die Objekte und Wandtafeln warfen Fragen auf zu unserer Zukunft. Wie sieht die Fleischproduktion in 20 Jahren aus? Werden natürliche Lebensmittel künftig in Glas hergestellt? Welche Nährstoffe enthalten die künstlich produzierten Nahrungsmittel?

Zu drei Themengebieten „Gefährten und Gegenüber“, „Ressourcen und Ersatzstoffe“ und „Optimierung und Zukunftsvision“ nimmt die Kuratorin den Besucher in den Bann szenischer Abstrakte. An einigen Stellen spürte ich ein Grumeln im Bauch oder es schüttelte mich beim Anblick des Meerschweinchens, das ähnlich wie eine Barbypuppe gekämmt und gefönt wurde. Das übersteigt mein Empfinden und meine Auffassung eines naturverträglichen Masses. Passender könnte der Titel der Ausstellung nicht sein, „Kreaturen nach Maß“.

Zum Fleischkonsum stand ich vor Schautafeln und las von Fleisch, das in Zukunft in Gläsern hergestellt wird, nennt sich auch „In-Vitro-Fleisch“ – in der Petrischale gezüchtetes Fleisch. Ob dies wahrhaftig unsere Zukunft sein kann?

Designerinnen und Designer bekamen Raum in der Ausstellung zur Darstellung, mit teils pfiffigen Ideen und Werken, um einen Berg zu erklimmen.

An einer Schautafel zeigte man in einem Film die Vorzüge der Stabheuschrecke. Wie gekonnt sie sich vorwärtsbewegte! Forscher bauten ein Modell, den Roboter Hektor, nach. Dieser soll individuell auf Unebenheiten mit jedem einzelnen Fußglied beweglich sein.

Eigentlich ist aus meiner Sicht es nicht erwähnenswert, wichtig finde ich es in jeder Hinsicht, dass wir viel von Tieren lernen können.

Fragen tauchten auch nach dem Besuch der Ausstellung in mir auf: Erhöht der Mensch sein Haustier auf eine neue Ebene, ein Podest? Wird das Tier zum Spielball und zur Projektionsfläche der Gefühle? Oder bleibt ein Tier auch in Zukunft dem Menschen überlegen, da es in freier Wildbahn ohne ihn überleben kann?

Weiterführende Hintergrundinfos zur Designerin und Kuratorin Tanja Seiner auf dem Marta-Blog.

Video zur Ausstellung im Obergeschoss.

Nach meinem Besuch der beiden Stockwerke und Ausstellungsbereiche lockten Sonnenstrahlen in das Café Kupferbar, das über dem Fluss Aa liegt. Die Sonne erhellte das Gemüt, da ich sie nach rund zehn Tagen das erste Mal wieder sah.

Fazit

Ich ließ mich auf eine ‚andere‘ Art eines Museums ein. Ein Experiment für mich. Da ich in dieser Dimension mit tiefgehenden Details noch kein vergleichbares Museum besichtigte.

Mit neuen Blickwinkeln aus Sicht der Künstler – wie sie Kunst, Architektur, Möbel und Zeitgeschichte miteinander verweben – öffnete das Museum mir ein anderes Bewusstsein, zu Themen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Mich dem anzunähern und Fragen in den Raum zu stellen. Ohne Erwartung einer Antwort.

Mit der Auseinandersetzung von Kunst und dem Hinterfragen von Haltungen, setzt das Marta Museum in Herford einen zukunftsweisenden Pfad. Der geradlinig, verschlungen oder weitverzweigt sein kann. Flexibel und immer wieder neu ausrichtend sich an gesellschaftlichen Themen orientiert. Es lohnt, auf neue Perspektiven sich einzulassen.

Das Marta Museum beherbergt Räumlichkeiten für Ausstellungen, Konferenzräume und Bereiche für Symposien. Kulinarisch lecker verwöhnt wird der Besucher in dem Café Kupferbar mit Ausblick auf den Fluss Aa.

Zahlreiche Aktionen für Kinder, Studenten und Kulturinteressierte locken zu einem Besuchen.

Spaziergang durch Herford

Nach meinem Museumsbesuch war noch etwas Zeit, die Stadt Herford zu erkunden. Sie zeigte sich mir jung, dynamisch und von einer freundlichen Seite. Zahlreiche Fahrradwege führen durch die Kleinstadt. Auf kurzen Wegen ist man im Zentrum und erreicht zu Fuß die lange Einkaufsstraße. Mit Baudenkmälern und imposanten Gebäuden spart man nicht. So verging die Zeit bis zur Abfahrt schnell. Und wer weiß, ob ich wiederkomme, dann mit Rad oder während einer Radtour.

Stadt Herford
(Foto links oben: ein denkmalgeschütztes Haus in der Fußgängerzone und Einkaufsstraße, rechts oben: ein idyllischer Weihnachtsmarkt vor fotogener Kulisse, links unten: direkt von der Sonnenterrasse des Marta Museum zum Fluss Aa fotografiert, rechts unten: auf dem Weg zum Bahnhof sah ich Rad-Wegweiser – eines meiner Lieblingsmotive zum Fotografieren

 

Infos
Marta Herford
Goebenstraße 2–10
32052 Herford
Mail info@marta-herford.de
Web www.marta-herford.de


Öffnungszeiten
Di bis So und feiertags 11 – 18 Uhr
jeden 1. Mi im Monat 11 – 21 Uhr

 

(Offenlegung: Im Rahmen der Pressearbeit und der Berichterstattung erfolgte mit Ausweisung meines Presseausweises ein kostenfreier Eintritt. Vielen Dank an das Team des Marta-Museums und für die Hilfe bezüglich Veröffentlichung Fotos von Kunstgegenständen.)

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Als Reisebloggerin berichte ich freiberuflich von Reiseregionen in Deutschland. Fahre mit dem Fahrrad und reise umweltfreundlich. Mit Social-Media-Beratung, der Umsetzung für Tourismusregionen und Selbstständige, bin ich leidenschaftlich im Netz unterwegs. Für Gründerinnen und Solopreneure ist eine Website mit Blog ein wesentlicher Pfeiler im Marketing. Mobil lesbar, suchmaschinenoptimiert und mit Online-Buchungsmöglichkeiten versehen, entwickeln sich freundschaftliche Geschäftsbeziehungen. Du willst mehr über mich lesen? Über Social Media | Webdesign | Bloggen erfährst Du die Details.
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