Zeugnis in der Stadt, die Figur Dr. Eisenbarths

Weser Radweg ab Hann. Münden – ein Naturerlebnis

Ein Blick nach links, die Fulda floss gemächlich und mit einigen Strudeln heran. Ihr gegenüber und mir zur Rechten, die Werra. Schon etwas flotter bahnte sich das Gewässer den Weg bis zum Weserstein. Ein Ort mit großer Bedeutung für den Zusammenfluss und Ursprung der Weser. Mein Standort der Berichterstattung war exakt am alten Weserstein, der im September 1899 eingeweiht wurde und die bedeutende und viel zitierte Inschrift trägt:

 

Wo Werra sich und Fulda küssen

Sie ihre Namen büssen müssen,

Und hier entsteht durch diesen Kuss

Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.

(Hann. Münden, d. 31. Juli 1899)

 

Zu meiner Linken ging ich vor ein paar Minuten an einem zweiten Weserstein vorbei. Er trug ein Zitat aus dem Jahr 2000 (im Rahmen der EXPO), auf dem von einer „unglücklichen“ Fulda zu lesen war. Unglücklich möglicherweise, da das Wort „Fulda“ nach dem Zusammenfluss in die Weser alle Buchstaben verlor. Im Gegensatz zur Werra, sie behielt einen Teil des Wortstammes.

Für die Weser folgt ab dem Zusammenfluss eine lange Fluss-Reise. An 451 km fließt sie durch die Bundesländer Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Bis zur Mündung in die Nordsee. Allerhand Flussgeschichten trugen sich in der Vergangenheit zu und erzählt sie sicherlich noch unseren Kindeskindern.

Ab dem Weserstein dem Weser Radweg folgend

Flussabwärts folgte ich rechts der Weser. Ein letzter Blick auf den Weserstein und just in dem Moment kam die Erinnerung an meine frühere Heimat, an die Donaustadt Kelheim. Denn dort ist ein ähnlich markanter Punkt für einen Zusammenfluss, wenn der Altmühlkanal in die Donau mündet.

 

aussicht auf hann münden mit weserstein, fluss von zwei kommenden fluessen, inselmitte
am Weserstein fließen von links kommend die Werra und von rechts die Fulda, gemeinsam fließt die Weser am rechten Bildrand weiter

 

Den Radwegweisern folgend stoppte ich in Gimte. Den Ort an der Weser wollte ich näher erkunden. In Gimte nahm ich die Querstraße durch das Wesertal bis nach Volkmarshausen am oberen Waldesrand. Blühende Vorgärten, saubere Straßen, ein Eindruck blieb in Erinnerung von einem hübschen und intakten Dorf. Nicht minder schön, der Nachbarort Volkmarshausen. Auch hier entdeckte ich Blumen- und Gemüsebeete, Menschen beim Pflegen der Hinterhöfe und den Standort der früheren Schweinewaage.

Nach der kurzen Umrundung fuhr das Fahrrad leicht bergab und in flottem Tempo zum Weser Radweg zurück. An der Gimter Kirche rechts abgebogen und nur noch wenige Tritte auf den Pedalen, schon war ich am Ortsausgang. Ab jetzt breitete sich die im Frühjahr aufbrechende und grüne Landschaft vor mir aus.

Die Weser und ich, wir spielten ein Spiel. Mal begegneten wir uns näher, mal trennten uns mehrere hundert Meter Acker- und Wiesenflächen. Meistens konnte ich aber zu ihr hinübersehen. Und das waren unvergessliche Momente. Die Sonne stand passend für die Belichtung eines Fotos, die Luft war klar. Unendlich viele Fotomotive konnte ich mit nach Hause nehmen. Einige zeige ich Dir natürlich.

 

tiere auf der Weide, umgeben von Wald- und Wiesenlandschaften
rechts der Weser entdeckt, alte Tierrassen am Vormittag auf der weitläufigen Weide – schön zu sehen auf dem Foto, die sanft hügelige Wald- und Wiesenlandschaft

 

Geschichten erzählt die Weser, hör‘ ihr aufmerksam am Radweg zu!

Rapsfelder, Schafherden am gegenüberliegenden Ufer, zur Rechten eine Herde alter Tierrassen, eine Kuppe nach oben, und der Radweg führte durch Tannen- und Fichtenwald.

Jeder Moment war anders. Nach hundert Metern prallten weitere schöne Motive auf die Augen. „Ist die Welt schön“, summte eine innere Stimme. Und so war es in dem Moment tatsächlich.

In Hemeln warteten Fähr-Erlebnisse, Dorfgeschichten von der E-Tankstelle für das Elektroauto auf mich, und meine Suche nach einem kleinen Dorfladen. Den ich allerdings nicht fand. Aber, ja, eine E-Tankstelle. Das schätzte ich, dass am Dorf die BürgerInnen auf Elektromobilität setzten. Sicher versteckte sich irgendwo ein kleiner Hofladen und meinen kleinen Appetit konnte ich verschmerzen. An dem Tag gab es nichts zu vermissen oder zu beklagen.

Am Fähranleger traf ich einige RadfahrerInnen. Die meisten fuhren an der Uferseite weiter. Ich traf intuitiv die Entscheidung, dass ich hier noch nicht umdrehen wollte und natürlich noch weiterfuhr. Gerade 11 Uhr zeigte die Handy-Uhr. Früh am Tag. Noch lange nicht satt ob der Schönheit des Flusstales, setzte ich die Radtour fort. Doch an der Kirche musste ich erneut halten. Zu schön der Anblick, um schnell weiterzufahren.

An Hemelns Kirche …

 

 

Historische Klostermauern

Bursfelde war die Station, die ich als nächstes Etappenziel anvisierte. Knapp zehn Kilometer lagen vor mir, mit schönen Aus- und Einblicken des Weserbergtales. Etwa 3,5 km vor Bursfelde wechselte der Radweg in den schattigen Mischwald. Für einen Kilometer fuhren wir über feuchten Waldweg. Alles sah nach dem Regenschauer des Vortages wie frisch gewaschen aus. Was war das für ein Glück mit dem Wetter! Wie bestellt für den Tag und diese Radtour!

Das ehemalige Benediktinerkloster der Bursfelder Kongregation lag inmitten saftig grüner Wiesen. Ein Klosterbau mit zwei spitzen Türmen. Malerisch umrahmt von Natur, mit wenigen Häusern im Dorf. Am Ortsausgang wartete für hungrige Radfahrer eine Klostergaststätte.

 

am bursfelder kloster
kurzer Abstecher am Bursfelder Kloster

 

Einige Minuten Rast vor dem Kloster, um die Füße zu vertreten, von Sonnenstrahlen im Gesicht kitzeln zu lassen, machte ich mich langsam wieder auf für die Rückfahrt nach Hemeln zur Fährüberfahrt. Kurz nach dem Kloster überquerte ich erneut den kleinen Fluss Nieme. Er bekam eine eigene Radwegbezeichnung, den Niemetal-Radweg. Ein anderer Radwegweiser zeigte ins 14 km entfernte Dransfeld. „Hm“, dachte ich, „hier könnte man mehrere Tage verweilen und einen Radweg pro Tag einplanen“.

 

flusstal inmitten Natur am Ufer, der fluss nieme
den Fluss Nieme überquert

 

Eine Rückfahrt auf der gleichen Strecke lohnte sich genauso, denn man sah den Fluss und die Landschaft aus einer anderen Perspektive. Flott näherte ich mich wieder Hemeln. Gegenüber von der Weser lag Veckerhagen, sowie einige Kilometer abseits der Weser Reinhardswald.

Fährüberfahrt mit einer Gierseilfähre

Der Fährmann löste die Verankerung und die Gierseilfähre trieb lautlos vom anderen Ufer herüber. Welch große Ehre, mich alleine mitzunehmen! Keine 5 Minuten vergingen und ich schob mein Rad am gegenüberliegenden Ufer an Land. Beim Bezahlen der Fährkosten kam ich kurz mit dem freundlichen Herrn ins Gespräch. Neugierig wollte ich wissen, wie oft er am Tag hin- und herfährt. „Ich fahre nach Bedarf, gezählt habe ich das noch nie“, meinte er beim Weggehen in sein Häuschen.

Ein Euro für Fußgänger und 20 Cent für ein Fahrrad. Fährkosten, die vermutlich nicht einmal die kompletten Wartungs- und Personalkosten decken können.

Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete und bedankte ich mich.

Die langsam auftauchende Müdigkeit wollte ich in Veckerhagen mit einem Becher Kaffee wieder auf Vordermann bringen. Ich besorgte mir mein Lieblingsgetränk in einem nahe gelegenen Einkaufsmarkt. Zu lange wollte ich dort nicht stoppen, sonst gewann die Müdigkeit die Oberhand.

Gestärkt trat ich kräftig in die Pedale für die Rückstrecke nach Hann. Münden. Ohne einen neuen Stopp zog die Landschaft an mir vorbei. Auf einem sehr gut ausgebauten Radweg konnte ich mühelos dahintrippeln. An nichts mehr denken, einfach nur da sein und die Stimmung an der Weser genießen.

Auf der Weiterfahrt an der Fulda

Ab Hann. Münden wühlte ich mich am Fahrradweg durch den Nachmittagsverkehr. Nach einigen Ampeln weiter, sah ich wieder die Fulda. Über diesen Fluss freute ich mich besonders – aus unerfindlichen Gründen. Vielleicht war sie mir aus der Schulzeit bekannter als die Werra? Ich kam dem Rätsel nicht auf die Spur.

Als Hannoversch Münden hinter mir lag und die Natur sich vor mir ausbreitete, atmete ich tief durch und folgte dem Fluss bis zur Schleuse.

Unsicher war, ob ich mit dem Rad über die Schleuse kam? Die Komoot App zeigte zwar einen schwarzen Strich, aber ganz sicher war ich nicht. Also testete ich mich vorwärts. Erleichtert stand ich dann doch davor und betrat den schmalen Weg aus Beton über den Fluss. Auf der Kuppe der Brücke angekommen, blickte ich links und rechts zur Fulda hinunter.

Von der Brücke hinuntergeradelt kam ich in den Ortsteil Bonaforth. Das Stück zurück an der Fulda fuhr ich bergab auf einer Hauptverkehrsstraße. Radfahrer waren erlaubt, kein Hinweis, dass man hier nicht fahren durfte. Für wenige Kilometer nahm ich diese Straße in Kauf. Es gab an der Stelle auch keine andere Lösung. Zum Glück begegneten und folgten mir wenige Autos.

Sicher kam ich am Ortsschild Hann. Münden, der Dreiflüssestadt, wieder an.

Ortswechsel zur Werra

Am Philosophenweg folgte ich parallel den Bahngleisen und kam über Wald- und Schotterwegen nach wenigen Metern bei der Werra heraus. Auch das war nun geschafft. An den drei Flüssen entlang geradelt und einmal um Hann. Münden eine Runde gedreht.

Krönender Abschluss in Hann. Münden

Zum Abschluss besuchte ich den Forstbotanischen Garten nahe dem Grotefend-Gymnasium Münden und der Schule am Botanischen Garten. Es war ein alter Garten mit hohem Baumbestand, der mehr von der Natur überlassen wurde, als von Menschenhand. Hier hatte man seit einiger Zeit zwar kaum etwas hergerichtet oder Rasen gemäht. Doch mich störte es nicht. Es ist einfach Natur. Das darf – aus meiner Sicht – auch in einem Botanischen Garten so sein. Die Insekten und Bienen erfreuten sich an blühenden Wiesenblumen.

Ein Zitat fiel mir in die Augen ….

Die Erde ist eine einzige Heimat,
wir alle sind Wellen im gleichen Meer,
Blätter des gleichen Baumes,
Blumen im gleichen Garten.
(Parco Giardino Sigurta Verona, im Forstbotanischen Garten Hann. Münden)

 

Die letzten Meter durch die historische Innenstadt mit den unzählig vielen Fachwerkhäusern, war noch einmal ein beeindruckender Moment. Die Sonne stand nun am späten Nachmittag wieder ideal für Fotos.

 

wasserspiel am stadtplatz in hannoversch münden
am Stadtplatz und weiteren Stellen in der Innenstadt Hannoversch Münden: Wasserspiel – Wasser spielt eine bedeutende Rolle

 

Wo endete dieser Tag mit meinem Fahrrad? Genau dort, wo die Fulda und die Werra sich vereinen. Ein Abschlussfoto mit Fahrrad am berühmten Weserstein war ein Muss.

 

am weserstein angekommen
am Weserstein die Radtour beendet

 

Das Fachwerk-Hotel Eisenbart

Mit Unterstützung für die freie Berichterstattung aus der Region Hann. Münden und über die Radtour am Weserradweg, buchte mich die Tourist-Information der Erlebnisregion Hann. Münden in das Fachwerk-Hotel Eisenbart. Das erneut vom ADFC ausgezeichnete Bike & Bett Hotel ist ein klassisches Beispiel eines sanierten Fachwerkhauses in bester Lage zur Werra und zum Weserspitz. Mit abschließbarer Fahrradgarage. Alten Holzbalken im großzügigen Zimmer. Moderner Dusche und antiken Holzmöbeln. Geschlafen habe ich tief und fest nach zwei erlebnisreichen Tagen.

 

zimmer im fachwerkhaus hotel eisenbarth in hann. münden
ein Zimmerbeispiel im Fachwerk-Hotel Eisenbart in Hann. Münden mit historischen Holzbalken

 

Fußläufig vom Fachwerk-Hotel Eisenbart sind Kneipen, Restaurants und Geschäfte für Einkäufe des Alltags erreichbar. Auch zum Schloss oder zum Rathaus mit der Tourist-Info sind es wenige Schritte.

An der Werra fand ich den informativen Wasser- und Fischlehrpfad, den ich vor meiner Abreise noch ansah. Gerade zum Thema „Wasser“ in Bezug zum Umweltschutz fand ich einige wichtige Aspekte auf den Schautafeln. Die Bedeutung von (Trink)Wasser für die Stadt damals wie heute. Aktuell natürlich für den (Städte)Tourismus mit dem Weser-Radweg. Früher waren die drei Flüsse als Transportwege wichtig, heute für Ausflügler genutzt.

Weitere Eindrücke der Stadtgeschichte gewann ich im Rathaussaal mit den gut erhaltenen historischen Gemälden an den Wänden und den Spuren von Doktor Eisenbart, der in Hann. Münden seine letzte Ruhestätte fand. Seiner Figur begegnete ich an manchen Stellen.

 

im rathaus saal von hann. münden
im Rathaus-Saal von Hann. Münden

 

Weshalb einmal der Name Eisenbart mit und ohne „H“ am Ende auftauchte, das verwunderte mich. Dem ging ich nach und kam zu der Erklärung: In Hann. Münden wird Eisenbarts Name mehrheitlich ohne „H“ am Ende geschrieben, so wie es auf seinem Grabstein an der Hann. Mündener Aegidienkirche steht. In seinem Geburtsort Viechtach wird Eisenbart mit „H“ zum Eisenbarth.

 

Zeugnis in der Stadt, die Figur Dr. Eisenbarths
Die Figur von Dr. Eisenbarth ist an vielen Plätzen in Hann. Münden anzutreffen

 

Kurios und zu meiner Geschichte passend fand ich, dass Eisenbarth in Süddeutschland geboren wurde, genau genommen in Oberviechtach, im Oberpfälzer Naturpark, und seine Lebensreise in Niedersachsen zu Ende ging. Wie es mir wohl gehen wird? Als gebürtige Regensburgerin und derzeit wohnhaft in Niedersachsen? Die Antwort kann ich Dir wohl nie geben, aber eines ist gewiss, mein Leben versuche ich täglich mit Genuss zu leben. Und von jedem Tag will ich eine Erinnerung in mir mittragen. Das kann aus dem Beruf sein, oder auf einer Radtour. Vom Weserradweg gewann ich an einem Tag mehr als zwei Hände voller Erinnerungen …

Von unterwegs gebloggt …

An den beiden Abenden schrieb ich zu den Eindrücken nach meinem Stadtrundgang durch Hann. Münden, und am nächsten Tag von der Radtour an Weser, Werra und Fulda und integrierte weitere Fotos.

Routenverlauf meiner Weser-Radtour

Mit Klick auf das Bild führt es Dich zur kostenfreien Ansicht des Streckenverlaufes meiner Radtour. Ohne Anmeldung können die GPX-Daten heruntergeladen werden.

 

Strecke und Routenverlauf der Radtour an der Weser, Werra, Fulda, um Hann. Münden
klick auf das Bild zu den kompletten Daten der Strecke

 

Fachwerk Ansichten der Häuser in Hann. Münden
das Fachwerkensemble der Stadt Hann. Münden – von der Werra-Brücke aus gesehen

 

Ich bin naturverliebt, kreativ, bunt-zitronig und lache täglich mindestens einmal. Das trainiert herzhaft die Bauchmuskeln, die Gehirnwindungen und erfreut die Gesundheit des Herzens. Als Reisebloggerin berichte ich freiberuflich von Reiseregionen in Deutschland. Fahre mit dem Fahrrad und reise umweltfreundlich. Mit Social-Media-Beratung, der Umsetzung für Tourismusregionen, sowie für Selbstständige und Solopreneure, unterstütze ich Menschen im Tourismus. Mit einem eigenen Blog bauen Gründerinnen, Freiberufler und touristische Regionen sich ihre eigene Marke auf und stärken die Vertrauensbildung. Das Blog ist mit der Website ein wesentlicher Pfeiler im Marketing. Mehr über mich und von Social Media | Webdesign | Bloggen lesen.
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