lueneburger salztage fanden zum zweiten mal statt, eine altstadtgasse ist abgebildet

Lüneburger Salztage: Auf den Spuren des weißen Goldes …

Die Lüneburger Salztage lockten zum zweiten Mal Mitte Mai 2019 zum Entdecken, Ausprobieren und Verkosten. Die Geschichten der Vergangenheit und Gegenwart hautnah zu erleben.

Fünf Institutionen und Unternehmen organisierten Aktionen mit viel Wissenswertem rund um das weiße „Gold“, dem Salz. Dazu gehörte das Deutsche Salzmuseum Lüneburg, die Lüneburg Marketing GmbH, das Museum Lüneburg, die VHS Region Lüneburg und die Salztherme Lüneburg (SaLü).

Alle schnürten spannende Exkursionen, Vorträge, Angebote in den Museen und am Freigelände oder es ging hinab in die Tiefe zu den Wasserleitungen unterhalb des SaLü.

Das Datum fiel auch auf den Internationalen Museumstag am 19. Mai 2019. An ihm öffneten deutschlandweit und in Lüneburg Museen die Pforten für interessierte BürgerInnen.

Dem Sülfmeister über die Schulter sehen

Mein Fahrrad fuhr bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein auf seiner gewohnten Strecke nach Lüneburg zur ersten Station, dem Salzmuseum. Der Sülfmeister brachte die Sole zum Sieden. In der Luft lag feiner Duft vom Holzofen. Einige Menschen standen um ihn herum und tauschten sich aus.

Ihm gegenüber zeigte der Soltauer Salzsieder e. V. das Abschöpfen der Fleur de Sel.

„Stecken Sie mal den Finger in die Sole und schmecken den Salzgehalt“, sprach mich ein Vereinsmitglied an. Huch, das war wirklich salzig!

Man schöpfte mit einem Sieb das feine Salz von der Wasseroberfläche ab. Und kippte es auf den kleinen Salzberg im Körbchen. „Körner bildeten sich noch nicht, es ist fein wie Mehl“, ergänzte man. Ja, das spürte ich, als ich etwas Salz zwischen zwei Fingern zerrieb. „Es dauert mehrere Stunden, bis das Salz sich am Boden absetzt und fest wird“, ergänzte man noch.

 

Deutsches Salzmuseum Lüneburg

 

Erstaunt spazierte ich noch in das Salzmuseum zum Dinkelbäcker. Er bot einige Brotsorten, verfeinert mit Salz, die „Salzsauen“ (Wildschweine) und Dinos aus Dinkelmehl an. Am Stand gegenüber standen Erfrischungsgetränke und Kaffee bereit für eine Pause.

Doch ich wollte weiter zu meiner nächsten Station, zum alten Hafen.

Seltene Verladung am alten Kran

Zur vollen Stunde zeigte man die seltene Aktion, wenn vom Kran auf den Prahm (eine Transportfähre) etwas verladen wird. Am Kran hing ein dicker Sack im Netz. Vom Lande schwenkte man den Kran seitwärts über die Ilmenau. Zur Transportfähre, dem Prahm, ließ man den Sack langsam hinunter. Als er unten ankam lief alles wieder rückwärts. Männer in historischen Gewändern bewachten zur Sicherheit den Bereich.

 

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links: der alte Kran am Hafen Lüneburg beim Absenken und Hochziehen der Säcke; rechts oben: Pferdekutschen prägen das Stadtbild; rechts unten: das Museum Lüneburg an der Ilmenau

Zeit für Museumsbesuch

Vom Museumsufer an der Ilmenau genießt man einen fantastischen Blick auf den Wasserturm, die Stadtsilhouette und die mächtige Johanniskirche. Da ich schon lange nicht mehr im Museum Lüneburg war, nutzte ich den Tag für einen Besuch. „Museum für alle“, so lautete das Motto der Kulturpaten. Freiwillige Spender ermöglichten an dem Tag freien Eintritt für Jeden.

Interessiert las ich im Erdgeschoss des Lüneburger Museums zur Frühzeit, der Naturkunde, sowie dem Salzvorkommen in Norddeutschland und sah wunderschöne Gipskristalle.

Hintergrundinfos: Im Museum Lüneburg sieht man einen der größten und schönsten Gipskristalle, die man jemals am Kalkberg fand. Ein anderer Gipskristall zerbrach mittig, während 1945 das Museum von Bomben zerstört wurde.

Woher kommt eigentlich das Salz?

Vor 250 Millionen Jahren lag im heutigen Nordafrika das Zechsteinmeer. Dort trockneten etwa 1000 Meter dicke Salzschichten. Diese Schichten verschoben sich und man findet sie heute unter dem Gebiet von Norddeutschland. Deckschichten aus späteren Erdzeitaltern bildeten sich darüber. Aufgrund des hohen Druckes verformte sich die leichtere Salzschicht. Der Auftrieb verdrängte die Deckschichten zur Seite und sie lagen um den Salzstock herum. Das ist auch der Grund, weshalb man in Lüneburg Fossilien und Gesteine um den Salzstock fand, die viel tiefer unter der Erde lagen.

Bei dem Namen Kalkberg denkt man, so auch ich, zuerst an Kalkgestein. Er besteht aber aus Gips und Anhydrit. Der Kalkberg hat eine Höhe von rund 56 Meter über NN und steht unter Naturschutz.

Nach dieser kleinen Exkursion und mit einigen schönen Ausblicken aus dem Museum auf die Ilmenau, wechselte ich mit meinem Fahrrad zu einem anderen Standort.

Einmal mehr kam ich an der St. Johanniskirche am Platz am Sande vorbei ….

 

die st. johanniskirche
die St. Johanniskirche in Lüneburg

Lüneburger Kleinigkeiten (ganz GROß)

Vor der Tourist-Info am Rathaus versammelte sich ein Gruppe Menschen. Um 16 Uhr startete die Führung unter dem Motto „Lüneburger Kleinigkeiten“, zu der ich mich anschloss.

Mit dem Rücken zum Rathaus stellte sich Sabine Büschelberger vor. Charmant und witzig, war mein erster Impuls. Und ich freute mich auf die kommenden eineinhalb Stunden.

 

rathaus innengarten

 

Nach ersten Informationen zur Hauptfassade des Rathauses aus der Barockzeit spazierten wir in den Rathausgarten. Von hier sah man die lange Rathausfassade aus schönstem Backstein. Die Rasenfläche im Innenhof begrünte man im Frühjahr 2019. Über die Ostertage blühten an den Seiten wunderschön die Magnolienbäume. Unter den Bäumen versammelten wir uns für spannende Infos zu der Elle. Wo hing sie, wie lang war sie. Konnte man überhaupt die Länge der Elle exakt nachweisen?

Im Schatten des Blätterdaches sah man einen Welfenlöwen auf einem Podest stehen. An ihm sah ich eine Halterung und eine weitere Halterung sollte sich am Fuße befinden, so die Stadtführerin.

Dieses kleine Utensil, eine Stadtelle, hatte enorm Auswirkungen auf die Finanzen der Stadt zu früheren Zeiten.

Jede Stadt hatte früher seine eigenen Maße und Gewichte. Unsicher fragte man sich, messen wir mit der richtigen Elle? Wie lang war eine Elle? Genau kann man das heute nicht mehr sagen, man vermutete etwas mehr als schulterbreit.

Ähnlich wie mit der Elle schätzte man die Tonnen Salz, die früher produziert wurden. Als ich die fünfstellige Zahl hörte, staunte ich nicht schlecht …

Beim Verlassen des Rathausgartens bemerkte man eine bedeutende Info: Das Lüneburger Rathaus zählt zu den ältesten mittelalterlichen Rathäusern in Deutschland.

Eine weitere Führung kam uns mit einer Stadtführerin entgegen. Und da fiel es mir auf …

Woran erkennt man die Stadtführer der Lüneburger Tourist-Info? Sie tragen mindestens drei Farben: Blau, Weiß und Rot. Meist erkennbar an einem Tuch über der Schulter, an einer roten Tasche angebunden oder als Tuch im Jacket. Diese drei Farben finden sich im Stadtwappen wieder.

Ab zum Gericht …

Wir tauchten in Gedanken immer mehr in das Mittelalter ein. Lebendige Geschichten erfuhr ich an dem Stadtrundgang, wie selten zuvor. Hätte mir früher in meiner Realschulzeit eine annähernd versierte Stadtführerin zur Geschichte auf diese Weise berichtet, da wäre wesentlich eher mein Interesse am damaligen Geschehen erwacht.

Wer eine Straftat begann, wurde am Markttag auf offenem Platze vor das Niedergericht geführt. Wie entschied man früher? Wer hatte die Hoheit über Recht und Unrecht? Da kamen etwas gruselige Tatsachen zur Sprache, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken lief …

 

mittelalterliches niedergericht am rathaus lueneburg
Das mittelalterliche Niedergericht am Rathaus Lüneburg

Kellergewölbe im Heinrich-Heine-Haus

An unserem nächsten Halt wurde es wieder fröhlicher. Das Kellergewölbe im Heinrich-Heine-Haus lädt auch heute zum Feiern ein.

Das Heinrich-Heine-Haus beherbergt seit 1993 das Literaturbüro, eine Wohnung und das Kulturreferat. Früher wohnten nach dem zweiten Weltkrieg in acht Wohnungen 36 geflüchtete Familien auf engstem Raum. Bilder und Fotos dokumentierten dies, die Sabine Büschelberger uns zeigte. Ein Foto war vom Innenhof, der fast durchgängig mit Leinen bespannt war. Auf ihnen trocknete man Wäschestücke.

Im Erdgeschoss fiel der unebene Boden auf. Mit Blick zur Decke sah ich eine weiß gestrichene Holzdecke. Zur rechten und linken Seite weiß übermalte Bögen. An einer Tür verwies ein Türschild zum Trausaal.

Eine schmale Tür führte in den Keller aus dem 14. Jahrhundert. Die Restaurierungen schloss man im Jahr 1992 ab. Anfang 1993 wurden die Räumlichkeiten offiziell eingeweiht und können für Geburtstage und Familienfeiern angemietet werden. Mit Küche, Sanitäreinrichtungen und Beleuchtung wirkt der niedrige Keller sehr gemütlich.

 

kellergewölbe im Heinrich heine Haus
das Kellergewölbe im Heinricht-Heine-Haus; li unten: das mittlere Haus ist das Heinrich-Heine-Haus; re unten: Holzdecke im Erdgeschoss

Nach der Kellerbesichtigung trat man hinaus in die späte Nachmittagssonne. Ums Eck gegangen, standen wir an der Häuserzeile der Reitende-Diener-Straße.

Der „Reitende Diener“

Eine der reichsten Häuserzeilen lag in der Reitende-Diener-Straße. Damals wohnte die uniformierte Schutztruppe nahe dem Rathaus. Mitte des 16. Jahrhunderts entstand der erste Gebäudekomplex. Später erweiterte man ihn um drei weitere. Die Ratsfamilie Garlop wohnte in einem und schmückte die Außenfassade mit Tausteinen und Familienwappen.

Die neun Reihenhäuser mit teuren Tausteinen konnten sich nur reiche Familien leisten. Ein Taustein kostete umgerechnet etwa 12 bis 15 Euro. Heute beherbergt der Gebäudekomplex Räumlichkeiten der Stadt und Verwaltung.

Zum Gerichtsknecht und der Graalfahrt

Am Ende der Reitende-Diener-Straße bogen wir links ab in die Straße „Hinter der Bardowicker Mauer“. An der Stadtbefestigung gingen wir rechterhand vorbei und schritten auf die Gerichtsknechtehäuser zu. Damals wohnten Gerichtsknechte auf freie Kost und Logis dort. Sie hatten am Haus jedoch eine Zelle. Darin saß ein Häftling. Die Gerichtsknechte versorgten sie, reinigten die Zellen und mussten sich mit nassen Wänden im Mittelalter herumschlagen.

Nur wenige Meter weiter stand man vor der „berühmten“ Graalfahrt. Dahinter führte ein langer Gang früher bis zur Solequelle nahe der Wallanlagen am Liebesgrund. Durch eine Holzleitung transportierte man die Sole zur Saline, wo sie weiter verarbeitet wurde. Einige Teilnehmer der Führung waren so mutig und gingen im Dunkeln einen Teil des Ganges entlang. Mit einigen Spinnweben im Haar kamen alle heil zurück.

 

Tür zur Graalfahrt

 

An einigen Straßenzügen informierte Frau Büschelberger die interessierte Gruppe zu den Senkungen. Man bemerkte eine Absenkung an manchen Orten von etwa einem bis sogar drei Metern. Der Grund hierfür liegt meist am Salzabbau.

Neben reichen Patrizierhäusern zeigte man Häuser der einfachen Leute, wie Handwerker. Noch heute erkennt man neben Haustüren einen Holzschacht, der in ein Untergeschoss führt. Das war der Ein- und Ausgang der Schweine. Der Satz, „ich lass mal die Sau raus“, gewinnt hier an Bedeutung.

An einer anderen Tür hängt ein noch bemerkenswerteres Schild, das wenig einladend den Freundes- und Familienkreis begrüßt: „Lieber Ratten im Keller, als Verwandte im Haus“.

Wir kamen einem weiteren Höhepunkt der Führung näher, dem Kapitelsaal an der St. Michaeliskirche.

 

im Kapitelsaal verlas man die Ordensregeln den Mönchen
Eingang zum Kapitelsaal am Fuße der Michaeliskirche; re unten: der Kapitelsaal mit Metallschutz vor Verwitterung

Lauschiges Ambiente an heißen Sommerabenden

Per Urkunde im Jahr 956 ist die Schenkung des Zolls und der Saline an das Kloster Michaelis nachgewiesen.

Vom ehemaligen Benediktinerkloster St. Michaelis ist heute nicht mehr viel da. Daher ist es umso schöner, dass man den Kapitelsaal mit seinem Kreuzrippengewölbe im Innen und dem angrenzenden Freigelände im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Im Kapitelsaal las man früher die Ordensregeln den Mönchen vor.

Zum Schutz des Gewölbes im Außenbereich befestigte man Metallplatten.

Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e. V. setzt sich für den Erhalt des Stadtbildes der Altstadt Lüneburg, den Denkmalschutz und die Pflege des Kulturgutes ein. Der Verein nutzt den Kapitelsaal zu unregelmäßig stattfindenden Treffen. Für kleine Familienfeiern an Sommertagen kann der Raum angemietet werden. Zu kälteren Jahreszeiten kann es trotz Heizung empfindlich kalt werden.

Rund 10 Stufen führten uns von dem Kapitelsaal wieder nach oben.

Sabine Büschelberger bereicherte ungemein diese Führung mit ihrem Wissensschatz. Sie beantwortete alle Fragen und wusste in der Straße „Auf dem Meere“ noch einige Anekdoten aus dem Mittelalter.

Strickware der Firma Pfohe

Bevor wir zum letzten Halt der Gruppenführung durch Lüneburg kamen, sahen wir durch ein Fenster zur Strickmaschine der Firma Lucia Pfohe. Früher galt es als großes Privileg für Frauen, wenn sie bei der Strickwarenfabrik Pfohe arbeiten durften. Hans Pfohe kam 1946 nach Lüneburg gründete damals das Unternehmen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 wirkte und arbeitete er in Lüneburg. Auch als Mitglied der IHK-Vollversammlung über 23 Jahre.

Nach rund 200 Metern standen wir in der Straße „An der Münze 7“, gegenüber vom heutigen Café „Chandlers Coffee“. Das Besondere an dem Haus war die Laterne. Sie durchlebte alle Errungenschaften der Beleuchtung. Vom Talglicht, über die Öllampe, kam später der Gasanschluss. Einige Zeit später der elektrische Strom mit der Glühlampe. Und heute das Licht aus der LED-Lampe.

 

Laterne, die alle Stufen der Beleuchtung durchmachte
die Laterne an Haus Nummer 7 in der Straße „An der Münze“

Die Stadtführerin Sabine Büschelberger sprach in angenehmer Lautstärke für Jeden gut verständlich.

Das Wissen der Lüneburger Zeitgeschichte vermittelte sie spannend anhand letzter Zeugnisse vor Ort. Willkommen waren Fragen der TeilnehmerInnen, die ausführlich beantwortet wurden. Sie berichtete in freundlich zugewandter Weise.

 

strasse auf dem meere
die Straße „Auf dem Meere“ mit schmucken Backsteinhäusern und besonderen Türgriffen

Tour zum Nachfahren mit Fahrrad

Zum Ansehen bitte das Bild anklicken. Danach öffnet sich die Ansicht in der komoot App.

routenverlauf radtour nach lueneburg zu salztage

 

 

Als Reisebloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus der Lüneburger Heide, meiner Wahlheimat Amelinghausen und Lüneburg, sowie deutschlandweit. Fahre mit dem Fahrrad und reise umweltfreundlich. Mit Social-Media-Beratung, der Umsetzung von Marketingstrategien für Tourismusregionen, sowie für Selbstständige und Solopreneure unterstütze ich Menschen in unterschiedlichen Branchen. Mit einem eigenen Blog bauen Gründerinnen, Freiberufler und touristische Regionen sich ihre eigene Marke auf und stärken die Vertrauensbildung. Das Blog ist mit der Website ein wesentlicher Pfeiler im Marketing. Mehr zum Bloggen | Social Media | Webdesign lesen.
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