Nelkenstadt Blomberg

Radtour durch Blomberg – Nelkenstadt mit Fachwerk und Charme

Genussvoll schlendern und entschleunigen in der lippischen Fachwerkstadt Blomberg fällt nicht schwer. Entlang verträumter Gassen und an Häuserfassaden mit Rosenranken rollten die zwei Räder über das Kopfsteinpflaster …

 

Blomberg, liebevoll die Nelkenstadt genannt, liegt unweit der bekannten Externsteinen, des berühmten Hermanndenkmals und nordwestlich des Freizeitzentrums am Schiedersee.

 

stadt relief blomberg

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Über die gut ausgebaute Ostwestfalen-Schnellstraße aus Lemgo kommend, fuhr ich gemächlich hoch zum Niederntor. Das Stadttor ist im Kreis Lippe das einzige erhaltene Tor aus dem Mittelalter.

Zu meinem Besuch in Blomberg gibt es vieles zu erzählen. Eine kleine Schwärmerei für diese Kleinstadt aus zauberhaften Fachwerkhäusern sei mir verziehen. Ich bring es auch auf den Punkt: Über der Stadt liegt ein Charme, der zu jeder Jahreszeit Gäste anzieht. Ob zum Nelkenfest, der Blomberger Kunstmauer – eine Freiluft-Kunstausstellung – an der Stadtmauer Anfang August, als Radwanderer oder Genussliebhaber.

Von zwei Radtouren mit Tipps erzähle ich gleich mehr …

 

Was erwartet dich sonst noch in diesem Beitrag zur Nelkenstadt?

 

» Radlspaß auf der alten Bahntrasse zur historischen Blomberger Altstadt und zum Erholungsgebiet Schiedersee

» Weshalb nicht nur die Nelke, sondern auch die Rose und die Tulpe in Blomberg eine Rolle spielen …

» Vom Nelkenfest, der Nelkenkönigin und der Kunst an der Stadtmauer

» Zur Genusstour auf dem Fahrrad oder zu Fuß gehört ein Gläschen Nelkenstädter Paradiesblick im Paradies

» Hintergrundwissen zur Stadt im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge.

 

Gleich zu Beginn beantworte ich die Frage, wie es zum Namen „Nelkenstadt“ kam.

 

Nelkenstadt – In Blomberg blüht prächtig die Nelke

Drei Nelkenliebhaber zeichneten verantwortlich für die weit über die Grenzen Europas bekannte Blomberger Nelkenzucht. Zuletzt pflegte Carl Gronemann bis zum Ersten Weltkrieg die Nelkenpracht. Er vermarktete die vom Vorgänger Friedrich Vöchting angelegten Kataloge in mehreren Sprachen. Hoher fürstlicher Besuch kam auch nach Blomberg ausschließlich wegen der Nelkenzucht. So kam der Hauch und süße Duft über der Nelkenstadt mehr und mehr ins Gespräch der Gäste.

Der Ursprung lag in den Händen des Gründers Christian Freiherr von Ulmenstein. Mit seiner Leidenschaft für die Nelke kümmerte er sich um neue Beete nahe der Blomberger Burg.

An der Stelle führte mich auch Gästeführer Uwe Feiert vorbei, als wir auf dem Weg zum Martiniturm unterwegs waren.

 

martiniturm
der Martiniturm

 

Ich hatte mit meinem Guide großes Glück, denn ich konnte viele Fragen stellen und auf alles bekam ich eine Antwort. So war ich auch neugierig, wie die Blomberger Nelkenkönigin gewählt wird.

 

Alle zwei Jahre wählt man eine Nelkenkönigin und im Gegensatz zur Amelinghäuser Heidekönigin gilt hier keine Vorgabe, dass dieses Amt nur unverheirateten Frauen vorbehalten ist. Die aktuell amtierende Nelkenkönigin heißt Melanie (ihre Amtszeit von 2018 bis 2020). Sie lernte am 7. Deutschen Königinnentag im hessischen Witzenhausen auch die Heidekönigin Mona Otto kennen. Mona war bis zum Heideblütenfest im August 2019 die 70. Heidekönigin von Amelinghausen.

Unter den Fotos auf der Facebook-Seite vom Heideblütenfest Amelinghausen e. V. fand ich ein Foto von Mona auf einem Trike in Witzenhausen. Am 22. September 2019 krönte man in Friedeberg das neue Burgfräulein Maja. Unsere Heidekönigin Leonie Laryea und die Nelkenkönigin Melanie nahmen daran teil. Ein Bild des Heideblütenfest Amelinghausen e. V. zeigt beide beim Umzug.

 

nelkenkönigin
die Blomberger Nelkenköniginnen rechts: die 6. Nelkenkönigin Nadine, links: die 7. Nelkenkönigin Melanie

 

Nelke, Tulpe und Rose – drei Blumenarten in einer Stadt

Wie ich erzählte, spielt die Nelke in Blomberg eine große Rolle. Da es nach Blomberg auch viele Holländer zog, kam schon recht bald der Spruch auf Nelke.küsst.Tulpe. Daher ist die Tulpe nicht mehr wegzudenken. Tja, und dann bleibt nur noch die Rose. Die lippische Rose ist das Zeichen des ehemaligen Landesherren. Diese Blüte findet man im Stadtwappen von Blomberg.

 

Komm mit und halte dich am Fahrradlenker fest, ich nehme dich auf eine Radtour rund um Blombergs schmucke Plätze mit!

 

Fahrradtour um Blomberg
oben links: Am Infopoint des Militärstützpunktes der Holländer; oben rechts: Blick auf den Martiniturm und die Stadtmauer; unten links: „Der Grüne Platz“; unten rechts: Das Waschhaus

Radtour durch die historische Fachwerkstadt Blomberg

Praktisch ist, dass die Tourist-Information Blomberg zwei fahrtüchtige E-Bikes für Gäste und Bürger*innen der Nelkenstadt für eine Radtour zur Verfügung stellt.

Mit Stadtführer Uwe Feiert fuhr ich zuerst zu einem Stadtrelief, für einen ersten Überblick. Anschließend nahmen wir ein paar Pedaltritte und kamen am Waschhaus aus 1880 an. An der Quelle des frischen und sauberen Diestelbaches wuschen früher Frauen die Wäsche. Den Diestelbach sahen wir im Verlauf der Radtour noch öfters. Er schlängelt sich schön fließend durch sattgrüne Wiesen, an der alten Bahntrasse und am Burghang entlang.

Sechs Mühlen zählte man in Blomberg, nicht nur für Getreide, auch für Leinen oder der Stuhlindustrie.

Romantisch lag Gut Blomberg linkerhand vor uns, Reiter saßen auf Pferden und trabten an der Straße.

Einige Pedaltritte weiter kamen wir im Industriegebiet von Blomberg an einen Infopunkt. Im ehemaligen Militärgelände leisteten Holländer ihren Dienst. Eine Modell-Rakete erinnert an frühere Zeiten. Menschen aus Holland liebten die Stadt Blomberg und wählten die Nelkenstadt zu ihrer neuen Heimat. Die langjährige Freundschaft zu Niederlande spiegelt sich auch in der partnerschaftlichen Verbindung zum niederländischen Papendrecht.

 

Mein Blomberger Gästeführer und ich wechselten den Weg auf die alte Bahntrasse. Sanft bergab rollten unsere E-Bikes über gut befestigte Wege. Das war ein Genuss!

So kamen wir nebeneinander fahrend wieder auf ein anderes Thema zu sprechen, den nahegelegenen Schiedersee. Nur rund 7 km von Blomberg entfernt bietet er zu jeder Jahreszeit Freizeitmöglichkeiten, ob bei einer Rundtour mit dem Fahrrad, einer Bootstour oder eine erfrischende Abkühlung bei heißen Temperaturen.

Als ich das hörte war klar, ich muss in diese Gegend erneut kommen. Denn es locken noch viel mehr Rad- und Wanderwege um Blomberg. Zum einen der Nelken-Wanderweg oder westlich der Stadt einige Radstrecken.

 

Nach einigen hundert Metern mussten wir leider diesen schönen Streckenabschnitt auf der Bahntrasse wieder verlassen. Wir wurden aber belohnt von einer herrlichen Aussicht auf die Hohe Warte. Zu diesem Aussichtspunkt kommt man entlang des namhaften Firmengeländes des Unternehmens Phoenix Contact GmbH & Co. KG, das seit 1957 in Blomberg Verbindungskomponenten aus der Elektronik und der Elektrotechnik herstellt. Es bietet 4000 Mitarbeitern am Blomberger Standort einen Arbeitsplatz und ist der größte Arbeitgeber der Stadt.

 

Aussicht auf hohe Warte Radtour um Blomberg

 

Einmal umrundeten wir das Gelände und es öffnete den Blick auf die schöne Nelkenstadt. Ein weiterer Fotostopp war hier natürlich Pflicht!

 

Nelkenstadt Blomberg

 

Klaus Eisert, Inhaber von Phoenix Contact, ließ in der Stadt an einem bedeutenden Knotenpunkt ein Kunstobjekt aufstellen. Den Auftrag erteilte er der Bielefelder Künstlerin Bärbel Dieckmann. Eine Bronzeskulptur aus 29 einzelnen Teilen steht am Kreisel der B1. Die Bundesstraße verbindet die Städte Aachen und Küstrin-Kietz an der polnischen Grenze. Die 4,30 Meter hohe Skulptur zeigt unter anderem Alheyd mit ihrer Schürze und den gestohlenen Hostien am Marktbrunnen, die Blomberger Schützen mit Zylindern oder Fassaden von Fachwerkhäusern.

 

blomberger kunst skulptur aus bronze
Kunst am Kreisel – die Bronzeskulptur steht am Kreisel an der B1 (im Bild mittig unten sind die Schützen mit Zylindern zu sehen)

Zurück in die Altstadt fuhren wir die Anfahrtsstraße zum Niederntor. Durch das Stadttor hindurch wechselten wir über Kopfsteinpflaster die Straße und fuhren in die Kuhstraße. Eine hübsche Häuserfassade nach der anderen sah ich vom Fahrrad aus.

 

Zum Gedenken an die Freundschaft mit dem Nachbarland Niederlande widmete man dem grünen Platz nahe der Gartenstraße den Namen „Zum Groene Plaats“. „Von oben sehen die Grünflächen aus wie die Flügel einer Windmühle“, bemerkte mein Radguide.

 

Vor einem Haus in einer schmalen Gasse blieb er stehen und ich wunderte mich, was es hier besonderes zu erzählen gab. Er zeigte auf eine Häuserfassade die zur Linken sauber und in ordentlichem Zustand aussah. Dagegen könnte man die rechte Hälfte durchaus mal sanieren, dachte ich. Das war auch so. Ist allerdings ein unguter Zustand für die Bewohner, weil es das Klima im Haus beeinträchtigt. Man denke nur an die Heizperiode im Winter

 

rathaus blomberg
Blomberger Rathaus

 

Nach der letzten Ecke zurück am Marktplatz hieß es erstmal Abschied nehmen vom Fahrrad. Denn nun gingen wir zu Fuß am Rathaus vorbei. Seine Fassade sieht markant und für mich sehr schön aus.

 

alheyd statue am marktbrunnen
die Alheyd Figur nahe dem Rathaus

 

Ihm gegenüber ist der Brunnen mit der Alheyd Figur. Alheyd Pustekoke war eine Magd, die aus Gutglauben und Hoffnung auf ein besseres Leben über 40 Hostien stahl. Zuhause verwahrte sie diese an einem sicheren Ort und hoffte, dass ihr das über schwierige Zeiten hinweghalf. Leider kam dieser Diebstahl schnell auf und man suchte den Täter. Aus Furcht warf sie die Hostien in den Brunnen am Seligen Winkel. Nun wendete sich plötzlich das Blatt und die Bürger*innen verehrten das Brunnenwasser als geweihtes Wasser. So kamen die ersten Pilger und Kranke zum Blomberger Brunnen in der Hoffnung auf Heil und Segen. Leider wurde Alheyd aufgrund des Diebstahles verbrannt. Etwas schaurig ist die Geschichte …

 

stadtansichten auf blomberg
oben: altes Amtshaus; links unten: die Klosterkirche; rechts unten: Blick auf den Brunnen mit Alheyd

 

Doch zum Glück sah ich danach schöne Aussichten von oben, denn wir stiegen auf den Martiniturm bis zum Glockenstuhl. Dort hängen 4 Glocken, die den Gottesdienst einläuten. Die älteste Glocke stammte sogar aus dem Jahre 1463.

Spaziergang zum Weinberg für Weinprobe Nelkenstädter Paradiesblick

An den Mauern der Burg Blomberg gingen wir entlang und folgten der Stadtmauer. An ihr schmücken Anfang August Künstler ihre Kunstgemälde. „Das sieht wahrlich kunstvoll aus“, schwärmte Uwe Feiert.

Nach wenigen Schritten kamen wir zum Blomberger Weinberg. Die Trauben der Rebsorte Regent mundeten fein und leicht süßlich. Herr Feiert holte sein Refraktometer heraus und testete den Öchsle-Gehalt. Wir kamen auf etwa 15,5 Grad Brix (das ist die Einheit zur Bestimmung des Massenverhältnisses von Zucker und Wasser). „Nicht mehr lange, dann wird die Weinlese sein“, erzählte er mir.

Unterdessen kosteten wir einen kleinen Schluck aus dem Jahr 2018 und ließen den Blick auf den Flecken Paradies schweifen. Eine feine Erdbeernote begleitete den trockenen und vollmundigen Rotwein.

 

blomberger weinberg

 

Eine letzte Station lag auf unserem Spaziergang durch die Altstadt, und zwar die alte Klosterkirche des ehemaligen Augustinerklosters. Da die Klosterkirche keinen Kirchturm hatte, ließ man beim Abriss der Martinikirche im Jahre 1833 den Kirch- und Glockenturm stehen. So ergänzen sich die voneinander getrennten Gebäude.

Das reich verzierte Deckengewölbe in der Klosterkirche deckt man nach und nach frei. Im Chorraum sahen wir uns eine Grabtumba an, die letzte Grabstätte von Bernhard VII. zur Lippe und seiner Frau Anna von Holstein-Schauenburg. Die ehemalige Augustinerkirche „Zum Heiligen Leichnam“ wurde nach der Reformation zur evangelisch-reformierten Kirche für die Bürger*innen Blombergs.

 

Nach dem Rundgang verabschiedete ich mich bei Nicole Büker, der Geschäftsstellenleiterin von Marketing Blomberg e. V. und dem Gästeführer Uwe Feiert.

Die Zeit in der Nelkenstadt Blomberg bleibt lange in Erinnerung. Bis ich eines Tages wieder in der lippischen Fachwerkstadt verweile …

 

Wer Lust hat auf die GPX-Daten der Blomberger Radtour mit Spaziergang, kann sie über Komoot einsehen.

 

nelkenstaedter paradiesblick
zu Hause nach der TeutoBloggerWG gab es einen wohlverdienten Schluck

 

Offenlegung: Der Ausflug in die Nelkenstadt Blomberg war ein Teil der TeutoBloggerWG – Fachbereich Tourismus Teutoburger Wald Ostwestfalen-Lippe

Als Reisebloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus der Lüneburger Heide, meiner Wahlheimat Amelinghausen und Lüneburg, sowie deutschlandweit. Fahre mit dem Fahrrad und reise umweltfreundlich. Mit Social-Media-Beratung, der Umsetzung von Marketingstrategien für Tourismusregionen, sowie für Selbstständige und Solopreneure unterstütze ich Menschen in unterschiedlichen Branchen. Mit einem eigenen Blog bauen Gründerinnen, Freiberufler und touristische Regionen sich ihre eigene Marke auf und stärken die Vertrauensbildung. Das Blog ist mit der Website ein wesentlicher Pfeiler im Marketing. Mehr zum Bloggen | Social Media | Webdesign lesen.
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