Jever, Schloss, Schlossgarten, Schlossmuseum

Eine Radtour ans Meer … – Friesland ich komme!

Im März 2020 stach ein Foto auf Instagram ins Auge. Ein rosa Gebäude mit Türmchen, aufgenommen in der Vorweihnachtszeit. Das will ich sehen, war der erste Gedanke. Aber schon früher und nicht erst zur Weihnachtszeit!

Das Schloss in Jever blieb im Fokus. Noch immer gucke ich regelmäßig beim Instagram Account @schlossmuseumjever vorbei. Von Pfauen, einem weitläufigen Schlossgarten, zu Jevers Geschichte und spannende Funde berichten die Menschen hinter dem Account live aus dem Museum.

Als im Frühjahr 2020 das öffentliche Leben und das Reisen heruntergefahren wurde, orientierte ich mich virtuell auf Google Maps zur Lage, welche Inseln vor Friesland liegen und entdeckte dabei etwas Schönes. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, als ich damals die autofreie Insel Langeoog für einen Tag kennenlernte. Just als wäre es gestern gewesen, nahm ich wieder die Stille ohne Autolärm wahr. Kein Hupen, kein Straßenlärm, nichts! Herrlich!

Mein Traum von einer Radreise an das ostfriesische Meer

… dass mein Traum von einer Reise ans Meer im Jahr 2020 plötzlich und kurzerhand doch klappte, davon erzähle ich dir hier. Schon die Anreise war ein Urlaubstag.

In dieser Reisegeschichte zeige ich dir meine persönlichen Ausblicke vom Fahrrad. Das Motto der 5-tägigen Radreise lautete: Genießen, genießen, genießen. Nichts tun, nur radeln und Sonnenschein, das Leben und die Freude spüren.

Es erwarten dich keine Jahreszahlen oder historische Daten. Ich hol dies aber bei der nächsten Tour nach Jever nach und besuche dann ausgiebig das Schlossmuseum und trinke danach genüsslich Kaffee im Schlossgarten. Denn es gab noch so vieles zu entdecken, dass eine Fortsetzung im Jahr 2021 folgen muss.

Im Kopf hatte ich die Reise schon lange geplant und die Routen ausgedacht, um vieles zu sehen. Mit „Viel“ hatte ich den Wunsch, länger unterwegs zu sein. Doch das kam anders …

 

Zum Inhalt

Reisevorbereitung

Endlich ist es soweit …

Traumhafter Blick über die Weser

Zwischenstopp in der Wesermarsch

Oldenburg Baustelle – ich will hier raus!

Vareler Bahnhof, nix Fahrradfreundlichkeit, was ein Desaster …

Durchatmen am Jadebusen bei Dangast

Ich kann es nicht mehr erwarten, wann bin ich endlich da?

Wo ist das Schloss und der Pfau?

 

Zwei Tage vor dem Start bekam ich nach einer Untersuchung das Go. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie leicht, fröhlich und geschwind mein Fahrrad nach Hause sauste. Um freie Vakanzen zu prüfen und richtig old school telefonisch mit Vermietern Kontakt aufzunehmen. Bei einem älteren Ehepaar wurde ich fündig. Reservierte mir vorsorglich für die Anreise auch einen Zwischenstopp in einem kleinen Landgasthof in der Wesermarsch. Und eine Woche später radelte ich für einen Auftrag an der Elbe entlang. Statt einer langen Auszeit feierte ich diese 5 Tage von früh bis spät auf dem Fahrrad und zählte keine Kilometer oder merkte mir für einen späteren Blogbeitrag Eckdaten. Denn an einen Blogbeitrag schreiben dachte ich überhaupt nicht. Einfach nur Genießen und das mit allen Sinnen.

Friesland in greifbarer Nähe

Zwei Tage später. Um 5 Uhr klingelte der Wecker und ich saß zum Sonnenaufgang auf dem Sattel. Die Strecke bis zum Bahnhof Soltau war bekannt, so trippelten die Beine sich wach und warm. Überraschend kühl und frostig (also unter 10° Grad) war der Morgen. Mitte September lag frühmorgens Tau über den Wiesen und die Sonnenstrahlen spitzten durch die Kiefern entlang der B209.

Zwei kurze Zwischenstücke bis Friesland wählte ich mit der Bahn. Allerdings so, dass ich großen Menschenansammlungen aus dem Weg gehen konnte.

Soltau bis Achim war die erste Bahnstrecke.

Mein Fahrrad und ich waren im Radabteil fast alleine und die 45 Minuten bis Achim vergingen zum Glück schnell. Endlich wieder an der frischen Luft folgte ich dem Radweg durch die Wesermarsch.

Wesermarsch, Radfahren entlang der Weser
an der Weser (nahe Achim)

Nachdem die Weser überquert war, radelte ich durch ein fruchtbares und artenreiches Land. Graureiher flogen empor und drehten ihre Kreise, Rohrschilf stand am Wegesrand und ein paar Schafe grasten am Deich. Über mir der schönste blaue Himmel, den man sich vorstellen konnte. Und natürlich Sonnenschein. Als hätte es jemand da oben gewusst, wenn „Engel reisen“ und so …

Die nächsten 35 km entdeckte ich unberührte Landstriche, aber auch lang gezogene Kleinstädte am Stadtrand von Bremen. Nach Weyhe und Brinkum änderte sich die Landschaft und es wurde ruhiger. Ich radelte so nach Lust und Laune durch die Gegend, dass alle schönen Momente auf das Konto „Lebensfreude“, „Freiheit“ und „Genuss“ einzahlten. Genau das, was ich die vergangenen Wochen und Monate vermisste.

Im kleinen Ort Heiligenrode nahe Stuhr sah ich mich nach dem Check-in noch etwas um. Eine alte Wassermühle, ein Mühlenteich und herrliche Landwege zum Radschlendern luden ein, ein paar Radkilometer draufzulegen.

ländlich, Obstbäume nahe Heiligenrode
Auf dem Land bei Heiligenrode, nahe Stuhr
Blumenwiese im Spätsommer
bei dem Fotomotiv dachte ich an HOFFNUNG – Corona möge sich in Luft auflösen …

Varel – ein Bahnhof, der noch fahrradfreundlicher werden kann

Als einziger Übernachtungsgast startete ich nach einem kleinen Kaffeefrühstück geschwind zur langersehnten Radstrecke über Oldenburg, Varel bis Dangast. 

Oldenburg, Kanal, Fluss Hunte
Oldenburg: auf der Amalienbrücke über der Hunte

Die ersten 45 km bis Oldenburg drückte ich auf das Pedal. Als Delmenhorst und Ganderkesee hinter mir waren, folgten kerzengerade Radwege entlang der Bundesstraße. Die Blicke linkerhand ins weite Land lenkten mich ab. Und eine Stimme in mir sagte nur noch, „weiter, weiter, weiter“. Dann endlich das Ortsschild Oldenburg …

In Oldenburg zwang mich eine Baustelle zur Planänderung. Am Hotel Bavaria Oldenburg erneuerte man die Fahrbahn. Jetzt musste ich nur geschwind an den Ampeln durchkommen und über die Radwege mich aus Oldenburg hinausschlängeln.

Ich hatte eine Uhrzeit im Kopf, wann ich den Zug ab Rastede bis Varel nehmen wollte. Da drückte ich erneut auf die Pedale, um den Zug nicht zu verpassen.

Zum Glück klappte alles reibungslos. Aber ganz ehrlich, diese Bahnstrecke kann man sich sparen. 20 km mit dem Fahrrad bin ich fast ähnlich schnell geradelt und hätte mir das Malheur am Bahnhof Varel erspart. Aber dadurch erfuhr ich, dass der Bahnhof noch mehr für Fahrradfreundlichkeit tun kann. Denn im September 2020 durften Fahrgäste auf Gleis 3 ihr Fahrrad 20 Stufen in die Höhe tragen (nach 10 Stufen ist ein kleines Zwischenpodest). Ohne Reifenspur an der rechten oder linken Seite. Hinauf war für mich ein Problem. Doch ich war nicht alleine. Mehrere Radfahrer stiegen zum Glück mit aus und wir halfen uns gegenseitig über das Bahngleis. Hinunter das gleiche Desaster. Wieder die 20 Treppenstufen, aber das schaffte ich alleine.

Varel Mühle nahe Bahnhof
Windmühle in Varel

In Varel entdeckte ich die Windmühle. Ein Foto geknipst und schon bog ich ab nach Dangast über den typisch friesischen Radweg mit Kopfsteinpflaster. Durch alte Baumalleen schlängelte sich der Radweg vorbei an sumpfigen Wiesen und Marschland. Der Jadebusen musste bald da sein, die Luft roch herrlich nach See und Möwen flogen mir entgegen.

Radtour Varel - Dangast
am Radweg von Varel nach Dangast

Dangast – Künstler, Strandpromenade und Mahnmal

Dangast, Strandleben, Strandkörbe, Jadebusen
Dangast am Jadebusen und im Hintergrund siehst du die faszinierende Stadt Wilhelmshaven am Südstrand, rechterhand und fortführend in den Norden folgt der Marinehafen, sowie der Jade-Weser-Port

Nach dem Niedersachsencamp im Oktober 2019 stand ich nun nach 11 Monaten wieder an der Strandpromenade von Dangast. Der Wind blies ins Gesicht, die Sonne strahlte. In den Strandkörben relaxten die Urlauber, lasen in Büchern oder hielten ein Nickerchen. In der Ferne erkannte ich die Stadt Wilhelmshaven. Der Südstrand, der Marinehafen oder der Jade-Weser-Port nach Norden faszinierten von seiner Dimension und der Bewegung, wenn Frachter oder Marineschiffe auf das weite Meer hinauszogen oder zurückkehrten.

In Dangast finden Kunstliebhaber hübsche Kunstgegenstände, ob Gemälde, Schmuck oder Zeitloses für Wohnung, Haus und Garten. Nahe dem Kurhaus erinnert ein Mahnmal gegen Faschismus, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

An der westlichen Seite vom Jadebusen trippelte ich am Deich und dem Künstlerpfad entlang.

Radweg, Deich, Dangast nach Sande
Infotafel zum Südlichen Friesland kurz nach Dangast in Richtung Cäciliengroden (und weiter nach Sande)

Die Freude auf diese Radstrecke war groß. Sehr sogar, sie ging nie weg, seit ich das letzte Mal dort war.

Hier ein Schaf, dort ein schwarzes Schaf. Ein Gatter, das schwer zum Aufmachen war. Mit dem beladenen Fahrrad ist das immer ein kleiner Balanceakt.

Schaf, Deich, strahlender Sonnenschein
Lieblingsfotomotiv: ein „Wollknäuel“ am Deich :-)

Weite Wiesen und Seevögel am Himmel luden zum Radschlendern ein. Führte der Radweg wieder auf den Deich hoch, musste ich stoppen. Man sieht den Jadebusen ja nicht jeden Tag. Ich könnte noch länger schwärmen … aber ich lass nun einige Kilometer still vergehen.

Am kleinen Weiler Cäciliengroden nahm ich Abschied vom Jadebusen. Über die Deichstraße kam ich durch Siedlungen und erreichte schon bald das Dorf Sande.

Am Bahnhof vorbei folgte ein langgezogener Radweg. Gefühlt zog er sich wie Kaugummi. Und ich konnte es nicht mehr erwarten, bis ich am Übernachtungsziel in Schortens ankam. Nur noch rund 6 km!

Mühle in Schortens
die Mühle von Schortens an der Oldenburger Straße

Doch dann begrüßte mich die Windmühle von Schortens und ich wühlte mich durch kleine Gassen, über Kopfsteinpflaster in die Wohngegend der Unterkunft.

Im Obergeschoss lag das kleine Appartement und als alles geregelt war, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch einen Abstecher zu den Pfauen zu machen.

Das Schloss, der Pfau – aber kein Rad?!

Jever, Schloss, Schlossgarten, Schlossmuseum
das Schloss Jever und der weitläufige Schlossgarten

Ein Foto vom Schloss Jever und einem Pfau musste an diesem Tag noch sein.

So strampelte ich 5 km in die historische Stadt Jever, mitten in Friesland.

Die Überraschung war groß, als ich nicht nur einen Pfau sah. Im schön angelegten Schlossgarten findet man mindestens 12 Männchen und Weibchen. Irgendwann hörte ich das Zählen auf.

Das einzige „Manko“ war, kein einziger wollte mir zur Begrüßung sein schönes Rad zeigen. Nun war ich doch mit dem Fahrrad extra angereist und niemand schlägt ein Rad?! Gibt’s doch nicht. Ok, aber beim nächsten Mal schon, ja?

Ob es beim nächsten Mal klappte und was du alles ringsum von Jever entdecken kannst, das erzähle ich dir in einem folgenden Beitrag.

Pfau, Schloss, Jever, Schlossgarten
einer der schönsten Pfauen im Schlossgarten von Jever – das blaue Gefieder macht’s aus, glaub ich …. :-)

 

PS: Wie die Radreise durch das Wangerland in Ostfriesland weiterging, das erfährst du im Radreisebericht „Endlich an der Nordsee“

 

Lesestoff für dich

-> Radtouren nach Dangast

-> Fahrradtouren in und um Wilhelmshaven

 

Als Fahrradbloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus Niedersachsen und deutschlandweit. Nachhaltig, klima- und umweltfreundlich. Spannende Erlebnisse an Flüssen, Erfahrungen von der Deutschland Radtour, hier erfährst du Hintergründe und kannst virtuell mitradeln. Wer nun auch überlegt einen eigenen Blog zu nutzen, der erfährt auf dem online sichtbar Blog erste Informationen. Beratungen für Selbständige und Freiberufler erfahren die neuesten Informationen aus Social Media und dem Bloggen. Mehr lesen zu Social Media & Bloggen - online sichtbar.
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