Strand in Horumersiel

Endlich an der Nordsee – Ostfriesland-Radreise

Ab ans Meer …

Am frühen Sonntagmorgen kitzelten Sonnenstrahlen mich wach. Der erste Gedanke schoss durch den Kopf, „ich muss ans Meer“!

Baden, Radfahren, Sonne genießen und das Leben in seiner prallen Fülle erleben, waren gute Pläne für einen langen Tag im Wangerland.

Während ich den ersten Kaffee genüsslich im Bett trank, tauchte in meinen Gedanken eine fröhlich lachende Honigbiene auf. Kennt noch jemand Biene Maja?

„Meine“ Honigbiene wollte allerdings anders als in den Kindererzählungen der 70er Jahre, statt den Menschen kennenzulernen, die Natur und das einzigartige Wattenmeer neu entdecken. Was meine Honigbiene dabei alles entdeckte und wer ihr begegnete, erfährst du hier.

Mit der Honigbiene im Kopf packte ich meine Sachen für den Tag, bereitete eine Brotzeit vor und kochte Tee für die Thermoskanne. Ein Stückchen Süßes für Bienchen war natürlich auch dabei.

Endlich saß ich wieder auf dem Sattel. Nach zwei langen Fahrradtagen war das Hinsetzen mit einem kleinen Seufzer verbunden, „uff, meine Sitzhöcker wissen noch sehr genau, wo sie gestern den Tag verbrachten. Liegestuhl oder Hängematte fühlten sich anders an …“

Erste Station: Entenhäuschen in Jever

Immer Richtung Norden, sagte das innere Navi. Hin zur Nordsee. Doch ein erster Stopp war für Honigbienchen wichtig, sie wollte ihre Artgenossen an der Pferdegraft in Jever endlich sehen. Doch nicht nur Bienen summten eifrig in der Morgensonne. Die zwei Trauerschwäne Bernhard und Bianka zogen majestätisch ihre Runden im Wasser. Beinahe wäre Honigbienchen ins Wasser geflogen, weil sie ganz neugierig den beiden hinterher schaute und schon nah an der Wasseroberfläche entlang summte.

Ganz aufgeregt flog sie zu Erna und Emil und erzählte den beiden Warzenenten von ihrem Missgeschick. Lautes Entenschnattern ertönte. Das war fies. Honigbienchen flog zurück zu mir und kleine Tränen kullerten über die Flügel. Tröstend sprach ich auf sie ein und nebenbei knipste ich ein letztes Foto vom hübschen Entenhäuschen.

 

schwimmendes Vogelhaus im Wasser, an der Pferdegraft Jever
das schwimmende Vogelhäuschen in der Pferdegraft Jever baute das ehrenamtliche Graftenteam Jever

Dann zogen wir schon weiter. Raus aus der Stadt und ab in die Steppe. So kam es mir vor. Ostfriesland ist landschaftlich herrlich und die Fahrradwege schlängeln sich entlang weiter Wiesen und Felder.

Durch das weite Wangerland

Das Fahrrad hoppelte über Kopfsteinpflaster, frische Landluft von Kühen zog in die Nase und die Sonnenstrahlen strichen sanft über den Fahrradhelm. Es war ein herrlicher Sonnentag, passend für einen Sonntag!

 

Nordfriesland Kühe Windmühlen
gemütlich im friesischen Land Fahrrad fahren

Immer Richtung Norden war zwar die Navi-Anweisung, aber mein Fahrrad wusste, wie schön es ist, vom Weg abzuweichen. Und so pedalierten wir kreuz und quer auf einsamen Radwegen und kamen schließlich doch in Carolinensiel an. Fast erschlagen von Sonntagsausflüglern suchten wir schnell wieder das Weite. „Heute ist jeder unterwegs“, summte mir die Honigbiene ins Ohr. „Ohja, sieht so aus, aber ich finde für Dich und mich schöne ruhige Ecken. Versprochen!“

Einige hundert Meter am Fluss Harle entlang, kamen wir zum Fähranleger Harlesiel. Eifriges Gewusel war auch hier zu spüren. Reflektierte Sonnenstrahlen von vielen Autodächern blinzelten mir entgegen. Reisende parkten hier ihr Auto, um danach mit der Fähre „Wangerooge“ auf die gleichnamige Insel überzusetzen.

Das Meer, die Schafe und ich

Nach diesem Gewusel von Blechautos und Menschen suchten wir uns in der Nähe einen ruhigen Aussichtspunkt. Da lag der Radweg am Deich genau richtig. Gerade angekommen schloss meine Honigbiene Freundschaft mit einem prallen Wollschaf. „Die sehen so knuddelig aus“, summte sie vergnügt. Lass dir Zeit, dachte ich und blickte auf das Meer. Endlich da. Und das bei herrlichem Kaiserwetter. Etwas windig, blauer Himmel und Sonnenschein, typisch nordisch.

 

Schafe am Deich, nahe Fähranleger Harlesiel
in der Ferne der Fähranleger Harlesiel – Abfahrten und Ankünfte der Fähren nach Wangerooge

Plötzlich summte etwas laut am Himmel und ein Inselflieger von W’ooge landete vor meinen Augen auf der Landebahn am Harle Flughafen. „Hach, das ist eine Punktlandung, extra für mich!“ Rief ich ihm entgegen. Schnell knipste ich ein Foto. Nachdem er an seinem Stellplatz ankam setzte ich meine Radtour landseitig fort. Honigbienchen summte quietschvergnügt hinter mir her.

Am Radweg sah man genau, dass zuvor die Schafe hier unterwegs waren. Ein Bollerchen nach dem anderen lag auf dem Plattenweg. Doch das war mir egal.

Nach einigen Kilometern kam rechterhand der Aussichtspunkt am Küstenschutz-Camp Elisabethgrodendeich. Andere Radfahrer stoppten ebenfalls und lasen interessiert die Infotafeln.

Eine Skulptur war von der Weite gut sichtbar und ich wollte wissen, welche Geschichte dahinter verborgen war. Diese Skulptur „Woge retour“ aus Beton schuf die Künstlerin Uta Grams und sie zeigt eine Wasserwelle, die von einer Mauer zurückgehalten wird. Aufgestellt wurde sie anlässlich dem Ende der 20-jährigen Bauzeit zur Deicherhöhung.

 

Schafe am Deich Nordsee Insel Wangerooge
in der Ferne sieht man die Insel Wangerooge

Das Wattenmeer entdecken

Der Radweg führte einmal zur Seeseite hinunter und diese Gelegenheit nutzte ich, um zu stoppen. An einer Stelle konnte man offiziell durch den Sand und den vielen Muscheln zur See gehen. Im Naturschutzgebiet Wattenmeer gehören die Deich-, Grün- und Seeflächen den Tieren und Pflanzen. Die Menschenbeine bleiben auf den Wegen. Das beherzigte ich auch.

Das Fahrrad schloss ich kurzerhand an einem Holzpfosten fest und schnürte den Rucksack auf den Rücken. Mit der Kamera in der Hand lief ich der See entgegen.

Im Wattenmeer leben neben Kleinstlebewesen, Seevögel, auch viele schützenswerte Tier- und Pflanzenarten.

 

Möwen am Wasser vor den Dünen
lautes Möwengeplapper gehört an der Nordsee unbedingt dazu

An der See konnte ich beobachten, dass das Wasser wieder zurückkam. Lange wartete ich nicht, sondern nutzte die Zeit nur zum Fotografieren.

 

Flut und Ebbe an der Nordsee
die Flut ist da! das Wasser kommt zurück

Als wir munter auf dem Radweg weitertrippelten, entdeckte ich in der Ferne die ersten Flugdrachen und Häuserdächer einer Siedlung. Das müsste Schillig sein, rief ich Honigbienchen durch den Wind zu.

Schillig: Flugdrachen in Sicht

 

Schillig Strand Drachen steigen lassen
Drachen fliegen über dem Strand von Schillig

Da waren wir auch schon nach den letzten Tritten auf den Pedalen und ich war nur noch sprachlos. Ich begann zu summen, „I believe I can fly.“

„Ich KANN fliegen“, summte Honigbienchen und flog einige Kringel vor mir her.

„Ja, Du machst das großartig!“

So viele Flugdrachen sah ich schon lange nicht mehr. Als Kind hatte ich auch einmal einen Drachen und den ließ ich bei einem Nordsee-Urlaub fliegen. Das war anstrengend. Aber auch schön, ihm nachzusehen, wenn er am blauen Himmel seine Kreise flog.

Der Strand in Schillig war zu schön, um ans Weiterradeln zu denken. Aber es lagen sicher noch sehenswerte Hafenstädtchen und Landschaften vor mir, ermunterte ich mich zur Weiterfahrt.

An reetgedeckten Ferienhäusern trippelte ich vorbei. Honigbienchen immer eine Fluglänge voraus. Bald passierten wir das letzte Haus und waren wieder im weiten Wangerland unterwegs. Linkerhand die Nordsee und vor uns kam nach wenigen Fahrradkilometern Horumersiel.

Strandkörbe in Horumersiel

 

Strand in Horumersiel
am Strand in Horumersiel – die Strandkörbe verlockten zu einer Siesta

Die Urlaubsstimmung, die Eis schleckenden Menschen und der Gedanke, am liebsten würde ich mehrere Wochen in Friesland mit dem Fahrrad unterwegs sein, verbreiteten eine große Sehnsucht in mir. Am liebsten hätte ich es mir in einem Strandkorb für eine Siesta so richtig gemütlich gemacht.

Das wäre schön, ertönte es knapp vor meinem Gesicht. Aber wir kommen wieder, summten plötzlich zwei Seelen, eine auf dem Fahrrad und eine in Bienengestalt.

Und so zogen die beiden an der ostfriesischen Nordseeküste weiter und besuchten die Hafenstädtchen Horumersiel und Hooksiel.

Hafenflair in Hooksiel

Hafen Hooksiel
der Hafen in Hooksiel

Fischerboote, Yachten und lachende Menschen trugen zu schönen Sonnenscheinstunden am Fahrrad bei.

Langsam aber neigte sich der Tag und der späte Nachmittag zeigte sich durch längere Schatten. Einen letzten Höhepunkt an diesem unvergesslichen Tag wünschte ich mir noch und so guckte ich in meine Komoot App, welche Strecke ich zurücknehmen wollte.

Hübsche Dörfer in Friesland

Der Ort Sillenstede lag auf der Strecke. OK, dann fahren wir da durch.

Am Ortseingang las ich, Sillenstede wäre eines der schönsten Orte in Friesland. Also war ich da genau richtig, um den Tag mit Schönem ausklingen zu lassen.

Ein Schild weiter verwies man auf eine Windmühle. Zu der wollte ich hin und bog sogleich links ab. Zuerst führte ein schmaler Weg durch eine Wohngegend und nach wenigen Metern sah ich eine Holländerwindmühle.

 

bewohnte Windmühle Friesland
eine der schönsten Mühlen Frieslands steht im kleinen Dorf Sillenstede nahe Schortens

Für Fotos war der Spätnachmittag optimal und die Erinnerungen an die Windmühle waren geschwind auf der Speicherkarte gesichert.

Auf einem Schild las ich, dass der Betrieb der Mühle im Jahr 1964 eingestellt wurde und 1978 in Privatbesitz wechselte. Danach baute man die Mühle zu Wohnzwecken um. Trotzdem sah sie weiterhin wie eine richtige Windmühle aus.

Nach dem kleinen Ausflug zur Mühle lagen die letzten Kilometer zur Ferienwohnung vor mir.

Wie gerufen kam rechterhand ein langgezogener See, um noch einmal innezuhalten und den Tag Revue passieren zu lassen. Ich stieg vom Fahrrad ab und setzte mich etwas abseits der Straße in die Wiese. Die letzten Sonnenstrahlen strichen über den See und die Ruhe war wohltuend, nach dem erlebnisreichen und unvergesslichen Tag auf dem Fahrrad entlang der Nordseeküste im schönen Wangerland.

 

See nahe Sillenstede
Pause am Sillensteder See

 

PS: Wer von den Erlebnissen der Radtour aus dem Landkreis Lüneburg nach Jever nachlesen will, findet im Blog den Radreisebericht.

 

Als Fahrradbloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus Niedersachsen und deutschlandweit. Nachhaltig, klima- und umweltfreundlich. Spannende Erlebnisse an Flüssen, Erfahrungen von der Deutschland Radtour, hier erfährst du Hintergründe und kannst virtuell mitradeln. Wer nun auch überlegt einen eigenen Blog zu nutzen, der erfährt auf dem online sichtbar Blog erste Informationen. Beratungen für Selbständige und Freiberufler erfahren die neuesten Informationen aus Social Media und dem Bloggen. Mehr lesen zu Social Media & Bloggen - online sichtbar.
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