Polizei Wanderausstellung Freund, Helfer, Straßenkämpfer Weimarer Republik

Bürgernahe Polizei vor rund 100 Jahren

Aus persönlichen Erfahrungen zur Polizei, dein #FreundundHelfer, wuchs mein Interesse an der Polizeiarbeit.

Dank neuer Medien und den Instacops, Polizisten im Netzwerk Instagram, verfolge ich deren Arbeit und Infos. Im August 2020 schrieb ich zu meinen Erfahrung den Beitrag Polizei, dein Freund und Helfer.

Zu den Abteilungen der Polizei, ob Einsatz- und Streifendienst (ESD), der Kriminalpolizei oder Präventionsarbeit, erfährt man in Zeiten der Digitalisierung zum Glück sehr viel. Nicht alles ist schön, weil das nun mal zum Beruf dazugehört, aber die Menschen hinter der Uniform und den Accounts klären auf, geben Tipps und Hilfestellungen für den Ernstfall.

Öffentlichkeitsarbeit vor 100 Jahren

Aber wie war das in den Jahren zwischen 1918 und 1933 – in der Blütezeit der Weimarer Republik? Als mein Großvater zur Schule ging oder meine Großmutter sich um die Kindererziehung und eine Arbeitsstelle bemühte?

Ich kann heute niemanden mehr dazu befragen. Also trat ich vormittags in die Pedale und war als erste Besucherin der Sonderausstellung „Freunde, Helfer, Straßenkämpfer – Die Polizei in der Weimarer Republik“ im Museum Lüneburg.

Von 2. bis 29. September 2021 läuft die Sonderausstellung im Museum Lüneburg an der Ilmenau.

Die Ausstellung zeigt den Beginn einer bürgernahen Polizei und wie damals die Polizei in der Öffentlichkeit sich zeigte. Zum Beispiel über die große Polizeiausstellung in Berlin im Jahr 1926.

Heute sind soziale Netzwerke in der Öffentlichkeitsarbeit unverzichtbar.

Museum Lüneburg an der Willy-Brandt-Straße
Eingang zum Museum Lüneburg an der Willy-Brandt-Straße

Welche Region umfasste die Weimarer Republik?

Niedersachsen und die frühere Republik Weimar
Niedersachsen vs. Republik Weimar

Eine Schautafel klärte auf, aus welchen Landesteilen die Weimarer Republik bestand im Vergleich zum heutigen Niedersachsen. Die Standorte Oldenburg, Schaumburg-Lippe oder Braunschweig spielten in der Geschichte eine elemantare Rolle. Immer wieder tauchten auch Museumsstücke aus diesen Städten auf.

 

Gendarmerie Freistaat Oldenburg
Ausstellungsstücke zur Stadt- und Landpolizei, u.a. von der Gendarmerie Standort Oldenburg

Fahrradkontrolle anno dazu mal …

Im obigen Bild erkennst du rechts die Fahrradkontrolle eines Polizisten. Er prüfte vor einer Menschentraube, ob an dem Fahrradobjekt alle wesentlichen Teile vorhanden waren. Damals entwickelte sich im Zuge der Automotorisierung der Fokus auf Verkehrssicherheit.

Aber mal ehrlich, was benötigt heute ein verkehrssicheres Fahrrad?

Tipps für das verkehrssichere Fahrrad und zur Sicherheit auf Radwegen enthielt dieser Beitrag.

 

Hast du gewusst, wo der erste Ampelturm im Jahr 1924 errichtet wurde?

Oder dass das Spiel „Der gute Schupo“ (Schutzpolizei) schon damals einen vertrauensvollen Umgang zwischen Polizei und Kindern vermittelte?

Spiel zur Verkehrserziehung
der gute Schupo (Brettspiel) – wie passend sah ich das Spiel im Museum Lüneburg am ersten Schultag (2. September 2021) in Niedersachsen – weitere Infos zum Verkehrsspiel findet man im Polizeimuseum Nienburg a. d. Weser

Während der Weimarer Republik entwickelte sich die Kriminalpolizei zum eigenständigen Bereich innerhalb der Polizeiverwaltung.

Spektakulär fand ich die Fotokamera der Ausstellungssammlung. Wie einfach, kraft- und platzsparend ist heute ein Smartphone oder eine Digicam!

Fotokamera der Polizeiabteilung Kriminalpolizei
eine Fotokamera der Kriminologen

Frauen in der Polizei

Hast du gewusst, dass 1926 die ersten Polizistinnen vom damaligen Innenminister Carl Severing eingestellt wurden?

Genannt hat man sie WKP, weibliche Kriminalpolizei. Ein Film der Ausstellung zeigte Aufnahmen der weiblichen Kriminalpolizei Berlin und der uniformierten Polizei Dresden.

Gendarm oder Landjäger – wer ist wo für was zuständig?

Ob Stadt- oder Landpolizei, darüber informierten mehrere Schautafeln. Aus der damaligen Zeit kann man Parallelen zu heute wiederfinden. Wobei ich niemals einen Polizisten als „Gendarm“ bezeichne. Weder einen Polizisten noch eine Polizistin. Genauso wenig verwende ich den Begriff „Landjäger“, der damals einen „Polizisten am Lande“ bezeichnete.

Ich sehe den „Landpolizisten“ wie heute, er ist für alle Belange der Polizeiarbeit zuständig und rettet als „Jäger“ lieber ein Reh, als dass er es ersch … – nein, ich will nicht daran denken. Aber ab und an muss das leider wohl sein. Darüber informierten Instacops in Instagram.

Wichtig, wie heute und in anderen Berufssparten, war damals schon eine gute Allgemeinbildung. Bildung war früher, noch ohne Tante Google, wesentlich schwieriger erreichbar oder ein Privileg. Nicht jeder Bürger konnte es sich leisten, Wissen über Bücher und Wissensdatenbanken anzueignen.

Warum waren Polizisten Straßenkämpfer?

Die Ausstellung beantwortete die Frage, weshalb damals Polizisten in die Rolle von Straßenkämpfern schlüpften. Da spielte die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 leider eine bedeutende Rolle und die demokratischen Parteien verloren Einfluss an die Republikaner.

Ausbildung Polizei – damals ein Leben in der Kaserne

Einige Bilder der Sonderausstellung zeigten junge Männer in Mehrbettzimmern und bei einem geselligen Treffen am langen Tisch. Damals lebten die Azubis der Polizei in einer Kaserne. Auch nach der Ausbildung. Eine Privatsphäre kannte man damals nicht. Sie waren Tag für Tag auf engstem Raum beieinander.

Heute kann man sich das kaum vorstellen. Jeder Auszubildende hat neben seiner Arbeits- oder Studienzeit ein Privatleben. Worüber er frei bestimmen kann. Früher nicht.

Anstecknadel V.P.P.B. (Verband Preußischer Polizeibeamte e. V. - aus den 1920er Jahre, aus dem Sammlungsbestand des Polizeimuseums Niedersachsen in Nienburg an der Weser
Anstecknadel V.P.P.B. (Verband Preußischer Polizeibeamte e. V. – aus den 1920er Jahre, aus dem Sammlungsbestand des Polizeimuseums Niedersachsen in Nienburg an der Weser

Fazit: Die Sonderausstellung berührte mich und ich bin dankbar, dass vieles der Vergangenheit angehört und heute anders ist. Auch zum Wohle der Polizisten. Wenn man die Fotos der Ausbildung sieht, bin ich mehr als froh, dass die Zeit sich geändert hat und Bildung heutzutage vielen zugänglich ist. Ich wünsche der Ausstellung, dass sie Menschen zum Nachdenken anregt. Für mehr Respekt, Wertschätzung und Anerkennung gegenüber den Polizeibeamten. Sie sind 24/7 für die Gesellschaft zur Einhaltung der Gesetze auf der Straße und zum Schutz eines jeden Individuum.

Informationen zur Sonderausstellung im Museum Lüneburg

Polizei Wanderausstellung Freund, Helfer, Straßenkämpfer Weimarer Republik
Polizei Wanderausstellung Freunde, Helfer, Straßenkämpfer in der Weimarer Republik

Die Sonderausstellung umfasst 11 mehrseitige Schautafeln in einem separaten Saal im Museumsgebäude.

Sie ist ein gemeinsames Projekt der Polizeidirektion Lüneburg mit dem Polizeimuseum der Polizeiakademie Niedersachsen. Schirmherr der Sonderausstellung ist Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport.

Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei.

Die Ausstellung kann im Rahmen der Öffnungszeiten im Museum Lüneburg besichtigt werden.

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag von 11.00 bis 18.00 Uhr (donnerstags bis 20.00 Uhr), sowie Samstag + Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Interessierte Gruppen können eine Führung im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten per E-Mail anfragen unter polizeigeschichte@pd-lg.polizei.niedersachsen.de.

Empfehlenswert ist aus meiner Sicht die Sonderausstellung für Alle, die sich mit der Polizeigeschichte und der Weimarer Republik beschäftigen und daran Interesse haben. Auch für Schülergruppen ist sie ein interessanter Einblick und eine Abwechslung zum Schulalltag.

 

Der Förderkreis für Polizeigeschichte Niedersachsen e. V. unterstützte die Sonderausstellung neben der Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen e. V. und dem Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“.

Viele Ausstellungsstücke der Sonderausstellung sind Leihgaben des Polizeimuseums Nienburg an der Weser.

 

Die Wanderausstellung „Freunde, Helfer, Straßenkämpfer – Die Polizei in der Weimarer Republik“ war seit 2018 an diesen Orten zu Gast:

Niedersächsischen Landtag Hannover (2018)

Polizeidirektion Hannover (2019)

Landgericht Göttingen (2019)

Ehem. Staatsministerium Oldenburg (2019)

Niedersächsische Landesvertretung Berlin (2020)

Kunstkreis Hameln (2020)

aktuell zu sehen: Museum Lüneburg (2. bis 29. September 2021)

 

Als Fahrradbloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus Niedersachsen und deutschlandweit. Nachhaltig, klima- und umweltfreundlich. Spannende Erlebnisse an Flüssen, Erfahrungen von der Deutschland Radtour, hier erfährst du Hintergründe und kannst virtuell mitradeln. Wer nun auch überlegt einen eigenen Blog zu nutzen, der erfährt auf dem online sichtbar Blog erste Informationen. Beratungen für Selbständige und Freiberufler erfahren die neuesten Informationen aus Social Media und dem Bloggen. Mehr lesen zu Social Media & Bloggen - online sichtbar.
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