Radfahrer frei Zusatzschild bedeutet Vorsicht vor Fußgänger

Lust auf Radfahren – aber sicher!

Radfahrer frei, das klingt erstmal positiv. Motivierend, um auf seinen Drahtesel zu steigen und den freigeschaffenen Raum auf Gehsteigen zu nutzen. Was einst gut gemeint war, ist in der jetzigen Zeit gefährlich.

Mit „Radfahrer frei“ ist das kleine, weiße Zusatzschild 239 gemeint, das unterhalb dem blauen Fußgängerzeichen hängt.

Radfahrer frei Zusatzschild bedeutet Vorsicht vor Fußgänger
Gehsteig mit Zusatzschild 239 „Radfahrer frei“ bedeutet, Fußgänger haben immer Vorrang, Radfahrer dürfen nur in Schrittgeschwindigkeit fahren

Fahrradfahrer meinen, sie hätten die große Freiheit und könnten jeden Fußgänger „wegklingeln“ und dieser müsse sofort zur Seite springen. Denn der Radfahrer ist ja heutzutage modern unterwegs und fährt E-Bike. Ach nein, es ist nur das Pedelec.

Rücksicht und achtsames Radfahren findet man leider selten.

Ist ein Weg ausschließlich für Fußgänger freigegeben, huscht ein Radfahrer eben mal schnell drüber, zum Glück hat ihn ja niemand gesehen, wirklich?!

Selbst Gehsteige ohne Verkehrszeichen laden diesen Radfahrer, nennen wir ihn mal Max, ermutigend ein, lieber diesen zu nutzen, als die Fahrbahn. Auch die Fahrtrichtung scheint egal zu sein, denn er will ja nur mal schnell links in das Geschäft. Max denkt nie im Traum daran, Geisterfahrer zu sein …

Gehsteig ohne Verkehrszeichen, was ist zu beachten
Gehsteig ohne Verkehrszeichen bedeutet, nur Fußgänger nutzen diesen Gehweg, der Radfahrer fährt auf der Fahrbahn

Halt! Ironie Ende!

Die oben geschilderten Szenen fallen mir als Radfahrerin tagtäglich auf. Egal, ob in einer Stadt oder in einer Kommune.

Das Verkehrszeichen „Radfahrer frei“ hat aus meiner Sicht ausgedient und muss zügig abmontiert werden. Es war vielleicht vor 15 Jahren ein Zugeständnis für ältere Radfahrer. Wenn diese den Autoverkehr beklagten und sich auf der Fahrbahn unsicher fühlten.

Der Fahrradverkehr hat erfreulicherweise zugenommen. Nicht nur sportliche Radfahrer sitzen regelmäßig auf ihrem Drahtesel, auch Oma und Opa auf ihren deutlich schwereren Pedelecs. Zudem oftmals ohne Fahrradhelm und mit schnellerer Geschwindigkeit.

Mit zunehmendem Alter reagieren Personen langsamer. Das Gesichtsfeld ist eingeschränkter, wie auch die Beweglichkeit, vielleicht nimmt das Gehör ab. Und was sie einst in Kindertagen auf den Gehsteigen durften, hat längst ausgedient. Zurecht!

Denn wie alles unterliegt auch der Verkehr einer Zeitenwende und die Uhr tickt. Es ist fünf nach zwölf.

kein Verkehrszeichen bedeutet, Gehsteig für Fußgänger
nach der links einmündenden Straße folgt kein Verkehrszeichen, das bedeutet, es ist ein Gehsteig für Fußgänger (Fahrradfahrer müssen auf der Fahrbahn fahren oder können – wie im obigen Beispielbild – durch einen Zusatz „Radfahrer frei“ auf dem rechten Gehsteig bis zur nächsten einmündenden Straße nach 700 m langsam, in Schrittgeschwindigkeit, fahren)

Zeichen „Radfahrer frei“ veraltet

Das kleine, weiße Zusatzzeichen 239 „Radfahrer frei“ schwächt die Fußgänger*innen auf dem Gehsteig enorm.

Andererseits fühlen sich Autofahrer*innen im Recht, eine*n Radfahrer*in von der Fahrbahn auf den so ausgewiesenen Gehsteig mit Zusatzzeichen 239 zu verdonnern. Radfahrer*in macht es aber richtig. Denn man hat bei diesem Verkehrszeichen die Wahl, ob man auf der Fahrbahn fahren will oder langsam, in Schrittgeschwindigkeit, auf dem Gehsteig.

Vielen ist nicht klar, dass das Zusatzzeichen 239 „Radfahrer frei“ bedeutet, der Fußgänger hat Vorrang!

Radfahrer*innen haben sich langsam in Schrittgeschwindigkeit von rund 6 km/h den Fußgängern zu nähern. Sie müssen auch absteigen und warten, wenn Fußgänger am Weg unterwegs sind. Verständigen sie sich mit Augenkontakt, können Radfahrer langsam an einer Fußgruppe vorbeifahren.

Das gemeinsame Benutzen von Radfahrern und Fußgängern auf einem Gehsteig erhöht das Unfall- und Verletzungsrisiko drastisch. Noch dazu, wenn Radfahrer*innen als Geisterfahrer in die entgegengesetzte Fahrtrichtung unterwegs sind.

Hinzu kommen die oftmals zugewachsenen Aus- und Einfahrten zu Grundstücken. Spielende Kinder in Gärten. Mir sind schon einige Bälle vor die Räder gerollt. Wer hier nicht sofort die Fahrradbremse drückt, gefährdet hinterherlaufende Kinder. Denn Radfahrer*innen haben auf Gehsteigen mit Zusatzzeichen 239 „Radfahrer frei“ stets wachsam zu sein. In Rechtsprechungen, zu denen jeder im Internet Zugang findet, liest man, Radfahrer*innen haben bei Unfällen schlechte Karten. Daher gehören sie auf die Fahrbahn. Dort fahren sie sicherer.

Verkehrszechen für Fahrradweg Ende
das Verkehrszeichen 237 mit Zusatz „Ende“ bedeutet, Radfahrer müssen auf die Fahrbahn. Nur Fußgänger benützen den Gehsteig, sowie siehe folgende Ausnahme für Kinder

„Radfahrer frei“ – nur eine Ausnahme erlaubt

Es gibt nur eine Ausnahme, die es erlaubt, auf einem Gehsteig zu fahren. Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen mit einer begleitenden Person ab 16 Jahren auf dem Gehsteig fahren, wenn kein Pflichtradweg vorhanden ist. Kinder im Alter von 8 Jahren bis zum vollendeten 10. Lebensjahr können auf dem Gehsteig fahren.

Kinder in Kindersitzen oder Radanhängern zählen nicht zu dieser Sonderregelung. Denn sie fahren nicht auf einem verkehrssicheren Kinderfahrrad.

Wann muss ein Radfahrer auf den Radweg?

Beim oben geschilderten Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ fahre ich regelmäßig auf der Fahrbahn. Denn dieses Zusatzzeichen 239 „Radfahrer frei“ lässt jedem Radfahrer die Option frei, ob er auf der Fahrbahn fahren will oder langsam, in Schrittgeschwindigkeit, an Fußgängern vorbei.

Die Gründe für die Nutzung auf der Fahrbahn liegen auf der Hand. Ich bin mit durchschnittlich 20 – 25 km/h deutlich zu schnell als Schrittgeschwindigkeit mit etwa 5 – 7 km/h. Von Autofahrern werde ich als Radfahrer sofort wahrgenommen. Der Fahrbahnbelag ist meist besser. Gehsteige sind oftmals schmal, stark unterwurzelt und bei einer Fernradtour nervenaufreibend.

Radwegbenutzungspflicht besteht bei den drei folgenden blauen Verkehrszeichen:

mit weißem Fahrradsymbol (Zeichen 237 nach der StVO),

dem gemeinsamen Rad- und Fußweg (mit waagerechtem Querstrich, Zeichen 240 nach der StVO),

und dem getrennten Rad- und Fußweg (mit senkrechtem Querstrich, Zeichen 241 nach der StVO).

Aber wie überall gilt, auch hier heißt es, auf andere Verkehrsteilnehmer, Fußgänger und langsam fahrende Radfahrer, Rücksicht zu nehmen. Wir sind alle gleichwertige Verkehrsteilnehmer. Es lohnt sich, auch mal anzuhalten, obwohl man im Recht wäre. Denn das tut keinem weh.

Übrigens, diese Schilder müssen nach einbiegenden Straßen oder an der nächsten Kreuzung erneut aufgestellt werden, sofern die Wegbenutzungspflicht oder -wahl mit Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ gelten soll.

Wichtig zu wissen ist auch, wenn kein Verkehrszeichen an einem Gehsteig steht, dann ist der Weg automatisch nur Fußgänger*innen vorbehalten.

Pflichtradweg
bis zur nächsten Kreuzung in rund 100 m gilt der Pflichtradweg, dennoch muss auf Fußgänger*innen Rücksicht genommen werden, sie sehen keine Radfahrer*innen, die von hinten kommt

Appell an Erwachsene zu verkehrssicherem Verhalten

Erwachsene nehmen nicht nur Vorbildfunktion für Kinder ein, sondern auch für Urlaubsgäste. Denn leider ist selbst Menschen aus Holland, dem Fahrradland schlechthin, nicht bekannt, dass man auf einem Gehsteig nicht mit dem Fahrrad fährt. Direkt vor dem Rathaus Amelinghausen klingelte man mich von hinten an. Das ältere Ehepaar fragte mich, wo sie mit den Fahrrädern fahren könnten. Eigentlich ist es die Pflicht, im Internet im Voraus zu den Gepflogenheiten im Radverkehr sich zu informieren. Dann steht dem verkehrssicheren Verhalten im Straßenverkehr im Urlaubsland nichts im Wege.

nur Fußgängerzeichen, kein Radweg
trotz rotem Belag, der ähnlich einem Radweg aussieht, gilt, nur Fußgänger*innen gehen am Gehsteig, wie hier am Busbahnhof in Amelinghausen, Radfahrer*innen müssen die Fahrbahn nutzen

Regelmäßige Kontrollen von Verkehrszeichen

Dazu wäre es sehr hilfreich, wenn Städte, Gemeinden und Kommunen ihre Verkehrszeichen öfters unter die Lupe nehmen, um nicht zeitgemäße Verkehrszeichen abzumontieren.

Am besten verbinden das die Behörden mit einer kostenfreien Erkundungsfahrt für die Bevölkerung.

Fahrradclubs oder Verkehrswacht Deutschland sind an dieser Stelle bei Fragen auch hilfreiche Ansprechpartner*innen. Ebenso Polizisten von Fahrradstaffeln. Aus meiner Sicht sind Fahrradpolizist*innen ein wichtiger Beitrag für die Sicherheit im Straßenverkehr. Sie fördern durch ihre Präsenz die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer*innen und stehen bei Fragen gerne zur Verfügung.

Denn seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) im April 2020 gab es Nachwuchs im Schilderwald der Verkehrszeichen.

Vorfahrt achten mit Zusatz vorbeifahrender Radverkehr
oberhalb des „Vorfahrt gewähren“-Verkehrszeichens führt das Zusatzschild „vorbeifahrender Radverkehr“ an dieser Stelle in die Irre, denn laut Wegbeschilderung ist hier kein Fahrrad auf dem Gehsteig erlaubt (kein Verkehrszeichen vorhanden)

Fahrradstädte sind Vorzeigebeispiele

Positive Beispiele für Fahrradstädte habe ich persönlich auf zwei Rädern gesehen. Wie Einbeck oder Wolfenbüttel, die Landeshauptstadt Hannover, die Städte Braunschweig, Oldenburg (Oldb), Münster, Gütersloh, Würzburg, München, Ansbach, Rheinsberg in Brandenburg und viele mehr.

In Webinaren informierte ich mich über Vorzeigebeispielen aus den Niederlanden oder vom Radschnellweg bei Darmstadt und Frankfurt am Main.

Klimaschutz geht jeden an

Klimaschutz muss oberste Priorität und ein gemeinsames Ziel der Politik, der Verbände und Organisationen sein.

Autofreie Tage sind keine Neuerfindung. Macht nicht nur sonntags autofrei, sondern verzichtet an mehreren Tagen in der Woche ganz bewusst auf ein Auto. Oder schafft das Zweitauto gleich ab. Damit dies am Lande attraktiv wird, setze ich mich seit 2017 für mehr Car-Sharing-Stationen ein. Doch versagt das Vorhaben oftmals an der Politik, weil sie die Finanzierung eines Fahrzeuges nicht so steuern, dass man die Flächen für Werbung nutzt. Firmen vor Ort könnten durch das Anbringen von Werbefolien auf dem Fahrzeug dieses mitfinanzieren. Andernorts ist dies glücklicherweise schon lange üblich.

Mehr Einbahnregelungen, Tempo-30-Zonen, extra Fahrbahnen für Radfahrer*innen getrennt von Fußgängerwegen oder medienwirksame Aufklärungskampagnen sind notwendige Schritte, die keinen Aufschub dulden.

Gehsteig für Fußgänger
nur Fußgänger*innen benutzen diesen Gehsteig, keine Radfahrer*in darf hier fahren

Veränderung geschieht im Vorwärtsbewegen

Einige Städte setzen bereits vorbildlich Maßnahmen in puncto Fahrradfreundlichkeit um. Der Großteil hinkt leider gewaltig hinterher. Auch Kommunen.

Während Wahlkampfperioden steht das Thema Fahrradfreundlichkeit gerne im Wahlprogramm. Wenn man nach ein paar Monaten schaut, was umgesetzt wurde, wird man maßlos enttäuscht. Der Ball wird von hier nach da und auf die lange Bank geschoben.

Statt dass sich was dreht, dreht man sich im Kreis.

Aufgeben ist keine Option

Ich werde nicht müde, an dieser Stelle weiterhin „Lust auf Radfahren“ zu wecken. Dieser Beitrag soll wachrütteln und unterstützt Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gleichermaßen. Beide Gruppen sind die schwächsten Teilnehmer*innen im Straßenverkehr. Sie können gemeinsam viel mehr im Straßenverkehr erreichen, durch mehr Rücksicht, Umsicht und Vorsicht.

Wenn man sich als Partner*in und nicht als Gegner*in sieht.

Ich wünsche Radfahrer*innen viel Rückenwind. Den Fußgänger*innen eine große Portion Energie, mutig weiterhin für sich einzustehen. Und ein sofortiges Umdenken in der Politik, dass neben Industrieanlagen der umweltschädigende Autoverkehr drastisch reduziert und in umweltfreundliche Varianten investiert werden muss.

 

Eine Bitte am Ende: Teilt diesen Beitrag an möglichst viele Menschen. Auch an Politiker*innen, Ansprechpartner*innen in Städten und Kommunen. Macht aufmerksam auf eine sichere, klimaschonende Verkehrspolitik. Vielen Dank für die Mithilfe!

Siehst du eine Radfahrer*in einmal auf einem Gehsteig fälschlich in die Gegenrichtung oder als Radfahrer*in unerlaubt auf einem Gehweg fahren, mach die Person freundlich aufmerksam. Vielleicht achtet der Mensch künftig besser auf die Verkehrszeichen und schützt sich und andere Menschen im Straßenverkehr.

Als Fahrradbloggerin berichte ich freiberuflich von Radtouren aus Niedersachsen und deutschlandweit. Nachhaltig, klima- und umweltfreundlich. Spannende Erlebnisse an Flüssen, Erfahrungen von der Deutschland Radtour, hier erfährst du Hintergründe und kannst virtuell mitradeln. Wer nun auch überlegt einen eigenen Blog zu nutzen, der erfährt auf dem online sichtbar Blog erste Informationen. Beratungen für Selbständige und Freiberufler erfahren die neuesten Informationen aus Social Media und dem Bloggen. Mehr lesen zu Social Media & Bloggen - online sichtbar.
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