Rheinradweg EuroVelo 15: Etappen, Highlights & der beste Abschnitt für 1 Woche

Ich kenne Koblenz gut — besonders die Stelle, an der die Mosel in den Rhein mündet. Das Deutsche Eck ist einer dieser Orte, an denen man einfach stehen bleibt und schaut. Zwei Flüsse, zwei Richtungen, und das Gefühl dass hier irgendetwas Bedeutendes passiert. Wenn ich an den Rheinradweg denke, ist das mein erster Anker. Und das zweite Bild das mir kommt: der Kölner Dom, von der anderen Rheinseite aus gesehen.

Aktualisiert — Etappeninfos, Abschnittsempfehlungen und Unterkunftstipps geprüft

Der Rheinradweg — offiziell EuroVelo 15 — führt von der Rheinquelle in den Schweizer Alpen bis zur Mündung in die Nordsee bei Rotterdam: 1.230 Kilometer durch vier Länder. Das ist eine der bekanntesten Radrouten Europas, und sie verdient diesen Ruf. Aber wer nicht drei Wochen Zeit hat, muss sich keine komplette Tour vornehmen. Ein gut gewählter Abschnitt — vor allem der deutsche Mittelrhein zwischen Mainz und Köln — gibt dir das Beste dieser Route in einer Woche.

Der Rheinradweg auf einen Blick

  • Gesamtlänge: ca. 1.230 km (Andermatt/CH → Rotterdam/NL)
  • Länder: Schweiz, Deutschland, Frankreich (Elsass), Niederlande
  • Offizieller Name: EuroVelo 15
  • Schwierigkeit: Abschnitt 1 (Alpen) mittel bis schwer — Rest leicht bis mittel
  • Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober
  • Highlight-Abschnitt: Mainz → Köln (UNESCO Mittelrheintal, Burgen, Loreley)
  • Für 1 Woche: Mainz bis Köln (~260 km, 4–5 Fahrtage)

Die 4 Abschnitte des Rheinradwegs

AbschnittStreckekmCharakter
1Andermatt → Basel~160Alpen, Rheinschlucht, Schweizer Bergdörfer — technisch anspruchsvoll
2Basel → Mainz~320Oberrheinebene, Straßburg, Heidelberg, Weinbaugebiete
3Mainz → Köln~260UNESCO Mittelrheintal, Loreley, Burgen, Koblenz, Bonn
4Köln → Rotterdam~490Niederrhein, Polderlandschaften, Düsseldorf, niederländische Küste
Gesamt~1.2304 Länder, EuroVelo 15

Abschnitt 1: Andermatt → Basel — die alpine Eröffnung

Der Rhein beginnt als kleines Gebirgsbächlein im Kanton Graubünden. Die ersten 160 Kilometer führen durch die Rheinschlucht — auch „Schweizer Grand Canyon“ genannt — und dann durch das breiter werdende Alpenvorland bis nach Basel. Das ist landschaftlich spektakulär, aber auch der einzige Abschnitt der Route mit nennenswerten Anstiegen.

Wer die Gesamttour fährt, startet hier. Wer einen Teilabschnitt plant, lässt diesen Teil aus — es sei denn, alpine Landschaft ist das erklärte Ziel. Chur, die älteste Stadt der Schweiz, ist ein guter Startpunkt wenn man die Berge einbeziehen will, aber ohne die extremste Gebirgsstrecke.

Abschnitt 2: Basel → Mainz — Weinberge und Universitätsstädte

Ab Basel wird der Rhein breit und ruhig. Die Route führt durch die Oberrheinebene — flach, gut ausgebaut, mit dem Elsass auf der französischen Seite und Baden-Württemberg auf der deutschen. Das ist entspanntes Radfahren mit kulturellen Stopps.

Straßburg gehört zum Pflichtprogramm: das Münster, die Gerberviertel, die Kombination aus Deutsch und Französisch in einer Stadt. Heidelberg liegt nicht direkt am Rhein, sondern am Neckar — aber der Umweg lohnt sich. Die Schlossruine über der Altstadt ist eines der romantischsten Stadtbilder Deutschlands.

Der Abschnitt endet in Mainz, wo der Gutenberg-Dom und das Rheinufer einen würdigen Übergang in das nächste, spektakulärere Stück markieren.

Abschnitt 3: Mainz → Köln — das Herzstück der Route

Das ist der Abschnitt, für den der Rheinradweg berühmt ist. Das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz ist UNESCO-Welterbe — und man versteht sofort warum. Enge Flusskurven, Steilhänge mit Weinbergen, mittelalterliche Burgen auf jedem zweiten Hügel. Der Rhein sieht hier aus wie aus einem historischen Gemälde.

Die Loreley bei St. Goar ist der bekannteste Punkt der Route — der sagenumwobene Felsen, der die engste Stelle des Rheintals markiert. Der Blick vom Plateau ist einer der ikonischsten Aussichtspunkte Deutschlands. Direkt daneben: eine Dichte an Burgen, die in Europa ihresgleichen sucht.

Dann kommt Koblenz — und das Deutsche Eck. Ich bin oft hier gewesen, und dieser Ort hat etwas Besonderes: die Mosel von links, der Rhein von vorne, die Festung Ehrenbreitstein hoch oben auf der anderen Seite. Das ist kein touristischer Pflichtpunkt, das ist ein echter Moment. Wer den Moselradweg von Trier nach Koblenz fährt, landet genau hier — die beiden Routen treffen sich am Deutschen Eck.

Nach Koblenz wird der Rhein breiter und ruhiger. Bonn, Beethovens Geburtsstadt, liegt kurz vor dem Ziel. Und dann: Köln. Der Dom, von der anderen Rheinseite aus gesehen — das ist das ikonischste Bild dieser Route, und es enttäuscht in der Realität nicht. Wenn man nach 260 Kilometern in Köln ankommt und diesen Anblick hat, ist das ein echter Zielmoment.

Abschnitt 4: Köln → Rotterdam — der lange Niederrhein

Der letzte Abschnitt ist der längste und der flachste. Der Rhein wird hier zum breiten Strom, die Landschaft öffnet sich zu weiten Polderflächen. Düsseldorf und Duisburg bieten urbane Kontraste, bevor die Route in die Niederlande wechselt und der Charakter des Weges sich komplett verändert: flach, windig, Deiche und Wasserkanäle überall.

Rotterdam als Endpunkt ist eine moderne Großstadt mit beeindruckender Hafenarchitektur — sehr anders als die Burgenkulisse des Mittelrheins, aber ein würdiges Ende einer langen Reise. Wer die Niederlande auf dem Fahrrad mag, findet hier den perfekten Übergang zu einer eigenständigen mehrtägigen Radtour durch die Niederlande.

Welchen Abschnitt solltest du fahren?

Verfügbare ZeitEmpfohlener AbschnittkmHighlight
3–4 TageKoblenz → Köln~110Loreley-Abschnitt, Bonn, Dom-Ankunft
1 WocheMainz → Köln~260Gesamtes UNESCO Mittelrheintal
2 WochenBasel → Köln~480Straßburg, Heidelberg + Mittelrhein komplett
3+ WochenGesamtroute Andermatt → Rotterdam~1.230Volle EuroVelo 15 durch 4 Länder

Meine klare Empfehlung: Wer 1 Woche hat, fährt Mainz bis Köln. Das ist das Herzstück, der Abschnitt für den der Rheinradweg berühmt ist — und er ist in 4–5 Fahrtagen gut zu schaffen. Alles andere ist Bonus.

Übernachten: Bett+Bike entlang des Rheins

Das Bett+Bike-Netzwerk des ADFC ist auch am Rheinradweg gut aufgestellt — vor allem im deutschen Abschnitt zwischen Basel und Köln. Zertifizierte Unterkünfte bieten sichere Radabstellmöglichkeiten, Werkzeug und Trockenraum. Buchbar über die ADFC Bett+Bike Suche.

Im Mittelrheintal sind die Orte eng beieinander — du findest in fast jedem Dorf eine Unterkunft. Im Niederrhein-Abschnitt und in den Niederlanden sind die Abstände größer, frühzeitige Buchung ist dort wichtiger.

Beste Reisezeit für den Rheinradweg

Mai/Juni ist ideal: angenehme Temperaturen, die Weinberge sind grün, die Orte noch nicht überfüllt. Der Mittelrhein im Frühling ist ruhig und grün — sehr anders als im Hochsommer, wenn Ausflugsboote und Tagestouristen dominieren.

September/Oktober ist die zweite starke Empfehlung: Weinlese-Atmosphäre im Mittelrheintal, goldenes Licht auf den Burgen, ruhigere Straßen. Für Reisefotos die beste Zeit.

Juli/August ist technisch möglich, aber heiß und voll. Der Rhein ist im Hochsommer eine der meistbesuchten Touristenrouten Deutschlands — als Radfahrer bist du flexibler als Autofahrer, aber die Hitze auf langen Etappen zehrt.

Meine persönliche Einschätzung:

Ich bin oft in Koblenz gewesen — am Deutschen Eck, wo Mosel und Rhein zusammenfließen. Dieser Punkt hat etwas Magnetisches. Wenn ich mir vorstelle, dort nach Tagen auf dem Fahrrad anzukommen statt mit dem Auto, ändert sich die ganze Wahrnehmung. Der Rheinradweg ist kein Weg den man abhakt — er ist ein Weg auf dem man ankommt. Der Kölner Dom von der Rheinseite aus gesehen ist dabei das stärkste Schlussbild das eine Radreise in Deutschland bieten kann.

Praktische Infos

ThemaInfo
FahrradTrekkingrad oder Tourenrad — kein Rennrad nötig. E-Bikes in vielen Städten mietbar.
GepäckPacktaschen am Hinterrad. Für Gesamtroute: Gepäcktransport-Service empfehlenswert.
AnreiseJe nach Startpunkt: Mainz, Basel oder Andermatt per Bahn gut erreichbar.
NavigationEuroVelo 15 ist gut beschildert. Komoot-Karte als Backup reicht vollständig.
Budget/TagCa. 60–90 € inkl. Unterkunft, Essen. Schweizer Abschnitt deutlich teurer.
Radmitnahme BahnDB, SBB und NS haben Fahrradabteile — im Voraus reservieren, besonders Sommer.

Für alles rund um die Planung — Packliste, Zugmitnahme, was du wirklich brauchst — habe ich einen eigenen Artikel: Verreisen mit dem Fahrrad: Tipps für die Anreise und Gepäck. Aktuelle Weginfos und Streckenvarianten gibt es direkt beim EuroVelo 15 auf eurovelo.com.

FAQ: Häufige Fragen zum Rheinradweg

Wie lang ist der Rheinradweg und wie viele Tage brauche ich?

Die Gesamtroute (EuroVelo 15) ist ca. 1.230 km lang und umfasst 4 Länder. Für die komplette Strecke braucht man realistisch 14–18 Tage. Wer 1 Woche Zeit hat, fährt den Abschnitt Mainz–Köln (~260 km, 4–5 Fahrtage) — das ist das landschaftlich stärkste Stück.

Welcher Abschnitt des Rheinradwegs ist der schönste?

Der Abschnitt durch das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz ist UNESCO-Welterbe und gilt als landschaftlich stärkster Teil der Route: enge Flusskurven, Weinbergsteilhänge, Burgen auf jedem Hügel und die Loreley. Für die meisten ist das der Kerngrund, den Rheinradweg zu fahren.

Ist der Rheinradweg für Anfänger geeignet?

Der deutsche Abschnitt ab Basel ist durchgehend flach, gut ausgebaut und beschildert — gut geeignet auch für Gelegenheitsradler. Einzige Ausnahme: der Schweizer Alpenabschnitt (Andermatt–Basel) ist konditionell anspruchsvoller. Mit einem E-Bike ist die gesamte deutsche Route ohne Probleme machbar.

Wo übernachtet man am besten entlang des Rheinradwegs?

Das Bett+Bike-Netzwerk des ADFC bietet zertifizierte Unterkünfte mit Fahrradabstellraum, Werkzeug und frühzeitigen Frühstückszeiten — ideal für Radreisende. Im Mittelrheintal sind Unterkünfte in fast jedem Ort verfügbar. Im Hochsommer rechtzeitig buchen.

Über Robert

Robert von Sonnenfernweh

Robert reist seit über 15 Jahren intensiv durch Europa und die Welt — mit dem Fahrrad, zu Fuß und auf eigene Faust. Er recherchiert aktiv seine eigene Auswanderung und teilt auf Sonnenfernweh.de ehrliche Einschätzungen zu Reisezielen, Lebenshaltungskosten und dem Leben im Ausland. Panama und Argentinien stehen als nächste Ziele auf seiner Liste.

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