Warum Superlative in Überschriften und Texten nichts zu suchen haben

Was will ein Magazin, ein Blog oder eine Zeitung erreichen mit Superlativen in der Überschrift und im Text? Es scheint in und cool zu sein, mit „den besten Tipps“ seinen Beitrag zu starten, nur um Aufrufe für den Blog zu erhalten. Wohin das führt und wie irrsinnig manche Texte zu lesen sind, dazu schüttelte ich fragend den Kopf nach meiner Recherche.

Superlative sind ein No-Go

Blogger bezeichnen sich öfters als Journalisten. Der Begriff Journalist ist kein geschützter Begriff und somit kann sich jeder so bezeichnen. Es gibt Blogs, die berichten, schreiben und texten ehrlich, neutral und interessant. Doch liest man schon in der Überschrift von „den besten …“ blinken erste Warnsignale auf.

Aus meiner Sicht sollten Stilmittel wie Superlative nicht dazu eingesetzt werden, um seine Reichweite und die Klickzahlen zu erhöhen.

Wahllose Einteilung in gut und schlecht, bitte nicht!

Was bedeutet es, wenn man von „den 13 schönsten Städten zum Thema XYZ“ liest? Dann stellt man die nicht genannten Städte in den Schatten. Völlig ungeprüft und oft mit an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen.

Das erinnert mich an meine frühere Zeit als Reiseverkehrskauffrau. Damals tauchten langsam die Bewertungsplattformen in Erscheinung und Kunden vertrauten den Aussagen mehr, als man mit reinen Fakten belegen konnte. Obwohl man persönlich sich ein Bild vom Hotel und der Region machte, bewog eine schlechte Meinung auf einer der Plattformen Kunden dazu, sich ein anderes Reiseziel auszusuchen. Keiner hinterfragte die schlechte Bewertung. Waren die Reisenden im Streit miteinander und war folglich das Hotel oder die ganze Region schlecht? Schmeckte einem das Abendessen nicht, weil man am Tag keinen Platz am Pool bekam?

 

Von diesen Superlativen liest man häufig

  • der schönste Wanderweg in …
  • die schönsten Radtouren in …
  • die tiefsten Tauchspots …
  • der beste Glühwein …
  • die schönste Weihnachtsstadt des Nordens …
  • die freundlichste Stadt …
  • die coolsten und schönsten Ausflugsideen am Wasser …
  • der perfekteste Start in der Stadt …

Leute, wie glaubwürdig ist das?

Jede Stadt hat reizvolle Seiten, nicht nur die 13, 30 oder 50 schönsten Städte …

Berichtet eine Blogger*in von ihrer Radtour oder ihrem Städtetrip, dann ist das an einem, zwei oder drei Tagen geschehen und das Jahr hat XXX weitere Tage. Es handelt sich immer um eine Momentaufnahme. Jede Stadt hat zu allen Jahreszeiten etwas Bemerkenswertes oder Besonderes, worüber es lohnt zu berichten.

Hinterfragt man das Ergebnis der Ranglisten sucht man vergeblich nach Erklärungen. Wie kam es zu der Aufnahme in die Liste der „Top schönsten …“? Eine fundierte oder seriöse Abstimmung findet man nicht.

Manchmal liest man von Medienunternehmen oder Bloggern mit Wohnsitz in einer ganz anderen Stadt, die allerdings eine Andere zur Besten auserkoren haben (oder sitzen im Ausland und berichten über die schönsten Städte in Deutschland(?) ).

Was sagt das Wort „schön“ überhaupt aus?

Für den einen ist es eine abwechslungsreiche Region zum Skifahren, Wandern, Radfahren, weil er dort mit seiner Liebsten in den Flitterwochen unterwegs ist. Dem anderen schmeckt der Kuchen im Café am Marktplatz am Besten. Dann wirkt sich das emotional gleich auf das gesamte Stadtbild aus und man spricht schnell „von der schönsten Stadt“, weil einem der Kuchen schmeckte.

Schön ist ein abstrakter Begriff, den man beliebig verwenden kann. Mit dem Wort schön versucht man Texte emotionaler zu gestalten. Aber gelingt das wirklich, wenn „schön“ jeder anders bewertet?

Nicht zu vergessen, das liebe Geld

Arbeitet eine gemeinsame Gruppe an Reisebloggern mit einer Tourismusregion zusammen und konnten sie sich exklusive Plätze auf deren sozialer Netzwerke blockieren, erweckt es leicht den Eindruck, dass hier Geld eine Rolle spielt.

Eines vorweg, Bloggen, Berichte schreiben und auf Recherchereisen unterwegs zu sein, erfordert Zeit und Geld, keine Frage. Eine bezahlte Kooperation ist Wertschätzung für den Blogger und für mich essentiell für den Lebensunterhalt. Zusätzlich bietet der Blog der Tourismusregion einen dauerhaften „Werbe“platz. Aber zwischen Werbeslogans und neutraler Berichterstattung liegen Unterschiede. Diese finde ich bei den Schlagzeilen in den Überschriften nicht.

Zeigt eine Tourismusregion auf ihren sozialen Kanälen nur eine (bestimmte) Gruppe von Bloggern, dann ist das nach meinem Empfinden von Neutralität weit entfernt.

Nachhaltigkeit, für manche ein schönes Modewort

Heute schreiben sich viele das Wort „Nachhaltigkeit“ in die Bio des eigenen Blogs. Ja, auch bei mir steht „nachhaltig unterwegs“. Damit meine ich, dass ich ohne Auto in Deutschland unterwegs bin. Die letzte Flugreise endete 2007. Ich habe einen Führerschein und leihe mir bei wirklich wichtigen Terminen ein Mietwagen oder hole mir ein Auto eines Carsharinganbieters. Das kommt allerdings selten vor, da dies einen nicht unerheblichen Zeitaufwand bedeutet.

Wer bei einem Beitrag den Ort mit Koordinaten benennt und dies als den schönsten Ort betitelt, läuft Gefahr, dass die einzigartige Natur mit der Zeit ihren Charme verliert, da immer mehr Menschen dorthin fahren. Beispiele hierzu gibt es weltweit genug. Zum Beispiel: Niagara Fälle. Bei den Hotspots, wo man den „besonderen“ Ausblick auf das Naturspektakel früher genießen konnte, schossen kurzerhand Hotels, Restaurants und Kioske aus dem Boden. Idylle findet man nicht mehr. Danach versprachen Bootstouren den „besten Blick auf die Fälle“. Den Kreislauf kann man fortführen.

 

Fazit

Ich möchte Aufmerksamkeit wecken für eine sensiblere Berichterstattung!

Erschreckend empfand ich nach dem Recherchieren zu diesem Beitrag, wie viele Blogbeiträge es mit Superlativen zu finden gibt. Vermutlich hast du es an meinem Schreibstil gemerkt, dass ich darüber weder glücklich bin noch mich in diese Art der Berichterstattung einreihe. Eine Berichterstattung, um die Sensationslust von Lesern zufrieden zu stellen und für Klicks zu sorgen, wirst du hier nicht finden. Auch lehne ich Anfragen zu solchen Beiträgen ab. Mir ist die ehrliche, natürliche und lebendige Berichterstattung ohne Superlative wichtig.

 

 

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