Alpenüberquerung E5 ohne Führung: So planst du sie selbst

Die Alpenüberquerung E5 von Oberstdorf nach Meran lässt sich ohne Bergführer gehen. Der Weg ist durchgehend markiert, die Hütten sind einzeln buchbar, und niemand kontrolliert an der Kemptner Hütte deine Qualifikation. Entscheidend ist nicht die Erlaubnis, sondern ob du trittsicher bist, sechs bis sieben Tage hintereinander 1.000 Höhenmeter auf und ab schaffst und im Nebel eine Karte lesen kannst.

Wer diese drei Punkte ehrlich mit Ja beantwortet, spart sich mit der Selbstorganisation mehrere hundert Euro und gewinnt die Freiheit, eine Etappe spontan zu ändern. Wer bei einem davon zögert, ist mit einer geführten Gruppe besser bedient. Dieser Artikel hilft dir bei der Einschätzung.

Transparenz vorweg

Ich bin den E5 nicht gegangen. Meine längste durchgehende Fernwanderung ist der Westweg im Schwarzwald, mein Hausweg ist der Rothaarsteig. Was ich über Mehrtagesplanung, Gepäckgewicht und den Unterschied zwischen Trainingsrunde und siebtem Tag sagen kann, stammt von dort. Alles, was speziell den E5 und das Hochgebirge betrifft, ist recherchiert und mit Quelle gekennzeichnet, darunter der Deutsche Alpenverein und Berichte von Leuten, die die Strecke tatsächlich gegangen sind. Ich schreibe lieber transparent auf, woher etwas stammt, als eine Erfahrung zu erfinden, die ich nicht habe.

Aktualisiert Mit dem DAV-Reservierungssystem Bettencheck, aktuellen Kostenwerten und den Varianten für Ü50 und ohne Hüttenübernachtung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der E5 ist durchgehend markiert und ohne Bergführer legal und praktisch machbar.
  • Rund 115 Kilometer, etwa 12.300 Höhenmeter auf und ab, klassisch in 6 bis 7 Etappen.
  • Höchster Punkt ist die Similaunhütte auf 3.019 Metern, erst gegen Ende der Tour.
  • Die härteste Stelle ist der Abstieg von der Seescharte nach Zams mit rund 2.100 Höhenmetern bergab.
  • Selbst organisiert kostest du etwa 500 bis 800 Euro, geführt eher 900 bis 1.300 Euro.
  • Hütten früh reservieren. Der DAV bietet dafür seit 2025 das System Bettencheck.
  • Varianten mit Talübernachtung, Gepäcktransport oder entschärften Etappen machen die Tour auch für Einsteiger und Ü50 zugänglich.

Kannst du den E5 ohne Führung gehen?

Ja, wenn du drei Dinge mitbringst: Trittsicherheit auf schmalen, steinigen Pfaden, die Kondition für mehrere Tage hintereinander und die Fähigkeit, dich ohne fremde Hilfe zu orientieren. Der E5 ist ein markierter Bergwanderweg, keine Kletterroute. Es gibt keine Stelle, an der du ein Seil brauchst.

Der Unterschied zur geführten Tour liegt nicht in der Technik, sondern in der Verantwortung. Wenn am Morgen Gewitter angesagt sind, entscheidet in der Gruppe der Bergführer. Allein entscheidest du, und du musst diese Entscheidung auch gegen die eigene Enttäuschung treffen können, wenn du seit Monaten geplant hast.

Für wen sich die Selbstorganisation lohnt

  • Du hast bereits mehrtägige Hüttentouren gemacht und weißt, wie dein Körper am dritten Tag reagiert.
  • Du kannst eine Wanderkarte lesen, auch wenn das Handy nass geworden ist.
  • Du willst dein eigenes Tempo gehen und nicht auf die langsamste Person der Gruppe warten.
  • Du planst gern und hast Freude daran, Hütten, Transfers und Rückfahrt selbst zusammenzustellen.

Wann eine geführte Tour die bessere Wahl ist

  • Der E5 wäre deine erste mehrtägige Bergtour überhaupt.
  • Du bist im Hochgebirge unsicher bei Schneefeldern oder ausgesetzten Passagen.
  • Du gehst allein und hättest bei einem verstauchten Knöchel niemanden dabei.
  • Du willst dich um nichts kümmern, weil die Tour dein Jahresurlaub ist.

Ehrlich gesagt: Die Frage „geführt oder nicht“ wird oft zur Glaubensfrage gemacht. Das ist sie nicht. Sie ist eine Frage der Erfahrung, und Erfahrung lässt sich aufbauen. Wer den E5 im nächsten Sommer allein gehen will, kann diesen Sommer zwei Hüttentouren als Test machen.

Was du wirklich können musst

Der Deutsche Alpenverein setzt für eine mittelschwere Tagesetappe im Gebirge den Richtwert 10 bis 15 Kilometer Wegstrecke und 1.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg an. Genau in diesem Bereich liegen die E5-Etappen, teilweise darüber. Für die gesamte Überquerung rät der DAV, mindestens eine Woche einzuplanen.

Das klingt harmlos, bis man es multipliziert. Einmal 1.000 Höhenmeter schafft fast jeder halbwegs fitte Mensch. Sechs Tage hintereinander, mit Rucksack, bei Hitze oder Regen, das ist eine andere Größenordnung. Genau das habe ich auf dem Westweg gelernt: Der erste Tag sagt fast nichts aus, der vierte sagt alles.

Anforderung Was konkret gemeint ist So testest du es vorher
Kondition 1.000 Höhenmeter auf und ab, 6 bis 7 Tage hintereinander Zwei Tage in Folge je 1.000 Hm mit vollem Rucksack
Trittsicherheit Sicheres Gehen auf Geröll, Schotter und schmalen Pfaden Bergwanderung im Schwierigkeitsgrad rot, ohne Stolpern
Schwindelfreiheit Ausgesetzte Passagen mit Abgrund neben dem Weg Ein Steig mit Drahtseilsicherung als Probe
Orientierung Karte und Kompass, wenn GPS oder Akku ausfallen Eine Tagestour bewusst nur mit Papierkarte gehen
Wetterurteil Erkennen, wann man umkehrt statt weitergeht Bergwetterbericht lesen und mit dem realen Tag abgleichen

Trittsicherheit lässt sich nicht theoretisch erwerben. Der DAV empfiehlt dafür ausdrücklich viele Bergwanderungen im Vorfeld, idealerweise ergänzt durch einen Kurs. Wer aus dem Flachland kommt, sollte die Vorbereitung nicht auf Treppensteigen reduzieren, denn bergab beansprucht andere Muskeln als bergauf, und bergab ist auf dem E5 das eigentliche Problem.

→ Wenn du gerade erst anfängst: Was gilt als Anfängerwanderung? und Wie viele Kilometer am Tag sind für Anfänger realistisch?

Die härteste Stelle: der Abstieg von der Seescharte nach Zams

Die dritte Etappe von der Memminger Hütte über die Seescharte hinunter nach Zams gilt als der anspruchsvollste Abschnitt der ganzen Tour. Es geht rund 2.100 Höhenmeter bergab, und das dauert je nach Tempo bis zu neun Stunden.

Stimme aus der Praxis

Die Bloggerin Nina von Glücksberg, die den E5 selbst gegangen ist, schreibt über diesen Abschnitt: „Die mühsamste Etappe ist sicherlich die Wanderung von der Memminger Hütte bzw. der Seescharte hinunter nach Zams, eine echte Herausforderung für die Knie.“ Zum Gepäck fällt ihr Urteil ebenso deutlich aus: „Ihr werdet froh sein, um jedes Gramm, das ihr beim Packen einspart.“

Quelle: Erfahrungsbericht auf gluecksberg.de. Fremde Erfahrung, transparent wiedergegeben, nicht meine eigene.

Praktische Konsequenz für die Selbstplanung: Wanderstöcke sind auf dieser Etappe kein Komfort, sondern Kniesparen. Und wer weiß, dass seine Knie bergab empfindlich sind, sollte diese Etappe von vornherein als Kandidat für eine Alternative behandeln. Es gibt Varianten, die den kompletten Talabstieg umgehen.

E5 für Anfänger: Was realistisch ist und was nicht

Als absolute Erstwanderung ist der E5 die falsche Wahl. Nicht wegen der Technik, sondern weil du auf einer Mehrtagestour keinen Abbruchknopf hast. Wenn du am dritten Tag merkst, dass es zu viel ist, stehst du auf einer Hütte auf 2.200 Metern und musst trotzdem irgendwie ins Tal.

Als erste Alpenüberquerung nach ein paar Hüttentouren ist er dagegen gut machbar, besonders in einer entschärften Variante. Die Unterschiede sind erheblich:

Variante Dauer Was anders ist Geeignet für
Klassische Route 6 bis 7 Etappen Volle Höhenmeter, Hüttenübernachtung, lange Abstiege Erfahrene Bergwanderer
Entschärfte Variante 7 bis 8 Tage Kürzere Etappen, ruhigeres Tempo, einzelne Abschnitte umgangen Einsteiger mit Grundkondition, Ü50
Talvariante 7 bis 8 Tage Übernachtung in Gasthöfen statt Hütten, Transfers über harte Stücke Wer nicht im Lager schlafen will
Knieschonende Route 7 bis 8 Tage Der lange Talabstieg nach Zams entfällt Wer Probleme mit den Knien hat

Meine Empfehlung für Einsteiger, die selbst organisieren wollen: Plane einen Puffertag ein. Nicht als Reservetag für schlechtes Wetter am Ende, sondern bewusst nach der dritten Etappe. Ein Ruhetag in Zams kostet dich eine Übernachtung und rettet dir womöglich die zweite Hälfte der Tour.

Alpenüberquerung für Senioren: eine Frage der Kondition, nicht des Alters

Eine Alpenüberquerung für Senioren ist kein Sonderfall und braucht keine eigene Route. Es gibt keine Altersgrenze für den E5, und es gibt keinen Grund, mit 60 oder 65 davon abzuraten. Entscheidend sind Kondition, Trittsicherheit und Gelenke, und die korrelieren nur locker mit dem Geburtsjahr. Ich kenne vom Rothaarsteig genug Leute jenseits der 60, die mich ohne Weiteres stehen lassen würden.

Mehrere Bergschulen bieten inzwischen eigene Ü50- und 50-plus-Varianten der Originalroute an, typischerweise in acht statt sechs Tagen, mit ruhigerem Tempo und einzelnen entschärften Etappen. Das Interessante daran: Genau diese Anpassungen kannst du auch selbst vornehmen, wenn du ohne Führung gehst.

Was du als älterer Wanderer konkret anders planen solltest

  • Mehr Tage für dieselbe Strecke. Acht statt sechs Etappen bedeuten pro Tag rund ein Viertel weniger Höhenmeter, bei gleicher Gesamtstrecke.
  • Die langen Abstiege umgehen. Bergab belastet Knie und Sprunggelenke deutlich stärker als bergauf. Die knieschonenden Varianten setzen genau dort an.
  • Talübernachtung statt Matratzenlager. Erholung ist der Faktor, der über Tag fünf entscheidet, und im Lager mit zwanzig Leuten schläft kaum jemand gut.
  • Gepäcktransport nutzen. Jedes Kilo weniger auf dem Rücken wirkt sich auf den Gelenken aus.
  • Stöcke konsequent einsetzen, nicht nur wenn es steil wird.

Ehrlich bleiben sollte man bei einem Punkt: Wer Herz- oder Kreislaufprobleme hat, gehört vor so einer Tour zum Arzt, unabhängig vom Alter. Die Similaunhütte liegt auf 3.019 Metern, und dort oben ist die Luft dünn genug, dass Vorerkrankungen sich bemerkbar machen.

E5 ohne Hüttenübernachtung: die Talvarianten

Nicht jeder will im Matratzenlager schlafen, und das ist der häufigste Grund, warum Leute die Alpenüberquerung gar nicht erst angehen. Es gibt Varianten, die konsequent im Tal übernachten, in Gasthöfen und Hotels mit eigenem Zimmer und eigener Dusche.

Der Preis dafür ist doppelt: Solche Varianten kosten mehr, und sie erfordern zusätzliche Transfers, weil die klassische Route nun einmal von Hütte zu Hütte führt. Dafür bekommst du echte Erholung, kannst deine Wäsche trocknen und musst nicht um 6 Uhr aufstehen, weil die ganze Hütte aufsteht.

Vollständig ohne jede Hüttenübernachtung geht es allerdings nicht, ohne dass die Route ihren Charakter verliert. Die Etappe zur Similaunhütte ist der Kern der Überquerung. Wer diesen Teil auslässt, wandert eine schöne Mehrtagestour, aber keine Alpenüberquerung im eigentlichen Sinn. Das sollte man vorher wissen, statt hinterher enttäuscht zu sein.

E5 ohne Gepäck: Wie der Gepäcktransport wirklich funktioniert

Gepäcktransport auf dem E5 heißt nicht, dass du mit leeren Händen läufst. Üblich ist, dass ein Gepäckstück pro Person bis etwa 20 Kilogramm zu bestimmten Etappenorten gefahren wird, typischerweise nach Zams, Sölden und ins Meraner Land. Auf den Hüttenetappen dazwischen trägst du weiterhin alles selbst.

Das ist der Punkt, an dem viele Angebote missverstanden werden. „Ohne Gepäck“ bedeutet in der Praxis: Du trägst statt 12 Kilogramm nur noch 7 bis 8, weil Wechselkleidung und alles, was du erst im Tal brauchst, vorausfährt. Regenjacke, Verpflegung, Wasser, Erste Hilfe und die Hüttenausrüstung bleiben im Rucksack.

Pro Transport zahlst du grob 5 bis 10 Euro. Für eine Tour summiert sich das auf einen überschaubaren Betrag, und für viele ist es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der ganzen Planung.

Hütten reservieren: der Schritt, an dem die meisten Selbstplanungen scheitern

Der E5 ist im Hochsommer stark frequentiert und die Schlafplätze auf den Hütten sind begrenzt. Der DAV rät bei Hauptstrecken ausdrücklich zur frühzeitigen Reservierung und stellt dafür seit 2025 das Buchungssystem Bettencheck bereit, mit dem sich Mehrtagestouren online planen lassen. Für kurzfristig Entschlossene gibt es zusätzlich die Option Last-Minute-Hüttenbett.

Ein Praxistipp, der in kaum einem Ratgeber steht und trotzdem viel bringt: Starte unter der Woche. Die geführten Gruppen der Bergschulen brechen überwiegend freitags und samstags auf. Wer dienstags in Oberstdorf losgeht, bewegt sich in einer deutlich entspannteren Hüttensituation.

Planungsschritt Wann Hinweis
Zeitraum festlegen ab Januar Mitte Juni bis Mitte September, Wochentag statt Wochenende
Hütten reservieren Februar bis April Über Bettencheck oder direkt bei der Hütte
Alpenvereinsmitgliedschaft vor der Buchung Günstigere Übernachtung plus Versicherungsschutz
Rückfahrt Meran nach Oberstdorf gleich mitbuchen Wird oft vergessen, es gibt eigene Transferbusse
Gepäcktransport 2 bis 4 Wochen vorher Nur für die Talorte, nicht zwischen den Hütten

Was kostet der E5 ohne Führung?

Selbst organisiert liegst du deutlich unter dem Preis einer geführten Tour. Die Bloggerin Nina beziffert ihr Budget auf gut 500 Euro und nennt als Einzelposten rund 15 Euro für eine Übernachtung auf einer Alpenvereinshütte, etwa 10 Euro für ein Abendessen und 5 bis 10 Euro pro Gepäcktransport.

Posten Selbst organisiert Geführte Tour
Übernachtung Hütte (Mitglied) ca. 15 bis 20 € pro Nacht im Paketpreis
Halbpension auf der Hütte ca. 60 bis 80 € pro Nacht im Paketpreis
Gepäcktransport ca. 5 bis 10 € pro Transport meist enthalten
Rückfahrt Meran nach Oberstdorf selbst buchen meist enthalten
Bergführer entfällt Hauptkostenpunkt
Gesamt ca. 500 bis 800 € ca. 900 bis 1.300 €

Die Alpenvereinsmitgliedschaft rechnet sich fast immer: Nichtmitglieder zahlen auf den Hütten ungefähr das Doppelte, dazu kommt der Versicherungsschutz, der bei einer Bergrettung schnell relevant wird.

Ausrüstung: worauf es beim Selbstorganisieren ankommt

Packliste für die Alpenüberquerung E5 ohne Führung: Rucksack, Stöcke und Bergausrüstung

Der DAV nennt als Basis Wanderstiefel der Kategorie B oder C, einen Rucksack mit 30 bis 45 Litern und Trekkingstöcke. Bei der Regenjacke lautet die Empfehlung mindestens 4.000 Millimeter Wassersäule, also eine echte Hardshell und keine wasserabweisende Softshell.

  • Schuhe: eingelaufen, nicht neu. Das ist der Fehler, der Touren am zuverlässigsten beendet.
  • Hüttenschlafsack: auf Alpenvereinshütten Pflicht.
  • Stöcke: spätestens beim Abstieg nach Zams unverzichtbar.
  • Erste Hilfe: plus Blasenpflaster in mehr Menge, als du für nötig hältst.
  • Bargeld: nicht jede Hütte nimmt Karte, und Netz gibt es oben oft nicht.
  • Powerbank: Ladepunkte auf Hütten sind knapp und kosten teils extra.

→ Passend dazu: Die besten Wanderschuhe | Regenjacke zum Wandern | Den richtigen Rucksack wählen

Navigation ohne Bergführer

Kartenlesen und Navigation auf dem E5 ohne Bergführer

Der E5 ist gut markiert, aber Markierung ersetzt keine Orientierung. Im Nebel, bei Schneeresten im Frühsommer oder nach einem Umweg wegen Sperrung stehst du schnell vor der Frage, wo du eigentlich bist.

  1. Topografische Karte auf Papier für den gesamten Streckenabschnitt, wasserfest verpackt.
  2. Offline-Karten auf dem Handy, vorab heruntergeladen. Im Hochgebirge gibt es streckenweise kein Netz.
  3. GPS-Track der Route, ebenfalls offline.
  4. Powerbank, weil GPS den Akku schnell leert.

Die Reihenfolge ist bewusst so gewählt. Die Papierkarte steht oben, weil sie als Einzige nicht ausfallen kann. Wer sie nur als Alibi mitnimmt, ohne sie lesen zu können, hat nichts gewonnen.

Sicherheit und Notruf

Allein oder in kleiner Gruppe ohne Führung bist du im Notfall auf dich gestellt, bis Hilfe kommt. Drei Dinge gehören deshalb vor den Start geklärt:

  • Euronotruf 112: funktioniert in Deutschland, Österreich und Italien.
  • Alpinnotruf Österreich 140: führt direkt zur Bergrettung, auf dem größten Teil der Strecke die passendere Nummer.
  • Versicherung: Eine Bergrettung kann teuer werden. Die Mitgliedschaft im Alpenverein enthält einen entsprechenden Schutz.

Dazu die Selbstverständlichkeit, die trotzdem oft unterbleibt: Hinterlege deine Tagesetappe bei jemandem zu Hause und melde dich abends von der Hütte. Der DAV empfiehlt zusätzlich einen Erste-Hilfe-Kurs, was bei einer Tour ohne Bergführer noch mehr Gewicht hat als sonst.

Meine persönliche Einschätzung

Ich halte die Frage „mit oder ohne Führung“ für überbewertet und die Frage „wie viele Tage“ für unterschätzt. Die meisten Leute, die auf dem E5 scheitern oder ihn hassen, sind nicht an der Technik gescheitert, sondern daran, dass sie 115 Kilometer und 12.300 Höhenmeter in sechs Tage gepresst haben, weil der Urlaub nicht länger war.

Wenn ich die Tour planen würde, und ich habe das für mich schon durchgerechnet, würde ich acht Tage nehmen und den Puffertag nach dem Abstieg nach Zams legen. Lieber eine Etappe weniger pro Tag als eine Tour, an die man sich als Leidensweg erinnert.

Und ein Rat aus dem Schwarzwald, der überall gilt: Das Gepäckgewicht entscheidet mehr über deinen Spaß als die Route. Auf dem Westweg habe ich beim zweiten Mal knapp drei Kilo weniger getragen, und es war eine völlig andere Wanderung. Wer die Wahl zwischen einem teureren Gepäcktransport und einem volleren Rucksack hat, sollte den Transport nehmen.

Häufige Fragen zur E5-Alpenüberquerung ohne Führung

Darf man den E5 ohne Bergführer gehen?

Ja. Der E5 ist ein markierter Bergwanderweg, es gibt keine Genehmigungspflicht und keine Kontrolle. Vorausgesetzt werden Trittsicherheit, Kondition für 6 bis 7 Etappen mit je rund 1.000 Höhenmetern und die Fähigkeit zur eigenständigen Orientierung. Kletterausrüstung ist auf der klassischen Route nicht nötig.

Kann man den E5 als Anfänger gehen?

Als allererste Bergtour nicht. Als erste Alpenüberquerung nach einigen Hüttentouren gut machbar, besonders in einer entschärften Variante mit 7 bis 8 statt 6 Etappen. Der Grund ist weniger die Schwierigkeit als die fehlende Abbruchmöglichkeit: Auf einer Hütte in 2.200 Metern Höhe kannst du nicht einfach aufhören.

Ist der E5 für Senioren geeignet?

Es gibt keine Altersgrenze. Entscheidend sind Kondition, Trittsicherheit und der Zustand der Gelenke, nicht das Geburtsjahr. Mehrere Bergschulen bieten eigene Ü50-Varianten über acht statt sechs Tage mit ruhigerem Tempo und entschärften Etappen an. Wer selbst plant, kann genau dasselbe tun: mehr Tage, Talübernachtungen, Gepäcktransport und die langen Abstiege umgehen. Bei Herz- oder Kreislaufproblemen vorher ärztlich abklären, der höchste Punkt liegt auf 3.019 Metern.

Wie viel kostet der E5 ohne Führung?

Selbst organisiert etwa 500 bis 800 Euro, eine geführte Tour eher 900 bis 1.300 Euro. Einzelposten: Übernachtung auf einer Alpenvereinshütte rund 15 bis 20 Euro für Mitglieder, mit Halbpension 60 bis 80 Euro, Gepäcktransport 5 bis 10 Euro pro Strecke. Nichtmitglieder zahlen auf Hütten ungefähr das Doppelte, weshalb sich die Mitgliedschaft meist schon bei einer Tour rechnet.

Kann man den E5 ohne Hüttenübernachtung gehen?

Weitgehend ja, über Talvarianten mit Gasthöfen und Hotels statt Matratzenlager, verbunden mit zusätzlichen Transfers und höheren Kosten. Vollständig ohne Hütte verliert die Route allerdings ihren Kern, denn die Etappe zur Similaunhütte auf 3.019 Metern ist der eigentliche Übergang über den Alpenhauptkamm.

Was bedeutet E5 ohne Gepäck genau?

Dass ein Gepäckstück bis etwa 20 Kilogramm zu Talorten wie Zams, Sölden und ins Meraner Land transportiert wird. Auf den Hüttenetappen dazwischen trägst du weiterhin selbst. In der Praxis sinkt das Rucksackgewicht von rund 12 auf 7 bis 8 Kilogramm, weil Wechselkleidung vorausfährt.

Wann ist die beste Zeit für den E5?

Mitte Juni bis Mitte September. Davor liegt in den Scharten oft noch Schnee, danach schließen die Hütten. Wer die volle Hütte vermeiden will, startet unter der Woche, weil die geführten Gruppen überwiegend freitags und samstags aufbrechen.

Welche ist die schwerste Etappe auf dem E5?

Der Abschnitt von der Memminger Hütte über die Seescharte hinunter nach Zams mit rund 2.100 Höhenmetern im Abstieg, je nach Tempo bis zu neun Stunden. Wanderstöcke sind hier praktisch Pflicht. Für alle mit empfindlichen Knien gibt es Varianten, die diesen Talabstieg umgehen.

Fazit: Machbar, wenn du ehrlich zu dir bist

Der E5 ohne Führung ist keine Frage von Mut, sondern von nüchterner Selbsteinschätzung. Trittsicher, konditionell für sechs bis sieben Tage gerüstet, orientierungsfähig: Wenn das zutrifft, brauchst du keinen Bergführer, sondern eine gute Planung und früh gebuchte Hütten.

Trifft einer der Punkte nicht zu, ist das kein Ausschluss, sondern eine Aufgabe für die nächsten Monate. Zwei Hüttentouren im Sommer davor sagen dir mehr über deine Eignung als jeder Ratgeber, meiner eingeschlossen.

Und wenn du zwischen sechs Tagen auf der klassischen Route und acht Tagen in einer entschärften Variante schwankst: Nimm die acht Tage. Niemand erinnert sich später daran, ob er die Alpen in sechs oder acht Tagen überquert hat. Aber jeder erinnert sich daran, ob es schön war.

→ Alle Details zur Strecke, den Etappen und der klassischen Route: Alpenüberquerung E5: Alles, was du über den Klassiker wissen musst

→ Weiter im Wander-Cluster: Weitwanderwege in den Alpen | Die schönsten Fernwanderwege Europas | Wandern in Deutschland

Robert, Autor bei sonnenfernweh.de

Über Robert

Robert von Sonnenfernweh

Robert reist seit über 15 Jahren intensiv durch Europa und die Welt: mit dem Fahrrad, zu Fuß und auf eigene Faust. Er recherchiert aktiv seine eigene Auswanderung und teilt auf Sonnenfernweh.de ehrliche Einschätzungen zu Reisezielen, Lebenshaltungskosten und dem Leben im Ausland. Panama und Argentinien stehen als nächste Ziele auf seiner Liste.

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