Die Kanarischen Inseln tauchen in Auswander-Diskussionen immer wieder auf — und ich verstehe den Reiz. Mildes Klima, Natur, Meer, niedrige Lebenshaltungskosten verglichen mit Westeuropa. Gleichzeitig lese ich in Erfahrungsberichten von Auswanderern regelmäßig von einer Lebensweise, die fast schon einsiedlerische Züge hat: kleine Inselgemeinden, ruhiger Alltag, wenig Trubel. Ob das gut oder schlecht ist, hängt komplett davon ab was du suchst.
Was mich als strukturelles Argument immer beschäftigt: Die Kanaren sind eine Inselgruppe, die nahezu alles importieren muss. Lebensmittel, Baumaterialien, viele Alltagsgüter — das treibt die Preise spürbar über das Niveau des spanischen Festlands. Wer mit einem engen Budget rechnet sollte das von Anfang an einkalkulieren.
Aktualisiert — Behördenabläufe, Kosten und Visumsregeln geprüft und aktualisiert.
Warum die Kanaren? Was wirklich anzieht
Das Klima ist das stärkste Argument: 18 bis 24 °C das ganze Jahr, kaum Extremwetter, keine langen dunklen Winter. Wer körperlich aktiv ist — Wandern, Surfen, Radfahren, Klettern — bekommt hier 365 Tage Saison. Das ist kein Marketing, das ist Alltag für die Menschen die dort leben.
Dazu kommen über 20 Naturreservate, vulkanische Landschaften die es in Europa sonst nirgends gibt, und eine vergleichsweise günstige Lebenshaltung gemessen an der Lebensqualität. Der Numbeo-Vergleich für Teneriffa zeigt Lebenshaltungskosten deutlich unter München oder Hamburg bei wesentlich höherer Aufenthaltsqualität.
Für wen die Kanaren besonders passen:
- Aktive Naturmenschen — Trails, Surfspots und Bergtouren direkt vor der Haustür
- Remote Worker — Internetinfrastruktur ist solide, Coworking-Spaces gibt es auf Teneriffa und Gran Canaria
- Rentner — mildes Klima entlastet viele Beschwerden, ruhiges Lebenstempo
- Familien — europäische Standards bei Gesundheit und Bildung, aber Standortwahl entscheidend
Meine persönliche Einschätzung: Ich habe die Kanaren selbst noch nicht bereist, verfolge aber viele Erfahrungsberichte aus der Auswanderer-Community. Was mich nachdenklich macht: Viele beschreiben dort einen sehr ruhigen, fast abgeschotteten Alltag — besonders abseits der Touristenzonen. Das kann ein Vorteil sein wenn man Ruhe sucht. Für Familien würde ich aber genau hinschauen: Welche Insel, welche Gemeinde, wie weit bis zur nächsten internationalen Schule, wie gut ist die Kinderärzte-Versorgung. Der Inselcharakter macht Infrastruktur lückenhafter als auf dem Festland — das ist kein Dealbreaker, aber etwas das man einplanen muss.
Rechtliche Grundlagen: NIE, Empadronamiento und Residencia
Als EU-Bürger hast du das Recht auf den Kanarischen Inseln zu wohnen — aber ohne die richtigen Papiere läuft vor Ort wenig. Drei Dokumente sind Pflicht, und die Reihenfolge spielt eine Rolle.
Número de Identidad de Extranjero (NIE)
Der NIE ist deine Steuernummer und gleichzeitig Identifikationsnummer für fast alles: Mietvertrag, Bankkonto, Arbeitsverhältnis, Autokauf. Ohne NIE geht nahezu nichts. Du beantragst ihn bei der Oficina de Extranjeros oder der Comisaría de Policía.
Was du mitbringen musst: Personalausweis oder Reisepass plus Kopie, das spanische Formular EX-15 und die Bankquittung für die Gebühr (ca. 10 €, vorher bei einer spanischen Bank einzahlen). Die Bearbeitungszeit beträgt rund 7 Werktage.
Empadronamiento im Rathaus
Die Anmeldung im Rathaus gilt ab drei Monaten Aufenthalt. Das Certificado de Empadronamiento brauchst du später für Sozialleistungen, Sprachkurse und viele Behördenvorgänge. Mitbringen: Ausweis und Miet- oder Kaufvertrag.
Residencia für EU-Bürger
Innerhalb von 90 Tagen musst du die Residencia beantragen. Die anfängliche Registrierung gilt fünf Jahre, danach ist eine permanente Residencia möglich. Erforderlich: Ausweis, Krankenversicherungsnachweis, Nachweis ausreichender Mittel (mindestens ca. 5.488 € für Einzelpersonen) oder ein Arbeitsvertrag.
Praktischer Tipp: Zahle alle Gebühren vorher bei der Bank ein und nimm die Quittung direkt mit. Das spart in vielen Fällen einen zweiten Termin.
Lebenshaltungskosten — was du wirklich einplanen musst
Die Kanaren gelten als günstig — und im Vergleich zu Westeuropa stimmt das. Aber verglichen mit dem spanischen Festland sind sie teurer, weil fast alles importiert werden muss. Das gilt besonders für Lebensmittel, Baumaterialien und viele Alltagsgüter.
| Kostenblock | Günstig | Durchschnitt | Gehobener Standard |
|---|---|---|---|
| Miete 2-Zimmer (Stadt) | 500 € | 650 € | 800 €+ |
| Miete 4-Zimmer (Stadt) | 700 € | 883 € | 1.200 €+ |
| Nebenkosten (85 m²) | 65 € | 100 € | 150 € |
| Internet | ca. 60 €/Monat | ||
| Restaurant (einfach) | 7 € | 10 € | 20 € |
| Monatskarte ÖPNV | 35 € | 60 € | 100 € |
| Kita | ca. 300–350 €/Monat | ||
| Internationale Schule | ca. 7.200 €/Jahr | ||
Kaufpreise liegen im Stadtzentrum bei etwa 2.200 €/m², außerhalb bei rund 1.050 €/m². Benzin ist durch die niedrigere Steuerbelastung oft günstiger als auf dem Festland — aktuell zwischen 0,90 und 1,75 €/Liter.
Meine persönliche Einschätzung zum Kostenfaktor: Der Import-Zwang ist ein strukturelles Risiko das ich bei der Kanaren-Planung immer mitrechnen würde. Wenn Schiffe ausfallen, Logistikketten stocken oder die Preise für Importgüter steigen — was auf einer Inselgruppe schneller passiert als auf dem Festland — spürt man das direkt im Geldbeutel. Das macht die Kanaren nicht unattraktiv, aber es ist ein Unterschied zu Portugal oder Spanien-Festland wo man bei Preissteigerungen leichter auf lokale Alternativen ausweichen kann.
Wohnen auf den Kanaren: Mietmarkt und Kaufüberlegungen
Die Unterkunft sollte man früh sichern — in der Hauptreisezeit sind Objekte knapp und gute Wohnungen schnell vergeben. Mein Rat für den Start: erst eine Langzeitmiete, keine Ferienwohnung. Ferienwohnungen haben Saisonaufschläge von teils 50–100 % und keine Planungssicherheit.
Wichtige Punkte bei der Wohnungssuche:
- Wohnung zu verschiedenen Tageszeiten besichtigen — Lärm, Sonne und Windverhältnisse ändern sich stark
- In Berglagen fehlt oft Zentralheizung — im Winter kann das unbequem werden
- Vertragsbedingungen prüfen: Kaution, Laufzeit, Möblierung, Haustierregelung
- Infrastruktur in der Nähe: Supermarkt, Arzt, ÖPNV-Anbindung — auf den Inseln zählt Nähe mehr als auf dem Festland
Inselvergleich: Wo passt dein Leben am besten?
Die Kanaren sind keine homogene Gruppe — jede Insel hat ein eigenes Gesicht, eigene Infrastruktur und ein eigenes Tempo. Bevor man zieht, lohnt ein echter Aufenthalt auf mehreren Inseln.
| Insel | Charakter | Stärken | Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| Teneriffa | Größte Insel, viel Abwechslung | Infrastruktur, Natur, Städtisches Leben | Touristisch, Immobilien teurer |
| Gran Canaria | Allrounder, Stadt + Natur | Strände, Berge, Las Palmas als Stadt | Tourismuszonen stark frequentiert |
| Fuerteventura | Wind, Weite, Wassersport | Endlose Strände, Kitesurf-Hotspot | Wenig Infrastruktur abseits Küste |
| Lanzarote | Vulkanisch, Kunst, Kultur | Einzigartiges Landschaftsbild, ruhig | Klein, begrenzte Auswahl |
| La Palma | Grün, ruhig, Sternenhimmel | Natur pur, wenig Massentourismus | Sehr ländlich, schwache Infrastruktur |
| La Gomera / El Hierro | Ursprünglich, abgelegen | Ruhe, unberührte Natur | Sehr begrenzte Infrastruktur, Fähre nötig |
Für Familien mit Kindern empfehlen sich Teneriffa und Gran Canaria — beide haben internationale Schulen, gut ausgestattete Krankenhäuser und eine breitere Infrastruktur. Wer wirklich abschalten will und keine komplexen Alltagsbedürfnisse hat, kann auf den kleineren Inseln ein außergewöhnlich ruhiges Leben führen.
Arbeiten und Gründen: Jobs, Selbstständigkeit und Steuern
Der größte Arbeitgeber auf den Kanaren ist der Tourismus — und das merkt man. Deutschsprachige Fachkräfte sind in Hotels, Reisebüros und im Service gefragt. IT und Remote-Arbeit wachsen, die Internetinfrastruktur ist vor allem auf Teneriffa und Gran Canaria verlässlich.
Wichtige Punkte für Selbstständige und Angestellte:
- Anmeldung bei der Seguridad Social ist Pflicht — ohne sie gibt es kein legales Arbeitsverhältnis
- Selbstständige planen ca. 290 €/Monat Mindestbeitrag ein
- Statt IVA gilt auf den Kanaren der IGIC (ca. 7 %) — das ist günstiger als auf dem Festland
- Einkommensteuer ist progressiv: ca. 19 bis 45 %
- Die Zona Especial Canaria (ZEC) bietet 4 % Körperschaftsteuer — aber nur mit Mindestinvestition von 100.000 € und mindestens 5 Arbeitsplätzen
Alle steuerlichen Konsequenzen des Wohnsitzwechsels — auch für deutsche Einkünfte die nach dem Umzug weiterlaufen — erkläre ich in meinem Artikel zu Steuern beim Leben im Ausland.
Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung
Das spanische Gesundheitssystem bietet eine breite Grundversorgung — auf den Kanaren findest du moderne Kliniken und gut ausgebildetes Personal, zumindest auf Teneriffa und Gran Canaria. Auf den kleineren Inseln wird die Versorgung dünner.
Als EU-Bürger gilt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) für den vorübergehenden Aufenthalt. Sobald du dauerhaft auf den Kanaren wohnst, musst du dich bei der spanischen Sozialversicherung anmelden — die EHIC reicht dann nicht mehr als alleinige Absicherung.
Für die Übergangsphase — zwischen Ankunft und vollständiger Sozialversicherungsanmeldung — empfehle ich eine private internationale Krankenversicherung. Die schließt Lücken und ermöglicht schnelle Termine ohne Wartezeit. Wer als Rentner kommt, sollte zusätzlich eine Police prüfen die Rücktransport abdeckt — das ist in der EHIC nicht enthalten.
Eine ausführliche Übersicht der Optionen findet sich in meinem Artikel: Krankenversicherung für Auswanderer — welche Optionen wirklich sinnvoll sind.
Sprache, Kultur und Integration
Spanisch ist auf den Kanaren die Alltagssprache — in touristischen Regionen kommt man mit Englisch oder Deutsch durch, im echten Leben nicht. Wer wirklich ankommen will, kommt um Sprachkurse nicht herum.
Intensivkurse gibt es auf allen großen Inseln, Online-Plattformen ergänzen flexibel. Das Kanarische Spanisch hat einige Besonderheiten im Wortschatz und Akzent — aber wer Standardspanisch lernt, wird problemlos verstanden und versteht die Einheimischen nach kurzer Eingewöhnung.
Integration läuft auf den Kanaren stark über Aktivitäten: Sportvereine, Wandergruppen, lokale Feste (Romerías, Karneval). Wer mitmacht, findet schnell Kontakt — auch ohne perfektes Spanisch. In den touristisch geprägten Gebieten gibt es zudem große deutschsprachige Communitys, was den Einstieg erleichtert aber auch das Risiko birgt, in einer Expat-Blase zu bleiben.
Vorbereitung und Umzug: Schritt für Schritt
Kündige Strom, Internet und Versicherungen in Deutschland rechtzeitig — und melde dich ab wenn du keinen weiteren Wohnsitz im Land behältst. Nimm wichtige Dokumente beglaubigt oder übersetzt mit, Scans in der Cloud helfen zusätzlich.
Für den Umzug selbst: Wähle eine Spedition mit Erfahrung auf den Kanaren. Viele Reedereien nehmen keine Privatcontainer — professionelle Dienstleister kennen die Routen, Zollabläufe und Lieferfenster. Wer wenig mitnimmt, fährt mit Teilladung oder Paketversand günstiger.
| Umzugsoption | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Professionelle Spedition | Komplettservice, Zollabwicklung, Insel-Erfahrung | Höhere Kosten |
| Teilladung | Flexibel, günstiger für wenig Gepäck | Längere Laufzeiten |
| Paketversand | Schnell, günstig für kleine Mengen | Teurer pro kg bei größeren Mengen |
Die vollständige Checkliste für den Auswander-Prozess — von Dokumenten bis zur ersten Wohnungssuche — findest du in meinem Artikel: Checkliste zum Auswandern: Der komplette Guide.
Wer die Kanaren mit anderen Spanien-Zielen vergleichen will: In meinem Artikel zum Auswandern ans Spanien-Festland stehen Unterschiede bei Kosten, Klima und Bürokratie direkt gegenüber.
Häufige Fragen zum Auswandern auf die Kanarischen Inseln
Welche Insel der Kanaren eignet sich am besten zum Auswandern?
Das hängt vom Lebensstil ab. Teneriffa und Gran Canaria bieten die beste Infrastruktur — internationale Schulen, Krankenhäuser, Flughäfen mit vielen Direktverbindungen. Für Familien sind das die sichereren Optionen. Fuerteventura und Lanzarote eignen sich für Wassersport-Enthusiasten und ruhigeres Leben. La Palma, La Gomera und El Hierro sind für alle die wirklich Natur und Abgeschiedenheit suchen — aber mit deutlich weniger Infrastruktur.
Wie viel Geld brauche ich um auf den Kanaren zu leben?
Als Single mit Remote-Einkommen kommt man auf den Kanaren mit 1.200 bis 1.600 € pro Monat gut aus — inklusive Miete, Lebensmittel und Freizeitaktivitäten. Als Familie mit Kindern sollte man eher mit 2.500 bis 3.500 € rechnen, besonders wenn Kita oder internationale Schule einkalkuliert wird. Der Import-Aufschlag auf viele Waren macht die Kanaren teurer als vergleichbare Regionen auf dem spanischen Festland.
Brauche ich ein Visum für die Kanarischen Inseln?
Nein — als EU-Bürger hast du das Recht dort zu wohnen. Du musst dich innerhalb von 90 Tagen mit der Residencia registrieren, eine NIE-Nummer beantragen und dich im Rathaus anmelden (Empadronamiento). Das sind Behördenschritte, kein Visumsverfahren.
Sind die Kanarischen Inseln teurer als das spanische Festland?
Ja — durch den Importzwang sind viele Waren teurer. Lebensmittel, Baumaterialien und Alltagsgüter liegen spürbar über den Preisen in Madrid oder Valencia. Benzin und einige Dienstleistungen sind durch niedrigere Steuern (IGIC statt IVA) hingegen günstiger. Unterm Strich sind die Lebenshaltungskosten in etwa vergleichbar mit Mittelspanien, aber mit weniger Preisflexibilität bei Engpässen.
Was ist der größte Fehler beim Umzug auf die Kanaren?
Die Wohnung zu früh fixieren ohne die Insel und den konkreten Ort wirklich zu kennen. Ein Probewohnen von ein bis drei Monaten vor dem endgültigen Umzug zeigt ob das Tempo, die Infrastruktur und der Alltag wirklich passen — besonders für Familien ist das unverzichtbar. Wer direkt kauft ohne zu mieten riskiert eine teure Fehlinvestition.
Alle weiteren Optionen für günstiges Auswandern in Europa und weltweit findest du im Überblick: Beste Auswanderungsländer für Deutsche — 7 Länder im Vergleich.

