Weitwanderwege in den Alpen reichen von der leichten Sieben-Tage-Überquerung bis zur dreiwöchigen Durchquerung von München bis ans Mittelmeer. Die wichtigsten Routen sind die Alpenüberquerung Tegernsee nach Sterzing (108 km, leicht), der Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran (115 km, anspruchsvoll), der Traumpfad München nach Venedig (550 km) und der Alpe-Adria-Trail (750 km).
Diese Übersicht sortiert die Routen nach dem, was in der Praxis zählt: Länge, Höhenmeter und Schwierigkeit. Zu den einzelnen Wegen findest du jeweils den weiterführenden Artikel verlinkt.
Aktualisiert Streckendaten aller Routen geprüft, Einstufung des Berliner Höhenwegs korrigiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Leichteste Alpenüberquerung: Tegernsee nach Sterzing, 108 km in 7 Etappen, keine Tagesetappe über 1.000 Höhenmeter.
- Der Klassiker: E5 Oberstdorf nach Meran, rund 115 km und 12.300 Höhenmeter, deutlich anspruchsvoller.
- Die längsten: Alpe-Adria-Trail mit rund 750 km und der Traumpfad München nach Venedig mit rund 550 km.
- Anspruchsvollster Höhenweg: der Berliner Höhenweg im Zillertal, ausdrücklich nichts für Einsteiger.
- Beste Zeit für fast alle Routen: Mitte Juni bis Mitte September.
- Strecken von rund 45 bis 750 Kilometern, für jede Erfahrungsstufe ist etwas dabei.
Welcher Weitwanderweg passt zu dir?
Die häufigste Fehlentscheidung ist nicht die falsche Region, sondern die falsche Schwierigkeit. Wer als Einsteiger auf einem hochalpinen Höhenweg landet, hat sieben Tage lang keinen Spaß. Diese Tabelle sortiert die bekanntesten Routen danach:
| Route | Länge | Dauer | Anspruch | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Tegernsee nach Sterzing | 108 km | 7 Etappen | leicht bis mittel | Erste Alpenüberquerung |
| E5 Oberstdorf nach Meran | ca. 115 km | 6 bis 7 Etappen | anspruchsvoll | Erfahrene Bergwanderer |
| Meraner Höhenweg | ca. 100 km | 5 bis 8 Etappen | mittel | Südtirol-Runde ohne Hochtour |
| Adlerweg Tirol | 413 km | 33 Etappen | mittel bis schwer | Etappenweise über Jahre |
| Traumpfad München nach Venedig | ca. 550 km | 28 bis 30 Tage | anspruchsvoll | Die große Durchquerung |
| Alpe-Adria-Trail | ca. 750 km | 43 Etappen | T1 bis T3 | Vom Gletscher ans Meer |
| Berliner Höhenweg | ca. 70 km | 8 Etappen | sehr schwer | Nur mit Hochgebirgserfahrung |
Wenn du noch gar nicht einschätzen kannst, wo du stehst: Was gilt als Anfängerwanderung? und Wie viele Kilometer am Tag sind realistisch? beantworten genau diese Frage.
Die beliebtesten Alpenüberquerungen im Überblick
Alpenüberquerung Tegernsee nach Sterzing: die leichte Variante
Diese Route ist die freundlichste aller Alpenüberquerungen und deshalb der beste Einstieg. Du gehst 108 Kilometer in sieben Etappen, überwindest rund 3.350 Höhenmeter im Aufstieg und 3.880 im Abstieg. Entscheidend ist: keine Tagesetappe überschreitet 1.000 Höhenmeter.
Die erste Etappe von Gmund nach Bad Wiessee ist mit 11,5 Kilometern und 150 Höhenmetern kaum mehr als ein Spaziergang. Danach zieht es an, die zweite Etappe über Wildbad Kreuth bringt 850 Höhenmeter auf 17 Kilometern. Unterschätzen sollte man die Tour trotzdem nicht, denn ein Wetterumschwung macht auch leichtes Gelände fordernd.
E5 Oberstdorf nach Meran: der Klassiker
Der E5 ist die bekannteste Alpenüberquerung im deutschsprachigen Raum: rund 115 Kilometer, etwa 12.300 Höhenmeter auf und ab, üblicherweise sechs bis sieben Etappen. Der höchste Punkt ist die Similaunhütte auf 3.019 Metern. Das ist eine ganz andere Größenordnung als Tegernsee nach Sterzing.
→ Alles zu Etappen, Kosten und Unterkünften: Alpenüberquerung E5, alles über den Klassiker
→ Selbst planen statt geführt buchen: Alpenüberquerung E5 ohne Führung
Traumpfad München nach Venedig
Der Klassiker unter den langen Alpenüberquerungen, vom Marienplatz bis zum Markusplatz:
- Strecke: rund 550 km
- Etappen: 28 bis 30 Wandertage
- Aufstieg: etwa 22.000 m, Abstieg etwa 25.000 m
- Höchster Punkt: Friesenbergscharte, knapp 3.000 m
- Wer die technisch schwersten Stellen umgehen will, nimmt die Variante durch das Karwendeltal über Scharnitz
Alpe-Adria-Trail durch drei Länder
Der Alpe-Adria-Trail führt vom Großglockner bis ans Mittelmeer und verbindet dabei drei Länder:
- Gesamtstrecke: rund 750 km
- Etappen: 43, im Schnitt etwa 17 Kilometer
- Durchquerte Länder: Österreich, Slowenien, Italien
- Schwierigkeitsgrad: T1 bis T3
Weil die Etappen einzeln machbar sind, eignet sich der Trail gut für mehrere Urlaube nacheinander statt für einen Rutsch.
Höhenwege in den Alpen: die Übersicht
Ein Höhenweg verläuft, anders als eine Alpenüberquerung, überwiegend auf gleichbleibender Höhe und führt von Hütte zu Hütte, ohne ins Tal abzusteigen. Das klingt bequem, ist es aber nicht: Genau dieses Höhenniveau bedeutet dauerhaft alpines Gelände.
Anfänger sollten Routen mit kurzen Etappen und geringer Ausgesetztheit wählen. Der Berliner Höhenweg im Zillertal gehört ausdrücklich nicht dazu: Er gilt als eine der anspruchsvollsten Hüttentouren der Alpen. Die meisten Abschnitte sind als schwer eingestuft, es gibt schmale und ausgesetzte Steige, drahtseilversicherte Passagen und Leitern, dazu Gletschernähe. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. Die Runde umfasst 8 Etappen mit rund 70 Kilometern und etwa 5.300 Höhenmetern, der höchste Punkt ist das Schönbichler Horn auf rund 3.133 Metern.
| Höhenweg | Länge | Dauer | Anspruch |
|---|---|---|---|
| Schladminger Tauern Höhenweg | ca. 45 km | 5 Etappen | mittel |
| Karwendel Höhenweg | ca. 70 km | mehrtägig | anspruchsvoll |
| Berliner Höhenweg | ca. 70 km | 8 Etappen | sehr schwer |
| Meraner Höhenweg | ca. 100 km | 5 bis 8 Etappen | mittel |
| Vinschger Höhenweg | 108 km | 6 Etappen | mittel bis schwer |
| Stubaier Höhenweg | mehrtägig | bis 7 Std./Tag | anspruchsvoll |
Fernwanderweg, Weitwanderweg oder Höhenweg: wo ist der Unterschied?
Die drei Begriffe werden durcheinander verwendet, meinen aber unterschiedliche Dinge. Für die Planung ist der Unterschied wichtig, weil er dir sagt, was dich erwartet.
| Begriff | Was gemeint ist | Beispiel |
|---|---|---|
| Fernwanderweg | Lange, meist durchgehend markierte Strecke von A nach B, oft über Landesgrenzen | E5, Alpe-Adria-Trail |
| Weitwanderweg | Im Alpenraum gebräuchlicher Ausdruck für dasselbe, betont die Mehrtägigkeit | Adlerweg |
| Höhenweg | Bleibt auf Höhe, Hütte zu Hütte, oft als Runde statt von A nach B | Berliner, Meraner Höhenweg |
| Alpenüberquerung | Quert den Alpenhauptkamm, Nordseite nach Südseite | E5, Tegernsee nach Sterzing |
Praktisch heißt das: Eine Alpenüberquerung hat ein klares Ziel und meist eine Anreise auf der einen, eine Rückreise von der anderen Seite. Ein Höhenweg als Runde spart dir diese Logistik komplett.
→ Über die Alpen hinaus: Die 10 schönsten Fernwanderwege Europas
Berühmte Höhenwege in den Dolomiten und Südtirol
Die Dolomiten sind für Weitwanderer eine eigene Welt: schroffe Felstürme, ein dichtes Hüttennetz und Höhenwege, die seit Jahrzehnten Kultstatus haben.
Der Meraner Höhenweg
Der Meraner Höhenweg umrundet den Naturpark Texelgruppe auf rund 100 Kilometern mit etwa 5.100 Höhenmetern und lässt sich in fünf bis acht Etappen gehen. Er verbindet Hochgebirge mit traditionellem bäuerlichem Leben und ist einer der wenigen großen Höhenwege, die auch ohne Hochtourenerfahrung machbar sind.
Vinschger Höhenweg am Sonnenberg
Der Vinschger Höhenweg führt über 108 Kilometer in sechs Etappen am sonnenverwöhnten Hang des Vinschgaus entlang. Die Mischung aus fast mediterraner Vegetation und alpiner Kulisse ist in den Alpen ziemlich einmalig.
Dolomiten-Höhenwege im Detail
| Höhenweg | Länge | Dauer | Schwierigkeitsgrad |
|---|---|---|---|
| Dolomiten Höhenweg 1 | 150 km | 13 Tage | Der leichteste der drei, trotzdem hochalpin |
| Dolomiten Höhenweg 2 | 185 km | 15 Tage | Anspruchsvoll |
| Dolomiten Höhenweg 3 | 120 km | 10 Tage | Mittelschwer |
- Empfohlene tägliche Gehzeit: 4 bis 7 Stunden
- Beste Wanderzeit: Hochsommer bis Anfang September
- Höchster Gipfel der Region: Marmolata (3.343 m), liegt aber nicht auf den Höhenwegen selbst
→ Ausführlich zur Region: Dolomiten Fernwanderweg: Wege durch die Dolomitenlandschaft
Alpine Weitwanderwege in Österreich
Österreich hat die dichteste Auswahl an Weitwanderwegen im Alpenraum, und Tirol ist deren Mittelpunkt.
- Adlerweg in Tirol: 413 Kilometer in 33 Etappen quer durch Tirol, gut in Abschnitten über mehrere Jahre zu gehen.
- Lechweg: Wanderung entlang eines der letzten frei fließenden Wildflüsse Europas bis zur bayerischen Grenze.
- Iseltrail in Osttirol: folgt einem Gletscherfluss, landschaftlich ruhiger und deutlich weniger überlaufen.
- KAT Walk im Kitzbüheler Gebiet: in drei Schwierigkeitsvarianten buchbar, dadurch auch für Einsteiger geeignet.
Beste Wanderzeiten
| Monat | Wanderbedingungen |
|---|---|
| Juni | Erste Touren möglich, in Scharten und Nordhängen noch Schneereste |
| Juli bis August | Optimale Bedingungen, dafür volle Hütten |
| September | Klare Sicht, angenehme Temperaturen, gegen Ende schließen erste Hütten |
→ Abseits der bekannten Namen: Geheimtipp Wandern Österreich
Ausrüstung und Vorbereitung für Mehrtagestouren
Auf einer Mehrtagestour entscheidet die Ausrüstung stärker über den Spaß als die Route. Der Deutsche Alpenverein nennt als Basis Wanderstiefel der Kategorie B oder C, einen Rucksack mit 30 bis 45 Litern und eine Regenjacke mit mindestens 4.000 Millimetern Wassersäule. Drei Dinge machen dabei den größten Unterschied:
- Rucksackgröße: Für Hüttentouren reichen 30 bis 45 Liter. Größer heißt in der Praxis nur, dass man mehr einpackt.
- Eingelaufene Schuhe: Neue Schuhe auf einer Mehrtagestour sind der zuverlässigste Weg, sie abzubrechen.
- Echte Hardshell: Im Hochgebirge reicht eine wasserabweisende Softshell nicht.
→ Wanderrucksack für Mehrtagestouren: wie viele Liter | Die besten Wanderschuhe | Regenjacke zum Wandern
Häufige Fragen zu Weitwanderwegen in den Alpen
Welcher ist der schönste Weitwanderweg der Alpen?
Das hängt davon ab, was du suchst. Für die erste Alpenüberquerung ist Tegernsee nach Sterzing die freundlichste Wahl (108 km, keine Etappe über 1.000 Höhenmeter). Wer den Klassiker will, geht den E5. Für die große Durchquerung steht der Traumpfad München nach Venedig mit rund 550 Kilometern, und wer vom Gletscher ans Meer laufen möchte, nimmt den Alpe-Adria-Trail mit rund 750 Kilometern.
Welche Alpenüberquerung ist die leichteste?
Die Route vom Tegernsee nach Sterzing. 108 Kilometer in sieben Etappen, rund 3.350 Höhenmeter im Aufstieg, und keine Tagesetappe überschreitet 1.000 Höhenmeter. Zum Vergleich: Der E5 kommt auf etwa 12.300 Höhenmeter bei ähnlicher Streckenlänge.
Was ist der Unterschied zwischen Höhenweg und Fernwanderweg?
Ein Fernwanderweg führt über eine lange Strecke von A nach B, oft über Landesgrenzen hinweg. Ein Höhenweg bleibt dagegen weitgehend auf gleichbleibender Höhe und verbindet Hütte mit Hütte, häufig als Rundtour. Der praktische Unterschied: Beim Höhenweg als Runde entfällt die Rückreiselogistik, dafür bist du durchgehend in alpinem Gelände.
Welcher Höhenweg eignet sich für Anfänger?
Nicht der Berliner Höhenweg, der trotz mancher gegenteiliger Empfehlung im Netz zu den anspruchsvollsten Hüttentouren der Alpen zählt und Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit voraussetzt. Für den Einstieg eignen sich eher der Schladminger Tauern Höhenweg (rund 45 km in 5 Etappen) oder der Meraner Höhenweg, der ohne Hochtourenerfahrung machbar ist.
Wann ist die beste Zeit für Weitwanderwege in den Alpen?
Mitte Juni bis Mitte September. Im Juni liegt in Scharten und Nordhängen oft noch Schnee, Juli und August bieten die stabilsten Bedingungen bei vollen Hütten, und der September belohnt mit klarer Sicht, allerdings schließen gegen Ende die ersten Hütten.
Wie lang sind Weitwanderwege in den Alpen?
Die Spanne reicht von rund 45 Kilometern beim Schladminger Tauern Höhenweg bis zu etwa 750 Kilometern beim Alpe-Adria-Trail. Die meisten klassischen Alpenüberquerungen liegen zwischen 100 und 120 Kilometern und lassen sich in einer Urlaubswoche gehen.
Fazit
Die Alpen bieten für jede Erfahrungsstufe einen passenden Weitwanderweg, und die Auswahl scheitert selten am Angebot, sondern an der ehrlichen Selbsteinschätzung. Wer zum ersten Mal über die Alpen geht, nimmt Tegernsee nach Sterzing und nicht den Berliner Höhenweg, so verlockend das Bild vom Grat auch ist.
Mein eigener Maßstab kommt aus dem Mittelgebirge: Auf dem Westweg im Schwarzwald, meiner längsten durchgehenden Fernwanderung, habe ich gelernt, dass der vierte Tag über eine Tour entscheidet, nicht der erste. Das gilt in den Alpen genauso, nur mit größeren Konsequenzen.
→ Weiter im Cluster: Wandern in Deutschland | Die schönsten Fernwanderwege Europas | Alpenüberquerung E5

