Aktualisiert Alle sieben Routen gegen die offiziellen Wegdaten geprüft.
Wenn du nach einem Geheimtipp zum Wandern in Österreich suchst, bekommst du fast überall dieselben sieben Routen serviert. Ich habe mir angesehen, woher diese Listen kommen, und bin dabei mehrfach auf dieselbe Quelle gestoßen: den Blog eines Ferienhausvermieters. Von dort wandert der Text weiter, von Seite zu Seite, ohne dass jemand die Zahlen nachprüft.
Das Ergebnis sind Angaben, die schlicht nicht stimmen. Eine Hütte, die angeblich höher liegt als der Gipfel, über den sie erreicht wird. Eine Hängebrücke, die um zwölf Meter zu niedrig angegeben wird. Und eine Tour, die als gemütlicher Tipp zwischen einem Baumwipfelpfad und einer Familienrunde steht, obwohl sie Klettersteigset, Gurt und Helm verlangt.
Deshalb habe ich jede der sieben Routen einzeln gegen die offizielle Wegdokumentation gestellt: Tourismusverband, Wegbetreiber, Hüttenwirt. Was dabei herauskam, ist unbequemer als die üblichen Listen, aber du kannst danach planen. Drei Routen sind wirklich ruhig. Drei sind ausgeschilderte Publikumsziele mit Kassenhäuschen. Und eine hat auf einer Geheimtipp-Liste nichts verloren.
Transparenz vorweg
Ich bin keine dieser sieben Routen selbst gegangen. Meine längste durchgehende Fernwanderung ist der Westweg im Schwarzwald, mein Hausweg ist der Rothaarsteig im Siegerland. Alles, was hier zu Länge, Höhenmetern, Schwierigkeit und Öffnungszeiten steht, stammt aus der offiziellen Wegdokumentation der jeweiligen Region und ist unten jeweils verlinkt.
Du findest deshalb in diesem Artikel keine erfundenen Erlebnisse und keine Zitate von Bergführern, die es nicht gibt. Meine eigene Einschätzung am Ende ist ausdrücklich als Recherchefazit gekennzeichnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Wirklich ruhig sind von den sieben nur die Grebenzen-Runde in der Steiermark und die Hörbrunn-Engelsberg-Runde in Tirol.
- Der Koppensteig bei Ehrwald ist die stille Variante in einer sehr bekannten Region, also ein halber Geheimtipp.
- Stuibenfall, Baumzipfelweg und WildeWasserWeg sind ausgeschilderte Attraktionen mit Eintritt oder Parkgebühr. Schön, aber nicht geheim.
- Der Saalfeldner Höhenweg ist keine Wanderung, sondern eine schwere Bergtour mit Klettersteigpassage.
- Der Alpinnotruf in Österreich ist die 140, nicht die Nummer eines Nationalparkbüros.
Was ein echter Geheimtipp ist und was nur so genannt wird
Bevor ich die Routen einzeln durchgehe, brauche ich einen Maßstab. Sonst ist am Ende alles ein Geheimtipp, was der Autor selbst noch nicht kannte. Ich habe vier Fragen angelegt, und wer bei zwei davon hängen bleibt, ist keiner:
- Kostet der Zugang Geld? Ein Drehkreuz oder ein kostenpflichtiger Parkplatz sind ein sicheres Zeichen dafür, dass genug Leute kommen, um die Kasse zu rechtfertigen.
- Hat das Ziel eine eigene Website? Wo eine Marketingabteilung sitzt, ist die Nachfrage längst da.
- Gibt es eine Auszeichnung? Preise werden vergeben, damit mehr Menschen kommen. Das ist legitim, aber es ist das Gegenteil von unentdeckt.
- Führt eine Bahn hin? Wo eine Seilbahn oder ein Shuttlebus fährt, teilst du den Weg mit allen, die nicht laufen wollten.
So sieht ein wirklich ruhiger Weg aus: Naturpfad bei Ebensee in Oberösterreich. Foto: Peter Lahnsteiner / Pexels
Nach diesem Maßstab fällt gut die Hälfte der üblichen Geheimtipp-Listen durch. Das macht die Wege nicht schlechter, aber es ändert deine Planung: Auf einem echten Geheimtipp brauchst du niemanden vor sieben Uhr morgens zu überholen, auf den anderen schon.
Die sieben Routen im Überblick
| Route | Region | Länge und Aufstieg | Anspruch | Geheimtipp? |
|---|---|---|---|---|
| Grebenzen-Runde | Steiermark, St. Lambrecht | 16,4 km, 949 hm | anspruchsvolle Tagestour | ja |
| Hörbrunn-Engelsberg-Runde | Tirol, Hopfgarten | 8,1 km, 256 hm | leicht, familientauglich | ja |
| Koppensteig zur Gamsalm | Tirol, Ehrwald | 5,9 km, 358 hm | mittel | halb |
| Stuibenfall | Tirol, Umhausen im Ötztal | 728 Stufen zur obersten Plattform | leicht bis mittel | nein |
| Baumzipfelweg | Salzburg, Saalbach-Hinterglemm | 1 km Steg, 2 km Zuweg | leicht | nein |
| WildeWasserWeg | Steiermark, Schladming | ab 5 km, 700 hm | mittel | nein |
| Saalfeldner Höhenweg | Salzburg, Steinernes Meer | 7,8 km, über 1.600 hm | schwer, Klettersteigpassage | nein, siehe Warnung |
1. Grebenzen-Runde bei St. Lambrecht: der ruhigste Gipfel der Liste
Die Grebenzen liegt im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen in der westlichen Steiermark, weit weg von den bekannten Tiroler und Salzburger Bergregionen. Genau das macht sie zum stärksten Kandidaten der ganzen Liste: keine Seilbahn auf den Gipfel, kein Eintritt, kein Drehkreuz.
Die klassische Runde startet in St. Lambrecht auf 1.040 Metern und führt über den Engelsbrunnen (1.167 m) und die Wallfahrtskirche Maria Schönanger (1.335 m) zum Grebenzenhaus auf 1.648 Metern. Von dort geht es auf den Gipfel der Grebenzen (1.870 m), danach hinunter zur Dreiwiesenhütte und zurück ins Tal. Laut der Tourenbeschreibung auf bergfex sind das 16,4 Kilometer, 949 Höhenmeter und rund 5 Stunden 10 Minuten, eingestuft als schwer.
Hier steckt der erste handfeste Fehler, den ich in mehreren Geheimtipp-Listen gefunden habe: Die Dreiwiesenhütte wird dort auf 1.892 Meter gesetzt. Das ist ungefähr die Höhe des Gipfels, nicht die der Hütte. Die Hütte selbst gibt 1.770 Meter an und liegt damit unterhalb des Gipfels, den du vorher überschreitest.
Öffnungszeiten der Dreiwiesenhütte
Weil die Frage oft gestellt wird und die Antwort selten irgendwo steht: Die Dreiwiesenhütte hat ab dem 1. Mai geöffnet, und zwar von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen von 9 bis etwa 20 Uhr. Warme Küche gibt es täglich von 11 bis 18 Uhr. Montag und Dienstag ist zu, und das ist der Punkt, an dem die Planung kippt, wenn du an einem Dienstag mit leerem Rucksack losgehst.
Die 949 Höhenmeter sind der Grund, warum ich die Runde trotz der ruhigen Lage nicht als Einsteigertour empfehle. Wenn du unsicher bist, ob das für dich passt, hilft dir mein Artikel dazu, was als Anfängerwanderung gilt.
2. Hörbrunn-Engelsberg-Runde bei Hopfgarten: leicht, kurz und tatsächlich unbekannt
Wenn du einen Geheimtipp suchst, der auch mit Kindern oder nach langer Pause funktioniert, ist das die Route der Liste. Sie startet an der Freizeitanlage Salvenaland in Hopfgarten im Brixental, führt entlang der Kelchsauer Ache zur Kirchenruine Hörbrunn und weiter durch den Wald zur Burgruine Engelsberg.
Die offiziellen Daten des Tourismusverbands Kitzbüheler Alpen nennen 8,1 Kilometer, 256 Höhenmeter im Aufstieg und 253 im Abstieg, höchster Punkt 800 Meter, Schwierigkeit leicht, Wegnummer 6. Damit ist die Runde nicht nur kurz, sondern auch fast flach, was für eine Tiroler Tour bemerkenswert ist. Die Details stehen in der Tourenbeschreibung der Kitzbüheler Alpen.
Auch hier eine Warnung vor dem, was im Netz kursiert: Zu den beiden Ruinen findest du in Listen ausführliche Geschichten mit Baujahren, Zerstörungsdaten, Brandspuren im Mauerwerk und geheimen Treppengängen. In der offiziellen Wegbeschreibung steht davon nichts. Ich habe diese Angaben nicht belegen können und lasse sie deshalb weg, statt sie weiterzureichen. Die Ruinen sind auch ohne erfundene Jahreszahlen einen Umweg wert.
3. Koppensteig zur Gamsalm bei Ehrwald: die stille Seite einer lauten Region
Die Tiroler Zugspitz Arena ist kein Geheimtipp, das muss man nicht schönreden. Der Koppensteig aber ist die Variante, auf der du deutlich weniger Leute triffst als auf dem Hauptweg zur Ehrwalder Alm, weil die meisten Gäste die Bahn nehmen.
Die Tour beginnt an der Talstation der Ehrwalder Almbahn und führt über den Koppensteig zur Bergstation des Sonnenhangliftes, danach über den Höhenweg an der Gamsalm vorbei und durch den Wald hinunter nach Ehrwald. Der offizielle Endpunkt ist das Hotel Diana Thörle, von dort bringt dich der Wanderbus zurück zur Talstation. Die Tiroler Zugspitz Arena gibt 5,9 Kilometer, 358 Höhenmeter, 2 Stunden 45 Minuten und einen höchsten Punkt von 1.377 Metern an, Schwierigkeit mittel.
Was du in kursierenden Fassungen findest, aber nirgends offiziell: eine Wegnummer 10, ein Busticket zu 8,50 Euro mit Bergbahnrabatt und ein Fotopunkt bei Kilometer 3,2. Preise und Fahrpläne ändern sich ohnehin jede Saison, frag im Zweifel direkt beim Tourismusverband nach.
4. Stuibenfall im Ötztal: großartig, aber sicher kein Geheimtipp
Der Stuibenfall bei Umhausen ist mit 159 Metern Fallhöhe der höchste Wasserfall Tirols, und er stürzt über zwei Stufen ins Tal. Über die Anlage führen 728 Stufen bis zur obersten Aussichtsplattform, insgesamt gibt es fünf Plattformen und eine rund 80 Meter lange Hängebrücke. Die durchschnittliche Wassermenge liegt bei etwa 610 Litern pro Sekunde, an Spitzentagen sind es bis zu 2.000.
Praktisch für Familien: Plattform 1 im Talboden ist barrierefrei und mit dem Kinderwagen erreichbar. Die Saison läuft von Mai bis Oktober, mittwochabends wird der Wasserfall beleuchtet. Der Klettersteig daneben hat die Schwierigkeit B/C bei rund 400 Klettermetern und endet über eine Seilbrücke. All das steht auf der offiziellen Seite zum Stuibenfall.
Genau diese Ausstattung ist aber die Antwort auf die Geheimtipp-Frage: kostenpflichtiger Parkplatz, Beleuchtungsabende, eigene Tourismus-Website, barrierefreier Zugang. Der Stuibenfall ist ein hervorragend erschlossenes Ausflugsziel. Wenn du ihn halbwegs für dich haben willst, geh im Mai oder im Oktober und starte früh am Morgen.
Zwei Angaben, die in Listen auftauchen und die ich nirgends bestätigt gefunden habe: eine sogenannte Ionenplattform als eigenes Bauwerk und Stege, die hinter dem fallenden Wasser entlangführen. Die offizielle Seite kennt beides nicht.
5. Baumzipfelweg und Golden Gate Bridge der Alpen in Saalbach
Hier steckt der Zahlenfehler, der sich am hartnäckigsten fortpflanzt. In vielen Texten liest du, die Hängebrücke sei 200 Meter lang und 30 Meter hoch. Richtig ist laut Betreiber: Die Golden Gate Bridge der Alpen ist 200 Meter lang und bis zu 42 Meter hoch. Die 30 Meter gehören zu etwas anderem, nämlich zum Baumzipfelweg selbst, der bis zu 30 Meter über dem Waldboden verläuft.
Der Baumzipfelweg ist rund einen Kilometer lang, davon 600 Meter als Wipfelweg. Bis zum Einstieg an der Lindlingalm läufst du etwa zwei Kilometer durch Wiesen und Wald, im Sommer fährt für den Rückweg der Talschlusszug.
Ein Bauwerk mit Eintritt, Spielstationen und Automatenbetrieb am Talschluss eines der bekanntesten Skigebiete Österreichs ist kein Geheimtipp. Als Familienausflug bei durchwachsenem Wetter ist der Weg trotzdem eine gute Wahl, nur eben keine einsame.
6. WildeWasserWeg in Schladming: ausgezeichnet, also per Definition nicht geheim
Der Themenweg Wilde Wasser führt vom Wanderportal Kraiter in Schladming ins Rohrmooser Untertal zu den Riesachfällen und weiter zum Riesachsee. Die Riesachfälle stürzen 140 Meter über zwei Stufen und sind damit der höchste Wasserfall der Steiermark. Über die Schlucht führt eine 50 Meter lange Hängebrücke, oben liegen die Gfölleralm und die Kaltenbachalm.
Die Auszeichnung, die überall zitiert wird, stimmt tatsächlich, wird aber meist falsch wiedergegeben. Der Weg trägt seit 2009 den Titel National Geographic Hiking Trail und war damit die erste Tour in ganz Österreich mit dieser Auszeichnung. Dazu kommen laut Auszeichnungsübersicht des Betreibers der Titel schönste zertifizierte Tour der Österreichischen Wanderdörfer 2012, eine HolidayCheck-Auszeichnung 2014 und die Ernennung Schladmings zur Steirischen Wassergemeinde 2023.
Und damit beantwortet sich die Geheimtipp-Frage von selbst. Ein Weg, den National Geographic seit siebzehn Jahren führt, ist vieles, aber nicht unentdeckt. Was mir an den kursierenden Fassungen zusätzlich aufgefallen ist: Dort ist von drei Fallstufen die Rede und von Rangerführungen durch den Nationalpark. Die Fälle haben zwei Stufen, und im Schladminger Untertal gibt es keinen Nationalpark.
7. Saalfeldner Höhenweg: die Route, die aus dieser Liste heraus gehört
Achtung: keine Wanderung, sondern eine schwere Bergtour
Der Saalfeldner Höhenweg im Steinernen Meer ist mit 7,8 Kilometern kurz, verlangt aber über 1.600 Höhenmeter und einen höchsten Punkt von 2.468 Metern. Die Tourenportale stufen ihn als schwer beziehungsweise T4 ein. Auf der Strecke liegen eine Klettersteigpassage an der Persailhorn-Südwand und ein Übergang zwischen den Gipfeln, der laut Beschreibung anspruchsvoll und nicht durchgehend gesichert ist.
Erforderlich sind Klettersteigset, Klettergurt und Helm, dazu Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ein Klettergurt allein, wie er in manchen Listen empfohlen wird, nützt dir an einer Drahtseilpassage nichts. Die Saison reicht etwa von Juni bis Oktober. Details in der Tourenbeschreibung auf bergwelten.com.
Stützpunkte sind die Peter-Wiechenthaler-Hütte auf 1.752 Metern und das Riemannhaus auf 2.177 Metern.
Warum ich diese Route trotzdem stehen lasse und nicht einfach streiche: Sie taucht in Geheimtipp-Listen für Wanderer auf, und dort richtet sie Schaden an. Wer die Angaben aus solchen Listen übernimmt, plant eine Tagestour im Wandertempo und steht dann vor einer ungesicherten Passage.
Dazu kommt eine geografische Verwechslung, die sich durch fast alle Fassungen zieht: Das Steinerne Meer liegt in den Berchtesgadener Alpen, nicht im Nationalpark Hohe Tauern. Wer sich auf diese falsche Zuordnung verlässt und die Telefonnummer eines Nationalparkbüros als Notfallkontakt notiert, hat im Ernstfall nichts in der Hand. Der Alpinnotruf in Österreich ist die 140, europaweit funktioniert zusätzlich die 112.
Wenn dich hochalpine Touren grundsätzlich reizen, ist das der richtige Einstieg ins Thema, aber über die passenden Artikel: Ich habe die Weitwanderwege der Alpen im Überblick zusammengestellt, dazu einen ausführlichen Artikel zur Alpenüberquerung E5 ohne Führung und zur Strecke des E5 selbst. Für die Dolomiten gibt es einen eigenen Artikel zum Dolomiten-Fernwanderweg.
Wann es auch auf den bekannten Routen leer ist
Drei der sieben Routen sind Publikumsziele. Das heißt nicht, dass du sie meiden musst, sondern dass der Zeitpunkt über das Erlebnis entscheidet. Diese Fenster funktionieren:
| Zeitfenster | Was es bringt | Worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Vor 9 Uhr morgens | Der stärkste Hebel überhaupt, Tagesgäste und Busgruppen kommen später | Hütten haben oft erst ab 9 Uhr geöffnet, Verpflegung selbst mitnehmen |
| Dienstag bis Donnerstag | Deutlich weniger los als am Wochenende | Manche Hütten haben genau an diesen Tagen Ruhetag, vorher prüfen |
| Mai und Anfang Juni | Alles grün, Wege frei, kaum Betrieb | In Höhenlagen können noch Schneefelder liegen, Wetter wechselhaft |
| Ende September bis Oktober | Stabile Wetterlagen, klare Fernsicht, Herbstfarben | Saisonende, Bergbahnen und Almen schließen teils Mitte Oktober |
Die Hüttenöffnungszeiten sind dabei der Punkt, an dem die meisten Planungen scheitern. Bei der Dreiwiesenhütte sind es Montag und Dienstag, bei anderen Almen andere Tage. Ein Anruf vorher spart dir den Rückweg mit knurrendem Magen.
Ausrüstung: was auf diesen Routen wirklich zählt
Sechs der sieben Routen sind normale Wanderungen, für die du keine Spezialausrüstung brauchst. Drei Dinge machen trotzdem den Unterschied, und sie sind auf allen sieben gleich:
- Schuhe mit Profil. Auf den Stufenanlagen am Stuibenfall und auf den Stahlgittern der Hängebrücken wird es bei Gischt und Nässe rutschig. Welche Modelle wofür taugen, habe ich in meinem Artikel zu den besten Wanderschuhen aufgeschrieben.
- Eine Regenjacke, die den Namen verdient. Im Gebirge dreht das Wetter schneller als im Mittelgebirge. Worauf es bei der Regenjacke zum Wandern ankommt, steht ebenfalls hier im Blog.
- Ein Rucksack in der richtigen Größe. Für alle sieben Routen reicht ein Tagesrucksack, du brauchst nichts Großes. Zur passenden Größe eines Tagesrucksacks gibt es einen eigenen Artikel.
Für den Saalfeldner Höhenweg gilt das alles nicht. Dort brauchst du Klettersteigset, Gurt und Helm, und wenn dir diese Ausrüstung nicht vertraut ist, ist die Tour nicht die richtige.
Meine Einschätzung nach der Recherche
Wenn ich diese sieben Routen für mich sortiere, bleiben zwei übrig, die ich ohne Einschränkung als Geheimtipp bezeichnen würde: die Hörbrunn-Engelsberg-Runde als leichte Halbtagestour und die Grebenzen-Runde für einen ganzen Tag mit Gipfel. Beide liegen in Regionen, die im Sommer nicht auf jeder Titelseite stehen, beide kosten keinen Eintritt, und bei beiden entscheidet nicht der Andrang über den Tag, sondern das Wetter.
Stuibenfall, Baumzipfelweg und WildeWasserWeg würde ich anders einordnen, nämlich als das, was sie sind: sehr gut gemachte Ausflugsziele. Ich würde sie besuchen, aber ich würde niemandem erzählen, er habe dort etwas Unentdecktes gefunden. Der Unterschied ist nicht kosmetisch, er entscheidet darüber, ob du mit den richtigen Erwartungen ankommst.
Beim Saalfeldner Höhenweg bin ich deutlicher: Der gehört aus jeder Liste heraus, die sich an Wanderer richtet. Nicht weil die Tour schlecht wäre, sondern weil die Einordnung falsch ist. Eine T4-Route mit ungesicherten Passagen neben einem Baumwipfelpfad zu listen, ist der Fehler, an dem am Ende jemand hängt, der sich auf die Liste verlassen hat.
Häufige Fragen zum Wandern abseits der Hauptwege in Österreich
Was ist der beste Geheimtipp zum Wandern in Österreich?
Von den sieben geprüften Routen ist die Hörbrunn-Engelsberg-Runde bei Hopfgarten der beste Einstieg: 8,1 Kilometer, nur 256 Höhenmeter, offiziell als leicht eingestuft und trotzdem kaum bekannt. Wer einen richtigen Gipfeltag will, nimmt die Grebenzen-Runde bei St. Lambrecht mit 16,4 Kilometern und 949 Höhenmetern.
Wo kann man in Österreich wandern, ohne vielen Menschen zu begegnen?
Am zuverlässigsten in Regionen ohne großes Skigebiet und ohne Seilbahn zum Gipfel, etwa im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen in der westlichen Steiermark. Auf bekannteren Wegen hilft der Zeitpunkt mehr als die Wegwahl: vor 9 Uhr morgens, Dienstag bis Donnerstag, und außerhalb von Juli und August.
Wann hat die Dreiwiesenhütte auf der Grebenzen geöffnet?
Die Dreiwiesenhütte auf 1.770 Metern öffnet ab dem 1. Mai und hat von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen von 9 bis etwa 20 Uhr geöffnet. Warme Küche gibt es täglich von 11 bis 18 Uhr. Montag und Dienstag ist Ruhetag.
Ist der Stuibenfall im Ötztal ein Geheimtipp?
Nein. Der Stuibenfall ist mit 159 Metern der höchste Wasserfall Tirols, hat eine erschlossene Stufenanlage mit 728 Stufen, fünf Aussichtsplattformen, einen kostenpflichtigen Parkplatz und mittwochabends eine Beleuchtung. Das ist ein sehr gut ausgebautes Ausflugsziel, aber kein unentdeckter Ort.
Wie hoch ist die Golden Gate Bridge der Alpen in Saalbach?
Die Hängebrücke ist 200 Meter lang und bis zu 42 Meter hoch. Die häufig genannten 30 Meter beziehen sich nicht auf die Brücke, sondern auf den anschließenden Baumzipfelweg, der bis zu 30 Meter über dem Waldboden verläuft.
Welche der Routen eignet sich für Familien mit Kindern?
Die Hörbrunn-Engelsberg-Runde mit 256 Höhenmetern und Start an der Freizeitanlage Salvenaland, außerdem der Baumzipfelweg in Saalbach. Am Stuibenfall ist die unterste Plattform im Talboden barrierefrei und mit dem Kinderwagen erreichbar, die 728 Stufen nach oben sind es nicht.
Ist der Saalfeldner Höhenweg für normale Wanderer machbar?
Nein. Die Route wird als schwer beziehungsweise T4 eingestuft, verlangt über 1.600 Höhenmeter auf 7,8 Kilometern, führt über eine Klettersteigpassage und ist zwischen den Gipfeln nicht durchgehend gesichert. Voraussetzung sind Klettersteigset, Gurt, Helm sowie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Welche Notrufnummer gilt beim Wandern in Österreich?
Der Alpinnotruf lautet 140 und führt direkt zur Bergrettung. Zusätzlich funktioniert der europaweite Notruf 112. Nummern von Nationalparkverwaltungen oder Tourismusbüros sind keine Notrufnummern, auch wenn sie in manchen Tourenbeschreibungen so genannt werden.
Wie es nach Österreich weitergeht
Wenn dich das Prinzip überzeugt, erst die Wegdaten prüfen und dann planen, findest du dasselbe Vorgehen in meinen anderen Artikeln. Für Deutschland habe ich es im Überblicksartikel zum Wandern in Deutschland und beim Schluchtensteig im Schwarzwald gemacht, wo ich ebenfalls eine sicherheitsrelevante Fehleinstufung gefunden habe. Wer über Österreich hinausdenkt, findet in meinem Artikel zu den schönsten Fernwanderwegen Europas die längeren Ziele.

