Der Schluchtensteig ist ein 119 Kilometer langer Fernwanderweg durch den Naturpark Südschwarzwald, von Stühlingen nach Wehr in sechs Etappen. Er verbindet sieben Schluchten, darunter die Wutachschlucht und die Wehraschlucht, und gilt als anspruchsvoll: Der Wegbetreiber setzt Trittsicherheit und weitgehende Schwindelfreiheit voraus. Höchster Punkt ist das Krummenkreuz auf 1.148 Metern.
Genau an dieser Einstufung scheitern die meisten Beschreibungen. Der Schluchtensteig wird gern als romantischer Waldweg verkauft, tatsächlich führt über zwei Drittel der Strecke über schmale Pfade, teils an Felskanten entlang. Dieser Artikel beantwortet deshalb zuerst die Frage, die vor der Buchung steht: Wie gefährlich ist der Weg wirklich, und für wen ist er nichts?
Aktualisiert Lotenbachklamm gesperrt, Hummelsteg bei Wehr umgeleitet, Etappendaten geprüft.
Transparenz vorweg
Ich bin den Schluchtensteig nicht gegangen. Meine längste durchgehende Fernwanderung im Schwarzwald ist der Westweg, mein Hausweg ist der Rothaarsteig im Siegerland. Alles, was hier zu Strecke, Schwierigkeit und Sperrungen steht, stammt deshalb aus der offiziellen Wegdokumentation und aus Berichten von Leuten, die dort waren. Wo ich Wanderer zitiere, nenne ich die Quelle.
Meine eigene Einschätzung am Ende ist als Recherchefazit gekennzeichnet, nicht als Erlebnisbericht.
Das Wichtigste in Kürze
- Länge: 119 Kilometer von Stühlingen nach Wehr, üblich in sechs Etappen von 19 bis 23 Kilometern.
- Höhenmeter: rund 3.180 Meter im Aufstieg und 3.290 Meter im Abstieg, zusammen also über 6.400.
- Höchster Punkt: Krummenkreuz mit 1.148 Metern, zweithöchster der Bildstein mit 1.134 Metern. Tiefster Punkt ist Wehr mit 350 Metern.
- Schwierigkeit: mittel bis schwer. Trittsicherheit ist Pflicht, Schwindelfreiheit an mehreren Stellen nötig.
- Die eine echte Schlüsselstelle: eine rund acht Meter hohe, sehr steile Leiter an den Schleifenbachfällen auf Etappe 2. Dafür gibt es eine offizielle Umgehung.
- Saison: Anfang Mai bis Ende Oktober. Von November bis April rät der Betreiber wegen Steinschlag, Totholz und vereister Steige ausdrücklich ab.
- Auszeichnungen: Deutschlands Schönster Weitwanderweg 2011, Qualitätsweg Wanderbares Deutschland, seit 2012 bei den Top Trails of Germany.
- Aktuell: die Lotenbachklamm ist die gesamte Wandersaison 2026 gesperrt.
Wie gefährlich ist der Schluchtensteig wirklich?
Der Schluchtensteig ist bei trockenem Wetter für trittsichere Wanderer gut machbar, aber er ist kein Spazierweg. Die Gefahr geht nicht von Absturzstellen im alpinen Sinn aus, sondern von drei nüchternen Dingen: rutschigen Naturwegen, langen Tagesetappen und einer Leiter, die manche Leute erst sehen, wenn sie davor stehen.
Der Wegbetreiber formuliert es selbst deutlich: Rund 45 Prozent der Strecke verlaufen auf naturbelassenen Wegen, über zwei Drittel auf schmalen Pfaden. Wer damit rechnet, sechs Tage lang breite Forstwege zu bekommen, hat den Weg falsch eingeschätzt.
Die Schlüsselstelle: acht Meter Leiter an den Schleifenbachfällen
Zu Beginn von Etappe 2 bei Blumberg führt eine rund acht Meter hohe und sehr steile Leiter hinunter in die kleine Schleifenbachschlucht zu den drei Wasserfällen. Laut Schluchtensteig.de ist das die einzige Stelle, an der auch vorsichtige Wanderer ohne Schwindelfreiheit an ihre Grenze kommen. Alles andere lässt sich mit Sorgfalt gehen.
Es gibt eine ausgeschilderte Umgehung, und sie ist kein Notbehelf: In Blumberg gehst du ein kurzes Stück auf dem Schluchtensteig zurück Richtung Buchberg, biegst in die Friedhofstraße ein, dann rechts in die Straße „Im Winkel“, weiter bis ans Ende der Feldbergstraße und von dort hinunter zum Waldrand. Unterhalb stößt der Schluchtensteig von den Schleifenbachfällen wieder von rechts dazu.
So sieht die Situation an einem Leiternabstieg in eine enge Schlucht aus. Am Schluchtensteig ist die Leiter an den Schleifenbachfällen rund acht Meter hoch und die einzige Stelle mit offizieller Umgehung. Symbolbild, KI-generiert.
Wo du Schwindelfreiheit brauchst, Etappe für Etappe
Nicht der ganze Weg ist ausgesetzt. Der Betreiber benennt die kritischen Abschnitte einzeln, und drei der sechs Etappen sind in dieser Hinsicht unauffällig:
| Etappe | Kritische Stelle | Wie gesichert |
|---|---|---|
| 1 Stühlingen bis Blumberg | keine nennenswerte | unkritisch |
| 2 Blumberg bis Schattenmühle | 8-Meter-Leiter Schleifenbachfälle, danach Wutachschlucht mit Wegabbrüchen | Leiter mit Umgehung, Schluchtabschnitte durchgehend gesichert |
| 3 Schattenmühle bis Schluchsee | Hängender Steg an der Felswand in der Haslachschlucht | breit genug, mit Geländer gesichert |
| 4 Schluchsee bis St. Blasien | keine nennenswerte | unkritisch |
| 5 St. Blasien bis Todtmoos | keine nennenswerte | unkritisch |
| 6 Todtmoos bis Wehr | Felsquerung am Hirschfelsen in der Wehraschlucht | Drahtseil auf der Bergseite, breit genug |
In der Wutachschlucht kommen außerdem zwei Treppen mit Maschendrahtgitter, durch die man hindurchsehen kann. Für Menschen ist das unproblematisch, für Hunde nicht immer, dazu weiter unten mehr.
Die Gefahren, die unterschätzt werden
Die spektakulären Stellen sind gesichert. Die Probleme entstehen woanders:
- Nässe. Nach längerem Regen werden die Naturwege schlammig und rutschig. Die Schluchten trocknen kaum ab, weil sie schattig sind.
- Steinschlag und Totholz. In den Bannwaldbereichen bleiben umgestürzte Bäume liegen. Lose Felsen und herabfallende Äste sind ein realer Faktor, kein Kleingedrucktes.
- Kein Handyempfang. Innerhalb der Schluchten gibt es teils eingeschränkten oder gar keinen Mobilfunkempfang. Der Notruf 112 funktioniert meist trotzdem, weil er sich in jedes verfügbare Netz einbucht. Die Strecke ist zusätzlich in Rettungssektoren eingeteilt, du solltest deinen Standort also grob benennen können.
- Kondition. Sechs Tage hintereinander 19 bis 23 Kilometer mit 400 bis 700 Höhenmetern sind für Gelegenheitswanderer der eigentliche Knackpunkt. Wer das vorher nie gemacht hat, unterschätzt vor allem Tag vier und fünf. Zum Aufbau habe ich meine Erfahrungen mit dem Training für lange Marschdistanzen aufgeschrieben.
- Winter. Von November bis Anfang Mai rät der Wegbetreiber ausdrücklich ab. Die schmalen Steige werden bei Frost zu Eisflächen.
Wie schwierig ist der Schluchtensteig im Vergleich?
Der Schluchtensteig liegt in der Schwierigkeit zwischen einem guten Mittelgebirgsweg und einer leichten Alpentour. Er ist deutlich anspruchsvoller als der Rothaarsteig, aber technisch klar einfacher als jede Alpenüberquerung, weil es keine hochalpinen Passagen, keine Gletschernähe und keine Übernachtung auf 2.500 Metern gibt.
Der Unterschied liegt in der Art der Belastung. Auf dem Westweg gehst du viel über Kammlagen mit langen, gleichmäßigen Anstiegen. Der Schluchtensteig macht das Gegenteil: Er steigt in eine Schlucht ab und wieder heraus, immer wieder, auf engen Pfaden mit Wurzeln und Stufen. Das kostet mehr Konzentration und ist für die Knie unangenehmer, als die reinen Höhenmeter vermuten lassen.
Karte: die sechs Etappen des Schluchtensteigs im Überblick
Die klassische Einteilung geht von Stühlingen nach Wehr. Die Zahlen stammen aus der Etappenübersicht von ASI Reisen und decken sich mit den Angaben des Wegbetreibers:
Die Karte zeigt den kompletten Streckenverlauf. Ich habe sie selbst aus OpenStreetMap-Daten gezeichnet, weil es keine frei nutzbare Etappenkarte des Schluchtensteigs gibt. Jede Etappe hat eine eigene Farbe, die Nummern sitzen an den Etappenorten, Etappe 1 startet rechts in Stühlingen.
Die sechs Etappen des Schluchtensteigs von Stühlingen nach Wehr, dazu der Schluchsee zur Orientierung. Eigene Zeichnung, Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL).
| Etappe | Strecke | Länge | Aufstieg | Abstieg | Gehzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Stühlingen bis Blumberg | 19 km | 505 m | 265 m | 6 Std. |
| 2 | Blumberg bis Schattenmühle | 20 km | 415 m | 460 m | 7 Std. |
| 3 | Schattenmühle bis Schluchsee | 19 km | 700 m | 315 m | 6 Std. |
| 4 | Schluchsee bis St. Blasien | 20 km | 385 m | 670 m | 7 Std. |
| 5 | St. Blasien bis Todtmoos | 19 km | 590 m | 540 m | 6 Std. |
| 6 | Todtmoos bis Wehr | 23 km | 485 m | 935 m | 8 Std. |
Etappe 6 ist mit 23 Kilometern und 935 Metern Abstieg die längste und für die Knie die härteste. Wer sich die letzte Etappe leichter machen will, teilt sie am Wehrastausee.
Markiert ist der Weg mit der grünen Schluchtensteig-Raute, und zwar in beide Richtungen. Du kannst also auch von Wehr nach Stühlingen gehen, dann hast du den langen Abstieg am Anfang statt am Ende.
Welche Etappe des Schluchtensteigs ist die schönste?
Als schönste Etappe gilt überwiegend Etappe 2 von Blumberg zur Schattenmühle, weil sie durch die Wutachflühen und die Wutachschlucht führt. Das ist zugleich die Etappe mit der Leiter, also die anspruchsvollste des Weges.
Sinnvoller als eine einzelne Antwort ist die Auswahl nach dem, was du sehen willst:
- Für Schluchten und Wasser: Etappe 2, Blumberg bis Schattenmühle. Die Wutachschlucht ist das bekannteste Stück des ganzen Weges.
- Für Abwechslung: Etappe 3, Schattenmühle bis Schluchsee, mit der Haslachschlucht und dem Wechsel von enger Schlucht zu offener Hochfläche.
- Für Wildromantik und Felsen: Etappe 6, Todtmoos bis Wehr, durch die Wehraschlucht mit bis zu 200 Meter hohen Felswänden, dem Hirschfelsen und dem Pfeiferskopf.
- Für Kultur unterwegs: Etappe 4, weil sie in St. Blasien endet.
Der Schluchtensteig ist nicht durchgehend eng: Auf Etappe 5 führt er über die offenen Hochflächen des Hotzenwalds. Symbolbild, KI-generiert.
Was 2026 gesperrt ist
Dieser Abschnitt ist der Grund, warum du dich nicht auf ältere Wegbeschreibungen verlassen solltest. Stand August 2026 gilt:
- Lotenbachklamm: die komplette Wandersaison 2026 gesperrt. Ein Erdrutsch hat eine instabile Felskante hinterlassen, es besteht Lebensgefahr. Der oberhalb verlaufende Müllerpfad ist ebenfalls nicht begehbar. Die Klamm ist kein offizieller Teil des Schluchtensteigs, aber der übliche Zuweg zwischen Etappe 2 und 3. Ausweichen kannst du über die blaue Raute nach Bonndorf, das sind 3,5 Kilometer, oder du gehst zur Schattenmühle und nimmst ein Taxi. Denk daran, dass dort kaum Empfang ist, also vorher bestellen. Neu bewertet wird die Lage im Frühjahr 2027.
- Hummelsteg bei Wehr gesperrt. Die Fußgängerbrücke nördlich des Schwimmbads ist nicht standsicher, die Dauer ist offen. Der Schwarzwaldverein Wehr hat eine Umleitung markiert: rechts der Staumauer entlang, dann auf dem Asphaltweg an der Wehra vorbei an der ehemaligen Irisette-Fabrik, danach links zurück auf den markierten Weg. Die Etappenlänge ändert sich dadurch nicht.
- Windbergschlucht: Die drei oberen Wanderbrücken werden saniert, geplant ab etwa 20. Juli 2026 für bis zu fünf Werktage. Der Wasserfall bleibt von Norden erreichbar.
Die aktuellen Wegmeldungen stehen beim Betreiber unter Aktuelle Weginfos. Das ist der einzige Stand, auf den du dich verlassen solltest, und zwar am Abend vor jeder Etappe.
Schluchtensteig mit Hund: geht das?
Ja, der Schluchtensteig ist mit Hund begehbar, es gilt allerdings auf der gesamten Strecke Anleinpflicht. Zwei Stellen sind das Problem, und beide sind gut dokumentiert.
Die Leiter an der Schleifenbachschlucht. Bei großen oder schweren Hunden führt kein Weg daran vorbei, sie zu tragen oder die Umgehung zu nehmen. Im Forum von outdoorseiten.net beschreibt Nutzer „uli.g.“ das Problem mit seinem 42 Kilogramm schweren Hund so: „42kg Hund über eine Leiter zu tragen, ist nicht ganz witzig.“ Er hat sich für die Umgehung entschieden. Nutzer „Byrnisson“, der mit zwei Hunden unterwegs war, sieht das Tragen als einzige Option und rät vom seitlichen Trampelpfad ab: „Ist einfach zu steil, zu rutschig und der Bewuchs ist zu dicht.“
Die Gittertreppen in der Wutachschlucht. Zwei Treppen mit Maschendrahtgitter, durch das die Hunde nach unten sehen. Viele Tiere zögern dort. Nutzer „Polte“ warnt grundsätzlich vor der Leiter und sorgt sich um verletzte Pfoten auf dem Gitter, während „MMueller“ entspannter urteilt: „Gitter sind gar nicht so schlimm wie wir meinen.“ Er empfiehlt ein Geschirr mit Seilsicherung für die steilen Abstiege.
Praktischer Hinweis nebenbei: Hunde sind nicht von der KONUS-Gästekarte abgedeckt, für größere Tiere brauchst du im Bus einen Kinderfahrschein.
Übernachtung, Gepäcktransport und Zelten
Der Schluchtensteig ist kein Hüttenweg. Übernachtet wird in Gasthöfen, Pensionen und Hotels in den Etappenorten Blumberg, Schattenmühle oder Löffingen, Schluchsee-Fischbach, St. Blasien und Todtmoos. Der Betreiber empfiehlt, etwa eine Woche vorher zu reservieren und jeweils am Etappenziel zu schlafen, statt von einer festen Unterkunft aus zu pendeln.
Gepäcktransport gibt es: entweder individuell über einen Anbieter für Schwarzwald-Gepäcktransport oder als Pauschalpaket „Wandern ohne Gepäck“. Wer ohne Transfer geht, kommt mit einem Rucksack um die 30 bis 40 Liter aus, siehe dazu meine Übersicht zum Wanderrucksack für Mehrtagestouren.
Wild zelten ist in Baden-Württemberg nicht erlaubt. Es gibt aber Trekking-Camps und One-Night-Camps in der Region sowie klassische Campingplätze, wenn du mit Zelt unterwegs sein willst.
Kann man den Schluchtensteig als Rundtour gehen?
Als Ganzes nicht, der Weg ist eine Strecke von Stühlingen nach Wehr. Der Betreiber empfiehlt Wanderern, die keine sechs Tage am Stück haben, sogar ausdrücklich, statt einzelner Etappen lieber auf Rundtouren in der Region auszuweichen, weil An- und Abreise sonst mehr Zeit kosten als das Wandern selbst.
Für eine Tagestour eignet sich die Wutachschlucht am besten, die lässt sich gut als Runde gehen. Praktisch: Mit der KONUS-Gästekarte fährst du Busse und Nahverkehrszüge in der Ferienregion Schwarzwald kostenlos, ausgenommen die Stadt Stühlingen. Für eine solche Tagestour reicht ein Tagesrucksack mit 20 bis 25 Litern.
Ausrüstung für den Schluchtensteig
Die Ausrüstungsfrage entscheidet sich hier an zwei Punkten: Profil und Regenschutz. Beides, weil die Wege naturbelassen und die Schluchten feucht sind.
| Was | Empfehlung | Warum gerade hier |
|---|---|---|
| Schuhe | knöchelhoch, griffiges Profil | Wurzeln, nasser Fels, Gitterstufen |
| Regenschutz | Hardshell, nicht nur Windjacke | Schluchten trocknen kaum ab |
| Stöcke | Teleskopstöcke | 935 Höhenmeter Abstieg allein auf Etappe 6 |
| Rucksack | 30 bis 40 Liter ohne Gepäcktransport | sechs Tage Wechselkleidung |
| Wasser | mindestens 1,5 Liter pro Etappe | lange Abschnitte ohne Einkehr |
| Karte | Papierkarte oder Offline-Karte | kein Empfang in den Schluchten |
Zu Schuhen und Jacke habe ich jeweils eine ausführliche Übersicht: Wanderschuhe und Regenjacke zum Wandern.
Was wirklich am Weg liegt
Der Schluchtensteig führt nicht am Uhrenmuseum in Furtwangen oder am Vogtsbauernhof in Gutach vorbei, die liegen im Mittleren Schwarzwald, 30 bis 50 Kilometer neben der Route. Was tatsächlich am Weg liegt:
- Wutachflühen und Wutachschlucht auf Etappe 2. Das Naturschutzgebiet besteht seit 1939 und ist eines der ältesten in Baden-Württemberg. Laut der Ferienregion Wutachschlucht leben hier über 500 Schmetterlingsarten und mehr als 1.000 Käferarten, dazu rund 1.200 Pflanzenarten auf engem Raum.
- Schleifenbachfälle bei Blumberg, drei Wasserfälle am Fuß der Leiter.
- Haslachschlucht mit dem hängenden Steg an der Felswand, Etappe 3.
- Schluchsee, der größte See des Schwarzwaldes, Ende von Etappe 3.
- Windbergwasserfall auf Etappe 4.
- Dom St. Blasien, die einzige echte Sehenswürdigkeit direkt am Weg. Die Kuppel gehört zu den größten in Europa.
- Hochflächen des Hotzenwalds auf Etappe 5, der offene Gegenpol zu den Schluchten.
- Wehraschlucht mit Hirschfelsen, Pfeiferskopf, den Alpenblicken von der Mettlerhütte und der Staumauer des Wehrastausees.
- Bildstein auf 1.134 Metern, zweithöchster Punkt des Weges, mit Blick bis zu den Schweizer Alpen.
- Altes und Neues Schloss im Schlosspark von Wehr, das Ziel der letzten Etappe.
Wildtiere siehst du mit etwas Glück tatsächlich. Gämsen kommen in den felsigen Seitentälern des Hochrheins vor, also im Wehra-, Schwarza-, Schlücht- und Steinatal, und damit genau im Gelände des Schluchtensteigs. Der Sommerbestand im Landkreis Waldshut wird laut Jägervereinigung auf 180 bis 200 Tiere geschätzt.
Meine Einschätzung nach der Recherche
Ich halte den Schluchtensteig für den Weg, bei dem die Selbsteinschätzung am häufigsten danebenliegt. Nicht weil er besonders gefährlich wäre, sondern weil der Name harmlos klingt und die Bilder nach Waldspaziergang aussehen. Sechs Tage mit 19 bis 23 Kilometern auf schmalen Pfaden sind etwas anderes als sechs Tagestouren.
Wenn ich ihn selbst planen würde, würde ich zwei Dinge anders machen als die Standardbeschreibung: Ich würde sieben statt sechs Tage ansetzen und Etappe 6 am Wehrastausee teilen, weil 935 Meter Abstieg am letzten Tag auf müde Knie treffen. Und ich würde die Leiter an den Schleifenbachfällen nicht zum Prüfstein erklären. Die Umgehung ist offiziell ausgeschildert, sie kostet zwanzig Minuten, und niemand vergibt Punkte fürs Durchhalten.
Was ich dagegen nicht relativieren würde: die Sperrung der Lotenbachklamm. Eine instabile Felskante ist kein Formalismus.
Häufige Fragen zum Schluchtensteig
Wie gefährlich ist der Schluchtensteig?
Bei trockenem Wetter zwischen Mai und Oktober ist er für trittsichere Wanderer nicht außergewöhnlich gefährlich, aber anspruchsvoll. Die einzige Stelle, an der Schwindelfreiheit wirklich nötig ist, ist die rund acht Meter hohe Leiter an den Schleifenbachfällen auf Etappe 2, und die lässt sich offiziell umgehen. Die häufigeren Risiken sind rutschige Naturwege nach Regen, Steinschlag und Totholz in den Bannwaldbereichen sowie fehlender Handyempfang in den Schluchten.
Wie lang ist der Schluchtensteig und wie viele Etappen hat er?
Der Schluchtensteig ist 119 Kilometer lang und wird üblicherweise in sechs Etappen zwischen 19 und 23 Kilometern gegangen. Insgesamt sind rund 3.180 Höhenmeter im Aufstieg und 3.290 im Abstieg zu bewältigen, zusammen also über 6.400.
Welche Etappe des Schluchtensteigs ist die schönste?
Meist wird Etappe 2 von Blumberg zur Schattenmühle genannt, weil sie durch die Wutachflühen und die Wutachschlucht führt. Sie ist zugleich die anspruchsvollste. Für Wasserfälle und hohe Felswände ist Etappe 6 durch die Wehraschlucht die Alternative.
Kann man den Schluchtensteig mit Hund gehen?
Ja, mit Anleinpflicht auf der gesamten Strecke. Zwei Stellen sind kritisch: der acht Meter hohe Leiternabstieg an der Schleifenbachschlucht, bei dem große Hunde getragen werden müssen oder die Umgehung nötig ist, und zwei Gittertreppen in der Wutachschlucht, vor denen viele Hunde zögern.
Wann ist die beste Zeit für den Schluchtensteig?
Anfang Mai bis Ende Oktober. Von November bis April rät der Wegbetreiber wegen umgestürzter Bäume, Steinschlag und vereister Steige ausdrücklich ab. Im Hochsommer sind die Schluchten angenehm kühl und schattig.
Was ist der höchste Punkt des Schluchtensteigs?
Das Krummenkreuz mit 1.148 Metern. Zweithöchster Punkt ist der Bildstein mit 1.134 Metern, von dem der Blick bis zu den Schweizer Alpen reicht. Tiefster Punkt ist Wehr mit 350 Metern.
Gibt es eine Karte des Schluchtensteigs?
Ja. Die offizielle Wanderkarte gibt es beim Wegbetreiber gedruckt im Maßstab 1:25.000, wetter- und reißfest. Eine Übersicht des Streckenverlaufs mit allen sechs Etappen findest du oben in diesem Artikel als Karte, gezeichnet aus OpenStreetMap-Daten. Für unterwegs solltest du zusätzlich eine Offline-Karte auf dem Handy haben, weil in den Schluchten der Empfang fehlt.
Ist auf dem Schluchtensteig 2026 etwas gesperrt?
Ja. Die Lotenbachklamm, der übliche Zuweg zwischen Etappe 2 und 3, ist wegen eines Erdrutsches die gesamte Wandersaison 2026 gesperrt, ebenso der Müllerpfad darüber. Zusätzlich ist der Hummelsteg bei Wehr auf Etappe 6 gesperrt, dort gibt es eine markierte Umleitung ohne Mehrlänge.
Kann man den Schluchtensteig ohne Gepäck wandern?
Ja. Es gibt individuellen Gepäcktransfer über einen regionalen Anbieter sowie Pauschalpakete mit Gepäcktransport zwischen den Etappenorten. Ohne Transfer solltest du einen Rucksack mit 30 bis 40 Litern einplanen.
Wenn du nach dem Schluchtensteig Lust auf mehr bekommst, findest du in meiner Übersicht zum Wandern in Deutschland die weiteren Fernwanderwege, und in der Liste der schönsten Fernwanderwege Europas die nächste Stufe.


